Hallo.
Zum Thema SC: es gab zwei namhafte Hersteller für bezahlbare Amateurmodelle, Meade und Celestron, von denen nur noch Celestron übrig geblieben ist. Wie lange für Meade-Geräte noch Service möglich sein wird weiß ich nicht. SCs sind aufgrund des baulichen Aufwands im Vergleich zu einem Einsteigernewton deutlich teurer, aber dafür bekommt man ein ungleich kompakteres und besser transportables Gerät, das auc weniger teure Okulare braucht. Gebrauchtkauf bietet sich an, ich würde dann darauf achten, dass das Gerät nicht älter ist als ca. 10-15 Jahre. Grund: damals wurden Serien-SCs nochmals deutlich verbessert, sowohl optisch als auch mechanisch und fertigungstechnisch, und das merkt man im praktischen Gebrauch ganz klar:
Gab es bei älteren Modellen immer mal wieder Ausreißer nach unten, was den Kauf zum Lotteriespiel machen konnte, ist die Serienqualität seither wirklich gut und verlässlich. Die gesteigerte Transmission durch bessere Vergütungen und besseres Glasmaterial hat Kontrast und Billanz so weit angehoben, dass visuell heute so gut wie kein Unterschied zu einem guten Newton besteht, fotografisch ist die etwas höhere Obstruktion eh irrelevant. Die Fokussierung ist nun quasi shiftingfrei und bleibt es bei sorgsamem Umgang auch (Fokusierweg nicht an den Enden anknallen lassen beim Kurbeln).
Ein C8 ist optisch in Bezug auf Preis/Leistung so etwas wie der Sweet-Spot der Modellreihe und gebraucht schon mal für 400 zu haben, allerdings sind die Montierungsanforderungen nicht zu verachten und z.B. eine EQ5 m.E. auch bei nur visuellem Einsatz schon etwas zu wacklig. Mit einer vernünftigen AVX oder HEQ5 dürfte es gebraucht aber den Budgetrahmen sprengen. Was die hohe Brennweite angeht, kann man ein C8 für den Einstieg ins Fotografieren allerdings nicht gut empfehlen, da sind Brennweiten bis max. ca 750mm angeraten, weil dann die Nachführung noch ganz gut zu handeln ist. Hier liegt ein C8 für den Anfang auch in Sachen Montierungsanforderungen deutlich zu hoch.
Ein Celestron C6 dagegen wiegt nur ca. 3,5 kg, ist mit Heiztapete ummantelt schnell einsatzbereit und so kompakt, dass es in Bezug auf Größe und Gewicht kaum ein leistungsfähigeres Gerät auf dem Markt geben dürfte. Visuell kann die Montierung deutlich günstiger und leichter als beim C8 sein, mit einem vernünftigen azimutalen Kopf auf solidem Fotostativ ist das C6 m.E. ein ideales Schnellspechtel-Balkon- und Reisegerät. Für gut 300 Euro kann man da durchaus rankommen, mit passendem Unterbau sollten fürs Visuelle 500 ausreichen.
Fotografisch kommt man mit Reducer bei f/6.3 auf 950mm Brennweite, dass ist für viele Galaxien, die ja oft klein sind, fotografisch zwar ein guter Bildmaßstab, erfordert dann aber einen soliden und genau laufenden Unterbau wie besagte AVX oder HEQ5, das wird dann deutlich teurer als gedacht - das ist Astrofotografie aber immer! - und ist insgesamt für Anfänger vermutlich schon etwas zu ambitioniert.
Da es generell empfehlenswert ist das fotografische Setup vom Visuellen zu trennen ist es oft besser, nach dem visuellen Einstieg später separat mit einem kleinen 80mm Apo fotografisch anzufangen, und den unglücklichen Wollmilchsaugedanken von Anfang an aufzugeben. Wer keine fotografischen Interessen hat, kann als Weitfeldergänzung auch einen günstigen Achromaten mit dem SC kombinieren.
Wer fotografieren will ist mit einem kleinen Apo zum Einstieg oft am besten bedient, der liefert meist von Beginn an ohne viel Aufwand fotograisch schöne Ergebnisse, ist außerdem als Schnellspechtel- Weitfeld- und Reisegerät zu brauchen und macht auch keine Zicken wie so mancher Newton, der wesentlich anspruchsvoller ist, bis man ihn für den fotografischen Einsatz mechanisch und optisch stabil hingetrimmt hat. Der typische Wunsch "ich will aber beides in Einem und das günstig und sofort und ..." programmiert m.E. nur Frust vor. Wenn es aber unbedingt so sein soll, dann kommt ein 150/750 Newton mit fotografischer Auslegung (stabiler Auszug, genügend Ausleuchtung) auf einer EQ5 dieser Wunschvorstellung wohl noch am nächsten...
Generell finde ich eure Devise "das oder die Teleskope sollen in mein Leben passen" sehr viel besser als die umgekehrte "maskuline" Variante, wie sie in den typischen Einsteigerberatungen vorherrscht: "ich brauche maximale Leistung, deshalb kann es gar nicht groß genug sein, auf sonstige Umstände kann ich leider keine Rücksicht nehmen".
Tjaja, und schneller als gedacht stehen diese Maximal-Trümmer dann die meiste Zeit bloß ungenutzt rum und versperren Platz und stauben ein, von wegen innerer Schweinehund und weil der Aufwand von Transport und Aufbau unterschätzt wurde. Da ist es viel besser mit einem kleineren Gerät, das schnell startklar ist öfter zu beobachten und auch mal kurze Wolkenlücken entspannt vom Balkon zu nutzen, bevor mit größerem Gerät eine meist logistisch vergleichsweise aufwendige Autoexpedition fällig ist (von Kosten und Umwelt mal gar nicht zu reden).
Gruß,
Mathias