Hallo Leute !
Hier mein Erfahrungsbericht mit Untertitel: “Pappas Mercedes Panzerfaust - zu Golfpreisen“…..
Letztere Bezeichnung ist eine Kurzfassung ausserlich erscheinender Eigenschaften, die teils von meinem 10-jährigen Sohn stammen und dann noch von mir ergänzt wurden.
Eigentlich betreibe ich das Hobby Astronomie schon seit einingen Jahrzehnten. Ein richtiges Teleskop kam jedoch erst vor 8 Jahren ins Haus. Ein TS MC 100/1400 mm auf eine Nexstar-Montierung.
Wie bei den meisten astronomischen Erstanschaffungen ein “preislicher Kompromis”, selbst gewählt, ohne jegliche Erfahrung, ohne sich über seine eigenen Vorlieben ganz im Klaren zu sein.
Da ich seit 2005 Mitglied und stellvertretendes Vorstandsmitglied im Astroverein hier in Hamar, (Norwegen) bin, habe ich auch die Gelegenheit sehr gute Geräte, wie den TEC 140 und einen C-14 auf einer 10Micron GM2000 in der hiesigen Sternwarte, einer Baader-Kuppel auf dem Dach des Gymnasiums, zu benutzen (www.hoaf.no).
Zusätzlich hatte ich auch noch die Gelegenheit durch einige Fernrohre langjährig erfahrerner Astrokollegen zu gucken. Meine grosse Vorliebe gilt den Planeten, aber auch helleren Objekten wie farbige Doppelsterene Sternhaufen und zuletzt noch einzelnen planetarischen Nebeln.
Jahrelang war ich hin- und hergerissen, eine Art Quahl der Wahl, in bezug auf die Anschaffung eines eigenen grösseren Teleskops. Eine Vielzahl an Erfahrungsberichte auf astronomie.de, gute Bücher u.a. vom Okulum Verlag, man könnte fast sagen ich habe nahezu alles dazu gelesen.
Refraktor oder Newton, oder andere Derivate……was soll man wählen? Oder gar selbst eines basteln ? Letzteres kommt meinem innersten Drang sehr entgegen, wurde aber aus Zeitgründen wieder verworfen.
Die Erlösung aus der obengenannten Qualen schien nahe, als ich die Reklame von den massgeschneiderten TS CarbonTeleskopen in einer Annonse im interstellarums erspähte. Die Entscheidung fiel dann schlussendlich auf einen massgeschneiderten 8“ Carbon Newton.
In der Reklame und auf der Internettseite von TS stand ja einiges über die Möglichkeiten der individuellen Anpassungen wie z.B. verschiedene Fokuslagen. Nach einigen Mailen mit Wolfi Ransburg und seinem Team erfuhr ich einiges mehr über die am Netz damals noch nicht angeführten Daten wie z. das Gewicht des Teleskopes und den Auskühleigenschaften des Hauptspiegels (Lieferzeit usw.)
Weiters ergaben sich noch zusätzliche, von mir gewünschte Anpassungen wie austauschbare Sekundärspiegel, Sucherfernrohr mit Winkelvorsatz.
Das Resultat war nun folgendes:
Visuelle Grundversion des Carbon 200/1200 mm, Fokuslage 80mm über dem Tubus, austaschbare Sekundärspiegel: 50mm (Standard) und nach einingen Mailwechsel auch einen 35mm kleinen! Letzteren nur zum Planetengucken !
Gesamtgewicht mit Steeltrack und Winkelsucherfernrohr, Rohrschellen, Schienen und Hyperion Mark III (8-24mm): 10 kg. Länge 1,3 m. Durchmesser 24 cm.
Das Riesenpacket mit einer Höhe von fast 1,6 m kam mit dem UPS am 20. Dezember bei mir an.
Freudiges vorweihnachtliches, erwartungsvolles Auspacken am selben Tag abends.
Ich muss ehrlich gestehen: Ich war über die Grösse unseres neuen “Mitbewohners” schockiert. Aber das ist ja eigentlich ,wie das meiste, nur eine Gewöhnungssache. Meine bisherigen Optiken wurden zu Zwergen degradert.
Feierlich habe ich die Schiene an die Rohrschellen geschraubt, dann das gesamte Teleskop auf meine Vixen GP2 (aufgemotzt mit Synscan Steuerung) aufgeladen. Damals stand diese noch auf einem Holzstativ von Berlebach, das ich mir ursprünglich für meine Grossformatkamera gekauft hatte, und in der letzten Zeit astrotauglich gemacht habe. Das Stativ musste ich wegen der Baulänge des Tubus gegen eine Säule austauschen. Die Säule habe ich gemeinsam mit einem guten Freund am Neujahrstag gebaut. Die Höhe wurde natürlich mir angepasst.
Firstlight, die Bescherung am 24.12.2011 aber eben schon um ca. 04 Uhr….
Nach ca. 25 Mal Sterngucken kann ich folgendes für mich festhalten:
• Das niedrige Gewicht des 200/1200 mm Carbon-Teleskopes von ca. 10 kg gibt mir die Möglichkeit einen solchen grossen Newton überhaupt mobil zu nutzen. Dazu kommen noch die Säule, die Montierung und die Gegengewichte (10+4+8 kg), die ich sozusagen getrennt im eigenen Garten anliefere.
• Die Verarbeitung des Carbontubus ist super. Alles ist perfektionistisch durchgeführt. Die Innenverkleidung lichtfressend. Keine filligrane, klapprige und losen Teile!
• Die Auskühlung des Spiegels, Zero Expansion, von + 20º C auf bis zu -15º C passiert während ich die Säule mit der Montierung aufstelle, sozusagen innerhalb weniger Minuten. Ich konnte niemals auch nicht am Anfang des Sternguckens nur andeutungsweise eien Beeinträchtigung des Bildes sehen. Bei mir in Norwegen mit oft sehr schnell wechselnden Wetter ein absoluter Vorteil (Mein bisher benutzter no-name Newton 150/750er braucht dazu bis zu einer Stunde).
• Das Teleskop ist leicht zu kollimieren. Wenige leichte Justierungen mit zwei Imbussen am Sekundärspiegel mit nachfolgender Justierung des Primärspiegels mit den farblich verschiedenen (schwarzen und weissen) Knöpfen ist kinderleicht und funktioniert geschmeidig.
• Der Baader Steeltrack funktioniert bis zu den tiefsten Temperaturen ausgezeichnet. Die Feinjustierung mit der Untersetzung funktioniert tadellos. Die Okulare sitzt optimalst.
• Das angebotene Umbauservice von TS, das eine Verschraubung der Spiegelreflexkamera am Okularauszug (mit Zwischenringen) ermöglicht, hat sich gelohnt. Die Kamera sitzt bombenfest amTeleskop. Andere, früher benutzte amateurartige Montagen der Kamera am Teleskop kann man getrost abhacken.
• Die angeschaften Sekundärspiegel (50 und 35mm) lassen sich, wie von TS versprochen, in wenigen Minuten austauschen. Ein Nachkollimieren war meistens nicht nötig. Dies habe ich auch bis jetzt jedesmal mit dem Baader Laser-Kolli überprüft. Der 35er bringt eindeutig an den Planeten sehbare Vorteile, besonders beim Kontrast. Auch beim Ringnebel M57, der ja auch sehr klein ist, hat der 35er aufgetrumpft. Überraschend war dann aber auch, dass keine sehbare Beeinträchtigung anderer grosser, okularsichtfelddeckender Objekte zu sehen ist wie z.B. beim Double Cluster im Sternbild Perseus. Die Sterne sind auch randseitig kreisrund, also komafrei.
• Die Auflösung und der Kontrast des Teleskopes sind überragend. Hier kann sich das Teleskop eindeutig mit teureren Refraktoren und grösseren SC messen. Dies haben auch letzte Woche meine Astrokollegen eindeutig bestätigt. Unsere Vergleichsobjekte sind hier M13, M82, M57 sowie einige farbige Doppelsterne. Die knackig scharfe Abbildung von Jupiter und den Mond undder dortigen Krater runden den Gesamteindruck des Fernrohres ab.
• Die Farben einiger von mir immer wieder bestaunten Sterne und Doppelsterne (8 farbige habe ich als User-objekte in meine Steuerung eingegeben) sind besonders intensiv und für mich sehr ansprechend. Hier seien nur als bekannteste die blau-gelbe Färbung bei Albireo und die (kamin)rote Färbung des µ- Kepheus genannt.
• Zwei schon eliminierte Nachteile des Teleskopes waren folgende: Der Carbontubus lässt sich nicht in den Rohrschellen bei gelockerten Klemmschrauben drehen. Die musste ich ganz öffnen. Der Innen angelegte Filz bremst den Karbontubus zu stark. Ein Schmiermittel hierfür gibt es nicht. Hier habe ich von Wolfi Ransburg einen Tip zur Grundstellung des Fernrohres bekommen. Diese habe ich für mich noch verfeinert. Fast alle Objekte (auch tieftstehende) sind ohne jegliches Drehen des Tubus oder anderer akrobatische Hochleistungen (ein)sehbar. Der zweite kleine Nachteil war von der Form her nicht unterscheidbaren Fixier- und Justierknöpfe am Primärspiegel. Da habe ich nur eine kleinen, gut spürbaren zylinderförmigen Teil an die weissen Fixierknöpfe anbebracht. Jetzt ist sofort spürbar an was man dreht.
Meine Gesamtnote: ausgezeichnet.
Die Kombination des Carbon- Leichtbautubus mit dem Zero-Expansion Spiegel und die Idee des individuellen Anpassens an den Benutzer ist einfach genial. Die Kontaktnahme mit den Massschneidern in Putzbrunn/Solalinden lohnt sich jedenfalls ! Auch die durch die Massschneiderei bedingte Wartezeit.
Meines Erachtens nach ist das Preis/Leistungsverältnis mehr als nur zufriedenstellend. Dazu trug natürlich auch die Vereinsaktion von Teleskop-Service bei, die allen Vereinsmitgliedern einen 10%igen Rabatt zugesteht.
Kurze abschliessend Kommentare zum Hyperion Zoom Mark III, 8-24mm und 2,25x Barlow, das ich mir im Zuge meiner astronomischen Aufrüstung angeschafft habe:
Schon seit Anfang meiner Beschäftigung mit der Hobbyfotographie war ich eher skeptisch zu Zoom- Optiken. Und dies setzte sich auch bei der Hobbyastronomie fort. Dies wurde dann auch noch durch die Anschaffung eines Zoom Feldstechers vor ca. 5 Jahren wieder bestärkt, da dieser in gewissen Bereichen, besonders beim starken Einzoomen kläglich versagt.
Aller Erfahrungen zum Trotz, jedoch auf die Erfahrungen einiger Astrokollegen bauend, kaufte ich mir nun doch das Hyperion Mark III, und habe dies keinen Augenblick bereut.
Die Synscan Steuerung bietet u.a. auch eine Himmels-Tour an, und gerade dabei ist die Grundeinstellung mit 24mm eine sehr gute, eben weil ich im Bereich der (besonders der lichtschwächeren) Messierobjekte in bezug auf die optimalen Vergrösserung ohne jegliche Erfahrung bin. Die Steuerung klappert sozusagen den gesamten Sternenhimmel nach interessanten Objekten ab.
Die für das aufgesuchte Objekt passende Vergrösserung ist dann mit dem Einzoomen leicht zu erreichen, und dies mit einem einzigen Handgriff.
In einigen Fällen kann man ja dann evt. zur Festbrennweite übergehen. Dies habe ich auch gelegentlich getan, besonders im Bereich von 8mm. Mit dem Barlow decke ich ja eigentlich die meist relevanten Vergrösserungen ab. Nach oben hin habe ich noch ein 40mm Okular und einen 0,5 x Reducer, letzteren habe ich noch nicht mit meinem neuen Teleskop gebraucht.
Die leichte Tendenz der gelb-grünlichen Färbung meines Hyperion Mark III bei 8mm sei hier nicht verschwiegen, jedoch ist diese nicht sehr störend. Davon hatte ich bislang noch nichts gehört. Jedoch die oben genannten Vorteile überwiegen ohne Zweifel eindeutig.
Weiters ist das Okular augenseitig mit einem Gewinde versehen, das die fotographische Anwendung (Hyperion+Zwischenring+T2+T2……T2/Bajonett-DSLR) zulässt. Die Zoom-Augenblende sei hier noch abschliessend als Positivum erwähnt.
Eine kurze sehr unvollständige Liste von mir gesehener Ojekte: M5, M13, M 27 Hantelnebel, M42 Orion-Nebel, M 44 Praesepe, M45 Plejaden, M57 Ringnebel, M81, M82, M92 , M104 (Sombrero Galaxie)Venus, Jupiter, Mars, Saturn und nicht zuletzt der Mond.
Anbei noch einige Bilder vom Teleskop auf meiner neuen Säule (bei Interesse hierfür kann ich da evt. weiterhelfen ) und einige ergänzende Detailaufnahmen.
Weitere Bilder später
Grüsse Theo