TS Photoline 60/360

Sternenfee123

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Hi,

bislang habe ich großflächige Nebel mit einem 300 mm Teleobjektiv fotografiert. Mit dem Orestegor 4/300 von Maier-Görlitz, ne aspach-uralt Linse grob aus den 70/80er Jahren mit gebogenen Lamellen und für chemische Vollformatkameras berechnet. Die Abbildung auf APC-C war mit Abblenden auf 5.6 auch in den Ecken perfekt. Absolut runde Sterne. Dafür ist das Teil sauschwer (3,6 kg mit Prismenschine) und hat nen deutlich sichtbaren Farbfehler. Entweder grüne oder rote Kringel um helle Sterne. Solange ich reine Schmalbandaufnahmen machte, hat mich das nicht weiter gestört.

Nun bekam ich aber zu Weihnachten nen Gutschein für nen Astro-Urlaub in dunkler Umgebung. :love:

Ich hab mich daher umgesehen, wa es so an "farbreinen" Optiken in der Brennweite gibt. Da ich recht wenig Erfahrungsberichte fand, hab ich nach mehrmaligem Durchlesen der Händlerseiten den TS Photoline 60/360 und den dazugehörigen verschraubbaren RED279 gekauft. Den Flatner wollte ich nicht, denn ich werde immer mit Reducer fotografieren wollen, weil die Nebelchen halt nunmal großflächig sind...,

Bei der Bestellung habe ich extra nachgefragt, ob der Reducer lieferbar ist und daß es mir um Fotografie geht. Mir wurde bestätigt, daß er lieferbar ist und 2 Tage später war das Paket da.

Das kleine Röhrle machte nen guten Eindruck, schaute solide verarbeitet aus (alles aus Metall, kein Plastik) und liegt gut in der Hand. Der OAZ hat ne Ringklemmung mit 3 Schrauben, läuft weich, kein Ruckeln. Die Übersetzung macht, was sie soll. Schraubt man die Ringklemmung weg, kann man den Reducer oder Flatner dort verschrauben. (y)

Also Gruschtelkiste aufgemacht, Prismenschine unter den Stativfuß geschraubt, Röhrle damit in die Prismenklemme vom der Guidingmount, Sucher mit Guidingcam parallel dazu in den Sucherschuh und alles auf meine Montierung auf dem Balkon gesetzt, damit sich die Optik schon mal an die Kälte gewöhnt...

Nun die Verpackung vom Reducer aufgemacht. Hmmm, wo ist das versprochene M54 Schraubgewinde? :oops:

Draußen wurde es klar, also die Ringklemmung am OAZ wieder drangeschraubt, dem Reducer für die 70 mm Arbeitsabstand die notwendigen 15 mm T2 Schraubverlängerung verpaßt, die DSLR mit T2 Adapter an den Reducer geschraubt und in den OAZ versenkt. Guidingcam gestartet, kalibriert, zum Fokussieren und Testen der Optik nen hellen Stern angefahren und fokussiert. Deutlich weniger Farbsäume als wie mit dem Orestegor. Prima. Aber die Sterne in den Ecken schaun gruslig aus!

Link zur Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/636d06-1549499180.jpg

4 Stunden und unzählige Versuche mit diversen Abstimmringen (0,1 mm bis 3 mm) später nicht wirklich ne Verbesserung der Sternabbildung:

Link zur Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/67f964-1549499313.jpg

Für mich sieht das eher nach "Spiegelkoma" ohne Komakorrektor im Newton aus.

Kommt das durch die Klemmung des Reducers? Oder ist das ein Fehler der Optik (bzw. Fassung drückt wegen Kälte auf den Linsenstapel, ich habe aktuell -8° C auf dem Balkon) oder noch übler ein Mix aus beidem? Da bin ich schlicht ratlos, solche Abbildungen kenne ich bislang weder von Fotoobjektiven noch meinem 150/1800er Mak. :mad:

Stacke ich solche Bilder, sehen durch das Dithern die Bildränder noch grusliger aus. Bei Mosaiken müßte ich mindestens 1/3 der Bildfläche wegwerfen. :poop:

Ich hab mit dem Händler Kontakt aufgenommen. Mir wurde daraufhin mitgeteilt, daß die Reducer mit M54 Gewinde für den Photoline aktuell leider nicht auf Lager sind. Sie sollen in 2 Monaten verfügbar sein. Ich könnte den Reducer zurückschicken, sofern er noch keine Gebrauchsspuren aufweist...

Inzwischen ist die Durchsicht mau, um helle Sterne hab ich große Höfe. In der nächsten klaren Nacht steck ich mal meinen CCDT67 von Astrophysics in den OAZ. Der ist zwar für f/10 berechnet, ist aber sehr gutmütg, was Klemmung und Temperatur betrifft, hat zudem keine Nut und kippelt daher auch nicht. Und je nach Abstand (70-90 mm) zum Chip kann ich den Reduzierfaktor auch gut variieren. Schau mer mal, wie dann die Abbildung ausschaut...
 

lacrimosa

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Hallo Fee,
ein Kollege von mir hat das Gerät auch und ich konnte es vor ein paar Tagen mal in die Hand nehmen. Das OAZ-Rohr fand ich wackelig. Schau mal nach, ob das bei Dir auch so ist. Vielleicht liegt es daran.

Gruß
Ronald
 

mettling

Mitglied
Hallo Fee,

Die Verzerrung der Sterne in den vier Ecken ist recht gleichmäßig und sehr schön von der Mitte weggerichtet. Das sieht für mich nicht nach Verkippung durch die Klemmung des Reducers oder ein wackeliges Auszugsrohr aus. Das ist entweder ein nicht passender Reducerabstand oder der Reducer an sich passt nicht zu der Optik.

Wie hast Du die Kamera denn an den Reducer adaptiert? Die angegebenen Abstände der Hersteller liegen ja oft genug daneben, so dass man auch mit Feintuningringen nicht mehr weiter kommt. Ich habe mir seinerzeit deshalb für meinen 80/560 einen Williams Typ IV Reducer angeschafft, bei dem kann man den Arbeitsabstand stufenlos einstellen. Aber der ist teuer, momentan nicht lieferbar und lässt nur T2 durch statt volle 2“:
William Optics 2" Field Flattener 0,8x Typ-IV

Bis dann:
Marcus
 
Zuletzt bearbeitet:

Sternenfee123

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Hi Marcus,

auch Dir ein Dankeschön für die schnelle Antwort und Deine Einschätzung.

Die Verzerrung der Sterne in den vier Ecken ist recht gleichmäßig und sehr schön von der Mitte weggerichtet. Das sieht für mich nicht nach Verkippung durch die Klemmung des Reducers oder ein wackeliges Auszugsrohr aus. Das ist entweder ein nicht passender Reducerabstand oder der Reducer an sich passt nicht zu der Optik.
hmmm, der Reducer wird im Text von TS zum 60/360 Photoline so beworben: "Der Arbeitsabstand ab dem T2-Gewinde ist 70 mm. Wir empfehlen den Reducer besonders für DSLR-Kameras mit APS-C-Sensoren. Sie brauchen nur mehr eine 15-mm-T2-Verlängerung (TST2V15) und den passenden T2-Ring."

Meinen Kamerabody hab ich mit T2-Ring und 15 mm Verlängerungshülse wie von TS vorgeschlagen direkt an den Reducer geschraubt. Damit habe ich die 70 mm Arbeitsabstand. Aber ich habe auch 2x 5 mm Verlängerung + Abstimmringe rangeschraubt, dann die 70 mm mit diversen Abstimmringen bis zu 73 mm aufgeplustert. Zwischen 67 und 73 mm Arbeitsabstand gab es keine Veränderung in der "komatösen" Abbildung in den Ecken.

Laut TS soll sich der Arbeitsabstand mit der Brennweite des verwendeten Teleskops etwas verändern.
Zitat:
"Abstand T2-Gewinde zum Kamerasensor
Der Abstand ist abhängig von der Brennweite des Refraktors:

♦ Brennweite bis 350 mm ... 70 mm
♦ Brennweite bis 420 mm ... 65 mm
♦ Brennweite 450-500 mm ... 61 mm
♦ Brennweite 510-600 mm ... 58 mm
♦ Brennweite 610-700 mm ... 57 mm
♦ Brennweite 710-790 mm ... 56 mm
♦ Brennweite ab 800 mm ..... 55 mm "

Zitatende

Da die Brennweite des 60/360 eben 360 mm ist, hatte ich erwartet, daß sich bei 67-73 mm Arbeitsabstand die "komatöse" Abbildung verbessert, je länger ich den Arbeitsabstand mache. Dem war aber nicht so.

Das spricht eher für Deine 2. Vermutung -
der Reducer an sich passt nicht zu der Optik.
Ich habe den Eindruck, daß der Reducer in der 2" Klemmung um 0,5 bis 0,7 mm hin- und herkippeln kann, weil er nicht wirklich 2" hat sondern ein bissy schlanker ist und auch noch an der Auflagefläche ein dünner Absatz ist. Im Dunkeln mit halbbeschlagener Brille, klammen Fingern, Funzelstirnlampe und tränenden Augen ist das Festklemmen somit echt tricky. Ich habe versucht, den Reducer satt gegen die Auflagefläche der Ringklemmung zu drücken und mit der anderen Hand die 3 Klemmschrauben rundum gleichmäßig anzuziehen. Da der Reducer auf seiner 2" Steckhülse ne Nut hat, ist das problematisch... Nach jedem Klemmversuch ist die Verkippung leicht anderst.

Ich hab jetzt die beiden klaren Neumondnächte mit Abstandsspielereien in der Kälte verbraten. Immer schön vorsichtig, um ja keine Gebrauchsspuren auf dem Lack zu erzeugen. Der Reducer geht zurück. Er entspricht nicht der Beschreibung, hat kein M54 Gewinde.

Wie ich in meinem Einstiegspost geschrieben hab, probiere ich in der nächsten klaren Nacht den Astrophysics Reducer aus. Das ist der da.

Im Gegensatz zum TSRED279 hat der nen echten Durchlaß von 2" und net direkt am Kameraseitigen Ende vom Reducer ne Begrenzung auf T2. Da muß ich auch net so vorsichtig hantieren, der gehört seit vielen Jahren mir, funzt super an diversen Optiken und ob ich da eventuell nen weiteren Kratzer in den Lack mach, is schlicht wurscht. Als ich den jetzt im Hellen einfach mal in den OAZ geschoben hab, flutschte er jedenfalls viel besser rein und gefühlt kippelt da auch nix. Sitzt, paßt und wackelt net. Also suche ich jetzt nach den 2" Schraubverlängerungen und dem Adapter auf T2... Und dann schau mer mal, wie sich die Abbildung mit dem Astrophysics Reducer bei 60, 65, 70, 75 und 80 mm Arbeitsabstand verhält...

Ich weiß aus Erfahrung an anderen Teleskopen, daß der sehr "gutmütig" auf den "Arbeitsabstand" reagiert und sich über den Abstand Reducer-Chip die Verkleinerung sehr variabel von 0,9 bis 0,7 einstellen läßt...

Es lebe die über die Jahre gut gefüllte "Gruschtelkiste"...
 

Raumfisch

Mitglied
Hallo Fee,

Verkippung liegt hier nicht vor, da der Bildfehler in allen Ecken gleich ist.
Leider ist das beim 279er öfters so. Ich hatte damit die gleichen Probleme am 72/432er. Der Abstand muss grösser werden. Statt wie angegeben bei ca 65mm war ich irgendwo bei 73-75mm wo der Fehler dann relativ weit zurück ging.

Leider habe ich es nie ganz in den Griff bekommen und aus Bequemlichkeit auf Flattener umgestellt. Meistens 55mm, immer verschraubt und alles sehr tolerant :)

Gruss
Dennis
 

Sternenfee123

Mitglied
Hi Dennis,

Leider ist das beim 279er öfters so. Ich hatte damit die gleichen Probleme am 72/432er. Der Abstand muss grösser werden. Statt wie angegeben bei ca 65mm war ich irgendwo bei 73-75mm wo der Fehler dann relativ weit zurück ging.
oha, 10 mm Abweichung beim Arbeitsabstand? Das ist heftig. Merci für diese Info. (y)

Dann schraub ich noch ne weitere Verlängerung ran, und teste damit nochmal. Heute Abend soll es nochmal ein paar Wolkenlücken geben...

Flatner ist für mich keine Option. Ich will die kürzere Brennweite wegen dem Gesichtsfeld mit meiner Kamera. Und der 60/360 mit Reducer war leider die einzige Kombi, die ich gefunden hab. :confused:
 

mettling

Mitglied
Hallo Fee,

Sind denn die rund 280mm zwingend notwendig? Ein Canon 200mm 2.8 L kostet auch nicht viel mehr als der kleine Apo plus Reducer, ist aber bei f/3,5 voll APS-C tauglich und leichter obendrein. Aber halt nur 200mm. Ich hatte es eine Zeitlang, habe es aber wieder verkauft weil das Interesse an der Astrofotografie momentan eingeschlafen ist. Optisch war es absolut einwandfrei, solche Sterne hatte ich selbst bei Offenblende nicht in den Ecken.

Nur so‘ne Idee:
Marcus
 

Sternenfee123

Mitglied
Hi,

gestern Abend war es wirklich für einige Zeit klar, die Wettervorhersage für meinen Ort hat mal funktioniert. (y)

Ich habe den TSRED279 nochmal aus der Verpackung geholt und ne weitere 10 mm Abstandshülse rangeschraubt. Hab jetzt also nen Arbeitsabstand von 80 mm. Von Verbesserung keine Spur. Die Sternabbildung in den Ecken ist für mich immernoch unbefriedigend. :mad:

Schade. Jetzt geht er definitiv zurück. Rücksendeschein ist angefordert...
 

Aragon

Mitglied
Hallo Sternenfee,
what a Frust ?... hast Du denn den Astrophysics jetzt mal ausprobiert? Wenn Dein Bildfehler nämlich ursächlich in der Optik des Apos begründet ist (z.B. Verspannung), kannst Du hinten ohne Ende probieren, da wird sich nichts ändern.
Gruß
Dirk
 

deapsky

Mitglied
Hallo Sternenfee,
TIP, sende das Teleskop zurück. Ich hatte soetwas auch mal, allerdungs mit einem Quadruplet. Optik verspannt. Nach dem drittenmal hin und her ging es dann gut. Lass dich aber nicht abwimmeln, es wird sofort gefragt ob bei deinem Setup nicht falsch ist. Bei meiner Fehleranalyse bin ich sehr sorgfältig vorgegangen, habe u.a. Cam und Optik gegeneinander rotiert, Guiding Protokolle mitgeschickt usw. . Es gab am Fehler nichts zu deuten, am Ende war es ein verspannter Korrektor.
Was Dirk schreibt ist richtig, wenn die Optik vorne ein echtes Problem hat, kann das der Korrektor nicht retten.
Gruss
Peter
 

Sternenfee123

Mitglied
Hi Dirk,

what a Frust ?... hast Du denn den Astrophysics jetzt mal ausprobiert? Wenn Dein Bildfehler nämlich ursächlich in der Optik des Apos begründet ist (z.B. Verspannung), kannst Du hinten ohne Ende probieren, da wird sich nichts ändern.
ja, den Astrophysics hab ich auch ausprobiert. Der zeigt leider auch schlechte Sternabbildung in den Ecken. Allerdings ist der für f/10 gerechnet und nicht für f/6.

Falls die Optik des 60/360 Photoline verspannt wäre, müßte sich dann beim Durchfokussieren von intra nach extra was am Sternscheibchen ändern? Da habe ich nix bemerkt. Das bleibt schön rund.

Ich kann jetzt nur noch ohne Reducer/Flatner testen, sobald der Himmel wieder klar ist...
 

Anhänge

Aragon

Mitglied
Hallo Sternenfee,
hm ?, beim Fokussieren bist Du ja vermutlich zentral auf der opt. Achse, wo sich Bildfehler am wenigsten bemerkbar machen. Dein Bild ganz oben zeigt das ja auch.
 

Sternenfee123

Mitglied
Hi miteinander,

also, ich will hier weder Händlerbashing betreiben, noch den Refraktor oder den Reducer schlechtschreiben, ich möchte verstehen, was meine Abbildung verhunzt.

Draußen ist es wieder mal kurz klar. Ich mach jetzt "nackige" Probeaufnahmen. Also EOS 450D(a) direkt ohne jeglichen Reducer am Photoline. Dann hab ich auch die originale Abbildung dokumentiert...

Snipp, so bin wieder da. Es war saukalt und windig, aber die Wolkenlücke hat für nen Test ausgereicht. Fotos sind im Kasten. Ohne Flatner ist die Abbildung so:

Link zur Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/cab45f-1549678290.jpg

Und hier der Link zum gesammten Bild in Originalgröße.

Ist mit diesem Test der von mir monierte Fehler auf den TSRED279 eingekreist? Oder fällt Euch was ungewöhnliches auf, was auf einen optischen Fehler vom Photoline hinweist?
 

astrozausel

Mitglied
Hallo

der TS RED279 passt eigentlich fast zu allen Optiken. Hab den schon an vielen Refraktoren getestet.
Die Sterne sehen eigentlich auch in der Mitte nicht schön aus. Versuche mal etwas hellere aufzunehmen.
Es liegt auch eine leichte Verkippung vor. Ich habe noch den alten RED 279. Bei den neuen wurde wahrscheinlich der Innere Ring Richtung Gewinde entfernt damit er für mehr Brennweiten langt.
Früher gab es zwei für unterschiedliche Brennweiten. Beim alten hätten 56mm Abstand gelangt.
Ich würde mal zum testen mit diesem Abstand anfangen. Zum testen versuche ich immer ein Sternenfeld zu nehmen damit alle Ecken mit Sterne versorgt sind. Und etwas hellere + 10 Sek damit Nachführfehler ausgeschlossen sind.


Gruß Dieter
 

Aragon

Mitglied
Sieht für mich auch nicht symmetrisch aus, wirkt wie das Bild mit Reducer nur viel ausgeprägter. Dann ist der Arbeitsabstand des Reducers vielleicht doch korrekt und es bleibt ein nicht korrigierbarer Restfehler?
Schicke die Aufnahmen dem Händler und erfrage eine Stellungnahme. Und, suche doch mal, vielleicht hat noch ein anderer Händler einen 279 mit M54 Gewinde (Art.-Beschreibung genau lesen ?. TS z.B. schreibt nämlich nichts von einem M54 Gew.). Dann kannst Du es verschraubt ausprobieren.
Gruß
 

Gerd_Duering

Mitglied
Hallo Fee,

also schon dein erstes Bild hat ja eine ziemlich reine Koma gezeigt, das deutet darauf hin das der TS Photoline 60/360 keine aplanatische Korrektur hat wie es in den allermeisten Fällen bei Refraktoren der Fall ist.
Dein letztes Bild ohne Flattener beseitig dann noch mal letze Zweifel.
Das Bild ohne Flattener zeigt eindeutig keine aplanatische Korrektur sondern es zeig die Kombination von Bildfeldwölbung Koma und Astigmatismus im Feld.
Normalerweise dürfte hier keinerlei Komaanteil vorkommen.
Normale Refraktoren zeigen da nur die Kombination von Bildfeldwölbung also Defokus und Asti im Feld und das müssen dann Ovale sein ohne irgendeinen Komaschweif.

Auch der TS Photoline 72/432 hat keine aplanatische Korrektur.
Das hatte Tommy schon vor einiger Zeit festgestellt.
Nun wissen wir also das dies auch auf den kleinen Bruder zutrifft.

Was bedeutet das nun.
Es funktionieren keine Flattener oder Reducer die für übliche Refraktoren gerechnet sind an diesen Optiken!
Diese erwarten eine komafreie Abbildung im Feld und korrigieren daher die Koma auch nicht.
Änderungen des Arbeitsabstandes können hier nicht helfen.
Die Mühe braucht man sich hier also erst gar nicht machen.

Das einzige was funktioniert ist ein speziell für die Optik gerechneter Flattener.
Den gibt es für den TS Photoline 72/432 und er liefert dort dann auch eine gute Feldkorrektur ohne Koma.
Von Tommy getestet.

Wenn Dieter schreibt.
der TS RED279 passt eigentlich fast zu allen Optiken.
Dann bestätigt das noch mal das der TS RED279 unmöglich weder zum TS Photoline 60/360 noch zum TS Photoline 72/432 passen kann denn er ist für Refraktoren mit aplanatischer Feldkorrektur und nicht für solche die Koma im Feld zeigen.
Den sollte TS schleunigst aus der Liste des empfohlenen Zubehörs für beide Refraktoren streichen.

Also ganz klar ein Reklamationsgrund wenn man dir den falschen Reducer verkauft hat ist das ja nicht deine Schuld.
Es sei denn du hast ihn für einen anderen Refraktor gekauft.
Wende dich am besten an Tommy, der weiß was an diesen Refraktoren funktioniert.


Warum verzichtet man bei den 2 Refraktoren überhaupt auf die übliche aplanatische Feldkorrektur.
Nun es dürfte ein Kompromiss sein den man da eingegangen ist.
Optikdesign ist immer das Finden von Kompromissen, man kann in der Regel nicht alles gleichzeitig haben und muss abwägen.
Hier könnte eine SA höherer Ordnung der Grund gewesen sein die man auf Kosten der Feldkorrektur gemindert hat.
Die verwendete Glaskombination mit dem sehr geringen sekundären Spektrum der Glaspaarung dürfte bei den extremen Eckdaten der beiden Refraktoren eine deutliche SA höherer Ordnung mit sich bringen die man mit rein sphärischen Flächen nicht mehr korrigiert bekommt.
Jedenfalls nicht wenn auch die Koma im Feld vollständig korrigiert werden soll.
Was macht man also.
Man nimmt im Feld etwas Koma in kauf und verbessert so die Korrektur der SA höherer Ordnung die wiederrum deshalb zustande kommt weil man bei den extremen Eckdaten eine Glaskombination verwendet die hier dennoch eine sehr gute Farbkorrektur gewährleistet.

Also unterm Strich lautet der Kompromiss daher so.
Sehr gute Farbkorrektur auf Kosten von etwas Koma im Feld die aber mit einem passenden Flattener oder Reducer vollständig korrigiert werden kann.

Grüße Gerd
 

Gerd_Duering

Mitglied
Hallo Fee,

Hier findet sich auch noch mal ein schöner Vergleich den Tommy gemacht hat.
https://teleskop-austria.at/information/Photoline72F6_72ED_72ED-Lanthan_offaxis_aberrations_compared.jpg
Da siehst du schön den Unterschied zwischen einem „normalen“ Refraktor mit komafreier Feldkorrektur und dem TS Photoline 72/432 so wie von mir oben ja schon beschrieben.
Und auch das hier
Photoline72F6 | TS PHOTOLINE 72mm f/6 Lanthan Apo mit 2,5" Auszug

TSFLAT72 - Korrektor ohne Brennweitenveränderung - Der Korrektor belässt die Brennweite bei 432 mm und das Öffnungsverhältnis bei 1:6. Der Korrektor bietet volle Korrektur und eine gute Ausleuchtung bis Vollformatsensoren. Der optimale Arbeitsabstand vom M48-Anschlussgewinde bis zum Kamerasensor ist 55 mm (T-Ring + DSLR-Kamera). Da der 72mm ED Lanthan Apo andere offaxis Aberrationen hat als Standard ED Apos (siehe Testfoto im Support Tab), passen leider keine üblichen Flattener oder Reducer. Die deutlich stärkere Koma im Feld kann nur mit diesem eigens gerechneten Flattener passend korrigiert werden. Der Flattener kostet 165.-

TSRED279 - Photoline Korrektor mit Brennweitenverkürzung - Leider ergibt sich in unseren Tests kein optimaler Arbeitsabstand, und wir empfehlen ihn daher nicht für diesen Apo.


Grüße Gerd
 

Detlef_L

Mitglied
Hallo,

danke, Gerd, für diesen ausführlichen Bericht.
Mitte 2018 hatte ich mit dem gleichen Gerät (TS Apo60f6) und dem TS RED279 in der verschraubbaren (M54x0,75 Gewinde) Variante und einer OSC CCD (Chip Größe 13x19mm) Aufnahmen gemacht. Abstand zum Chip waren die empfohlenen 70mm. Ich hatte hier ebenfalls eine unbefriedigende Sternabbildung festgestellt, jedoch mangels Zeit und Muße das erst einmal nicht weiter verfolgt.
Nun weiß ich, dass diese Kombination nicht zum Erfolg führen wird und ich kann mir weitere Experimente sparen. Ich werde es einmal mit dem für das Gerät gerechneten Flattener TS FLAT60 probieren, auch wenn das nicht meine Zielkonfiguration war. Aber anders scheint man den Apo fotografisch dann ja nicht verwenden zu können.
Anhängend Ausschnitte (100%) einer 120s Aufnahme mit der oben beschriebenen Konfiguration.

CS, Detlef

60f6+TS279.jpg
 

Aragon

Mitglied
Hallo Detlef,
für den TS Apo 804 (80mm f6) ist der Arbeitsabstand 61 mm (480mm Brennweite). Hast Du Dich verschrieben?
Gruß
Dirk
 

Raumfisch

Mitglied
Danke Gerd, für diese ausführliche Erklärung!

Jetzt weiß ich warum ich mich mit dem Reducer im Kreis gedreht habe und es mit dem Flattener auf Anhieb funktionierte beim 72/432 :oops:

Gruss
Dennis
 

pathmann1

Mitglied
Hallo, Fee,

ein ähnliches Gerät (am besten APO) wie Du suche ich auch., so zw. ca. 280 und 350mm Brennweite; aber so lichtstark wie möglich (für langbelichtete DS-Aufnahmen (kein Mond, Planeten, PN's); am besten unter f/4 ...und nicht zu teuer (unter 1200 Euro))!
Warum gerade dieser Brennweitenbereich? Ich habe hier bei mir ein Seeing von ca. 3-4": Rechnet man mal die Auflösung aus für meine DSLR (3,7µm Pixelgröße), komme ich auf 3,7µm x 206 / Brennweite. Das wären dann so ca. 2,5", für meinen Standort optimal (Bayer-Matrix mal außer Acht gelassen).
Ich nehme an, Du denkst ähnlich...?

Teleobjektive mit 300mm bei Offenblende haben alle eine schlechte Sterndarstellung (bis auf die neuen extrem Teuren (bei CN mal gelesen) ; sogar der extrem teure 100/380mm Pentax APO (mit oder ohne Reducer) hat nicht gut abgeschnitten (auch bei CN gelesen).
Newtons mit Obstruktion: Tak Epsilon 130 ist teuer und hat schon 430mm; Boren-Simon 6" hat auch schon 420mm und muss gut justiert sein...SC-Systeme mit Hyperstar: zu teuer und Verkippungs- und Justierprobleme, ...etc.
Ich wüßte dann nichts in dem Brennweitenbereich mehr....
das Beste, das mir noch einfällt, wäre dann noch der Esprit 80 mit Reducer (auch schon über 1200 Euro). Dann wäre ich bei mind. f/4.0. Nicht schlecht...
Deshalb bin ich gespannt, was Du nun machst...bzw. was Dir die Kollegen raten.

Addendum: derzeit habe ich den TS APO (80/480) mit dem 0,8x Reducer von VeleVue. Klasse Bildkorrektur! Dann hättest Du 384mm....bei guter Bildqualität.
Ich weiß aber nicht, ob dieser TV Reducer Dir bei Deinem 60er APO helfen würde...

viele Grüße und häufiger cs
Andreas
 
Zuletzt bearbeitet:

astrozausel

Mitglied
Hallo
Den Esprit mit den Reducer habe ich auch.
Funktioniert Super und null Stress bei kalten Temperaturen.
Die Feinjustierung habe ich am Objektiv gemacht für absolut Punktförmige Sterne in alle 4 Ecken. Da eignet sich die Milchstraße am besten dafür.
Die Kombination ist eine Lichtstarke Astroeinheit.
 

Sternenfee123

Mitglied
Hi Dieter,

der TS RED279 passt eigentlich fast zu allen Optiken. Hab den schon an vielen Refraktoren getestet.
das gilt laut den Ausführungen von Gerd Duering für aplanatisch korrigierte Refraktoren. Der 60/360 Photoline ist aber anscheinend kein solcher Refraktor. Darum kann der Reducer an diesem Refraktor nicht funktionieren.

Das ist bedauerlicherweise eine irreführende Kaufempfehlung durch TS auf deren Webseite. Da ich aber statt der bestellten Schraubvariante eine Steckvariante der Reducers geschickt bekommen habe, ist die Rückgabe des Reducers mit dem Händler bereits vereinbart, ich warte momentan nur noch auf den Link zum Ausdrucken vom kostenlosen Rückgabeschein fürs Paket.

Die Sterne sehen eigentlich auch in der Mitte nicht schön aus. Versuche mal etwas hellere aufzunehmen.
Ich seh vom heimischen Balkon aus nur 1/4 des Himmels. Und beim Test war nicht der gesamte Himmel frei, ich hab immer in größere Wolkenlücken gezielt. Dabei war der Himmel diesig. Da war nix mit "Sternfeld aussuchen". Ich bin froh, daß ich überhaupt Testen konnte...
 

Sternenfee123

Mitglied
Hi Gerd,

vielen Dank für Dein Posting. Das hat mir sehr beim Verständnis geholfen. (y)

also schon dein erstes Bild hat ja eine ziemlich reine Koma gezeigt, das deutet darauf hin das der TS Photoline 60/360 keine aplanatische Korrektur hat wie es in den allermeisten Fällen bei Refraktoren der Fall ist.
Dein letztes Bild ohne Flattener beseitig dann noch mal letze Zweifel.
Das Bild ohne Flattener zeigt eindeutig keine aplanatische Korrektur sondern es zeig die Kombination von Bildfeldwölbung Koma und Astigmatismus im Feld.
Meine Erfahrung mit Refraktoren beschränkte sich bisher auf meinen 100/500 Cometcatcher von Celestron, ein Liedelscope und mein PST. Alles keine Optiken, die ich vor meine DSLR schnallen würde. :rolleyes:

Normalerweise dürfte hier keinerlei Komaanteil vorkommen.
Normale Refraktoren zeigen da nur die Kombination von Bildfeldwölbung also Defokus und Asti im Feld und das müssen dann Ovale sein ohne irgendeinen Komaschweif.
Genau. für mich war bislang klar:
- Newtons zeigen Koma
- Refraktoren zeigen Bildfeldwölbung und eventuell Farbfehler

Und weil ich massiv Koma beim 60/360 Photoline gesehen hab, hab ich an meinem Verstand gezweifelt.
Dank Deinem Posting hab ich nun gelernt, daß es neben Refraktoren mit aplanatischer Korrektur auch Refraktoren mit Koma geben kann.

Was bedeutet das nun.
Es funktionieren keine Flattener oder Reducer die für übliche Refraktoren gerechnet sind an diesen Optiken!
Diese erwarten eine komafreie Abbildung im Feld und korrigieren daher die Koma auch nicht.
Änderungen des Arbeitsabstandes können hier nicht helfen.
Die Mühe braucht man sich hier also erst gar nicht machen.
super Zusammenfassung. (y)

Mir kommt grad ne irre Idee: was passiert, wenn ich meinen Komakorrektor für meinen f/5 Newton (alten MPCC) in den OAZ vom 60/360 Photoline stopf? Der ist ja vorhanden, koscht also erstmal kein Geld und ich muß nicht warten, bis er geliefert wird... Sollte es übers Wochenende ne Wolkenlücke geben, probier ich das auch mal aus. Nur um zu sehen, was mit der Abbildung passiert.

Das einzige was funktioniert ist ein speziell für die Optik gerechneter Flattener.
Den gibt es für den TS Photoline 72/432 und er liefert dort dann auch eine gute Feldkorrektur ohne Koma.
Von Tommy getestet.
Das ist ne gute Nachricht für die Besitzer vom 72/432 Photoline, nutzt mir aber nix. Denn der für den gerechneten Flattner hat M60er Gewinde. Der OAZ vom 60/360 Photoline hat aber M54.

Ich hab inzwischen per email den für den 60/360 Photoline gedachten Flatner bestellt. Wenn der da ist, teste ich, ob er macht, was er soll...
Testberichte dazu hab ich nicht gefunden. Bei Teleskop Austria find ich den 60/360er und Zubehör überhaupt nicht...
 

mettling

Mitglied
Hallo Gerd,

Danke für die interessante Informationen, auch insbesondere in Bezug auf die Abwägung der unterschiedlichen Bildfehler bei der Auslegung der optischen Konstruktion. Das was sehr lehrreich.
Ich scharwenzle seit einiger Zeit gedanklich auch um diesen kleinen Apo herum, weil ich ihn für visuell recht ansprechend finde. Der Gedanke ihn mit einem 26er Nagler oder 21er Ethos auszustatten und damit so richtig Weitfeld zu machen, finde ich recht attraktiv, auch wenn er dafür im Grund zu teuer ist. Denn für höhere Vergrößerungen würde ich dann doch wieder eher zu einem meiner Newtons greifen, er wäre somit ein Teleskop für nur eine Vergrößerung.

Aber grundsätzlich gefragt: wenn der kleine Apo das Maß an Koma zeigt, das Fee hier erleben musste, würde sich das auch visuell auswirken? Hätte man mit hochwertigen Weitwinkelokularen am Rand des Gesichtsfeldes noch punktförmige Sterne? Oder würde man dort auch wieder Koma sehen, wie bei einem schnellen Newton?
Wobei die Koma bei einem f/6-Newton ja noch akzeptabel ist. Was meinst Du, ist die Koma des kleinen 60mm f/6-Refraktors mit der eines f/6-Newtons vergleichbar?

Neugierig:
Marcus
 
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