Sternbedeckung durch Alphonsina am 22.12. Zeitnahme
Hallo Sternfreunde,
nachdem der Starauftritt von (925) Alphonsina schon gebührend angekündigt worden ist, hier ein paar Hinweise zur Zeitnahme, die wichtig ist, wenn man nicht nur das frappierende Erlebnis mitnehmen, sondern auch ein Scherflein zur Wissenschaft beitragen will.
Am allerbesten ist natürlich eine Videoaufnahme, in die die Zeit eingeblendet wird, die wiederum dem DCF-77 oder GPS Zeitsignal entnommen wird. Wer so ausgerüstet ist, braucht allerdings diese Tipps nicht.
An zweiter Stelle steht eine Video- oder Webcamaufnahme, die man später in Einzelbilder zerlegen und auszählen kann.
Gut, wenn die Einzelbilder schon bei der Aufnahme mit einem Timecode versehen werden, und die Recorderuhr richtig geht.
Weniger gut, wenn man sich darauf verlassen muss, dass das benutzte Rechnerbetriebssystem schon die korrekte Zeit aufstempeln wird.
Es interessiert ja, wann genau ein Bild aufgenommen wurde und nicht wann es gespeichert wurde.
Bei der Aufnahme mit Rechner und Webcam unbedingt einen Modus wählen, bei dem sicher keine Bilder verloren gehen.
Ziel ist es, die Absolutzeiten des Verschwindens und Wiedererscheinens des Sterns auf etwa eine Zehntelsekunde genau zu bestimmen.
Falls das nicht möglich ist, sollte wenigstens die Dauer der Verfinsterung so genau wie möglich bestimmt werden.
Wer die erforderliche Ausrüstung nicht besitzt oder bei den zu erwartenden Wetterverhältnissen nicht riskieren will, kann auch visuell beobachten.
Meine Empfehlung wäre dann ein DCF-77 Funkwecker und eine Stoppuhr, die mehrere Zwischenzeiten speichern kann.
Die Prozedur ist wie folgt:
- rechtzeitig vor dem Ereignis, im vorliegenden Fall etwa morgen um 22:25 wird die Senderruftaste der DCF-77 Uhr betätigt, oder die Batterie eingelegt. In der Regel hat sich die Uhr nach spätestens 3 Minuten auf das Zeitsignal synchronisiert
- die Uhrzeit wird nun wie folgt auf die Stoppuhr übertragen:
Ab etwa 30 Sekunden vor dem Wechsel auf volle zehn Minuten "synchronisiert" man sich auf den Rhythmus der im Sekundentakt wechselnden Ziffern und startet die Stoppuhr beim Wechsel z.B. von 22:29:59 auf 22:30:00. Das gelingt auch ohne große Übung mit einer Streuung von weniger als einer zehntel Sekunde.
Die Start/Stoptaste ist von jetzt an tabu, und alle weiteren Zeiten werden als Zwischenzeiten genommen. Die Vorteile sind:
- die genommenen Zeiten sind leicht in Absolutzeiten umzurechnen, der Zehnminutentrick erlaubt auch Schusseln wie mir, die Absolutzeiten eindeutig festzulegen.
- als Zeitfehler aufgrund der Reaktionszeit schlägt nur die Differenz zwischen der Verzögerung beim Start und der bei der Zwischenzeitnahme zu Buche
- man kann so viele Zeiten nehmen, wie die Stoppuhr Zwischenzeiten speichern kann. Also wenn man eine Beobachtungspause macht (machen muss), wenn Wolken durchziehen, wenn man, von der Szintillation gefoppt, ins Leere auslöst, und natürlich auch dann, wenn Alphonsina einen Begleiter hat, in dessen Schatten man das Privileg hatte zu stehen. Zur Sicherheit kann man auch ein Band mitlaufen lassen, auf das man bei jeder Zwischenzeit eine Bemerkung spricht (weg, da, Pause, Wolke o.ä). Dann können auch bei vielen Zwischenzeiten diejenigen des Ereignisses besser identifiziert werden.
- wichtig: die Stoppuhr jetzt nicht sofort anhalten, sondern definiert so wie beim Start. Nur so kann man sicher sein, dass die Stoppuhr ohne Unterbrechung durchgelaufen ist. Es gibt nämlich Stoppuhren, die man anhalten und weiterlaufen lassen kann, ohne dass sie sich auf Null zurück stellen.
Wenn einem das passiert, hat man natürlich die Absolutzeit verloren.
(Ich schreibe hier nur von Fehlern, die ich selbst gemacht habe!)
- alle Zeiten baldmöglichst notieren!
Für die Meldung an die IOTA sollte man sich noch eine Vorstellung von der eigenen Reaktionszeit verschaffen, die im Meldeformular gefragt wird.
Der Vereinskollege Klaus Nagel hat zu diesem Zweck ein
Java-Applet geschrieben, das eine Sternbedeckung simuliert.
Eine allgemeine Empfehlung noch: die prognostizierte Zeit
für den eigenen Standort ermitteln, z.B. aus dem
Update von Jan Manek , und nicht länger als zwei bis drei Minuten vor der Nominalzeit mit der Beobachtung beginnen. Diese ziehen sich erfahrungsgemäß hin, und die Aufmerksamkeit fängt dann an nachzulassen.
Nicht vergessen, den Beobachtungsstandort genau zu bestimmen, möglichst mit GPS (WGS84), aber das kann zur not auch nachträglich geschehen.
Und am allerwichtigsten: Rausgehen und beobachten!
Die Bedeckung des hellsten Sterns, die bisher in diesem Jahr von Deutschland aus zu sehen war, war die durch (357) Ninina am Morgen des 11. September. Zu der Zeit lagen ein Tiefdruckwirbel über Mitteleuropa, und alle Beobachter in den Buntkarierten.
Alle? Nein!
Drei Unentwegte habens gesehen 
))
Bei den gegenwärtigen Wetterbedingungen wirds wohl ein Okkultationsroulette geben, so dass jeder die Chance hat, zu den möglicherweise sehr wenigen erfolgreichen Beobachtern zu gehören.
Also, allen die es versuchen, wünsche ich, dass morgen allein Alphonsina zwischen ihnen und dem Stern steht.
adventliche Grüße,
Claus-
Peter