Hallo Stephan,
das Auffinden von solchen Dingern ist manchmal tatsächlich ein kleines Abenteuer - und es passiert tatsächlich auch ab und zu, dass jemand den falschen Stern überwacht.
Die fertigen Aufsuchkarten sind wie du schon selber festgestellt hast in der Regel nicht sehr hilfreich. Aber in den Karten ist angegeben, wie der Stern heißt, bzw. welche Koordinaten er hat, bzw. welche Nummer der Kleinplanet hat.
Mit einer dieser Infos ist das Zielobjekt gut aufzuspüren. Ich nutze dann immer einen Laptop auf dem Guide installiert ist, um mir vor Ort die Kartenausschnitte, die ich gerne hätte auszusuchen.
Wenn ich an einem System mit (gut funktionierendem) GoTo arbeite, dann fahre ich die Zielstelle meist direkt an. Man sollte aber trotzdem immer verifizieren, ob man auch im richtigen Sternfeld gelandet ist.
Ansonsten gibt es eben die Starhopping-Methode. Man beginnt bei einem klar zu identifizierenden Stern in der Nähe und hangelt sich langsam von Stern zu Stern bis zum Zielobjekt weiter.
Für beide Methoden ist es sehr hilfreich, wenn man auf der Karte weiß, wie groß der Himmelsausschnitt, den die Kamera momentan erfasst. Eine Interaktive Karte auf dem Laptop ist immer tausendmal besser als die besten vorgefertigten Karten (darum mache ich mir in der Regel nie die Mühen, extra Karten zu erstellen).
Das Event heute war übrigends alles andere als einfach. Der Stern stand in einer sternarmen Region (=schwierig, sich zurecht zu finden) und das Event war noch am sehr frühen Abend (=wenig Zeit, den Stern zu finden). Außerdem war der Stern für eine Sternbedeckung sehr schwach. Der "normale" Occultist ist eigentlich auf eine hohe Zeitauflösung (meist 50 Bilder pro Sekunde) spezialisiert. Dazu muss der Stern aber ein bis zwei mag heller sein. Die 12.9mag waren nur durch längere Belichtungszeiten (aufsummieren) zu schaffen - das ist aber genau wiedersprüchlich zu unserem Ziel einer hohen Zeitauflösung. Nur durch dieses Zeitlupenevent (bei dem eine schlechtere Zeitauflösung eben immer noch phantastische Resultate liefern kann) wurde diese Sternbedeckung erst so interessant - eine "normale" Sternbedeckung mit 12.9mag fällt bei den meisten Beobachtern durch das Raster.
Grüße
Andy
P.S.: wir haben das Event heute abend fleißig aufgenommen - aber pünktlich 10 Minuten vor der heißen Phase kam die dicke Wolckenbank
