Spektiv als Teleskopersatz zu empfehlen?

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Barista

Aktives Mitglied
Hi,


ich denke momentan über den Kauf eines einfachen Teleskopes nach, habe mich aber auch schon mit Spektiven beschäftigt.
Ein Spektiv hätte für mich den Vorteil, daß man es auch für Tagbeobachtungen nehmen kann und es ist sehr kompakt, d.h. Urlaubstauglich.
Meine Frage wäre daher, was kann man mit einem Spektiv am Himmel sehen. Kann man beispielsweise schon die Saturnringe erkennen etc.
Welche Vergrößerungen sind denn noch sinnvoll möglich. Die mei9sten Spektive enden bei 60igfacher Vergrößerung.

Zuletzt natürlich die Frage nach einer konkreten (günstigen) Empfehlung.
 
Hi,

Soviel nur: ich hatte mal ein 20-60x80 Spektiv eines namhaften Astrohändlers für immerhin 200,-EUR und habe es nach genau einer Woche frustriert wieder zurückgegeben. Es ist weder Fisch noch Fleisch. Für Tagbeobachtungen ist bei den hohen Vergrößerungen ein Spektiv der high-end Klasse aus den Häusern Leica, Zeiss, Swarovski und Konsorten erforderlich, um Genuß zu haben. Für Schützen zum Erkennen der Trefferquote mag ein preiswertes reichen, ernsthafte Ornithologen greifen aber tief in die Tasche.

Bei Nacht ist eben mit 60x Schluß und das ist für Planeten einfach zu wenig. Außerdem verfügen die Spektive oft über mittelmäßige Okulare mit kleinem Gesichtsfeld und meist geht bei hohen Vergrößerungen das Licht aus.

Mein Tip: Für Tag und Nacht ein gutes Mittelklasse Fernglas 10x50 ab 100,-EUR und dazu einen kleinen transportablen Maksutov mit einem Reisestativ. Bringt Dir unterm Strich wesentlich mehr. Schau mal hier unter Reiseteleskope in der Suchefunktion...

carpe noctem
Matthias
 
Hallo,

ich kann mich meinen Vorrednern nicht ganz anschließen. Bei 60x muss nicht Schluss sein, wenn man ein Spektiv hat, dass den Anschluss von Astrookularen zulässt. Das kann entweder direkt (Spektive von Pentax mit 65, 80 und 100 mm Objektivgröße) oder über passende Adapter erfolgen. Die gibt es z.B für Zeiss, Optolyth und Swarovski. Diese Spektive sind aber alle nicht ganz billig.

Ein Spektiv lohnt sich in kurzen Worten zusammengefasst immer dann, wenn man sowohl an Natur- als auch an Himmelsbeobachtungen interessiert ist. Einige Vorteile eines Spektivs machen sich bei Astrogebrauch besonders bemerkbar: Es ist transportabel (klein und leicht), konkurrenzlos schnell aufgebaut, vergleichsweise wenig windempfindlich wegen geringer Angriffsfläche und stellt wenig Ansprüche an eine Montierung. Beispiel: Ich stelle mit meinem Spektiv, dass sich auf einem Fotostativ befindet, jedes mir bekannte Himmelsobjekt (z.B. diverse Messierobjekte) in deutlich weniger als einer Minute ein und zwar inklusive Geräteaufbau! Mit etwas Übung flutscht das nur so. Da wird selbst Go-to schwindelig... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Es gibt ein anderes Forum, wo Du zu diesem Thema erheblich mehr kompetente Informationen findest als hier. Dort solltest Du Dich einmal gründlich umtun: http://www.juelich-bonn.com/jForum/
Als Einführung empfehle ich diese Seite:
http://www.juelich-bonn.com/site/spektiv/kaufberatung/

Gruß

Steve

P.S. Die Cassiniteilung ist mit einem Spektiv ab ca. 100x sichtbar, wenn die Umstände entsprechend günstig sind: Gutes Seeing, gute Saturnsichtbarkeit. Dies dürfte für andere Teleskope aber wohl genauso gelten.
 
Hallo,
ich habe ein russisches Spektiv "Tourist3". Es hat 50 mm Öffnung, vergrößert 20x, zeigt den Saturnring frei um Saturn, zeigt die vier Jupitermonde und die beiden äquatorialen Wolkenbänder des Jupiter. Es zeigt Albireo sauber und scharf getrennt, und beide Komponenten farbig. Am Mond zeigt es eine Menge Krater.
Die Sternabbildung ist in der Mitte vorbildlich, nadelspitzenscharfe Sterne, und der Kontrast ist sehr gut. Zum Gesichtsfeldrand lässt die Schärfe etwas nach. Das ist bei der Vergrößerung von 20x auch kein Wunder.
Das Tourist 3 gibt es ab und zu bei Ebay für kleines Geld. Es lässt sich zusammenschieben und wird in einem robusten Kunststofffutteral mit Schraubdeckel geliefert.
Am Himmel benötigt man bei 20facher Vergrößerung ein Stativ. Das Tourist3 verfügt zu diesem Zweck über ein Fotogewinde und kann auf jedem Fotostativ montiert werden.
Bei der Beobachtung zenitnaher Objekte ist es aber nicht ideal. Da begreift man sehr schnell, warum Leute Fernrohre mit Zenitprisma erfunden haben.

Kleine Maks sind praktisch, müssen aber erst mal auskühlen, um ihre volle Leistung zu erreichen. Ein Linsenspektiv hat dieses Problem nicht. Maks bieten konstruktionsbedingt höhere Vergrößerungen als ein Spektiv und und zeigen folglich kleinere Himmelsareale.

Ich habe auch eine Russentonne mit Zenitprisma. Das wäre ein Äquivalent zu einem kleinen Mak. Sie ist aber viel schwerer und unhandlicher als das Tourist3, und ich brauche ein schwereres Stativ und einen 3D-Getriebekopf, wenn ich sie verwende.

Das Tourist3 ist in seinem Futteral sicher verwahrt, bei Bedarf in Sekunden hervorgeholt, ausgezogen und ausgerichtet. Und es leistet verblüffend viel für so ein "kleines" Röhrchen.

Grüße,

Günther
 
Hallo Steve,

der Fragesteller denkt über ein "einfaches Teleskop" oder ein "günstiges" Spektiv nach. Daß ein 85er Zeiss Diascope mit Astroadapter und einem verträumten Nagler mit jedem gleich großen ED-Refraktor mithalten kann und zusätzlich für Tagbeobachtung geeignet ist, sei unbestritten. Ich denke aber, daß der Fragesteller nicht in der 2000,- EUR-Liga (und davon reden wir dann) mitspielen will...

Nichts für ungut, aber in der 200 - 300,- EUR-Szene sehe ich keine Spektivalternative zu einem kleinen MAK. Wenn Du mir eine nennen kannst, greife ich sofort zu <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

carpe noctem
Matthias
 
Hallo Matthias,

nun, ein konkreter Preis wurde nicht genannt. Von Interesse wäre evtl. auch der Gebrauchtmarkt. Spektive werden häufig in ornithologischen oder naturkundlichen Zeitschriften (z.B. Nabu Zeitschrift) oder Foren angeboten. Ein neues Pentax mit passendem Okular könnte es schon für unter 1000 Euro geben. Auch Vixen hat Spektive (Geoma) für unter 1000,-, an denen sich höhere Vergrößerungen erzielen lassen. Ich bin mir aber keineswegs sicher, ob ein Mak für 200-300 Euro wirklich überzeugt. Kannst Du da welche empfehlen?

Steve
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Teleskop als Spektiversatz? Na klar!

> Ein Spektiv hätte für mich den Vorteil, daß man es auch für Tagbeobachtungen nehmen kann und es ist sehr kompakt, d.h. Urlaubstauglich.

Hi Barista,

die Frage ist: was hat Priorität? Tagbeobachtung oder Astro? Guckst Du vorwiegend tagsüber und unterwegs, dann ist ein Spektiv im Vorteil. Spielt das Leben in erster Linie bei klarem Himmel in der Nacht, dann ist ein Spektiv keine so gute Lösung. Warum? Mal abgesehen von Pentax nutzen die meisten Spektivhersteller ihr eigenes Okularbajonett und die Zahl der Okulare ist begrenzt. Astrookulare lassen sich wegen der häufig anzutreffenden knappen Fokuslage nicht immer adaptieren (manchmal muß man zur Feile greifen, dann geht es). Spektive lassen keine Okulare mit 2 Zoll Steckmaß zu und damit ist's Essig mit Weitfeldbeobachtungen, was gerade im Urlaub mit einem richtig dunklen Nachthimmel eine Menge Spaß macht! Der feste Einblickwinkel bei Spektiven ist nicht optimal, allenfalls ein guter Kompromiss. Sitzt man im Urlaub unter der Sommermilchstraße, dann bekommt man mit einem 45 Grad Einblick schnell Genickstarre. Wegen der knappen Fokuslage lassen sich nicht immer Nebelfilter oder andere Filter einsetzen und zum Fotografieren braucht man oft Sonderlösungen.

Wenn es also häufiger um astronomische Beobachtungen geht, dann würde ich mir ein kleines Teleskop mit Fotostativ und azimutaler Montierung suchen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Man kann alles Zubehör nutzen, was der Astromarkt hergibt. Dazu gehören Weitfeldokulare genauso wie Nebelfilter und Okulare für die höheren Vergrößerungen. Man kann erstmal mit 1,25 Zoll Okularen anfangen und später ein 2 Zoll Okular mit einem schönen Nebelfilter ergänzen. Wenn Du mit so einer Kombi durch die Milchstraße segelst, kannst Du jedes klassische Spektiv im nächsten Tümpel versenken <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Am Teleskop kann man Prismen mit 90 Grad Einblick nutzen und so die optimale Einblickposition in Abhängigkeit von der Objekthöhe besser einstellen. Zum Fotografieren kann man einfach über Adapter und das T2 System eine Kamera ans Rohr nageln. Und letztendlich kann man ein kleines Teleskop mit einem 45 Grad Amici-Prisma auch für Tagbeobachtungen nutzen. Einziger Nachteil: der Spaß ist nicht wasserdicht. Brauchst Du diese Eigenschaft, dann kommst Du an einem Spektiv nicht vorbei. Dafür sieht es für das viele schöne Astrozubehör eher schlecht aus.

Fazit: mit einem kleinen Teleskop ist man bei häufiger astronomischer Nutzung einfach besser bedient. Mit einem Refraktor bei nicht zu langer Brennweite kann man mit einem 2 Zoll Okular sehr große Sehfelder realisieren, man kann bequem mit 90 Grad um die Ecke gucken, man kann Nebelfilter für visuelle Deep-Sky Beobachtungen einschrauben, man kann eine große Austrittspupille mit einem großen Sehfeld kombinieren, man kann einen Binoansatz nachrüsten, hohe Vergrößerungen für Mond und Planeten sind einfacher zu realisieren u.s.w ...

> Zuletzt natürlich die Frage nach einer konkreten (günstigen) Empfehlung.

Das ist das Problem. Es gibt eine Menge billiger Teleskope und Spektive. Du hast aber nach einem günstigen Gerät gefragt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Aus meiner Sicht würde ich einen kleinen Refraktor mit 80mm Öffnung und 480mm oder 500mm Brennweite wählen. Es gibt auch welche mit 400mm Brennweite, aber da wird es schon eng bei Vergrößerungen oberhalb 60-fach, da sich der Farbfehler zu Wort meldet und gerade bei Mond und Planeten dem Kontrast an den Kragen geht. Vixen hatte mal eine 80/480 Optik im Programm und von GSO gibt es ein ähnliches Gerät. Noch besser wäre natürlich eine ED Optik mit 80mm Öffnung oder ein kleiner Apo. An der Stelle muß man sich halt fragen, wo hört günstig auf und wo fängt teuer an? Ein kleiner Maksutov ist auch eine Möglichkeit, hier handelt man sich aber andere Probleme ein. Wegen der deutlich längeren Brennweite hat man bei den unteren Vergrößerungen sehr kleine Sehfelder, was für Deep-Sky bei Nacht und für Tiere oder Vögel am Tag ein echter Nachteil ist. Da würde ich schon einen kleinen Refraktor favorisieren, der vereint größere Sehfelder im unteren Vergrößerungsbereich mit der Möglichkeit, auch mal an Mond und Planeten etwas höher zu gehen. In der Regel ist bei max. 120-fach Schluß, wenn man ein einfaches zweilinsiges 80/480 Objektiv hat. Aber damit kann man schon eine Menge anfangen ...

Frank.
 
Ich kann leider keines empfehlen, da ich aus der Refraktorecke komme <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Nikita hat aber auf seiner HP

http://www.deepsky-brothers.de/

schöne Beispiele für transportable und gute MAK's


carpe noctem
Matthias
 
Lieber Steve,
bevor Du andere Teilnehmer in diesem Forum als nicht kompetent darstellst,
lege ich Dir nahe ,die ursprüngliche Fragestellung nochmals genau durchzulesen.
Da war auch die Frage nach kostengünstigen Möglichkeiten,
und die sehe ich bei einem Apo-Televid oder Zeiss Diascope nicht gegeben.
(Ist aber alles relativ, genauso wie eine komfortable Beobachtung mit 45°Schrägeinblick im Zenith <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> )

Mit freundlichem Gruß, Gerd
www.bksterngucker.de
 
Re: Teleskop als Spektiversatz? Na klar!

Hallo Frank,

was Du schreibst, ist nachvollziehbar, solange sich jemand ausschließlich oder jedenfalls ganz überwiegend für astronomische Beobachtung interessiert. Ich habe gesehen, dass die konkrete Frage bereits im Teleskopeinsteigerforum geklärt wurde. Dennoch einige Anmerkungen, da hier auch Fragen berührt werden, die m.E. von allgemeiner Bedeutung sind.

> Sitzt man im Urlaub unter der Sommermilchstraße, dann bekommt man mit einem 45 Grad Einblick schnell Genickstarre.

Das sind wir als Fernglasbenutzer unter dem Sternenhimmel ja gewohnt...

> zum Fotografieren braucht man oft Sonderlösungen.

Gilt nur für SLR-Kameras. Da gibt es für die Spektive wohl aller Hersteller recht teuere Fotoadapter. Digitalkameraanschluss ist kein Problem. Das Fotografieren durch ein Spektiv als Teleobjektiversatz hat regelrecht eine neue Richtung in der Fotografie begründet. Wenn man das Stichtwort "digiscoping" in eine Suchmaschine eingibt, wird man auf Tausende zum Teil sehr interessante Seiten stoßen, die sich mit diesem Thema befassen. Es gibt viele verschiedene Adaptiermöglichkeiten. Vielfach funktioniert sogar das freihändige Halten der Digitalkamera ans Okular. In der Naturfotografie kommt man dabei zum Teil zu Resultaten, die qualitativ kaum zurückstehen hinter solchen, die mit digitalen Spiegelreflexkameras und wesentlich teureren (Tele-)Objektiven erzielt werden . Hier sehe ich also keinen Unterschied zwischen astronomischen Teleskop und Spektiv. Was auf diese Weise möglich ist, kann man für den Bereich der Naturfotografie z.B. auf dieser Seite bestaunen: www.naturfotografie-digital.de
oder auch hier: http://digiscopingukbirds.homestead.com/Index.html

> mit einem kleinen Teleskop ist man bei häufiger astronomischer Nutzung einfach besser bedient.

Das ist prinzipiell sicher richtig - jedenfalls wenn man in der Wüste von Arizona wohnt : ). Im Ernst: genau hier liegt doch das Problem. Hierzulande kann man nun einmal, wohl zu unser aller Leidwesen, wetterbedingt nicht wirklich häufig beobachten. Schaue ich z.B. auf das vergangene Jahr zurück, so konnte ich mein Spektiv an vielleicht knapp 100 Tagen nutzen - und sei es nur zur Fotografie von Vögeln im Garten. Wie Du ja weist, überlege ich schon seit längerem, mir ein Teleskop anzuschaffen, denn der Virus der Himmelsbeobachtung hat mich vollends erfasst, nicht zuletzt Dank der Beobachtungserfahrungen mit meinem Spektiv. Finanzamt und Autowerkstatt machten kurzfristig einen Strich durch die Rechnung. Andererseits hätte ich als vorwiegender Wochenendbeobachter ein Astroteleskop in dem genannten Zeitraum an weniger als 10 Abenden wirklich ausgiebig nutzen können. Wenn man etwa Student und zeitlich flexibel ist oder in einem Gebiet mit wenig Lichtverschmutzung lebt, so dass man jederzeit bei sich bietender Gelegenheit mit der Beobachtung loslegen kann, mag sich das vielleicht noch anders darstellen. Diesen Aspekt der Relation von Nutzungsdauer und Investitionskosten sollte man bei allen Anschaffungen von optischen Geräten im Auge behalten und sich die Frage stellen: welches Gerät kann ich wie häufig nutzen? Wenn man sich also auch für Naturbeobachtungen interessiert, muss man die viel zahlreicheren Nutzungsmöglichkeiten am Tage mit berücksichtigen. Und an dieser Stelle senkt sich die Waagschale meiner Meinung nach klar in Richtung Spektiv. Die Robustheit eines Spektivs, dass sich auf Stativ montiert über der Schulter bei jedem Wetter durchs Gelände tragen lässt, lässt sich nun einmal nicht mit einem Astroteleskop erreichen. Für das Spektiv spricht also die größere Vielseitigkeit im praktischen Allroundeinsatz.

> Wenn Du mit so einer Kombi durch die Milchstraße segelst, kannst Du jedes klassische Spektiv im nächsten Tümpel versenken.

Nun, dort wird es im Gegensatz zum Teleskop keinen Schaden nehmen ... Surfen in der Milchstraße macht man in der Regel mit geringen Vergrößerungen und dies ist eigentlich nicht unbedingt eine Domäne der Teleskope. Ich finde, dass das mit dem Feldstecher am meisten Spaß macht. Sehfeldmäßig jedenfalls dürften da selbst die besten Astrookulare nicht mitkommen. Ansonsten erreichen aber auch viele Spektivokulare Gesichtsfelder von mehr als 70 ° virtuell und mehr als 3 ° real. Jedenfalls muss man, ganz praktisch gesehen, z.B. beim unter Vogelbeobachtern legendären Leica 14 mm 32 x WW und dem Leica Televid Spektiv schon einigermaßen mit den Augen rollen, um alles anzuschauen, was da sichtbar ist. Kostenmäßig dürfte es beim Einsatz von richtigen Weitfeldokualren a la Nagler wohl keine großen Unterschiede mehr zwischen Spektiv und Teleskopen von vergleichbarer Größe und Qualität geben.

Spektiv oder Teleskop - inwieweit das eine das andere ersetzen kann und wo dabei die Grenzen liegen - das haben wir jetzt wohl einigermaßen ausreichend geklärt. Entprechend gefächerte Interessen vorausgesetzt, ist es sicher schön, wenn man einem beides zur Verfügung steht. Eines kann ich aber aus eigener Erfahrung sagen. Mein Spektiv hat mir am Nachthimmel sehr viel Freude bereitet und tut dies weiterhin. Gleichzeitig hat es aber auch den Wunsch nach einem - allerdings erheblich größeren - Astroteleskop geweckt. Insofern war es aus heutiger Perspektive, neben einem guten Fernglas, wohl schon so etwas wie der ideale Einstieg in die praktische Astronomie.

Steve


 
Lieber Gerd,

Deinen Beitrag las ich nach Abschicken meines letzten. Die urprüngliche Fragestellung habe ich bei meinen Antworten stets im Sinn gehabt. Deshalb muss ich nun Dir nahelegen, meine Antworten noch einmal genau nachzulesen. Ich habe nicht nur Zeiss und Leica (wurde bis dato überhaupt nicht von mir genannt. Probier doch einfach einmal die Suchfunktion Deines Browsers für die erste Seite dieses Threads aus.) erwähnt. Ich habe auch nicht die Teilnehmer dieses Forums als inkompentent bezeichnet, sondern nur auf eine Seite hingewiesen, wo ausführlich - wesentlich ausführlicher als jemals bei astronomie.de - über Spektive im praktischen astronomischen Einsatz berichtet wird.

Steve
 
Hi Matthias,
bin zwar nicht Nikita, aber trotzdem danke für das verlinken. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
Bin zwar kein Spektivspezialist, glaube aber, nach dem was in einem Ebay-Noname Teil und auch dem Bresser ED 110 (oder so ähnlich heißt es ) gesehen habe, nicht das ein preiswertes Spektiv mit einem kleinen Chinamak mithalten kann.
Grade der kleine Travelmak hat schon einige begeistert, die mal durch meinen Zwerg geschaut haben. Bedenkt man dann, das es letzt bei Fernrohrland einen als Schnäpper für 128,- Eumel ohne Monti aber mit Okus, ZS und Pointer zu kaufen gab, fällt mir keine Alternative, schon gar kein Spektiv, ein. Dazu ne EQ1 und ich habe unter 200,- Eier einen richtig netten, super transpotabelen Planetenzwerg.
CS
 
Re: Teleskop als Spektiversatz? Na klar!

Hallo Steve,

keine Frage, man kann das auch anders sehen. Es wird viele Spektivbesitzer geben, die ihr gutes Stück auch mal zum Sternhimmel richten und ansonsten vorwiegend bei Tag unterwegs sind. Ist alles eine Frage der Gewichtung und der für den hauptsächlichen Einsatzzweck wichtigen Eigenschaften. Stehen Wetterfestigkeit und kompakte Maße ganz oben auf der Hitliste, dann ist ein Spektiv unschlagbar. Meine Sicht der Dinge entspringt nun mal der Sternguckerei und hier haben mir klassische Spektive zu viele Nachteile. Mit einem kleinen RFT und einem guten 2" Okular bieten sich Anblicke der Milchstraße, wo kein Diascope mithalten kann. Das 85-er Zeiss schafft gerade so 2,5 Grad am Sternhimmel, ein 80mm 1:6 Refraktor mit 2" Okular und ca. 38mm Sehfeldblende kommt auf 4,5 Grad! Neben dem festen Einblick von 45 Grad ist das in meinen Augen der größte Nachteil beim klassischen Spektiv. Klar ist ein gutes Fernglas mit noch größerem Sehfeld eine Alternative, bei dem kann ich aber schlecht die Vergrößerung wechseln. Mit einem kleinen Refraktor und 90 Grad Einblick kann ich entspannt und bequem im Sitzen die Milchstraße erkunden. Nimmt man dann noch ein wirklich gutes Okular, so ist ein kleines RFT in Sachen Weitfeldbeobachtungen unschlagbar.

Ich habe noch gut eine Sommernacht mit einem Diascope Besitzer in Erinnerung. Wir waren zu dritt und ich hatte damals den alten WO Megrez 80/480 dabei. Das 85-er Diascope war echt klasse. Aber so gegen Mitternacht wollten meine zwei Spechtelkollegen lieber am Megrez sitzen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />. Der 90 Grad Einblick und das große Sehfeld in Kombination mit einem UHC Filter waren wohl die ausschlaggebenden Argumente ...

>> zum Fotografieren braucht man oft Sonderlösungen.
> Gilt nur für SLR-Kameras. ...

Unter Fotografieren verstehe ich auch die Nutzung einer klassischen SLR. Sonst hätte ich ja Digiknipsen geschrieben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

In dem Punkt hast Du natürlich recht, es gibt gute Lösungen für Digitalkameras und die von Dir angegebenen Links zeigen das auch.

> ... Diesen Aspekt der Relation von Nutzungsdauer und Investitionskosten sollte man bei allen Anschaffungen von optischen Geräten im Auge behalten und sich die Frage stellen: welches Gerät kann ich wie häufig nutzen?

Das ist ein Problem. Wenn ich jetzt anfangen würde, die Investitionskosten gegen die Nutzungsdauer aufzurechnen, dann müßte ich mir ein neues Hobby suchen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Die Sternguckerei ist nunmal ein unwahrscheinlich faszinierendes und gleichzeitig teures Hobby. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung ist ok, wenn man gelegentlich in die Sterne guckt und dem Hobby nicht mit Haut und Haaren verfallen ist. Ist man einmal süchtig, sollte man die Rechnerei bleiben lassen. Manche Leute gönnen sich einen 6" Apo, andere einen 16" Spiegel mit dem nötigen Zubehör und manche haben beides. Das Geld kann man nicht gegen irgendeinen Nutzen aufrechnen, dafür ist es ein Hobby ...

Frank.
 
Servus Barista !

Nun - ich berichte Dir von meiner Wahl von vor ca. 4 Jahren, ohne die (was ich gut finde) kontroversielle Diskussion zu Deinem Thema zu berücksichtigen:

Ich habe mich für den TeleVue Ranger entschieden.
Kriterien:
Kompakt
Ausbaubar
Universiell einsetzbar - Astronomie, Naturbeobachtung
Leicht
Gute Optik

Heutzutage gibt es einige Alternativen (Megrez APO, TV60, Takahashi FS60) etc.
Auch das PENTAX 80 soll gut sein.
Warum ich vorgenannte erwähne ?
Weil mit 1 1/4" Zubehör uneingeschränkt (ev. bis auf das PENTAX) erweiterbar.
Das waren seinerzeit meine Kriterien.
Der Ranger sieht nicht nur gut aus, sondern hat auch eine akzeptable Abbildungsleistung bis ca. 120x, damit siehst Du schon Bänder am Jupiter, die Cassiniteilung am Saturn, M57 hat tatsächlcih ein Loch und manche Sternhaufen kommen einfach gut durch.

Ein universalgerät, das mit seiner Tragtasche, meinem Berlebach Report-Stativ und der Baader BP60 inklusive den Okularen (30mm Celestron Ultima für 16-fach und 4.8mm Nagler für 100-fach) sowie je nach Belieben 45° AMICI oder 90° Zenitspiegel immer dabei ist, und allen, die durchgucken ein "Wow" entlockt.

Mein Tip - leg´Dich auf die Lauer bei eBay, Astromart oder sonstige. Dort gibt es immer Typen, die wegen des APO hypes Ihre Rangerlein für 450$ abwärts verscherbeln.
Zuschlagen !

CS
Hans

 
Zunächst mal vielen Dank für die reichhaltigen Antworten.
Nachdem ich diese Forum hier seit erst seit kurzer Zeit besuche, bin ich von der Hilfsbereitschaft der Mitglieder begeistert. Aus anderen Foren kenne ich leider die immer wiederkehrende Antwort auf die Frage eines Anfängers : "Benutz doch erst mal die Suchfunktion. Deine Frage wurde schon mehrfach...". Da verliert man recht schnell den Spaß, was hier definitiv nicht so ist.

Für mich kann ich als erstes Resumee ziehen, daß es die eierlegende Wollmilchsau halt nicht gibt. Eine richtige Empfehlung kann man nur bekommen, wenn man genau weiß, was man mit dem Spektiv, Reflektor oder Refraktor eigentlich genau machen will. Das werde ich aber erst herausfinden, wenn ich mal sowas habe. Insofern beißt sich hier die Katze wieder in den Schwanz.
Ich werde also nicht umhin kommen, einfach mal etas auszuprobieren. Vielleicht versuch ichs mal mit dem Lidil-Refraktor, der scheinbar gar nicht so schlecht ist und noch dazu supergünstig (falls ich gebraucht sowas bekomme).
Mit dem Gerät finde ich dann meine speziellen Interessen heraus und kann dann geziehlter suchen.


p.s.: Was ist eigentlich ein APO. Habe den Begriff mehrfach gelesen und weiß nicht genau, was damit gemeint ist.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Was ist denn ein kleiner Mak? Schön dass ihr euch so auskennt, aber Google liefert mir leider kein Suchergebnis na kleinen Mak im Astronomiebereich ...
 
Hallo und willkommen im Forum, auch wenn das schon fast Thread-Nekrophilie ist, ein über zehn Jahre altes Thema wiederzubeleben :/

Mak ist die Kurzbezeichnung für Maksutov (oder Maksutow), was wiederum meist die Kurzbezeichnung für Maksutov-Cassegrain (bzw. Maksutow-Cassegrain) ist – ein sehr kompaktes Teleskop, und in der Kleinversion meist im Bereich zwischen 90 und 130mm Öffnung: Auch die Russentonne ist so eine Konstruktion.

Übrigens: Ein Name wäre nett, das macht die Diskussionen persönlicher.

Beste Grüße,
Alex
 
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