Theoretische Frage: Canon EOS 5D Mk II + Maksutov Cassegrain 300/3000

siafuso

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Hallo zusammen. Wir haben ein Heidenhain Maksutov Cassegrain 300 mm Öffnung und 3000 mm Brennweite. Ich habe eine DSLR Canon EOS 5D Mk II. Also eine "normale", keine spezielle Astrokamera. Kann das was werden mit Fotos machen? Ich frag lieber, bevor ich anfang und dann nicht zu Rande komme. Danke!
 
Hallo,

die 3000mm Brennweite sind natürlich schon beachtlich, da braucht es gutes Seeing und große Pixel.
Relativ große Pixel hat die EOS 5D Mk II. mit 6,4µm ja.
Das wäre schon mal gut.
Trotzdem ergibt sich hier mit 0,44“/Pixel schon eine beachtliche Auflösung die das Seeing nicht oft hergeben wird.
Du würdest ein FWHM von 0,88“ benötigen um die erstrebenswerte 2 Pixel Bedingung bezüglich der Sternabbildung zu erreichen.

Wenn das Seeing schlechter ist bist du in der Überabtastung aber das ist jetzt auch nicht so schlimm.
Du wirst trotzdem schöne Bilder bekommen.

Ein Cassegrain zeigt im Feld etwas Koma und Bildfeldwölbung.
Du musst also damit rechnen das die Sterne in den Ecken bei Vollformat nicht mehr perfekt sind.
Bei einem 300F10 Cassegrain sollte es aber nicht so schlimm sein, es kommt hier allerdings auch darauf an welche Öffnungszahl der HS hat.
Eventuell weißt du das ja.

Grüße Gerd
 
Danke für die Antwort. Das mit dem "FWHM" hab ich noch nicht verstanden, ebenso das mit dem "Seeing". Aber gut, ich lern ja noch. Was meintest Du mit der "Öffnungszahl HS"? Hauptspiegel? Ist das ein Verhältniswert? Klein, groß etc?
 
Hallo Christian,

ich konnte schon mal meine Canon 600D an den MAK dran halten. Der Focus war damals recht knapp glaube ich mich zu erinnern.
Ob du dann mit deiner 5D hinkommst kann ich ned sagen.

Bin grad noch am suchen ob ich mit meiner ASI da auch mal bilder gemacht habe.

Schenna Gruass
 

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Das mit dem FWHM (Full Width at Half Maximum) Wert bezieht sich auf die Qualität und Helligkeitsverteilung des Sterns mit Beugungsscheibe. Je größer dieser Wert ist, dann werden Sterne verschmierter abgebildet. Dieser Wert lässt sich in RAW Dateien in dem Programm Siril bestimmen, wobei das Programm bei jeder Aufnahme diesen Wert berechnet. Bei dem genannten Teleskop mit 3000 mm Brennweite und 300 mm Durchmesser kommt man auf 1:10. Bedeutet dass man hier wohl sehr lange belichten muss um eine gute brauchbare Bilddatei zu bekommen. Ohne Guiding ist das nicht einfach umzusetzen. Ob hier für eine Einzelaufnahme von 30 Sek ausreicht, muss man bestimmen oder betrachten.
 
Unter Seeing versteht man die Luftunruhe. Schlechtes Seeing = unruhige Luft, gutes Seeing = ruhige Luft. Mit gutem Seeing kann man halt besser auflösen. Bei Mond und Planetenaufnahmen kommt man hierzulande an einem normalen Standort an guten Tagen auf ca. 0,5" Auflösung, bei länger belichteten Deepskyaufnahmen auf ca. 2".

Wie Gerd schon sagte, kommen die großen Pixel der 5D auch mit der f/10 gut zurecht. Es vergessen immer alle, dass man mit f/10 zwar theoretisch viermal solange für dasselbe Ergebnis braucht wie mit f/5 (was man in der Astrofotografie so anfängt als "schnelle" Optik zu bezeichnen). Wenn man aber bei f/10 doppelt so große Pixel hat wie bei f/5, dann sammelt man aber 4x so viele Photonen in derselben Zeit und ist wieder genauso weit. Deine Pixel sind nicht ganz doppelt so groß, wie das was, was im Moment so üblich ist. Von daher müsste das ganze gut gehen.

Da deine Auflösung aber viel zu hoch ist für die Luftunruhe, könntest du theoretisch auch hergehen und Auflösung opfern in dem du Pixel zusammenfasst. Das nennt sich Binning. Bei 2x2 Binning werden z.B. einfach 4 Pixel addiert. Deine Auflösung wäre dann immernoch bei ca. 1,7". Da hättest du keine Verluste. Das sind die Vorteile der großen Optik. Mit der Methode sammelst du genauso schnell Photonen wie mit einem Takahshi Epsilon, der auf f/3,3 kommt.

Das einzige Problem ist, dass es für DSLRs in der Regel keine Unterstützung für Binning gibt. Das ist aber kein Problem. Da bei CMOS Chips hier nur simpel addiert und ein Mittelwert gebildet wird, kann man das genauso gut später per Software machen. Das genannte Siril kann das. Das hat sogar Vorteile, da deine Kamera nur einen 14bit ADC hat, die Software aber mit 32bit Genauigkeit rechnen kann.

Für die Aufnahme würde ich nicht mit dem Auslöser der Kamera arbeiten, sondern mit einem dezidierten Astroprogramm. NINA ist kostenlos und liefert dir alles, was du brauchst.

Da du trotz allem die Einzelbilder relativ lange belichten werden musst um das Kamerarauschen zu überdecken, stellt sich allerdings die Frage, wie genau die Montierung nachführen kann und ob Guiding möglich ist. Ohne das wird es sicher schwierig werden bei 3m Brennweite. Wenn die Nachführung bei der Brennweite nach 10s anfängt Striche zu machen, dann geht es zwar, aber es wird schwierig, da dein Kamerarauschen sämtliche Schwachen Strukturen überdeckt. Das kriegt man später auch nicht mehr richtig raus. Das ist einfach ein Limit, wenn man nur kurz belichten kann.

Ich würde mir an deiner Stelle auch mal mit dem Thema Bildkalibrierung befassen. Ohne das geht gar nichts. Selbst wenn die Optik so einen großen Bildkreis ausleuchtet und ansonsten keinen Korrektor braucht, hat man immer Reflexionsverluste gegen die Ränder durch die Maksutovlinse. Oder es ist irgendwo ein Staubkorn. Das Sensor macht Hotpixel. Das muss man korrigieren. Schaue dir am besten die Videos von Frank Sackenheim auf Youtube an. Der erklärt das super.


Der ist hier auch unter @frasax aktiv.

Grüße,
Joachim
 
Das mit dem "FWHM" hab ich noch nicht verstanden, ebenso das mit dem "Seeing". Aber gut, ich lern ja noch.

Als Seeing bezeichnet man eine durch die Atmosphäre verursachte Störung der Abbildung.
Mit bloßem Auge merkt man das am funkeln der Sterne.
Mit dem Teleskop merkt man das visuell umso deutlicher je höher man vergrößert.
Bei Foto macht es sich dann als vergrößerte Sternabbildung bemerkbar.
Das FWHM ist dann ein Maß dafür.
Ideal wäre es wenn sich 2x2 Pixel auf die Größe der Sternabbildung verteilen.

Was meintest Du mit der "Öffnungszahl HS"? Hauptspiegel? Ist das ein Verhältniswert? Klein, groß etc?

Ja ganz genau, das System hat ein Öffnungsverhältnis also Öffnung zu Brennweite von 300 zu 3000 = 1 zu 10 wird auch als f /10 geschrieben.
Oder als Öffnungszahl ausgedrückt F10, der Fotograf sagt auch Blendenzahl dazu.

HS ist der Hauptspiegel, dieser hat bei einem Cassegrain System eine kleinere Öffnungszahl als das System.
Üblich sind hier beim klassischen Cassegrain so F3 bis F5, meist werden es um die F4 sein.
Der 2.Spiegel also der Sekundärspiegel oder auch Fangspiegel FS geannt verlängert dann die Brennweite so das das System bei dir auf 3000mm und damit auf F10 kommt.

Der Krümmungsradius des FS hat großen Einfluss auf die Bildfeldwölbung des Systems.
Und dieser Krümmungsradius ist wiederum davon abhängig welchen Verlängerungsfaktor der FS hat und der wird wiederum von der Öffnungszahl des HS und der Öffnungszahl des Systems bestimmt.
Wenn man also genau wissen möchte wie groß die Bildfeldwölbung ist muss man auch die Öffnungszahl des HS kennen.

Ich will dich aber nicht mit zu viel Fachsimpeln verschrecken.
Man kann auch schöne Fotos machen, wenn man das alles nicht weiß.
Fürs erste reicht es ja wenn du weist das das von dir gewählte Setup vernünftig funktionieren sollte.
Auch wenn es natürlich nicht gleich perfekt ist aber das muss es ja auch gar nicht sein.
Was du aber auf alle Fälle noch wissen solltest ist das die Nachführung bei 3000mm Brennweite bzw. einer Auflösung von 0,44“/Pixel sehr genau sein muss.
Das ist schon recht anspruchsvoll, erst recht als Einsteiger.

Grüße Gerd
 
Ich danke Euch für die Infos und die Tips. Ich hab zum Glück jemanden, der sich auch sehr gut auskennt, aber ich wollt schon mal vorab wissen, ob das überhaupt geht. Es gibt scheinbar einen Adapter für das EF-Bajonett. Da hat jemand in der Vergangenheit schon mal mit einer 1000D Fotos gemacht. Bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen. Schönen Abend!
PS: Ich berichte dann hier über Erfolg (oder die Miss Erfolg :cool:)
 
Ich hab das mit der Vollformat probiert. Für den ersten Versuch nicht schlecht. Siehe hier.
 
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