Walter_E_Schön
Aktives Mitglied
Re: Das „Ding vor dem Objektiv“ bestimmt die HWB
Hallo Rajiva,
wir kommen der Sache allmählich näher. An meinem Beispiel mit den hintereinandergeschalteten Sieben oder den aufeinanderfolgenden Türen haben wir gesehen, daß das Sieb (nicht der Sieb) mit den engsten Maschen bzw. die kleinste Tür bestimmt, was maximal durchgeht. Mit den Filtern ist das nicht anders. Nur hat nicht das 2-A- oder 1,5-A-Filter vor dem Okular „die engsten Maschen“ (also die kleinste Halbwertsbreite), sondern „das Ding vor dem Objektiv“. Das hat bei Coronado nämlich die Halbwertbreite von nur 0,7A oder 0,5A.
Das mit den Peaks (nicht Peeks) ist so: Ein Interferenzfilter läßt, abhängig von der Dicke der wirksamen Trennschicht und deren Brechungsindex, nicht nur eine einzige Wellenlänge (zuzüglich eines kleinen, durch die Halbwertsbreite ausgedrückten Toleranzbereichs) durch, sondern mehrere, die sich durch ganzzahlige Verhältnisse ausdrücken lassen. Das ist wie in der Akustik beim Anblasen einer Orgelpfeife oder Anschlagen oder Streichen einer Saite: Es entsteht als sog. Grundton eine Welle derart, daß sich z.B. an den Enden der eingespannten Saite Schwingungsknoten und dazwischen der Schwingungsbauch bilden. Die Wellenlänge (im Material, aus dem Saite besteht, z.B. Stahl) ist also die doppelte Länge der Saite. Nun entstehen aber auch die sog. Obertöne, die dem Klang (= physiologische Gesamtwirkung des Grundtons mit allen Obertönen) seine instrumententypische Klangfarbe geben. Der 1. Oberton (auch 1. Harmonische genannt) hat die doppelte Frequenz bzw. halbe Wellenlänge des Grundtons, der 2. Oberton (2. Harmonische) hat die dreifache Frequenz bzw. ein Drittel der Wellenlänge des Grundtons usw. Die Saite bildet also auch kürzere Wellen aus, bei denen aber immer an den Enden der Saite Schwingungsknoten liegen (weil die Saite dort eingespannt ist und sich deshalb dort nicht bewegen kann).
Nicht anders ist es beim Interferenzfilter. Wenn das Produkt aus Dicke seiner Trennschicht(en) und dem Brechungsindex den Wert 656,28 nm hat, dann wird quasi als „Grundton“ die doppelte Wellenlänge 1312,56 nm durchgelassen, als „1. Oberwelle” der besagte H-alpha-Wert 656,28 nm, als „2. Oberwelle“ die auch noch im sichtbaren Bereich liegende Wellenlänge 437,52 nm, als „3. Oberwelle“ die schon nicht mehr sichtbare UV-Wellenlänge 328,14 nm usw. Die Transmissionskurve verläuft also fast überall nahe Null, aber hat bei den genannten und weiteren „Oberwellen“ nach oben ragende Spitzen (engl. „peak“, daher die Schreibung mit ea, das engl. Wort „peek“ bedeutet Piepsen), also von lang- nach kurzwellig bei 1312,56 nm, bei 656,26 nm, bei 437,52 nm, bei 328,14 nm, bei 262,512 nm, bei 218,76 nm usw.
Nun soll das Auge aber nur die Strahlung H-alpha sehen, also müssen die anderen Durchlaßwellenlängen noch irgendwie gesperrt werden. Und genau das macht das andere Ding vor dem Okular. Das hat eine größere Halbwertsbreite und mithin keine bandbreitenverengende Wirkung auf die ankommende Strahlung um 656,28 nm ±0,035 nm (bei Halbwertbreite 0,7A) oder ±0,025 nm (bei Halbwertbreite 0,5A). Die ebenfalls von vorn kommende Strahlung bei den anderen Peaks aber bleibt an diesem zweiten Filter hängen. Das zweite Filter blockiert also nur die unerwünschten Peaks.
In Deinem abgespeckten Sonnenteleskop ohne „das Ding vor dem Objektiv“ ist aber jenes zweite Filter vor dem Okular dasjenige Filter mit der kleinsten Duchlaßbreite, und deshalb ist seine Halbwertbreite diejenige des Gesamtsystems.
Ich weiß, daß ich das Talent habe, um alles viele Worte zu machen, und darum sind meine Beiträge meistens länger als üblich. Aber ich denke, mit mehr Worten kann man (wenn sie nicht nur als bla-bla bestehen) auch mehr sagen, und dann wird es vielleicht auch dem klarer, der nicht so gut mit den physikalischen Grundlagen vertraut ist. In diesem Sinne bitte ich um Nachsicht für die Länge meiner Beiträge.
MfG Walter E. Schön
Hallo Rajiva,
wir kommen der Sache allmählich näher. An meinem Beispiel mit den hintereinandergeschalteten Sieben oder den aufeinanderfolgenden Türen haben wir gesehen, daß das Sieb (nicht der Sieb) mit den engsten Maschen bzw. die kleinste Tür bestimmt, was maximal durchgeht. Mit den Filtern ist das nicht anders. Nur hat nicht das 2-A- oder 1,5-A-Filter vor dem Okular „die engsten Maschen“ (also die kleinste Halbwertsbreite), sondern „das Ding vor dem Objektiv“. Das hat bei Coronado nämlich die Halbwertbreite von nur 0,7A oder 0,5A.
Das mit den Peaks (nicht Peeks) ist so: Ein Interferenzfilter läßt, abhängig von der Dicke der wirksamen Trennschicht und deren Brechungsindex, nicht nur eine einzige Wellenlänge (zuzüglich eines kleinen, durch die Halbwertsbreite ausgedrückten Toleranzbereichs) durch, sondern mehrere, die sich durch ganzzahlige Verhältnisse ausdrücken lassen. Das ist wie in der Akustik beim Anblasen einer Orgelpfeife oder Anschlagen oder Streichen einer Saite: Es entsteht als sog. Grundton eine Welle derart, daß sich z.B. an den Enden der eingespannten Saite Schwingungsknoten und dazwischen der Schwingungsbauch bilden. Die Wellenlänge (im Material, aus dem Saite besteht, z.B. Stahl) ist also die doppelte Länge der Saite. Nun entstehen aber auch die sog. Obertöne, die dem Klang (= physiologische Gesamtwirkung des Grundtons mit allen Obertönen) seine instrumententypische Klangfarbe geben. Der 1. Oberton (auch 1. Harmonische genannt) hat die doppelte Frequenz bzw. halbe Wellenlänge des Grundtons, der 2. Oberton (2. Harmonische) hat die dreifache Frequenz bzw. ein Drittel der Wellenlänge des Grundtons usw. Die Saite bildet also auch kürzere Wellen aus, bei denen aber immer an den Enden der Saite Schwingungsknoten liegen (weil die Saite dort eingespannt ist und sich deshalb dort nicht bewegen kann).
Nicht anders ist es beim Interferenzfilter. Wenn das Produkt aus Dicke seiner Trennschicht(en) und dem Brechungsindex den Wert 656,28 nm hat, dann wird quasi als „Grundton“ die doppelte Wellenlänge 1312,56 nm durchgelassen, als „1. Oberwelle” der besagte H-alpha-Wert 656,28 nm, als „2. Oberwelle“ die auch noch im sichtbaren Bereich liegende Wellenlänge 437,52 nm, als „3. Oberwelle“ die schon nicht mehr sichtbare UV-Wellenlänge 328,14 nm usw. Die Transmissionskurve verläuft also fast überall nahe Null, aber hat bei den genannten und weiteren „Oberwellen“ nach oben ragende Spitzen (engl. „peak“, daher die Schreibung mit ea, das engl. Wort „peek“ bedeutet Piepsen), also von lang- nach kurzwellig bei 1312,56 nm, bei 656,26 nm, bei 437,52 nm, bei 328,14 nm, bei 262,512 nm, bei 218,76 nm usw.
Nun soll das Auge aber nur die Strahlung H-alpha sehen, also müssen die anderen Durchlaßwellenlängen noch irgendwie gesperrt werden. Und genau das macht das andere Ding vor dem Okular. Das hat eine größere Halbwertsbreite und mithin keine bandbreitenverengende Wirkung auf die ankommende Strahlung um 656,28 nm ±0,035 nm (bei Halbwertbreite 0,7A) oder ±0,025 nm (bei Halbwertbreite 0,5A). Die ebenfalls von vorn kommende Strahlung bei den anderen Peaks aber bleibt an diesem zweiten Filter hängen. Das zweite Filter blockiert also nur die unerwünschten Peaks.
In Deinem abgespeckten Sonnenteleskop ohne „das Ding vor dem Objektiv“ ist aber jenes zweite Filter vor dem Okular dasjenige Filter mit der kleinsten Duchlaßbreite, und deshalb ist seine Halbwertbreite diejenige des Gesamtsystems.
Ich weiß, daß ich das Talent habe, um alles viele Worte zu machen, und darum sind meine Beiträge meistens länger als üblich. Aber ich denke, mit mehr Worten kann man (wenn sie nicht nur als bla-bla bestehen) auch mehr sagen, und dann wird es vielleicht auch dem klarer, der nicht so gut mit den physikalischen Grundlagen vertraut ist. In diesem Sinne bitte ich um Nachsicht für die Länge meiner Beiträge.
MfG Walter E. Schön