Sonnenprisma im Selbstbau

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas RudiR
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Moin!

Ist 'ne echt gute Idee, geht da eigentlich jedes 90Grad Prisma oder muss das bestimmte Eigenschaftet haben (vergütet oder unvergütet?).

Grüätzis
Karsten
 
Hallo Rudi!

Das ist ja wieder mal ein interessanter Selbstbau von Dir.
An welchem Teleskop benutzt Du das Prisma?
Wird der nötige Graufilter so nah am Brennpunkt nicht zu heiß?

CS
Rainer
 
Servus beinand,

an Karsten: da kann ich Dir leider nichts weiter dazu sagen, als dass das von mir verwendete Prisma unvergütet ist.

An Rainer: ich hab bislang noch nie etwas von geplatzten Graufiltern an einem Herschelkeil gehört. Durch das Graufilter gehen auch nur noch 4-5% des Sonnenlichts, der Rest geht durch das Prisma hindurch. Mein Baader-Herschelkeil heizt sich bei gleicher Funktionsweise nicht sonderlich auf.
Ich werde das Sonnenprisma an einem 100/1000mm-Synta-Refraktor verwenden.

Viele Grüße

Rudi
 
Hallo allerseits,

Rudi hat vollkommen recht, durch den Graufilter gehen nur 4-5% des Lichtes. Aber wo bleibt der Rest? Im Gegensatz zum Herschelkeil wird dieses hier in Wärme umgesetzt.
Aus diesem Grunde muß der Strahlendurchgang erst durch den Herschelkeil (oder in diesem Beispiel durch das Prisma) und dann durch den Graufilter erfolgen. Im Herschelkeil wird die Strahlung geteilt und der größte Teil in die nicht Beobachtungsrichtung gelenkt. Aus diesem Grund erwärmt sich auch der Herschelkeil bei weiten nicht so stak wie der Graufilter bei gleicher Belastung.
Ich kenne aus meinem Umfeld einen Fall, wo der Graufilter nach wenigen Minuten Beobachtungszeit geplatzt ist weil er vor dem Herschelkeil montiert war.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Ulrich
 
Hallo Hans-Ulrich,

wir verstehen uns richtig: von den 100% Sonnenlicht werden 5% nach oben zum ersten Graufilter weggespiegelt. Die restlichen 95% gehen durchs Prisma und werden durch eine Öffnung an der Hinterseite wieder .. äh .. ausgeschieden :-)

Die besagten 5 Prozent - und hier kommen wir wieder zusammen - gehen durch den Graufilter, der das Licht weiter auf ein unschädliches Maß dämpft. So meinte ich das, und so habe ich es verwirklicht.

Auf den Bildern sieht man auch, daß der ND3-Filter in der Okularhülse steckt, und nicht im Anschlußstutzen zum Fernrohr. Da wäre er in der Tat fehl am Platz, und immens gefährlich.

Was Deinem Bekannten passiert ist, kann ich mir gut vorstellen: ich habe bisher zwei 2"-Herschelkeile russischer Herkunft in meinem Bekanntenkreis umgebaut. Der Grund war, daß sich bei beiden Exemplaren der Okularstutzen ums verrecken nicht abschrauben ließ. Wo soll man also den Filter unterbringen, wenn nicht im Anschlußstutzen zum Teleskop, denn nur hier befindet sich ein passendes Filtergewinde?! Glücklicherweise hatten die Leute genug Erfahrung mit der Sonnenbeobachtung.

Nachdem ich mit einiger Gewalt die Okularstutzen doch noch abschrauben konnte, fand ich zwar ein Filtergewinde vor, aber mit falscher Steigung. Letztlich habe ich neue Okularstutzen gedreht, und an der Qualität der Herschelkeile an sich gibts nicht zu meckern.

Soviel aus meinem Gruselkabinett ;-)

Rudi
 
Hallo,

Also wenn ich die Funktionsweise richtig verstanden habe, dann sollte
das Prisma unvergütet sein, denn es wird ja die Reflexion von 4% beim Übergang Luft-Glas
ausgenutzt, um 96% des Lichts durchzulassen, also quasi "wegzuwerfen".

Eine Vergütung hätte darüberhinaus den Nachteil, das sie ja für einen 45° einfallenden Lichtstrahl
gerechnet sein müßte, gemeinhin werden Vergütungen aber ja für fast senkrechten Einfall gerechnet,
man will ja hier die Rückreflexion vermindern.

Ein normaler Herschelkeil ist AFAIK auch unvergütet.
 
Moin Rudi!

Nette Konstruktion, aber was mich ein bischen stutzig macht: Was ist mit der
Reflexion des 95%-Strahls auf Deiner Schema-Zeichnung an den Kathetenflächen
des Prismas? Wird davon nicht wieder ein Teil in den Glasblock zurückge-
spiegelt und wirkt sich das auf's Bild aus?

Eine ähnliche Konstruktion laüft ja oftmals auch als "Herschelkeil" - eine
einfache im 45°-Winkel angebrachte, dünne Planglasscheibe - auch hier ist
die Ablenkung dann 90°.
Neulich ist mir die Beschreibung des "Brandt'schen Sonnenokulars" wieder mal
untergekommen. Auch diese Konstruktion funktioniert mit einer Planglasscheibe,
wobei die Rückseite der Scheibe zur Vermeidung von Reflexion mattiert ist.
Das Licht trifft hierbei im Winkel von nur 28° auf die Scheibe. die Ab-
lenkung von der ursprünglichen Richtung ist somit 56°. Auch hier werden nur
5% des Sonnenlichts reflektiert, der weitere Aufbau Richtung Okular ist dann
mit Deiner Lösung identisch.
 
Servus Winnie,

mangels eigener Erfahrungen kann ich dazu nur sagen, was mir Herr Lille geschrieben hat. Richtig, es kommt beim Sonnenprisma zu Doppelbildern, die seitlich versetzt sind. Bei recht langen Brennweiten kann das "falsche" Sonnenbild das "echte" Sonnenbild berühren. Dem kann abgeholfen werden, indem man einen Teil der kurzen Seite des Prismas mattschleift, die dem Einblick gegenüber liegt. Bei nur 1000mm Brennweite ist das Doppelbild aber kein Thema.

Übrigens ist der Herrschelkeil keine planparallele Platte (sonst hieße das Teil wohl Herschelplatte?), sondern eben ein Keil. Und "meine Lösung" ist das Sonnenprisma auch nicht. Ich bin nämlich nur ein Nachmacher. Aber ich steh dazu! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" />

Gruß,
Rudi
 
Moin Rudi!

Unter dem Begriff "Herschelkeil" laufen anscheinend einige Konstruktionen,
sogar die Bauweise, wie Du sie vorgestellt hast... Ich meine hier nicht
das unverspiegelte Penta-Prisma, das ja ebenfalls zur Sonnenbeobachtung
eingesetzt wird.

> Übrigens ist der Herrschelkeil keine planparallele Platte (sonst hieße
> das Teil wohl Herschelplatte?), sondern eben ein Keil.

Ganz klar ist mir das noch nicht - wie sieht das Teil im Schema denn aus?
Der "Herschelkeil", den ich mal in der Hand hatte, sah mir verdammt nach
einfacher Planglasplatte aus, aber ich werde das bei Gelegenheit nochmal
checken.
 
Hallo Rudi,
ich betreibe den Baader Herschelkeil korrekt mit dem ND3 (1000x) Filter hinter dem Keil. Öfters ist die Intensität jedoch noch zu hoch, dann setze ich einen 4x Graufilter vor den Keil. Der läßt vergleichsweise viel Licht durch und erwärmt sich nicht sonderlich. Ein Platzer kann nicht viel Unheil anrichten, denn der 1000x Filter ist ja noch an seinem korrekten Platz. Gibt es gegen diese Vorgehensweise ernste Bedenken ?

Gruß Dietmar
 
Hallo Dietmar,

der richtige Platz ist m.E. im Filtergewinde des Okulars. Zu was anderem kann ich Dir nicht raten.

Grüße,
Rudi
 
Moin Rudi!

> eine Schemazeichnung zum Herschelkeil habe ich hier gefunden.

Joh, danke - ich habe selbst lange danach gesucht, aber nie das Passende
gefunden. Wieder was gelernt... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
Tja - und da frage ich mich, warum die anscheinend immens teure 10°-
"gekeilte" Glasplatte eingesetzt wird und kein Hersteller die Variante
von Brandt mit der simplen Planglasplatte baut?! Das Prinzip ist genau
dasselbe wie beim Herschelkeil. In einem Buch von Brandt ("Das Fernrohr
des Sternenfreundes", Kosmos 1967) steht, daß bei seiner Lösung ebenfalls
nur 5% (polarisiert) reflektiert werden, nicht 10% (wie auf dem Schema).
Hat jemand eine Bezugsquelle für geeignete Plangläser für mich?
 
Hallo Micha,

gruebelnderdings glaube ich mich zu erinnern, das Brandt als Glasplatte einen grauen Neutralfilter (Rueckseite mattiert?)
nahm, um den Reflex der Rueckseite zu unterdruecken. Darum ist es auch ein HerschelKEIL, das an der Rueckseite
reflektierte Bild der Sonne soll nicht ins Okular gelangen.
Allerdings wird so ein Graufilter ja auch an dieser Stelle warm... kann aber an der Rueckseite gekuehlt werden (??, wegen
temperaturbedingter Verbiegungen).
Der Vorteil des Brandt'schen Filters ist, das reflektierte Licht ist nahezu vollstaendig polarisiert (--> Brewster'scher
Winkel) und kann daher leicht mit einem Polfilter einstellbar (!) weiter abgeschwaecht werden. Da es nur darum geht
hindert Dich ja nichts dran, einfach die Hypothenuse eines Zenitprismas zu nehmen, nur soll die Reflektion nicht um
90grd erfolgen sondern etwas mehr (haengt vom Brechungsindex des Glases ab).
Das ist also eher 'ne mechanische Frage ... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Gruesse
Dixon
 
Moin Dixon!

> gruebelnderdings glaube ich mich zu erinnern, das Brandt als Glasplatte
> einen grauen Neutralfilter (Rueckseite mattiert?) nahm, um den Reflex
> der Rueckseite zu unterdruecken.

In der Beschreibung in dem o.g. Buch ist die Rede davon, die Rückseite
mit Schmirgel zu mattieren - also kein Graufilter. Der weitere Aufbau ist
mit dem 90°-Sonnenprisma identisch, also Graufilter im reflektierten
Strahl und Polfilter am Okular.
 
Hallo RudiR,
ich habe noch mal ne Frage zum Herschelprisma.
Dort wird das Sonnenlicht ja auch reflektiert. Dabei müsste es doch auch polarisiert werden.
Ich betreibe selbst ein Herschelprisma, habe es aber noch nie mit einem Polfilter probiert.
Würde mir aber evtl. einen zulegen wenn das ganze funktionieren würde.

Gruß aus dem Wolkigen Hannover
Ninian
 
Polfilter

Hallo ninian,
ein kurzer Test mit einem 77mm Hama linear Polfilter vor dem Objektiv (Polfilter - Refraktor - Herschelprisma) brachte ein total verwaschenes Bild. Ich werde es in Kürze noch mit einem ROWI linear Polfilter versuchen.
An Alle : Ist die Benutzung eines Polfilters (zwecks Dämpfung) vor dem Teleskop optisch korrekt ? Kann ich dabei beste Ergebnisse erwarten?

Gruß Dietmar
 
Tach zusamm,

@Micha: Dass man keine Planplatte nimmt hat schon seinen Grund:
Die Reflexion von der Rückseite ergibt Doppelbilder.
Um dieses zu unterdrücken kann man
1. die Rückseite entspiegeln (es bleibt allerdings eine Restreflexion)
2. die Rückseite aufrauhen. Das hat den Nachteil, dass man
sich damit erhebliches Streulicht und somit Kontrastverlust einhandelt.
Deswegen nimmt man eben den Herrschelkeil (Rückreflexion geht in eine andere Richtung).
Oder als "extremer Herrschelkeil" ein unverspiegeltes Prisma.
Da kann es allerdings passieren, dass ein Teil des Lichts,
das in das Prisma eintritt, so reflektiert wird, dass es
unter Parallelversatz (Katzenauge) wieder aus der Hypothenusenfläche
austritt und in Richtung Objektiv reflektiert wird.

@Ninian: Der Polarisationsgrad von Licht, das an einer Glas fläche reflektiert wird,
hängt vom Einfallswinkel ab.
-Gar nicht polarisiert bei senkrechtem Einfall,
-maximal linear polarisiert bei Einfall unter dem sog. Brewster Winkel,
der vom Brechungsindex des Glases abhängt (bei n=1,5 sind das etwa 56°)
-teilweise polarisiert bei Winkeln dazwischen, oder darüber.
Mit einem polfilter wird man dann bei Drehung ein Minimum feststellen,
aber keine Auslöschung mehr.

@Dietmar: Den Polfilter würde ich erst nach dem (Herrschelkeil, Sonnenprisma..)
einsetzen. Je näher am Fokus, desto weniger wirkt sich die
mangelnde optische Qualtität des Filters aus.

Gruss aus Potsdam,
Thomas
 
Hallo Ninian,

wie Thomas schon gesagt hat, wird das Licht bei der Reflexion am Herschelkeil polarisiert. Zur Regulierung schraubst Du einen Polfilter ins Okular und drehst dieses, bis die Bildhelligkeit wunschgemäß ist.

Viele Grüße

Rudi
 
Erst mal vielen Dank an alle, die mir geantwortet haben.
Werde das ganze erst mal mit einem Foto-Pol-Filter ausprobieren. So einen habe ich nämlich.
Übrigens habe ich auf Grund dieses Threads meinen Herschelkeil noch mal unter die Lupe genommen und festgestellt, dass er ein Filtergewinde im Okularstutzen hat(Ausgangsseite. Die Hülse ließ sich zwar nicht abschrauben, aber ich konnte den Graufilter von oben hineinschrauben. So brauche ich nicht jedesmal bei Okularwechsel beide Filter umschrauben und der Filter ist dort gut aufbewart. Die helleren Graufilter benutze ich ja auch noch für den Mond.

Werde das ganze testen wenn mal keine Wolken sind

Gruß aus Hannover
Ninian
 
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