Hi Sven,
ich sprech's mal allgemein an, weil es mir über die Jahre immer wieder auffällt: Warum wird um die Ausrichtung einer parallaktischen Montierung so ein Bohei gemacht?
weil ich seit nunmehr rund 25 Jahre in der Praxis erlebe, daß Nichtastronomen massive Probleme damit haben.
Als Amateurastronom ist Dir und mir die Orientierung am Himmel sicherlich in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn Sonne, Mond oder Sterne am klaren Himmel zu sehen sind, kann ich sofort sagen, wo Norden ist. Da brauch ich weder Kompaß, noch Navi, Landkarte oder ne App aufm Handy. Der Rest der Bevölkerung ist da aber nach meiner Erfahrung völlig hilflos.
Kinder wünschen sich ein Teleskop, Eltern ohne jegliche Kenntnis kaufen online das Teleskop, das sie sich leisten können/wollen, die Kiddies packen es aus und nun beginnt das große Rätselraten, was wohin gehört und wie es aufgebaut werden soll.
Irgendwann geben die Eltern auf, schleppen der Kram nach Weihnachten zu uns auf die Sternwarte und erwarten von mir oder meinen Kollegen, daß wir ihnen zeigen, was wo hin gehört und wie man es bedient.
Ich bau es dann Stück für Stück zusammen, erkläre, was wo und warum zusammengehört und geh mit dem Geraffel unterm Arm dann raus ins Freie und zeige ihnen den Polarstern. Erkläre, daß sich alle Sterne um den im Lauf von 24 Stunden drehen. Daß man die Montierung so ausrichten muß, daß sie zum Polarstern zeigt und man dann nur an der Stundenachse drehen muß, um einen Stern, Planet oder den Mond im Okular zu halten. Lasse die Kinder und auch die Eltern durchgucken, selber an der biegsamen Welle drehen. Dann bau ich es wieder auseinander und geb die Einzelteile den Eltern oder Kinder. Jetzt sollen sie es selber zusammenbauen, dann einnorden und nen Stern mal 2 Minuten im Okular halten.
Rate mal, wie viele es schaffen, alles korrekt zusammenzubauen. Selbst mit Bauanleitung und von mir gehaltenen Taschenlampe klappt das nur bei wenigen. Rate mal, wie viele dann die Montierung auch noch Richtung Polarstern ausrichten.
Weil das alles nicht wirklich intuitiv klappt, schnappen sich die meisten dann das Stativ und stellen es jedesmal anderst hin, wenn sie den nächsten Stern anpeilen wollen. Statt das Teleskop mit den beiden Wellen in Position zu bringen. Einfach, weil das schneller geht.
Wenn die Stundenachse mal auf Vega und mal auf Sirius zeigt, die Polhöhe auf Mittelmehrküste eingestellt ist, ist es nahezu unmöglich, durch Drehen an den biegsamen Wellen ein Objekt im Okular zu halten und die Eltern/Kinder sind frustriert.
Aus dem Grund plädiere ich für nen Dobson. Hinstellen, Ziel anvisieren, durchgucken. Feddisch. Mit Dobsons kommen Kinder wunderbar klar. Viel besser als mit den unterdimensionierten Billigparallaktischen auf Klapperstativ und auch viel besser als mit den schrottigen Gabelteilen auf Dreibein.
Fee, ich halte den Hinweis auf einen Polsucher (oder dessen als Mangel geschildertes Fehlen) für völligen Humbug. Seit Jahren stelle ich meine visuell genutzten Montierungen so auf, dass ich einfach mich dahinter stelle und einfach nur per auf und ab schauen Anpeile, ob die Achse auf Polaris zeigt. Nichts mit Bücken, nichts mit Knien, kein Einstellen von Datum und Uhrzeit.
Du und ich erkennen, ob der Stern da oben Polaris ist und die Montierung in seine Richtung zeigt. Du und ich erkennen, ob die eingestellte Polhöhe grob zum Breitengrad paßt. Ein Nichtastronom aber nicht.
Zu uns auf die Sternwarte kommen nur die Neulinge, die selber nicht klarkommen. Da haben wir zwei anscheinend unterschiedliche Erfahrungen gemacht.
Als "betreuender Vater" muss man dazu eigentlich nur mal grad die 50° Nordbreite für Deutschland auf der Polhöhenskala einstellen, und fertig. Sieht dann so aus:
damit hast Du völlig recht. Leider sind die Montierungsverpackungen aber so gestaltet, daß die Montierungen nur reinpassen, wenn sie auf "Mittelmehrküste" eingestellt sind. Die Teleskope sollen ja nicht fertig aufgebaut im Kinderzimmer rumstehen. Die werden wieder in der Schachtel unterm Bett oder im Schrank verstaut, damit sie nicht im Weg rumstehen, umfallen und kaputt gehen. Und damit alle Einzelteile (Okulare, Barlows, Mondfilter...) net verschwinden. Also muß jedes Mal die Polhöhe neu eingestellt werden. Vergißt man das, wirds problematisch mit den händischen Nachführen...
Das mal ganz rausgelöst aus der Diskussion, um welches Teleskop es denn gehen soll. Und übrigens, das Teleskop, welches ich hier am liebsten mitgeben würde, wäre ein 130/650 in so einer Tisch-Montierung:
jepp, so nen Dob favorisiere ich doch auch. Da binn ich ganz bei Dir.