Hallo Marvin,
Zitat von marvin42:
Aber nach und nach musste ich feststellen, dass es mit DeepSky-Objekten nicht weit her ist und mein Interesse an der Fotografie, die ich Anfangs gänzlich verschmäht hatte, rasant anstieg. Dafür ist der kleine Skywatcher jedoch ziemlich ungeeignet. Ich konnte Ihm zwar schon ein paar nette Mondfotos entlocken, das wars dann aber auch schon.
Da mein Budget schon recht klein ist, habe ich mir nach langer Suche den Acuter 90/900 rausgesucht. Meine Frage hierzu: ist das eine Verbesserung? Ist damit ein Anfang in die Fotografie (DeepSky) möglich?
Meine Erwartungen sind realistisch, das Teleskop soll die Anfänge ermöglichen und Lerneffekte begünstigen. Später soll dann ein richtiger Apo her.
ich hau mal in die selbe Kerbe wie meine Vorredner:
Solange Du visuell nur über wenige Minuten Spechtelerfahrung hast, ist Astrofotografie nix. Auch wenn es Dich "pfupfert".
Damit Du unsere Antworten überhaupt verstehen/einordnen kannst, solltest Du über mehr Erfahrung verfügen. So 1-2 Jahre rein visuell beobachtet haben und wissen, wie die Fotomotive "da oben" durch ein Okular ausschauen. Wie groß die ausfallen (1/40 Vollmonddurchmesser bis 10 Vollmonddurchmesser) und in welchen Wellenlängen die Licht aussenden. Dann das Vokabular der Amateurastronomie beherrschen, den Unterschied zwischen parallaktischer und azimutaler Montierung kennen, wissen, wie man korrekt "einnordet", wo die einzelnen Motive ungefähr am Himmel stehen und in welcher Jahreszeit sie zu sehen sind.
Für Deepsky-Fotografie benötigst Du zwingend eine parallaktische Montierung mit Motoren, eine Steuerung mit ST-4 Eingang und eine Guidingcam an einem Leitrohr, Sucher oder am Off-Axis-Guider. Dann die Stromversorgung für die Montierung, die Guidingcam, die Kamera im Hauptrohr und den Aufnahmerechner.
Für den Anfang empfehle ich ebenfalls kurze Brennweiten. Schon mit einem 300 mm Teleobjektiv an einer DSLR kann man viele Motive ablichten. Besonders, wenn man sie so umbauen läßt, daß sie das rote Leuchten der Wasserstoffnebel auch auf den Chip bekommt. Dazu muß man dann die Kamera auf eine Prismenschine setzen, fürs Guiding einen Sucher parallel dazu und dann noch einen Telrad auch auf die Schine adaptieren. Oder eine Montierung kaufen, die über "Goto" verfügt. Dann diese Konstruktion statt eines "echten"

Teleskopes auf die Montierung und nun kann man losknipsen. Die Belichtungszeiten liegen dann aber in ganz anderen Bereichen wie in der Tageslichtfotografie. So zwischen 2 und 10 Minuten pro Einzelbild. Und viele davon. Mehrere Stunden Gesamtbelichtungszeit sind gut.
Solange Du nur mit Teleobjektiven fotografierst, reicht eine NEQ-3, sobald ein Teleskop auf der Montierung verwenet werden soll, brauchst mindestens eine EQ-5.
Schau mal
hier, so schaut mein Aufbau für kurze Brennweiten aus.
Und diese Fotos hab ich
damit gemacht.
Du hast aus meiner Sicht 3 Möglichkeiten:
A) sparen, bis Du 1500 Euro beieinander hast und das notwendige Geraffel (für kurze Brennweiten) neu kaufen kannst
B) sparen, bis Du 1000 Euro beieinander hast und gebrauchte Sachen (für kurze Brennweiten) kaufen
C) einem Verein beitreten, die dort vorhandenen Sachen nutzen und die ersten Erfahrungen machen, was Dir Spaß macht. Dann auf eigenes Equippment sparen, welches genau zu Deinen Vorlieben paßt...
Willst Du dann durch ein Teleskop (6" Newton, 8" Newton) hindurchfotografieren, verdoppelt oder verdreifacht sich der finanzielle Aufwand. Denn dann brauchst ne teurere Montierung, einen Komakorrektor, diverse Adapter...
Astrofotografie ist teuer, eine massive Materialschlacht und sehr zeitaufwändig. Ich habe etliche "anbelichtete" Fotomotive auf der Platte liegen, bei denen ich seit Jahren auf gutes Wetter warte, um sie fertig zu belichten.
Bis jetzt haben wir alle nur von den materiellen Voraussetzungen geschrieben. Der Himmel muß auch zum Fotowunsch passen. Es gibt Motive, die aus einer Stadt heraus einfach nicht gehen. Für die man unbedingt raus ins dunkle Umland muß. Also Krempel ins Auto packen, rausfahren, aufbauen, einnorden, belichten, abbauen, einpacken, heimfahren. Dazu muß das Wetter passen, die richtige Jahreszeit fürs Motiv und es darf kein Mond am Himmel stehen, in dessen Licht das Motiv absäuft. Und dann kommt die Bildbearbeitung. Das ist nochmal ein Kapitel für sich. Das dauert ebenfalls Wochen oder Monate, bis Du das beherrschst. Denn die tollen Bilder fallen nicht von alleine aus der Kamera. Die müssen im Rechner mit Darks, Bias und Flats kalibriert und dann gestackt werden, anschließend im Kontrast gespreizt, in der Helligkeit und Farbe angepaßt werden, geschärft, entrauscht, selektiv geschärft werden... Dafür gibt es eine Reihe von Freewareprogrammen, aber auch Kaufprogramme. Für die kannst auch nochmal ne ganze Stange Geld ausgeben.
Alles nicht so trivial, wie Du Dir das vorstellst... :Trost: