TS-SD150 - Entscheidung, First Light und erste Eindrücke

DanielM

Aktives Mitglied
Guten Tag zusammen.

Ich bin seit jeher Refraktorfan und war in über 30 Jahren Hobbyastronomie bis etwa 2019 nur visuell unterwegs. Dann habe ich die Astrofotografie für mich entdeckt. Heute betreibe ich beides, aber nach einem Umzug nach Norwegen vor 2 Jahren passe ich mich ein bisschen an die doch recht widrigen Wetterbedingungen an, und spechtle wieder etwas mehr. Lange zusammenhängende Sessions mit vielen Stunden Belichtungszeit sind hier oben selten und einfach schwierig.

Ich hatte in über 30 Jahren Hobby schon viele Teleskope. Ihr kennt das: Man hat was Feines, dann bekommt man Lust, was Anderes auszuprobieren oder tätigt Frustkäufe wg. schlechtem Wetter. Und man verkauft wieder und bereut Vieles davon. Mit wenigen Ausnahmen sind es bei mir immer Refraktoren gewesen.

Das bislang beste Teleskop, dass ich hatte, war ein LZOS152 f/8 fest montiert in meiner damaligen Sternwarten (Testbericht ist auf A.de nachzulesen). Ich hatte auch bereits einen 130er AP und habe bei Sternfreunden durch Taks geschaut. Aufgrund persönlicher Umstände, musste ich die Sternwarte leider aufgeben und mich auch von einigen teureren Teleskopen trennen. Tut immer noch weh...Zum Glück weiß ich zumindest teilweise, wer die Geräte gekauft hat und sich daran heute erfreut. Eine kleine Genugtuung.

Als ich den LZOS verkauft habe, brauchte ich einen "therapeutischen" Ausgleich für ein deutlich schmaleres Budget. Ich kaufte mir den TS-SD125 und war nach ersten fotografischen Gehversuchen sehr zufrieden damit. Leider konnte ich ihn zunächst aufgrund meiner neuen Wohnsituation nur wenig nutzen. Nach und nach kam er mehr und auch visuell zum Einsatz und was soll ich sagen: Ich war stark beeindruckt, was der Hersteller hier aus einem Zweilinser an Farbkorrektur und Brillianz rausgeholt hat (bei f7.8). Ich betreibe den 125er heute auf einer AZ-EQ6 auf einer Säule auf der Dachterrasse. Es sind auch noch kleinere Refraktoren für grössere Felder vorhanden. Die Monti bliebt immer draußen, eingenordet und abgedeckt.
Aber ich habe immer meinem LZOS (und dem AP) nachgetrauert. Die Apologeten unter Euch kennen das Gefühl, besonders wenn man eine Edeloptik sein eigen nennen darf. Es ist natürlich in keinster Weise rational und die Perfektion ist - wenn auch mechanisch/haptisch spürbar und an der Vergütung ggf. sichtbar - in erster Linie im Kopf. Für meinen Teil, der mit Brille beobachten muss, um einen richtigen Sehgenuß zu haben, gibt es an Planeten und am Mond bei höchsten Vergrößerungen die kleinen und feinen Unterschiede. Die individuelle Frage ist immer: wie viel ist einem wert (und kann man sich leisten). Ich für meinen Teil genoss einfach die Haptik und das Gefühl, dass es besser halt nicht geht, als das, was ich da gerade in der Größe benutzte (LZOS, AP...).

Nun muss man aber für diesen Anspruch tief ins Budget greifen, und dieses ist halt nicht immer vorhanden. Da ich immer noch Sehnsucht nach meinem 6-Zöller hatte, der für mich die Obergrenze des Praktikablen bei den Refraktoren darstellt, besonders wenn man nicht (mehr) fest aufstellen kann, wuchs der Wunsch, dort wieder hinzukommen.

Nach den guten Erfahrungen mit dem TS-SD125 und einer angekündigten Preisaktion bei TS vor Weihnachten, entschloss ich mich, mir den TS-SD150 zu bestellen. Schwerpunkt-Anwendung sollen visuelle Beobachtung, Planeten und Mond, hellere Deepsky Objekte sein. GGf. auch mal Astrofotografie von Galaxien. Natürlich war und ist mir klar, dass dies kein Astrophysics-Gerät ist. Aber meine Hauptkriterien waren:
  1. Leistungsdaten, 150er Öffnung, vergleichbar mit meinem LZOS bei sehr schlankem Gewicht (angegeben mit 9.5 kg für OTA) - die AZ-EQ6 sollte ihn tragen können.
  2. Sehr gute Testberichte auf deutschen und internationalen Astronomieseiten (hier und CN)
  3. Zweilinsiges Design - denn hier bei uns ist die Wetterlage selten stabil. Man baut also oft auf und hat dann 1-2 Stunden. Zudem ist es oft deutlich kälter als in D, also ist Auskühlzeit wichtig.
  4. Binotauglich - die mitglieferte 100mm Verlängerungshülse kann man entfernen und dann kommt man mit Binoansatz ohne Glaswegkorrektor in den Fokus
  5. Ein passender Flattener ist schon im Bestand - also bin ich auch vorbereitet, ihn fotografisch zu nutzen
  6. Sehr gute Erfahrungen mit dem "kleineren Bruder"
  7. Ein sehr ansprechender Preis und guter Service bei TS (ich bekam den optischen Testbericht vorab zugeschickt und konnte dann entscheiden). Ich hatte mit WR gesprochen, ob ich mir ggf. von Anfang an einen FT-Auszug nachrüsten lasse, aber er empfahl, den vorhandenen 3,7-Zoll-Auszug erstmal zu probieren.
Vor Weihnachten traf dann die große Kiste hier im Norden ein - das war schon beeindruckend! Ich hab ein Unboxing-Video gemacht, welches ich irgendwann mal hochlade, wenn ich Zeit hatte, es zu schneiden.

Wie war der erste Eindruck und die Haptik:
  • Das Teil ist sauber verarbeitet, gutes Finish. Der Auszug wirkt schon gewaltig im Vergleich zu dem 2.5 Zoll-Auszug am 125er. Es ist natürlich kein FT, aber deutlich mehr Auszug m.E. als man bei Vixen oder Tak von der Stange bekommt.
  • Im Vergleich zum 125er wirkt er für mich nicht wirklich so viel grösser. Aber: Als ich ihn aus dem Karton hob dachte ich schon: "Das sind aber keine 9.5 kg, sondern mehr". Die Waage zeigte dann also 12,3 kg mit Losmanyschiene, Schellen und Tragegriff. Immer noch ok, aber schon schwerer. Schraubt man die Verlängerungshülse raus, sind es ca. 0.5 kg weniger. Die Angaben bei TS sind also nur der nackte OTA.
  • Die Vergütung wirkt hochwertig, die Transmission hoch. Je nach Blickwinkel sieht man nicht viel von der Frontlinse. Innen im Tubus eine ordentliche Verblendung.
  • Die dem Gerät zugeordnete Seriennummer (kann man bei TS mitbestellen, damit der Optiktest auch zugeordnet werden kann) ist etwas lieblos in recht großen Buchstaben auf ein Klebeband gedruckt und auf die Verlängerungshülse geklebt worden. Erfüllt seinen Zweck, kann man aber besser machen. Mein Vorschlag wäre ein mit weißen Lettern auf schwarzem Grund und gekrümmt gedruckte Seriennummer, die vorsichtig auf die Vorderseite der Linsenfassung neben der Typenbezeichnung Platz findet oder unter den Okularauszug geklebt wird. Ist sicher Geschmackssache. Mich stört es nicht besonders.
Für First- und Second-Light habe ich den Refraktor auf meine modifizierten Giro 2 mit Encodern montiert, ist wesentlich einfacher und schneller für visuell, als ihn auf die Montierung auf die Säule zu packen.

First light war monokular (verschiedene Okulare, bis zum 4 mm Radian), second light ohne Verlängerungshülse mit Televue Binoviewer (mit Baader Hyperion Zoom Okularen).

Hier meine ersten Eindrücke (ausführlichere Beobachtungen kommen noch - bei Minus 15 Grad wirds halt nach 2 Stunden doch kalt :)).

  • Jupiter war sehr detailreich und in ruhigen Seeingmomenten knackscharf mit Wirbelstrukturen in den Wolkenbändern, einem klar und sofort ins Auge springendem GRF. Ein wirklicher Genuss! Natürlich fehlt mir der direkte Vergleich unter gleichen Bedingungen, um zu sagen, ob mir hier was fehlt zum Edelrefraktor, den ich vorher hatte. Bislang kann ich das nicht sagen. Es war einfach toll, den Tubus immer wieder weiterzuschubsen und zu sehen, wie der Planet sich durchs Gesichtsfeld bewegt.
  • Am Mond waren Terrassenabstufungen an Kraterrändern mit viel Details zu sehen. Auch hier wurde ich ein wenig an den LZOS erinnert. Ich glaube der Mond wird zukünftig wieder mehr in meinen Beobachtungen vorkommen...besonders wenn es für Astrofotos zu hell ist.
  • Deepsky war nur ein kurzer Streifzug möglich. Ich sehe bei den Objekten ein helleres und detaillierteres Bild als beim 125er. Sternhaufen mit nadelpunktfeinen Sternen. Orion Nebel binokular sehr schön ausgedehnt mit ein wenig 3-D-Effekt. Mit 35 mm Panoptik monokular knapp 2 Grad Gesichtsfeld erlaubt einen schönen Streif durch sternreiche Regionen mit scharfer Abbildung und unterschiedlichen Sternfarben, so wie es sein muss.
  • Man kommt ohne Verlängerungshülse mit dem Binoviewer von Televue in den Fokus ohne GWK. Will man den GWK benutzen oder Monokular beobachten, muss man eine 50mm Verlängerung zum Stecken zusätzlich verwenden oder die Tubusverlängerung wieder einschrauben.
  • Keine CA sichtbar an Mond und Planeten, sowie an den hellen Sternen, die ich bislang angefahren habe. Ich bin bis 0.5 mm AP hochgegangen. Die Optik ist visuell nach meinem Eindruck farbrein im Fokus (wie auch der 125er). Fotografisch wird er das nicht sein können als Zweilinser wg der Empfindlichkeit der Chips auch im IR und UV. Wie auch der 125er wird er vermutlich etwas grössere Sternscheibchen erzeugen (?). Ich lasse mich überraschen. Bei Astrobin sind durchaus respektable Aufnahmen zu sehen, die mit dem 150er gemacht wurden.
  • Sterntest sieht vorbildlich aus, so wie es sein muss und im Testbericht abgebildet ist.
  • Der Auszug wirkt auf den ersten Blick in Ordnung. Nicht perfekt wie ein FT, aber ausreichend und solider als der 2.5 Zoll-Auszug am 125er. Er ist stabil, auch wenn er weit ausgefahren ist. Einzig wirkt es, als ob ich beim Richtungswechsel des Fokus ein minimales Spiel habe. Das kann man sicher korrigieren.

Ich denke, ich werde noch viele schöne Stunden damit haben und öfter mit dem 150er spechteln, während der 125er Photonen auf dem Chip sammelt. Ich bin bislang sehr zufrieden. Und viele Projekte warten:

- Ausgiebig DS-Beobachtung
- Fotografie mit f8 bei 1200mm (mit Flattener)
- Direkter visueller Vergleich 125 vs. 150
- Direkter visueller Vergleich 150 vs. 2x130 Doppelrefraktor

Hoffentlich wird es oft genug klar :) - ab April wird's nicht mehr ausreichend Dunkel bist September...

Abschließend nach diesen ersten Eindrücken: Ich finde, man bekommt sehr viel Teleskop für's Geld. Natürlich muss man wissen, worauf man sich einlässt. Dies ist und bleibt ein grosses Teleskop, das gut montiert werden will. Angesichts der sehr guten Reviews des 125er und 150er aus der TS-SD Serie, würde ich soweit gehen, und diese Geräte als "Volksapos" bezeichnen. Es ist in jedem Fall beachtlich, welche Fertigungsqualität mittlerweile möglich ist in China zu Preisen, von denen man vor 10 Jahren nur träumen konnte.

Vielleicht hilft dies hier ja dem ein oder anderen zur Orientierung.

Anbei ein paar Fotos vom Auspacken und ersten Eindrücken aufgebaut. Bei Fragen, gerne PN schreiben.

Viele klare Nächte
Daniel

TS SD150_5.jpg

TS SD150_4.jpg

TS SD150_6.jpg

TS SD150_1.jpg

TS SD150_2.jpg

TS SD150_3.jpg
 
Danke für den Bericht Daniel und Glückwunsch zum neuen Refi! - wow! der Beobachtungsplatz ist ja auch mal klasse mit den Polarlichtern frei Haus - will ich auch haben!!! :D :D :D

...wobei die stören doch bestimmt beim Beobachten! ;) ein Graus für Fotografen... :D
 
Hallo Daniel,

genau auf diesen Vergleich TS125 vs 150 habe ich gewartet, besten Dank Dir!
Ich frage mich selber, ob der 150er signifikant besser ist als der 125er und sein Mehrgewicht und Mehrpreis wert ist.

Bitte gerne weitere visuelle Vergleichseindrücke posten 👍

Vielen Grüße
Johannes
 
Danke für den Bericht Daniel und Glückwunsch zum neuen Refi! - wow! der Beobachtungsplatz ist ja auch mal klasse mit den Polarlichtern frei Haus - will ich auch haben!!! :D :D :D

...wobei die stören doch bestimmt beim Beobachten! ;) ein Graus für Fotografen... :D
Ja. Hier in Mittelnorwegen an der Küste ist es traumhaft schön aber für Astrofotografen ein „Tripple Whammy“:

1. Halbes Jahr nicht dunkel
2. Wenig stabile Wetterlagen (selten mehrere Stunden oder die ganze Nacht klar)
3. Aktuell mehrmals die Woche Polarlichter, oft auch weniger eindrucksvoll aber den Himmel aufhellend

Man muss halt mit dem leben, was einem geboten wird. Daher wieder etwas mehr visuell und einmal im Jahr Astroferien :cool:
 
Danke für den Bericht Daniel. Ich liebäugle auch mit dem 150er. Die Anforderungen habe ich ganz ähnlich wie du formuliert, nur ohne Fotografie. Dein Bericht macht es nicht einfacher, zu widerstehen :LOL:.

Grüße, Sebastian
 
Hallo Daniel,

genau auf diesen Vergleich TS125 vs 150 habe ich gewartet, besten Dank Dir!
Ich frage mich selber, ob der 150er signifikant besser ist als der 125er und sein Mehrgewicht und Mehrpreis wert ist.

Bitte gerne weitere visuelle Vergleichseindrücke posten 👍

Vielen Grüße
Johannes
Hi Johannes.

Ich poste mehr, wenn ich Gelegenheit hatte. Ist sehr davon abhängig, wann es wieder klar ist. Aber ich habe es auf dem Schirm. Entweder Eindrücke des 150er von weiteren Beobachtungen und wenn es sich lohnt, beide aufzubauen, dann auch Vergleich :)

VG
Daniel
 
Kurzer Nachtrag. Ich habe in der Zwischenzeit auch Gelegenheit gehabt den TS-SD150 auf die AZ-EQ6 zu wuchten. Sowohl Montage (leichter als gedacht) als auch Stabilität waren ok. Habe ein Aufnahmen von Jupiter gemacht, die vielversprechend aussehen (ZWO Asi662MC, 20% von 5000 Aufnahmen - ich habe wenig Erfahrung in Bildbearbeitung für Planeten, das müsst Ihr mir nachsehen). Ansonsten ein wenig mehr Deep Sky gespechtelt. Bei Minus 15 Grad nachts waren es meist eher kurze Einsätze aber ich bin weiterhin sehr zufrieden. Für Vergleiche von zwei Optiken warte ich noch auf etwas milderes Wetter.

Mein Urteil ist ungetrübt. Einzig wg. des Spiels im OAZ werde ich TS nochmal anschreiben. Das stört mich. Kann man aber sicher einstellen.

CS und schönen Sonntag
Daniel

0330d189-b8db-440f-b533-8634dbb5b2ad.jpg
 
Und nur falls es interessiert hier eine weitere Aufnahme von heute Abend bei gutem Seeing. Muss noch lernen zu de-rotieren. Ich bin wirklich zufrieden mit Leistung dieses Geräts...VG und CS

2026-02-11-1923_Jupiter_ZWO_Asi662MC_30%_10000.jpg
 
Und für Interessierte hier ein weiteres Update:

Habe letzten Freitag mal versucht, mit dem Gerät Deepsky Aufnahmen zu machen. Ich habe den 2.5 Zoll Flattener von TS verwendet (Version 1), der mit richtigem Abstand scheinbar bis in die Ecken des APS-C Chips runde Sterne produziert (muss mir das noch genauer anschauen).

Aber - und das war fast vorhersehbar - die AZ-EQ6, so zuverlässig sie auch ist und ein echtes Arbeitspferd, war doch überfordert. Mit Flattener und Kamera brachte das Set-up ca. 13.5 kg auf die Waage, soweit so gut. ABER: Vom Ende der ausgezogenen Taukappe bis zum Ende der Astrokamera 192 cm! Der Hebel ist dann doch zu viel. Am Freitag waren hier kleine Windböen, so 5 m/s. Das hat gereicht, dass ein Guiding nicht möglich war. Ich hatte auch schon einen LZOS 152 Triplett auf der Montierung und das ging, aber das war in den geschützten Wänden einer Sternwarte. Da wird das gehen. Im Feld geht es nicht.

Nächster Versuch kommt, aber im Sommer, wenn es hier eh nicht dunkel wird, muss ich mir was überlegen. Windschutz oder stärkere Montierung, oder beides...:LOL:

1773057473556.png
 
die AZ-EQ6, so zuverlässig sie auch ist und ein echtes Arbeitspferd, war doch überfordert.
Hui....
Vor kurzem habe ich den 150er auch bestellt, konnte nicht mehr widerstehen :LOL:. Noch ist er nicht da.

Bei mir kommt er ebenfalls auf eine AZ-EQ6. Da ich ausschließlich visuell unterwegs bin, habe ich noch etwas Hoffnung, dass sie das packt.

-- Sebastian
 
Hi Sebastian. Visuell gar kein Problem! Es ist halt ein großer Hebel und wenn man dann Aufnahmen mit 2 Min Belichtungszeit macht, reicht schon ein kleines Lüftchen, und die Aufnahme ist versaut.

Ich werde erstmal Säule kürzen und Windschutz vorsehen. Vielleicht reicht das. Neue Montierung würde ins Geld gehen.

An Deiner Stelle einfach freuen: das wird richtig gut! Berichte gern mal!

VG und CS
Daniel

P.S. Ist er nicht einfach schön :love:

IMG_8888.jpeg
 
So, er ist da :D. First light muss noch warten, aber ich habe ihn schon mal drinnen auf die Montierung gepackt. Da ich nur visuell unterwegs bin, betreibe ich die AZ-EQ6 nur im Azimutal-Modus.
Zufällig ist mir aufgefallen, dass wenn das Teleskop in Zenitnähe zeigt, es beim Schwenken in Azimutrichtung am Stativbein anschlägt. Da muss ich echt aufpassen, ggf. ist eine Stativverlängerung oder sowas nötig.

-- Sebastian
 
Hi Sebastian. Ja, der Tubus is lang. Aber beim visuellen Beobachten bist Du ja dabei und siehst, wo das Teleskop hinschwenkt und kannst im Zweifel eingreifen. Beim Fotografieren und Fernsteuern des Geräts mit Asiair z.B. ist es gefährlicher, wenn man gar nicht draussen ist und nicht sieht, was passiert. Da habe ich mit meiner Säule in der Regel kein Problem.

Aber eine Stativverlängerung kostet nicht die Welt (gibts auch immer wieder mal gebraucht) und bringt vielleicht auch eine bequemere Einblickhöhe in Zenitnähe. Vielleicht kannst Du auf dem ATT im Mai stöbern. Da könnten wir uns dann mal austauschen :)

Wünsche Dir viel Spaß mit dem Gerät...vielleicht kriegst Du Jupiter noch bald vor die Linse. Das ist echt ein Genuss.

VG und baldige CS
Daniel
 
Hallo,

durchgeschaut habe ich leider immer noch nicht...
Dafür etwas Theorie:
Der f/8 ist mit Abstand mein schnellstes Gerät, da ist der Okularbestand natürlich nicht ganz ideal, der ist auf f/11 bzw. f/12 ausgelegt.

Ich bin ein großer Fan von beidäugiger Beobachtung - zumindest bei Mond und Planeten. Daher war es mir wichtig, dass das Teleskop einen herausschraubbaren Ring im Tubus hat. Das ist bei meinem "Kleinen" (102mm f11) auch so.

Ich habe mir also gleich den Baader 1,7x GWK dazu bestellt, bisher nutzte ich den 1,25x oder gar keinen. Am Binoviewer, zusammen mit den Morpheus 12,5 komme ich dann auf ca. 160x, das ist 0,9mm AP - klingt für mich perfekt. Wenn ich nicht in den Fokus komme, kann ich den M124 Ring abnehmen. Praktischerweise hat der Auszug vom 150er auch ein M68 Gewinde, so wie der kleine. Das heißt, ich kann den bestehenden Baader Clicklock (nie wieder ohne!) verwenden, und wenn nötig auch die M68 Verlängerungen, das ist einfacher zu handhaben als der große M124 Ring. Weil für monokulare Beobachtung könnte es knapp werden ohne den großen Ring.

Für Doppelsterne bietet sich - monokular - das SV215 Zoom an. Erst kürzlich angeschafft, für den Preis wirklich klasse! Damit kann ich 150x - 400x abdecken. Bei gutem Seeing ist 400x sicher kein Problem, die AP von 0,38mm geht jedenfalls mit den 102er noch gut.

Hier noch ein Größenvergleich zwischen dem 102 f/11 und dem 150 f/8 (Taukappen ausgefahren). Brennweite und somit Tubuslänge sind fast gleich. Trotzdem ist der 150er mit dem dreifachen Gewicht schon eine ganze Ecke wuchtiger.

1000007458.jpg


-- Sebastian
 
Hallo zusammen.

Kleines Update. Beim Fotografieren ist mir aufgefallen, dass ich mit der Mikrofokussierung in Zenitlage ein Problem hatte mit Astrokamera und Flattener hinten dran (habe noch keinen Fokusmotor dafür). TS angeschrieben und Tipps bekommen, wie man das einstellen kann. Also habe ich mich vorgestern rangewagt und die Mechanik des OAZ auseinander gebaut. Das Durchrutschen konnte man relativ einfach einstellen, allerdings verlangte es danach etwas Iteration mit den vielen Verstellschräubchen, um alles wieder "smooth" zu bekommen. Im Grunde wünscht man sich, dass dies vor Auslieferung überprüft wird, aber ich bin zumindest froh, dass ich das selbst richten konnte. Und ich muss sagen: Es ist leichter bei einem TS-Auszug "mutig" zu sein und zu versuchen, als bei einem FT. Umgekehrt sind die halt ziemlich perfekt. Da musste ich noch nie was einstellen.

Die Kombination mit 2.5 Zoll-Flattener und richtigem Arbeitsabstand funktioniert übrigens sehr gut. Keine Vignettierung bei mir (sollte man ja auch nicht haben bei APS-C) und runde Sterne auch in den Ecken.

Schönen Ostermontag.
Daniel
 
Hallo Daniel,
ja die FT sind schon eine mechanisch sehr hochwertige Angelegenheit.
An meinem TV NP101 ist ein 2" FT-OAZ daran. Das Teleskop ist mittlerweile > 20 Jahre alt. Am OAZ habe ich nie was einstellen müssen. Dieser läuft "smooth" und exakt wie am ersten Tag. Das ist richtig nachhaltige Technik.
 
Ja, ich habe auch einen kleineren Refraktor mit FT. Im Moment bin ich mit dem TS zufrieden nach der kleinen Operation. Zumindest hält er alles gut und es gibt gute Anschlussgewinde und keine Verkippungen.

Aber ja, falls die Optik nach 1-2 Jahren weiter überzeugt, kann man da auch nachrüsten. Manche werden sagen, „mit Kanonen auf Spatzen“, aber ich denke solide und sorgenfreie Aufrüstung ist gerade bei Fotografie durchaus meistens sinnvoll.
 
So, ich hatte jetzt ein paar Gelegenheiten, das Gerät zu testen und kann meine erste Erfahrungen berichten.

Handhabung:
Die AZ-EQ6 trägt das Teil, aber es ist nicht super stabil. Ich war bis jetzt verwöhnt, weil der 4,5kg schwere 102mm f/11 natürlich extrem stabil auf der Montierung saß. Das heißt, beim Fokusieren oder wenn eine stärkere Windbö kommt, dann wackelt es ein bisschen. Aber es rechtfertigt definitiv keine größere Montierung.
Das Rumtragen finde ich noch ok, das habe ich mir schlimmer vorgestellt.

Fokus und Bino:
Ich verwende den Bino mit 1,7x GWK, aber in den Fokus kommt man nicht. Ich habe daher den großen M124 Ring abgeschraubt und stattdessen einen 40mm M68 Verlängerungsring vor den Clicklock geschraubt. Damit komme ich jetzt sowohl mit dem Bino als auch ohne in den Fokus. Das ist super, weil das erspart mir das hin- und herschrauben.

Jupiter:
Jupiter ist wirklich toll. Bei 160x - 180x zeigen sich zarte Kontraste in den Polkappen. Der rote Fleck ist sehr scharf, wie ausgestochen. Die Wirbelschleppe hinter dem GRF zeigt Strukturen. Die Bänder sind scharf abgegrenzt, zwischen den Bändern sind auch Details zu erkennen.

Doppelsterne:
Ich habe ein paar schwierige Kandidaten rausgesucht:
STT 235 in Uma: 1,0" Abstand, Magnituden 5,69 und 7,55: Bei 400x (SV215@3mm) hat der Beugungsring definitiv eine Beule an der richtigen Stelle. Diese konnte ich auch nach einer Weile noch identifizieren, da ist also auf jeden Fall etwas.
Zeta Cancri AB: 1,1" Abstand, Magnituden 5,30 und 6,25. Bei 300x (SV215@4mm) definitv zwei separate Sterne, die Beugungsscheiben sind gut zu sehen und berühren sich nicht mehr. Auch bei 400x ist das Bild sehr stabil und scharf.
Das ist eine erwartbare, aber trotzdem erfreuliche Leistung des Geräts.

Alles in Allem bin ich sehr zufrieden. Schärfe und Kontrast eines Apos sind einfach klasse. Ausstehend ist noch eine Mondbebachtung. Auch ein paar Kugelsternhaufen und planetare Nebel stehen auf der Wunschliste für die Zukunft.

-- Sebastian
 
Hi Sebastian. Das freut mich für Dich. Und ist ja irgendwie ein gutes Zeichen, denn dann scheint die Qualität durchaus durchgehend ganz gut zu sein.

Leider geht bei mir hier im hohen Norden die Astrosaison in diesen Tagen zu Ende, weil es ab Sonntag keine astronomische Dunkelheit mehr gibt. Mond und Planeten geht noch ein wenig. Den direkten Vergleich mit dem 125er habe ich noch nicht hinbekommen. Und auch den visuellen Vergleich mit 2x130 (siehe mein Profilbild) muss er noch über sich ergehen lassen. Und da vermute ich, dass er es schwer haben wird. Aber warten wir es ab.

Ich bleibe bei meinem Urteil, dass die TS-SD Serie (125 und 150) die Kategorie Volksapo verdienen. Ziemlich viel Teleskop für's Geld.

Hast Du bei 300 oder 400 irgendwelche zarten Farbsäume gesehen?
 
Hallo Daniel,

Hast Du bei 300 oder 400 irgendwelche zarten Farbsäume gesehen?
Diese Vergrößerung habe ich bisher nur bei Doppelsternen verwendet. Da ist mir kein Farbsaum aufgefallen. Aber ich habe erstens nicht drauf geachtet und zweitens wäre das ja bei helleren Objekten eh deutlicher.

Und auch den visuellen Vergleich mit 2x130 (siehe mein Profilbild) muss er noch über sich ergehen lassen. Und da vermute ich, dass er es schwer haben wird. Aber warten wir es ab.
Also bei z.b. Jupiter denke ich auch, dass 2x130 hier nie Nase vorn haben könnte. Wenn es knallhart auf Öffnung ankommt, z.B. bei Doppelsternen, dann ist mit 150mm wahrscheinlich ein kleines bisschen mehr.

-- Sebastian
 
Hi Sebastian. Ja, könnte so ausgehen. Bin gespannt auf den Vergleich, weil der Wahrnehmungsgewinn bei binokularem Sehen ohne Lichtverlust (weil kein Binoansatz sondern Doppelrefraktor) je nach Quelle zwischen 30 und 40% beträgt. Macht also aus einer 130er Optik zwar keine 150er, aber nutzt die 130er Optik brutal gut aus. Hoffe, ich bekomme bald mal Gelegenheit dafür. Da müssen dann einige Kilogramm aufgebaut werden ;-)
 
So, kann jetzt einen ersten Deepsky-Vergleich berichten, wenngleich nur halb fair, weil ich es nicht Seite an Seite aufgebaut habe, sondern eine klare Nacht DS mit dem 130er Bino verbracht habe und eine mit dem 150er, gleiche Objekte.

Hier war es dann noch so, dass die 20mm mehr Öffnung deutlich überkompensiert wurden durch das binokulare Sehen (mehr Wahrnehmung und entspannteres Beobachten). Gerade bei Kugelsternhaufen zeigte das Doppelteleskop wahrgenommen deutlich mehr Auflösung und natürlich den "Wow-Effekt" durch den räumlichen Eindruck. Auch bei Galaxien, z.B. M51 und M82 waren im Bino in Ansätzen hauchzart mehr Details zu sehen (bei M51 angedeutete Spiralarme, bei M82 mehr der Staubstrukturen). Auch im Coma Haufen sind mir mit dem Bino etwas mehr "Fleckchen" ins Auge gesprungen, wobei der Unterschied klein war. Bei M57 war der 150er erst bei höherer Vergrösserung gleichauf.

Das war vielleicht vorhersehbar, aber ich hatte mir etwas mehr versprochen von der grösseren Öffnung. Aber klar, sind sehr unterschiedliche Geräte. Das eine nur auf visuelle Beobachtung ausgelegt. Die Frage ist dann nur: hat der 150er seine Nische oder nicht. Denn fotografisch bin ich ja mit dem 125er sehr nah dran.

Bleibt spannend...
 
Hallo Daniel,

Interessant, danke für den Bericht.

Also ich denke, den 150er aufzubauen ist weniger aufwändig und erfordert eine weniger stabile Montierung. Zumal er vermutlich deutlich günstiger ist. Von daher hat er schon seine Daseinsberechtigung, finde ich :).
Oder beziehst du diese Aussage nur auf deine persönliche Situation?

-- Sebastian
 
Er hat auf jeden Fall seine Berechtigung. Das war nur auf meine Situation bezogen.
 
Hallo Leo.

Guter Punkt. Zunächst monokular. Binokular kommt noch (Televue binoviewer). Ich erwarte aber keine Wunder, denn der binokular Ansatz bringt zwar den räumlichen Eindruck aber bringt auch einen gewissen Lichtverlust. Aber danke für den Hinweis.

VG
Daniel
 
So, ein weiteres Update für diejenigen, die es interessiert. Gestern Abend war es endlich mal wieder klar und sehr ruhig (wenig Wind, bei uns selten).

Also dachte ich mir: Lassen wir die beiden TS-SD125 und TS-SD150 mal gegeneinander antreten. Danach hatten ja auch einige hier gefragt. Ich muss vorausschicken, dass die Sonne hier nur noch 11 Grad unter den Horizont geht, es ist also immer noch für visuelle Beobachtung halbwegs dunkel, aber astronomisch betrachtet wirds schon schwieriger. Ausserdem ist ein Abend mit einem Seeing und begrenzter Zeit (wenn man arbeiten muss und es erst 23:30 dunkel ist, hat man nicht ewig) immer nur eine Momentaufnahme.

Testaufbau: Ich wollte es mir einfach machen und habe also den kleineren der beiden auf meine AZ-EQ6 gesetzt und den Grossen auf eine Azimutale Montierung. Ich habe mehrere Objekte verglichen, einmal mit jeweils dem gleichen Okular (natürlich etwas Äpfel mit Birnen) und einmal mit jeweils einem Baader Zoom wo die Vergrösserung/Bildausschnitt angepasst wurde, so dass beide die gleiche Vergrösserung zeigten. Ich bin dann zwischen beiden Teleskopen hin und her gelaufen und habe versucht, dabei die Augen zu schliessen, damit mir die Festbeleuchtung der Nachbarhäuser (hier in Norwegen hat wirklich jeder nachts Aussenbeleuchtung an) die Dunkeladaption nicht versaut. Das ging so halbwegs. Habe dann einfach einige Zeit am Okular verweilt, bis die Details besser rauskamen.

Leider zeige sich schon zu Beginn, dass das Seeing ziemlich mies war, daher habe ich den Vergleich an Jupiter recht kurz gehalten, es war in beiden Teleskopen nicht so, wie ich es schon gesehen habe.

Objekte waren:

M13
M57
M81
Doppelter Sternhaufen im Perseus
M51
M27 (auch wenn der noch sehr tief stand)
Epsilon Lyra
Wega

Wo waren die Unterschiede:

Gleich vorneweg: Sie waren sichtbar, aber sie waren gering (vielleicht zu erwarten). Der 6 Zöller sammelt immerhin 44% mehr Licht. Dafür fand ich den Unterschied überschaubar. An M13 sah man in beiden einen kleinen Bienenschwarm vor einer diffusen Wolke, bei längerer Betrachtung und indirektem Sehen sah man schon viele Einzelsterne aufgelöst, im 150er halt deutlicher und mit weniger Anstrengung. Schön in beiden die Zweifarbigkeit der Sterne, die mit M13 ein Dreieck bilden.

Bei M57 und gleicher Vergrösserung ein ähnliches Bild, in beiden deutlich der Ring zu erkennen, ich meine im 150er war das Zentrum etwas kontrastreicher abgehoben. Bei höherer Vergrösserung wurde der Unterschied grösser.

Bei den Galaxien (für die sind die Öffnungen natürlich grundsätzlich recht klein) ähnlich, minimale Unterschiede zugunsten des 150ers, aber in beiden deutlich zu erkennen und ich meine auch ähnliche Details bei längerer Betrachtung.

M27 war - vielleicht wg. des tiefen Standes - interessanter Weise wesentlich besser im 150er zu sehen (ohne Filter). Stach deutlich vom Himmelshintergrund hervor und man konnte die Handelform sehen. Im 125er sah man ihn auch, aber man musste schon etwas genauer hinschauen. Hier war die Hantelform bei steigender Vergrösserung sichtbar, aber mit mehr Anstrengung.

Epsilon Lyra ist natürlich für keines der Geräte ein Problem, wurde in beiden sauber getrennt und schön gezeigt. Hier würde ich Gleichstand sehen.

An Wega wollte ich einen Eindruck vom Farbfehler bekommen. Beide zeigten zunächst mal sehr schöne Beugungsringe ausserhalb des Fokusses. Im Fokus waren beide auch bei Verwendung eines 4 mm Radian farbfrei (ich habe jedenfalls nichts gesehen, ich weiss, dass manche hier sensibler sind). Das waren immerhin 243x für den 125er und 300x für den 150er - im Prinzip also am Punkt der maximal sinnvollen Vergrösserung. Als ich dann defokussierte, tauchte natürlich ein Farbsaum auf, auf der einen Seite violett, auf der anderen grünlich. Zu meiner Überraschung war der violette Saum ausserhalb des Fokus im 125er etwas ausgeprägter als im 150er. Zwar ist der 150er f8 und der 125er "nur" f7.8 aber ich hätte erwartet, dass die grössere Öffnung hier stärker ins Gewicht fällt. Alles in allem echt beeindruckend, wie aus den Zweilinsern so eine Farbkorrektur rausgeholt wird.

Fazit habe ich erstmal keines. Der 150er zeigt erwartungsgemäss mehr. Wenn man die Montierung dafür hat und nur visuell beobachtet, holt man sicher bei richtig gutem Himmel auch mehr raus. Aber der Unterschied ist nicht so gross, wie es 44% mehr Öffnung vermuten lassen würden, so jedenfalls mein subjektiver Eindruck.

Vielleicht ist das ja interessant für den ein oder anderen.

CS
Daniel
 
Zurück
Oben