Spiegellüfter an Skywatcher 150/1000 | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Spiegellüfter an Skywatcher 150/1000

Michael_Haardt

Mitglied
Hallo,

das Projekt lag lange angefangen herum, aber jetzt kam ich endlich zum Test: Mein Skywatcher bekommt einen Spiegellüfter. Der einfachste Weg war ein Blech, welches ich mit den Schrauben der Spiegelverstellung befestige, d.h. ich muss keine neuen Gewinde schneiden. Zum Spiegel sind ca. 20 mm Platz, d.h. ein flacher 70 mm Lüfter hat noch genug Raum, um Luft aus dem Tubus abzusaugen. Ideal wäre mehr Platz, sowohl zum Spiegel als auch seitlich zwischen Spiegel und Tubus, sowie ein Querlüfter über den Spiegel im Tubus. Eine RJ10 Buchse dient dem Stromanschluss von 12 V, wobei ich im Moment nur 9 V benutze. Das Blech ist aus dem Schrott, zugeschnitten mit Stichsäge, Blechschere, Feinarbeit mit der Feile, und etwas weiße Farbe, denn bei unserem Wetter schaut man das Teleskop eher an als hindurch, d.h. die ganze Aktion hat kaum was gekostet.

luefter-klein.jpg


Die Theorie bezieht sich auf große Spiegel:


Das Hauptproblem sind sich vom Spiegel ablösende Blasen warmer Luft. Eine laminare Strömung forciert die Ablösung warmer Stellen und verhindert die Blasen, so dass es vorwiegend zu einem Temperaturgradienten kommt, der die Qualität nicht mehr stark beeinflusst. Soweit die Theorie.

Alles montiert, raus mit dem warmen Teleskop und die Bäume am Horizont inspiziert. Wie zu erwarten gibt es einen weiten Bereich von "nicht toll, aber besser geht es jetzt nicht" beim Fokus. Lüfter an und nach ca. 10 Sekunden: WOW! Der unscharfe Schleier lichtet sich und es gibt einen knackscharfen Fokus. Lüfter aus und nach einigen Sekunden wird das Bild wieder unscharf. Na gut, lassen wir das Teleskop mal 30 Minuten stehen. Wieder fokussiere ich und es ist besser, aber nicht richtig gut. Lüfter an und es wird unscharf, denn der Fokus liegt in Wahrheit nun woanders, und da ist er wieder knackscharf mit einem brillianten Bild. Ich lasse den Lüfter laufen und warte wieder 30 Minuten. Danach musste ich nachfokussieren, offenbar ist der Tubus nun abgekühlt und damit kürzer. Der Fokus ist wieder klar definiert und das Bild ist besser als gewohnt. Lüfter aus, 10 Sekunden keine Veränderung, aber nach 20 Sekunden verliert das Bild an Brillianz. Es ist nicht schlecht, 166x ist bei 150 mm halt schon viel verlangt, und aus Erfahrung weiss ich: So sieht das aus. Lüfter wieder an und auch jetzt dauert es eher 20 Sekunden als 10, aber: Das Bild wird ungewohnt gut.

Ich muss mich damit abfinden, die bisherigen Jahre erhebliches Potenzial verschenkt zu haben und erkenne, dass eine Stunde Abkühlung für 6" nicht reichen.

Michael
 
Hallo Michael, @Michael_Haardt

schaut gut aus! Besonders toll finde ich ist Deine Testbeschreibung die gut abschätzen lässt, was einem so eine Nachrüstung bringen könne. Ich trage mich auch schon längere Zeit damit bei meinem 10" Newton einen entsprechenden Lüftungs-Umbau zu machen und Dein Bericht motiviert mich das jetzt endlich umzusetzen. Wobei ich eigentlich eine Querlüftung über den Spiegel realisieren wollte, als nur unten "tumb" Luft auf den Spiegel zu blasen. Ich habe mich aber bisher gescheut entsprechend dazu oberhalb des Spiegels Löcher in den Tubus zu bohren. Aber die Idee den Tubus unten zu verschließen und mit einen Lüfter der Luft aus dem Tubus saugt damit zu sorgen, dass Luft von oben nach unten seitlich am Spiegel vorbei und dann nach außen zu transportieren, klingt ja fast nach dem Ei des Columbus!

Ich werde meinen Newton genau anschauen und so was nachbauen. Vermutlich muss ich dazu die Schrauben für die Kollimation dann gegen längere Ausführungen tauschen. Da ich bereits eine kleine USB-Powerbank für meine digitalen Teikreise am Tubus habe, werde ich einen 5V Lüfter verwenden. Mit etwas www konnte ich dazu sogar zwei geeignete und vor allem leise Modelle eines mit 33 db und eines mit 16 db finden.

Das neue Jahr fängt ja gut an! ;) Danke Dir für die Anregung und den ausführlichen Testbericht! - MünchenBeiNacht - Ewald
 

Michael_Haardt

Mitglied
Mangels Erfahrung kann ich nicht sagen, ob bei 10" eine Querlüftung schon sinnvoll wäre oder ob es noch ohne geht. Ansonsten ist die Frage, wieviel Platz im Tubus ist, um mit einem kleinen Lüfter quer über den Spiegel Umluft zu erzeugen und mit einem anderen Lüfter von hinten die Luft abzusaugen. Ich bin sehr froh, dass es bei 6" ohne Umluft quer geht, denn im Tubus ist einfach kein Platz.

Luft von unten auf den Spiegel zu blasen ist nicht sinnvoll, weil der Boden lange Wärme speichert und es darum noch einige Zeit nach der Dämmerung über dem Boden wärmer als weiter oben ist.

Ich hatte letztes Jahr an einem Sommerabend die Chance, 6/8/10" Newtons und ein Mak im Vergleich zu sehen, alle nach einigen Stunden ausgekühlt. Am Planeten zeigte das Mak am Ende des Abends das ruhigste Bild, fast ohne Seeing, und wir waren tiefgehend erstaunt. Die Schlussfolgerung war, dass es im Tubus bzw. über dem Spiegel der Newtons auch nach etlichen Stunden immer noch Seeing geben musste und so schaute ich mal, was die Literatur dazu sagt. Eine Quelle habe ich oben zitiert. Es gibt natürlich noch mehr, um zu verstehen, welche Effekte wirken:


Demnach wäre es sinnvoll, den Fangspiegel am Newton von hinten etwas zu dämmen, damit er nicht übermäßig in den Himmel abstrahlt und sich verformt. Zur Theorie, dass Spiegel irgendwann ausgekühlt sind:


Ein Gradient bleibt also, besonders, wenn sich die Nacht abkühlt. Im Grunde ist das also alles schon lange verstanden und wird beherrscht, nur von der Mehrheit der Amateure und von den Herstellern der Amateurteleskope nicht. Als mir das klar wurde, musste ich schon lachen, wieviel Mühe ich mir mit der Kollimation gab, während ich die "Luft-Optik" direkt vor dem Spiegel nicht mal kannte.

Die typischen PC-Lüfter fördern bei weniger Spannung nicht in gleichem Maß weniger Luft, aber laufen erheblich leiser. Man braucht auch keinen sehr hohen Luftstrom, sondern will nur das Seeing aus dem Tubus entfernen, indem man für eine leichte Strömung sorgt. Nur zur Beschleunigung der anfänglichen Abkühlung könnte mehr Strömung sinnvoll sein, aber da wird nicht viel zu holen sein. Man muss das Teleskop also weiter abkühlen lassen, kann aber das Seeing in Tubus und über dem Spiegel deutlich reduzieren.

Michael
 

arago

Mitglied
Hallo Freunde

Luft von unten gegen Hauptspiegel in den Tubus blasen ist keine gute Idee. Erstens wird der Spiegel von hinten her eher unterkühlt was zu Spiegelverformungen führt und zweitens bildet sich dann mitten in Tubus genau auf der optischen Achse ein sich drehender Luftwirbel der Euch Euer Bild gründlich ruiniert. Das sieht man dann am Beugungsbild ganz deutlich wenn man etwas defokussiert. Also immer die Luft aus dem Tubus heraussaugen. Eine leichte laminare Luftströmung in Richtung Hauptspiegelfläche verdrängt nun Luftdichteunterschiede vor dem Hauptspiegel und leitet gegen die Schwerkraft die wärmere Luft seitlich am Hauptspiegel vorbei nach unten durch die mittig platzierte Tubusöffnung in der sich der Lüfter befindet. Ergebnis: eine gleichmäßige ruhige Luftsäule ohne Dichteunterschiede vor dem Hauptspiegel und damit ein ruhiges Bild!

Gruß Peter
 
Hallo!

Ich fürchte Ihr habt mich vielleicht missverstanden.

Luft von unten auf den Spiegel zu blasen ist nicht sinnvoll,

.... Luft von unten gegen Hauptspiegel in den Tubus blasen ist keine gute Idee. ...

Genau das habe ich mir auch immer gedacht! Bei meinem ICS Galaxy Newton wurde auch ein Lüfterkit lose mitgeliefert, welches ich mir nie näher angeschaut habe. Es sollte unter den Spiegel montiert werden. Ich habe nie nachgesehen, wie die Blasrichtung des Lüfter eigentlich gewesen wäre, also zum Spiegel oder vom Spiegel weg. Nur mir erschien es nie richtig hinter dem Spiegel, quasi im freien Raum einen Lüfter zu montieren und ICS hat auch eher davon abgeraten.

Die Idee und das Konzept von Michael ist doch gerade den Tubus zu verschließen und dann die Luft dort heraus zu blasen...
... Aber die Idee den Tubus unten zu verschließen und mit einen Lüfter der Luft aus dem Tubus saugt damit zu sorgen, dass Luft von oben nach unten seitlich am Spiegel vorbei und dann nach außen zu transportieren, klingt ja fast nach dem Ei des Columbus! ...
oder habe ich etwas falsch verstanden?

Ich hatte vor kurzen eine lange Unterhaltung mit Herrn Thurner von ICS Augsburg genau über dieses Thema. Herr Thurner hat auch auf mögliche Vorteile einer Querlüftung über den Spiegel mit einem ganz "lauen" Lüftchen hingewiesen. Vermutlich muss man dann etwas öfter den Spiegel reinigen, denn eine gewisse Verschmutzung durch Staub dürfte dann nicht ganz zu verhindern sein. Ich hatte bis jetzt nur noch keinen Plan wie so etwas umgesetzt werden könnte. Deshalb finde ich es in jeden Fall mal Wert denkenswert den Tubus unter zu zumachen und dann die Luft aus dem Tubus zu blasen/saugen. Ich denke auch, dass ein langsam und dann auch leise drehender Lüfter ausreicht. Man will ja keinen Laubbläser aus dem Newton machen! Ich muss mir meinen Galaxy Newton dazu noch Mal genau anschauen, er steht zur Zeit bei mir in der Werkstatt in der Firma, ich baue gerade die Rockerbox um. Es könnte auch sein, dass ich es mechanisch nicht so einfach umsetzen kann, denn der Galaxy hat hinten schon einen Abschluss mit einer Metallmanschette. Muss ich mir noch Mal genauer anschauen.

Trotzdem für mich ein Projekt, welches ich weiter denken werde.

MünchenBeiNacht - Ewald
 

Michael_Haardt

Mitglied
Mit Querlüften meine ich keinesfalls, den Tubus seitlich zu öffnen, sondern nur bei einem großen Spiegel durch einen Lüfter neben dem Spiegel für Umluft über dem Spiegel zu sorgen. In der Tat fördert das die Verschmutzung, aber ein Filter aus so etwas wie Matten für Abzugshauben hinter dem Lüfter könnte helfen. Die Luft würde aber immer noch vorne am Tubus einströmen und hinter dem Spiegel abgesaugt werden.

Wie groß ein Spiegel sein muss, damit man das braucht, weiß ich nicht. Bei 6" geht's ohne, wie der Test zeigte. Es ist nachvollziehbar, dass es bei mehreren Metern Durchmesser nicht mehr ohne funktioniert.

Die Sache ist nicht meine Idee, sondern wie gesagt schon eher Jahrzehnte alt. Ich habe es nur in recht klein nachgebaut, nachdem ich las, wie das eigentlich kommt und was die Profis dagegen tun.

Michael
 

Martin_B

Mitglied
Hallo Michael,

ich kann 100% nachvollziehen, wie du den Effekt beschreibst.
Ich hatte das vor längerer Zeit ebenso an einem 150mm MN.
Der ja wegen vorne geschlossen noch viel schwieriger auskühlt.
Der MN hatte vorne rings um den Meniskus Öffnungen, und die Luft wurde hinter dem Hauptspiegel durch einen Lüfter durch den ganzen Tubus abgesaugt.

Mein aktueller 8" Newton ist ganz offen gebaut, ich bin nur 5-10x zum beobachten gekommen und hatte mich gewundert, dass ich so oft gutes Seeing hatte.
Ich denke mittlerweile, der Grund könnte nicht Glück, sondern ein anderer sein ...
Muss sich noch zeigen im Laufe der Zeit.

Gruß Martin
 
Oben