Wie gut bleibt denn die Optik beim Verlagern/Kippen des Teleskopes ?
Damit sprichst du ein delikates Thema an, das auf der amerikanischen ATM Liste sehr leidenschaftlich diskutiert wurde. Ich habe es im Artikel extra weggelassen, da man darüber ganze Bücher schreiben könnte. Eine sehr schöne Seite zur Lagerung der Großen Dünnen ist auch vom Franzosen Frederick Gea
astatic supports und
lateral supports
Bei mir sind die Deformationen vorhanden, aber kaum der Rede wert. Beim Schwenk des optimal kollimierten Gerätes vom Zenit in 45° Stellung sehe ich manchmal bei hoher Vergrößerung (525x) leichten Astigmatismus, der manchmal auch beim Zurückschwenken in den Zenit erhalten bleibt. Ein sanfter Tritt von hinten gegen den Spiegel macht die Sache wieder Rund. Manchmal muss ich auch im Laufe der Nacht etwas Nachjustieren. Am Foucault test Stand konnte ich am senkrecht gestellten sphärischen Spiegel den Potato Chip Effekt direkt sehen (da macht das Testen richtig Spass <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />), am Stern war dies aber bisher kaum sichtbar, da am Horizont das Seeing zu schlecht ist.
Als Grund für diese Phänomene habe ich meine Schlinge in Verdacht - ja ich bin mir nach den Diskussionen auf der Ami- Liste ziemlich sicher, dass es daran liegt. Es ist ein Nylongurt aus dem Bergsteigerladen, der zwar Tonnen aushält aber offensichtlich durch das Eigengewicht des Spiegels sich etwas dehnt. Dadurch wandert der Spiegel in seiner Halterung. Durch die Reibung an den Lagerpunkten entstehen sog. Hystereseerscheinungen, die den Spiegel leicht verspannen. Das erklärt, warum der Effekt nur machnchmal auftritt. Bei dem Tritt gegen das Glas entspannt sich die Sache offensichtlich wieder.
Mögliche Auswege:
- Auto Sicherheitsgurt: Bei meinem 40 mm dicken 17,5" funktioniert er prima. Er dehnt sich aber wahrscheinlich ganau so stark, sodass er bei dem 24" keine echte Alternative ist.
- Schlinge aus Stahl- oder Aluband: Dehnt sich praktisch nicht, ist aber zu steif in Achsrichtung und erzeut noch schlimmere Deformationen.
- Wippen oder sonstige Stopper statt Schlinge. Könnte klappen, wenn die Reibung durch z.B. Teflon klein genug gehalten wird. So macht es Starmaster Telscopes, deren Spiegel sind aber etwas dicker.
- Doppel Stahldraht Schlinge a la
Jan van Gastel : Ist justierstabil, Jan hatte aber immer noch manchmal Astigmatismus, da der Draht am Spiegel reibt und ihn offensichtlich immer noch leicht deformiert.
- Klavierseiten Stopper à la Frederick Gea. Diese können sich axial frei bewegen, während sie radial den Spiegel sicher halten. Für mich die aussichtsreichste Methode. Frederick lagert seinen 40 mm dicken 32" damit und ist begeistert.
Was ich mache, wenn ich mal Zeit und Lust finde, weiss ich noch nicht. Der Leidensdruck ist auch nicht so hoch, da der Effekt wirklich klein ist. Ein dickerer Rohling ist, abgesehen von den üblichen Nachteilen (deutlich langsamere Auskühlung, mehr Geschleppe)auch hier keine Alternative, da er zwar stabiler ist, aber durch das höhere Gewicht die Schlinge noch mehr dehnt.
Um hier keine Verwirrung bei angehenden Spiegelzelenbauern zu stiften: Wer einen 16" mit 40 mm Dicke, oder einen 20" mit 50 mm Dicke lagern will, kommt mit einer ganz normalem David Kriege Zelle mit Sicherheitsgurt völlig aus und braucht sich um "Hysteresen" und "Potato Chipping" keinen heissen Kopf zu machen. Bei den richtig großen Scherben ab 25" muss man allerdings mit einem gewissen Eigenleben rechnen und sie entsprechend lagern.
Letztendlich ist meine Philosophie hierzu: Wenn man einen Spiegel gegebender Größe und Dicke gut genug parabolisiert kriegt, kriegt man ihn hinterher auch gut genug gelagert. Ersteres steht mir ja bei unserem 32-Zöller noch bevor.