Hallo zusammen!
Was haltet ihr von diesem Ansatz:
Der wesentliche Unterschied der von RC bezüglich der Symmetrie der defokussieren Sternscheiben in gut und böse eingeteilten Teleskoptypen liegt darin, dass die bösen alle einen deutlichen Gaußfehler oder Sphärochromatismus haben, die guten dagegen nicht. Z.B. der Fraunhofer f/15 hat zwar einen enormen Farblängsfehler, aber keinen Gaußfehler, d.h. der Öffnungsfehler ist für alle Wellenlänge etwa gleich, nämlich praktisch null.
Mein Gedanke ist jetzt, vielleichrt ist die Flächenhelligkeit des Sterntestscheibchens so gering, dass die Augenempfindlichkeitskurve für Dunkeladaption anzunehmen idst. Deren Maximum liegt bei 507nm, während die fraglichen Teleskoptypen wahrscheinlich eher für die maximale Empfindlichkeit bei Helladaption (555nm) korrigiert sind (Mond, Planeten).
Wenn das so ist, dann sieht man beim Sterntest den (Öffnungs)fehler bei ca. 507nm. Um dies quantitativ zu untermauern, habe ich mit meinem Optikprogramm von verschiedenen Fernrohrtypen mit jeweils 200mm Öffnung die Pointspreadfunktion (PSF) im besten Focus sowie intra- und extrafocal bei 555nm und 507nm berechnet:
1. Fraunhofer f/15 , Quelle Edmund Scientific (FH)
2. CaF2-Apo f/8 , Quelle Rutten + van Venroi (Apo)
3. SC f/10 , Quelle Rutten + van Venroi (SC)
4. Katadioptr.f/8 , Quelle Busack (Bu)
Beim 4. System handelt es sich um ein "komplexes" Medial-ähnliches System mit Manginspiegel und Feldlinse ohne Farblängsfehler und ohne Gaußfehler.
Es folgen jeweils nacheinander die Ergebnisse für Strehl im optimalen Focus, Beurteilung der PSF-Unterschiede +-3Lambda intra- und extrafokal bei 555nm sowie bei 507nm:
FH : 0.998, perfekt, 0.986, perfekt
Apo: 0.989, perfekt, 0.911, stark unterschiedlich
SC : 0.996, perfekt, 0.915, stark unterschiedlich
Bu : 0.999, perfekt, 0.998, perfekt
Fazit:
1. Diese Ergebnisse legen nahe, dass tatsächlich beim Sterntest mit dem Auge der Korrektionszustand eher bei ca. 507nm als bei 555nm beurteilt wird. RC hat also recht wenn er sagt, dass bei bestimmten Systemen gar keine Symmetrie angestrebt werden darf.
2. Der Sterntest ist in der Tat sehr empfindlich, man erkennt auch bei gutem Korrektionszustand deutliche Unterschoiede, die bei dieser Wellenlänge keine praktische Bedeutung haben.
3. Unterschiede Intra-/extrafokal treten zumindest nicht bei allen komplexen Systemen auf.
Apos mit kleinerer Öffnung oder kleinerem Öffnungsverhältnis haben natürlich deutlich "besseres" Verhalten im Sterntest, was aber wie gesagt praktisch ohne Bedeutung ist.
Bevor also frustrierte Apo-, SC- oder Mak-Besitzer ihre vermeintlichen "Gurken" verschrotten, sollten sie den Sterntest mit einem schmalbandigen Intereferenzfilter bei 555nm bzw. bei der Design-Wellenlänge ihres Teleskops wiederholen. Ich prophezeie, dass die Unterschiede deutlich geringer werden.
Wenn sich dies bestätigt, hätten die Teleskophersteller sogar eine werbewirksame Möglichkeit, passend zu den jeweiligen Systemen (mit Bekanntmachung der Konstruktionswellenlänge) Testinterferenzfilter mitzuliefern und damit diesen herrlich einfachen Test mehr quantitativ zu machen. Damit könnte der Kunde dann auch die Korrektion des Gaußfehlers beurteilen.
Gruß
Hans-Jürgen