Teleskopwechsel

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marvin42

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Hallo, bin noch ein Frischling in der Astronomie und habe mir aus einer Laune heraus und mit Weihnachtsgutschein bewaffnet einen Skywatcher Heritage 130P gekauft. Ich dachte, ich hätte mich vorher schon gut eingelesen, musste aber mit der Zeit feststellen, dass ich wohl das für mich falsche Teleskop gekauft habe. Nicht falsch verstehen: es ist ein wirklich tolles Einsteigerscope, flexibel, transportabel, relativ große Öffnung für den Preis. Auch hat mich der Jupiter beim ersten Anblick schon aus den Socken gehauen (keine 10 Minuten nachdem ich das Paket ausgepackt habe). Aber nach und nach musste ich feststellen, dass es mit DeepSky-Objekten nicht weit her ist und mein Interesse an der Fotografie, die ich Anfangs gänzlich verschmäht hatte, rasant anstieg. Dafür ist der kleine Skywatcher jedoch ziemlich ungeeignet. Ich konnte Ihm zwar schon ein paar nette Mondfotos entlocken, das wars dann aber auch schon.

Da mein Budget schon recht klein ist, habe ich mir nach langer Suche den Acuter 90/900 rausgesucht. Meine Frage hierzu: ist das eine Verbesserung? Ist damit ein Anfang in die Fotografie (DeepSky) möglich?
Meine Erwartungen sind realistisch, das Teleskop soll die Anfänge ermöglichen und Lerneffekte begünstigen. Später soll dann ein richtiger Apo her.
 
Hi marvin42,
vielleicht hab ich's überlesen, aber eine Montierung hast Du noch nicht, oder? Ich würde erst einmal damit anfangen. Wie hoch ist denn Dein Budget und was willst Du fotografieren (DeepSky geht von ausgedehnten Nebeln mit geringer Brennweite bis hin zu kleinen Galaxien, die grosse Brennweiten erfordern)?

Ohne etwas Näheres zu den o.g. Fragen zu kennen und zu wissen, würde ich Dir zu einer Montierung in der Celestron AVX oder Skywatcher HEQ5-Klasse raten, die guidingfähig ist. Starte erst mal mit Teleobjektiven und erlerne die Grundlagen, danach kannst Du ins Guiding einsteigen, was für längere Belichtungszeiten Pflicht ist.

Ich selbst habe auch gleich mit einem 8" F/4 Newton starten wollen und bin damit auf die Schnauze gefallen und reumütig zurück auf Teleobjektive, bis ich eineigermassen die Technik im Griff hatte. Als Lektüre kann ich Dir folgende Bücher empfehlen (habe ich selbst):
Stefan Seip - Himmelsfotografie mit der DSLR
Roland Störmer - Astrofotografie

Ausserdem habe ich zwei total geniale Workshops von Silvia besucht, welche Sie immer vor der AME ausrichtet:
Planetenfotografie und Astrofotografie mit DSLR



 
Hallo Marvin,

kleines Budget ist generell keine sehr glückliche Prämisse fürs Fotografieren. Für 900 mm Brennweite kosten alleine Stativ und Montierung ein Mehrfaches dessen, was Dein Vorschlag insgesamt kosten würde.

Wenn Du unbedingt in die Geldvernichtungsmaschine Astrofotografie einsteigen willst, könnte eine bezahlbare Lösung, die auch einen gewissen Aufstieg ermöglicht, aus einer gebrauchten, aber gut erhaltenen Montierung der Art EQ 5 oder Vixen GP bzw. GP-E bestehen, und da drauf kommt eine digitale SLR mit vernünftigen Objektiven von 20 bis 200 mm. Bis Du das und die Bildbearbeitung restlos beherrschst, die Möglichkeiten ausgereizt hast und die Anforderungen an geeignete größere Geräte einschätzen kannst, vergehen Jahre - des Ansparens.

Grüße,

Klaus
 
Hallo Marvin,

an Mond und Planeten wäre der Acuter visuell vielleicht einen Tick besser als ein 130er Newton, bei Deep Sky etwas schlechter - wie soll denn ein Teleskop mit 40mm weniger Öffnung bei Deep Sky mehr zeigen, auch wenn man die Lichtverluste beim Newton abzieht (Den Newton willst du ja offensichtlich nicht nur austauschen, um zu fotografieren, sondern auch, weil er dich visuell bei Deep Sky enttäuscht)?

Da mein Budget schon recht klein ist, habe ich mir nach langer Suche den Acuter 90/900 rausgesucht. Meine Frage hierzu: ist das eine Verbesserung? Ist damit ein Anfang in die Fotografie (DeepSky) möglich?
Meine Erwartungen sind realistisch, das Teleskop soll die Anfänge ermöglichen und Lerneffekte begünstigen. Später soll dann ein richtiger Apo her.

Laut Gerd Duering IST der Acuter schon ein Vollapo:

http://forum.astronomie.de/phpapps/...154571/Re:_90mm_voll_APO_für_400€#Post1154571

Für Fotografie ist aber das Öffnungsverhältnis des Acuters äußerst ungünstig, außerdem schließen sich Fotografie und "recht kleines Budget" leider gegenseitig aus.

CS,
Fabian
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Marvin,

der Acuter ist ein f/10, Fotografie ist damit möglich, klar, aber ich kolportiere mal, das Zubehör, das dafür nötig ist, übersteigt Dein derzeitiges Budget um ein vielfaches.

Meine Empfehlung lautet immer, visuell und Fotografie bei den Gerätschaften zu trennen, da die Anforderungen sehr unterschiedlich sind. Einsteigerfotografie kann und sollte man meiner Erfahrung nach auf 300-500mm Brennweite beschränken, dann kann auch das weitere Zubehör noch schmaler ausfallen.

Darüber hinaus, einmal Jupiter gesehen zu haben bringt aus meiner Sicht noch nicht die richtigen Voraussetzungen mit, um erfolgreich Fotografie am Himmel betreiben zu können. Nein, ich vertrete wenig das Dogma, dass man ein ambitionierter Hobbieastronom sein muss, bevor man knipsen darf, aber ein gewisser Erfahrungsschatz am Himmel hilft auch, den Frust bei der Fotografie zu verringern.

Ich bringe mal meine eigene Erfahrung ins Spiel mit einem 120/600er Refraktor, mit dem ich die Knipserei angefangen habe. Gleich vorweg, denn die Einwände werden ja kommen, natürlich ist das ein Farbwerfer, die Bilder werden ordentlich Blausäume an den Sternen zeigen. Die Brennweite und Öffnung erlaubt aber schon recht kurze Belichtungszeiten, sodass eine ultragenaue Nachführung und Guidinf noch nicht nötig sind. Wird die Fotoecke ausgebaut und verändert, kann und darf der Refraktor gut als Schnellspechtel Richfielder weiterleben, wie auch bei mir.

Eine Montierung muss natürlich auch her, hier gilt es nun, Dein Budget zu kennen und Klarheit darüber zu verschaffen, dass die Montierung min. genauso viel kosten wird wie das Teleskop, eher sogar mehr.

Also, Fotografie ist möglich, wird ja auch gemacht, aber Du solltest wissen, dass das eine völlig andere Disziplin ist, die nicht nur einen anderen Workflow erfordert sondern auch andere Anforderungen an die Ausrüstung.
 
Hallo Marvin,

Zitat von marvin42:
Aber nach und nach musste ich feststellen, dass es mit DeepSky-Objekten nicht weit her ist und mein Interesse an der Fotografie, die ich Anfangs gänzlich verschmäht hatte, rasant anstieg. Dafür ist der kleine Skywatcher jedoch ziemlich ungeeignet. Ich konnte Ihm zwar schon ein paar nette Mondfotos entlocken, das wars dann aber auch schon.

Da mein Budget schon recht klein ist, habe ich mir nach langer Suche den Acuter 90/900 rausgesucht. Meine Frage hierzu: ist das eine Verbesserung? Ist damit ein Anfang in die Fotografie (DeepSky) möglich?
Meine Erwartungen sind realistisch, das Teleskop soll die Anfänge ermöglichen und Lerneffekte begünstigen. Später soll dann ein richtiger Apo her.

ich hau mal in die selbe Kerbe wie meine Vorredner:

Solange Du visuell nur über wenige Minuten Spechtelerfahrung hast, ist Astrofotografie nix. Auch wenn es Dich "pfupfert".

Damit Du unsere Antworten überhaupt verstehen/einordnen kannst, solltest Du über mehr Erfahrung verfügen. So 1-2 Jahre rein visuell beobachtet haben und wissen, wie die Fotomotive "da oben" durch ein Okular ausschauen. Wie groß die ausfallen (1/40 Vollmonddurchmesser bis 10 Vollmonddurchmesser) und in welchen Wellenlängen die Licht aussenden. Dann das Vokabular der Amateurastronomie beherrschen, den Unterschied zwischen parallaktischer und azimutaler Montierung kennen, wissen, wie man korrekt "einnordet", wo die einzelnen Motive ungefähr am Himmel stehen und in welcher Jahreszeit sie zu sehen sind.

Für Deepsky-Fotografie benötigst Du zwingend eine parallaktische Montierung mit Motoren, eine Steuerung mit ST-4 Eingang und eine Guidingcam an einem Leitrohr, Sucher oder am Off-Axis-Guider. Dann die Stromversorgung für die Montierung, die Guidingcam, die Kamera im Hauptrohr und den Aufnahmerechner.

Für den Anfang empfehle ich ebenfalls kurze Brennweiten. Schon mit einem 300 mm Teleobjektiv an einer DSLR kann man viele Motive ablichten. Besonders, wenn man sie so umbauen läßt, daß sie das rote Leuchten der Wasserstoffnebel auch auf den Chip bekommt. Dazu muß man dann die Kamera auf eine Prismenschine setzen, fürs Guiding einen Sucher parallel dazu und dann noch einen Telrad auch auf die Schine adaptieren. Oder eine Montierung kaufen, die über "Goto" verfügt. Dann diese Konstruktion statt eines "echten" ;) Teleskopes auf die Montierung und nun kann man losknipsen. Die Belichtungszeiten liegen dann aber in ganz anderen Bereichen wie in der Tageslichtfotografie. So zwischen 2 und 10 Minuten pro Einzelbild. Und viele davon. Mehrere Stunden Gesamtbelichtungszeit sind gut.

Solange Du nur mit Teleobjektiven fotografierst, reicht eine NEQ-3, sobald ein Teleskop auf der Montierung verwenet werden soll, brauchst mindestens eine EQ-5.

Schau mal hier, so schaut mein Aufbau für kurze Brennweiten aus.

Und diese Fotos hab ich damit gemacht.

Du hast aus meiner Sicht 3 Möglichkeiten:

A) sparen, bis Du 1500 Euro beieinander hast und das notwendige Geraffel (für kurze Brennweiten) neu kaufen kannst
B) sparen, bis Du 1000 Euro beieinander hast und gebrauchte Sachen (für kurze Brennweiten) kaufen
C) einem Verein beitreten, die dort vorhandenen Sachen nutzen und die ersten Erfahrungen machen, was Dir Spaß macht. Dann auf eigenes Equippment sparen, welches genau zu Deinen Vorlieben paßt...

Willst Du dann durch ein Teleskop (6" Newton, 8" Newton) hindurchfotografieren, verdoppelt oder verdreifacht sich der finanzielle Aufwand. Denn dann brauchst ne teurere Montierung, einen Komakorrektor, diverse Adapter...

Astrofotografie ist teuer, eine massive Materialschlacht und sehr zeitaufwändig. Ich habe etliche "anbelichtete" Fotomotive auf der Platte liegen, bei denen ich seit Jahren auf gutes Wetter warte, um sie fertig zu belichten.

Bis jetzt haben wir alle nur von den materiellen Voraussetzungen geschrieben. Der Himmel muß auch zum Fotowunsch passen. Es gibt Motive, die aus einer Stadt heraus einfach nicht gehen. Für die man unbedingt raus ins dunkle Umland muß. Also Krempel ins Auto packen, rausfahren, aufbauen, einnorden, belichten, abbauen, einpacken, heimfahren. Dazu muß das Wetter passen, die richtige Jahreszeit fürs Motiv und es darf kein Mond am Himmel stehen, in dessen Licht das Motiv absäuft. Und dann kommt die Bildbearbeitung. Das ist nochmal ein Kapitel für sich. Das dauert ebenfalls Wochen oder Monate, bis Du das beherrschst. Denn die tollen Bilder fallen nicht von alleine aus der Kamera. Die müssen im Rechner mit Darks, Bias und Flats kalibriert und dann gestackt werden, anschließend im Kontrast gespreizt, in der Helligkeit und Farbe angepaßt werden, geschärft, entrauscht, selektiv geschärft werden... Dafür gibt es eine Reihe von Freewareprogrammen, aber auch Kaufprogramme. Für die kannst auch nochmal ne ganze Stange Geld ausgeben.

Alles nicht so trivial, wie Du Dir das vorstellst... :Trost:
 
Erst einmal vielen Dank für die konstruktiven Antworten.
Ich schätze ich muss mein Anliegen auch etwas präzisieren, habe mich vielleicht etwas falsch ausgedrückt.

Dazu möchte ich eine kleine Geschichte zu meinem Skywatcher erzählen: nachdem in mir der Wunsch nach "Fotografie" aufgekommen ist, habe ich mir eine kleine (sehr leichte) Systemkamera besorgt um ein wenig zu experimentieren.
Ich staunte nicht schlecht, als man mir mitteilte, ich würde mit meiner Kamera nie in dem Fokus des Heritage kommen, es wäre absolut aussichtslos (auch ein bekanntes Astroversandhaus äusserte sich so). Ich wollte das jedoch nicht akzeptieren und bohrte nach. Letztlich habe ich mir eine Barlow mit T2-Adapter besorgt und siehe da, es ging doch. Der Okularauszug ist zwar etwas tricky und wackelig, aber mich hat das Ergebnis vorerst zufrieden gestellt (kurze Videosequenz vom Mond, danach die besten Einzelbilder in Fitswork bearbeitet und danach in Gimp).

Natürlich kann ich mit einem Acuter 90/900 keine Hubblebilder erwarten, ich frage mich nur in meiner Neugier wie weit komme ich denn?

Ich habe mir das Teleskop herausgesucht, weil es günstig zu habn ist und relativ nah an einen Apo kommt. Meine Frage ist: in wie fern unterscheidet sich der Acuter von einem Apo 80/480, der das doppelte kostet?

Ich werde vorerst dennoch, wie von Euch empfohlen, mit meinem kleinen Equipment (Stativ, Polarie und Kamera) experimentieren und auf eine Montierung sparen.

Vielleicht nehme ich mir sogar nur ein kleines Fernglas in den Urlaub und entdecke den Sternenhimmel ohne Hightech :)

 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi Marvin,

ok, jetzt klingt das etwas vernünftiger.

Du mußt strickt unterscheiden zwischen den Objekten unseres Sonnensystems und Deep Sky.

Erstere brauchen nur Sekundenbruchteile an Belichtungszeit, letztere Minuten.

Für Sonnenflecken, Mondkrater und Planeten kannst Du mit einer Systemkamera und Barlow tatsächlich am Heritage "reinschnuppern". Sonnenflecken (mit Baaderfolie vor der Teleskopöffnung) und Mondkrater gehen mit Einzelbildern, bei Planeten mußt halt irgendwie ein Video machen, das möglichst unkomprimiert aufgezeichnet wird. Durch die Komprimierung werden die feinen Details totgeschrumpft, die wir gerne aufnehmen möchten...

Natürlich kann ich mit einem Acuter 90/900 keine Hubblebilder erwarten, ich frage mich nur in meiner Neugier wie weit komme ich denn?

zu Bildern, die verwackelte, unscharfe Sterne oder Mondkrater zeigen. Mehr geht ohne parallaktische Montierung nicht. Der Okularauszug mit seiner kippeligen Einstellung wird Dich nach kurzer Zeit anätzen, die gegenüber einem f=5 Teleskop 4x so lange Belichtungszeit für Deepsky in den Wahnsinn treiben und Frust ohne Ende bescheren.


Ich habe mir das Teleskop herausgesucht, weil es günstig zu habn ist und relativ nah an einen Apo kommt. Meine Frage ist: in wie fern unterscheidet sich der Acuter von einem Apo 80/480, der das doppelte kostet?

Ein "günstiges Teleskop" wird schnell und mit viel Verlußt weiterverkauft, weil es keine einzige Erwartung erfüllt. Und dann kaufst entweder was gscheites oder gibst schmollend auf.

Der Apo ist für die Fotografie von größeren Deepsky-Objekten gerechnet und gebaut, sein Okularauszug ist brauchbar. Der Acuter dagegen ist "Kinderspielzeug". Für Planeten viel zu wenig Öffnung/Brennweite, für Deepsky mit f=10 nahezu unbrauchbar und der Auszug ist ein Witz auf Rädern.

Bei der Astrofotografie entscheidet das schwächste Glied in der Kette, ob ein Bild was wird oder nicht. Da geht es bei der Qualität um 1/100 mm bei der mechanischen Fertigung. Diese Qualität hat das "günstige" Teleskop halt nicht. Weder bei der Fassung der Linsen, noch beim Okularauszug. Und auch nicht bei den verbauten Glassorten.

Dein Vorhaben entspricht dem Kauf eines 2 Takt Trabant, mit dem Du dann in der Formel 1 mitfahren möchtest, obwohl Du noch nie ein Auto gefahren bist. Das geht schief.
 
Guten Morgen Sternenfee,

danke. Das klingt in der Tat vernünftig und überzeugend. Den OAZ hatte ich wieder mal nicht auf meiner Rechnung. Du hast Recht: man muss da zwischen spechteln und fotografieren eine deutliche Linie ziehen. Ich bleibe also bei meinem obengenannten Plan und spare erstmal auf eine Montierung und behalte auch erstmal den kleinen, praktischen Heritage für die Beobachtung. Welche DeepSky-Objekte kann ich denn damit bei guten Bedingungen ausserhalb der Stadt mal in Angriff nehmen? Bisher habe ich nur die Plejaden und den Orionnebel beobachten können.

Kleiner Überblick über mein Equipment:
Skywatcher Heritage 130P
Omegon UWA 20mm
25mm Plössl / 10mm Plössl
HR Planetary 3mm
Mondfilter

Kannst Du ein kleines Fernglas empfehlen (8 oder 10 x 50)?


Vielen Dank nochmal für die zahlreichen Ratschläge.


Gruß
 
Hi Marvin,

ich bin selber nach langer Abstinenz vor wenigen Wochen wieder in die Astronomie eingestiegen. Auch wenn ich viele bereits genannte Sachen wiederholen werde möchte ich dir einen kurzen Bericht von mir schildern.

Habe früher mit einem Teleskop vom Discounter vom Balkon beobachtet und wollte nun mit der Fotografie anfangen. Was hier schon mehrfach geschrieben wurde, man sollte sich vor dem Kauf wirklich bewusst sein, was man machen will. Ich habe mich dann letztendlich für einen "einfachen" Einstieg entschieden mit kurzer Brennweite und bereits vorhandener EOS DSLR-Kamera. Meine Ausrüstung würde ich als die kleinste sinnvolle Lösung für Einsteiger bezeichnen und besteht aus:

- Advanced VX Montierung (~600-700€ gebraucht, alternativ auch HEQ-5)
- Ein 70-80mm ED Halb-APO (~350-550€ gebraucht, je nach Marke)
- Eine DSLR Kamera (~300-500€ gebraucht, je nach Modell)
- Sonstige Adapter, Kabel, etc. (~100-150€)
- Software (~0-300€ hängt davon ab was man will)

Wenn du also alles gebraucht ergattern kannst hast du eine Montierung die den kleinen ED gut tragen kann und du kannst ohne Auto-Guiding ca. 50-150 Sekunden belichten, je nachdem wie gut deine Ausrichtung ist. Du siehst also, selbst eine wirklich rudimentäre Fotoausrüstung kostet dich mindestens 1300€-1600€.

Was auch schon oft angesprochen wurde, die Zeit. Ich wohne am Rand der schwäbischen Alb und habe dort gute bis sehr gute Bedingungen. Also packe ich so oft ich kann meine 7 Sachen zusammen (schon bei der Überschaubaren Ausrüstung viel Aufwand) und fahre in die Pampa. Meine ersten Versuche die ich bis jetzt unternehmen konnte haben zwischen 10 Minuten und 1 Stunde Belichtungszeit. Mir wurde dann schnell klar, dass es mindestens 3-4 Stunden pro Objekt an Belichtung braucht bis man wirklich schöne und brauchbare Ergebnisse bekommt. Das heißt, man ist Abends mindestens 5 Stunden in der Nacht unterwegs (mit Anfahrt, Aufbau, Aufnahmen, Abbau).

Ich will dir keine Angst machen oder etwas schlecht reden, aber ich rate dir, denk wirklich darüber nach was du machen willst und was du bereit bist dafür zu tun. Für mich ist es ein wirklich tolles Hobby, nicht weil es einfach ist, sondern eben weil es schwer ist. Man muss sehr viel lernen über viele spannende Themen wie Mechanik, Optik, Signalverarbeitung, Bildbearbeitung, etc. aber fordert eben auch viel Zeit und vor allem Geld.

 
Hallo.

Die knackigen Zusammenfassungen in diesem Thread, die die Dinge gut auf den Punkt bringt, könnte man für jeden Einstiegswilligen zur Pflichtlektüre machen, weil sie so manche Enttäuschung vielleicht ersparen helfen.

Mir sind diese Aspekte erst nach viel längerem Stöberen im Forum in ihrer Bedeutung so richtig klargeworden, so dass ich den wenig sinnvollen Versuch, meine schon vorhandene kleine visuelle Ausrüstung mit billigen, aber im Nachhinein doch nicht recht geeigneten Teilen zu erweitern, noch rechtzeitig abgebrochen habe, bevor weiter viel Geld und Zeit ins Anpassen und Pröbeln gewandert wäre. Wobei man dabei zwar einiges lernen kann, aber auch überdurchschnittlich viel Lehrgeld für hinterher bestenfalls mäßige Ergebnisse zu zahlen hat.Weil derartiges preiswertes Gebastel nunmal nur selten die nötige optisch-elektronisch-mechanische Genauigkeit hat...

Hinweisen möchte ich allerdings ergänzend noch darauf, dass mit geringeren Erwartungen und weniger hohen technischen Ansprüchen auch bereits mit deutlich einfacherem und günstigerem Equipment schon ganz nette Ergebnisse zu erzielen sind, wozu man sich auf einfache Himmelsobjekte beschränken muss. Für einen Einstieg dürften Erfahrungen auf einem finanziell und technisch viel weniger ambitionierten Niveau gar nicht schlecht sein, dann schätzt man einen evt. späteren Aufstieg in "höhere Sphären" der Astrofotografie um so mehr.

Wen interessiert, was auch mit "lower-tech" schon so alles gehen kann, wenn man sich genügend einfuchst und die erforderliche Leidenschaft mitbringt, der kann sich darüber z.B. hier informieren:

Joseph Ashley -Astrophotography on the Go_ Using Short Exposures with Light Mounts-Springer (2015)

Timothy J. Jensen -Budget Astrophotography_ Imaging with Your DSLR or Webcam-Springer New York (2015)

Gruß,
Mathias
 
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