Tubusisolierung bei geschlossener Optik (Mak, Cas) | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Tubusisolierung bei geschlossener Optik (Mak, Cas)

0carpediem

Mitglied
Hallo,

vor einiger Zeit bin ich auf den CN-Thread gestoßen und habe dieses Konzept an meinem Maksutov umgesetzt.

Kurz gesagt geht es um die Vermeidung von Tubusseeing.

Um Irrtümer von vorne herein möglichst zu vermeiden sei folgendes vorweg genommen:
- das Thema hier bezieht sich nicht auf offene optische Systeme, wie z.B. Newtons, dort ist die Situation anders
- das Thema bezieht sich nicht auf "kleine" geschlossene Optiken, wo durch eine rasche Abkühlung das Tubusseeing erst gar kein Thema ist.

Luftströmungen im Tubusinneren eines geschlossenen Teleskops (ohne aktivem Lüfter) werden durch Temperaturunterschiede ausgelöst. Die Dichteunterschiede zwischen wärmerer und kälterer Luft bewirken Schlieren, die als „Tubusseeing“ wahrgenommen werden. Je größer die Temperaturunterschiede, desto schnellere und kräftigere Schlieren können gesehen werden.

Beim Maksutov und Cassegrain wird ein und dieselbe Schliere, bei zufällig gerade ungünstiger Position der Schliere, bis zu dreimalmal vom Licht durchlaufen! Es gibt Schlieren, die (durch geringe Temperaturunterschiede) nicht mehr als störend wahrgenommen werden.
Größere „Kats“ (katadioprische Systeme) werden häufig mit einer Lüftung ausgestattet um einen schnelleren Temperaturausgleich zu erreichen. Aufgrund der geschlossenen Konstruktion und des dicken Hauptspiegels, läuft das Teleskop aber oft lange einem akzeptablen Temperaturausgleich nach und erreicht in Nächten mit großem Temperaturgradienten diesen eventuell auch gar nicht.

Die Idee hinter der Tubusisolierung ist folgende:
Es wird erst gar kein rascher Temperaturausgleich mit der Umgebung angestrebt, sondern eine so gute Isolierung, sodass es im Tubusinneren kein größeres Temperaturgefälle gibt und es daher zu keinem merklichen Tubusseeing kommt und als Nebeneffekt die optischen Komponenten keine „Temperaturverspannung“ zeigen.

Bei einem Kat sieht das wie folgt aus:
- der Tubusumfang inklusive Taukappe und die Tubusrückseite um den Okuklarauszug herum werden „ausreichend gut“ isoliert (z.B. in meinem Fall mit 2 Lagen Noppenfolie, die auf einer Seite eine Alu-Beschichtung hat).
- Der Okularauszug und das Blendenrohr bleiben ein gewisser Schwachpunkt der Isolierung, stören aber soweit ich bisher beobachten konnte nicht wesentlich
- Die Schmidtplatte bzw. Meniskuslinse besteht glücklicher Weise aus Glas, das keinen schlechten Isolator abgibt. Sie hilft dadurch im Tubusinneren kein zu großes Temperaturgefälle entstehen zu lassen. Damit sie nicht durch starkes Abkühlen zu taut und zu viel Wärme abgibt, sollte unbedingt eine ausreichend lange (min. 1x Tubusdurchmesser) isolierte Taukappe verwendet werden. Vor dieser Linse hat man einen einfachen Glas-Luft Übergang, wie bei einem offenen System.

Ich habe, wie erwähnt, die Tubusisolierung an meinem Teleskop umgesetzt und sehe beim Beobachten, im Unterschied zu davor, kein störendes Tubusseeing mehr.
Ich messe zwischen Tubusinnerem und Umgebung zu Beobachtungsbeginn bis zu 10° Temperaturunterschied, trotzdem kann ich sofort mit dem Beobachten beginnen.
Einen davor vorhanden Lüfter habe ich ausgebaut, die Öffnung verschlossen und die Isolierung darüber gezogen. Ein Lüfter würde einen starken temporären Temperaturunterschied erzeugen und ist für dieses Konzept kontraproduktiv.

Das Thema ist möglicher Weise auch für größere Refraktoren interessant.
Das Teleskop ist bei mir in einer Sternwarte fix aufgestellt. Ich habe keine Erfahrung wie gut ein Tubus mit Noppenfolie zu transportieren ist. Bei schwereren Tuben mag das ein Problem sein.

Der oben erwähnte Thread ist lange und behandelt diverse kontrovers diskutierte Themen. Daraus scheinen mir folgende Zitate besonders wichtig:

„ .. With insulating the idea is to slow thermal changes as much as possible so that the telescope's temperature change is so slow that the ambient temperature is not a factor and you have the same result that you would have if the scope were at ambient temperature and stable.”

“ .. If you have the experience that insulation/reflection compromizes your image for longer than without insulation/reflection, then your scope is not properly insulated!!
The professional thermal insulation in my 16" SCT measures 15mm of thickness!
But if you are not sure: Over-insulation does not exist!!”

cs
Andreas
 
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Sven_Wienstein

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Hi Zusammen,

ich denke mir, dass ein Lüfter vor allem für eine reine Innen-Umwälzung spannend sein müsste, um durch Verwirbelung die Luft zu homogenisieren. Fragt sich nur, wo man den Lüfter zu diesem Zweck unterbringt. Immerhin hat man damit aber nicht die Staub-Problematik. Das mit der Isolation kann man nicht oft genug sagen und wirkt auch für offene Tuben. Ist jedenfalls nicht so neu, nur in letzter Zeit vielleicht nicht so oft Thema gewesen. Kurt hat mit einem C8 (richtig?) spannende Temperaturmessungen zu dem Thema angestellt.

Clear Skies
Sven
 

PeterundFrank

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Hallo Andreas,

ein Lüfter ist auf jeden Fall sinnvoll. Es geht aber auch, wenn man in den Okualstützen einen staubgefilterten kleinen Ventilator anbringt, als 2" Steckvariante, ein CPU Lüfter mit 9 V Blockbatterie.

Intes Micro hat bei einigen geschlossenen Tuben die Lüfter seitlich abgebracht, auf Hauptspiegelhöhe, ich hatte mal einen 8" TEC Maksutos, da war der Lüfter hinten angebracht. Den konnte man die ganze Zeit während der Beobachtung laufen lassen, das ergab ein ruhigeres Bild während der Belichtung
 

0carpediem

Mitglied
Hallo,

ich setze voraus, das Teleskop ist in einem "halbwegs" normalen Temperaturbereich.
Wenn trotzdem ein Lüfter hilfreich ist, dann ist beim Isolieren etwas schief gelaufen (siehe auch das letzte Zitat in meinem vorigen Post).

cs
Andreas

 

GGilein

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Es funktioniert in der Tat sehr gut. Ich habe meinen Skywatcher 180mm f/15 Maksutov isoliert mit einer Fitnessmatte, und Ich kann sofort anfangen zu beobachten.
Mit einem 13mm Ethos (208x) ist das Bild sofort scharf und bleibt scharf.

Hier ist ein Foto des Maksutov auf einem Skytee-Mount. Ich habe den Schwalbenschwanz entfernt, den Maksutov mit der Fitnessmatte eingewickelt und habe es in Ringe gelegt, die für einen C8 gedacht sind.

Link zur Grafik: http://www.mediafire.com/view/9wqgrqop1jgeb8q/Maksutov1.jpg
 
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Kurt

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Hallo Günter,

deine Tubusisolierung sieht sehr ähnlich aus wie die an meinem Skywatcher 180mm f/15 Maksutov- Cassi. Sobald ich diese entferne sieht man deutlich Tubusseing. Isolierung wieder drauf und nach kurzer Zeit ist Ruhe. Ein Lüfter ist hier nicht notwendig.

@Andreas,
deine Erklärung finde ich völlig plausibel.

Gruß Kurt
 
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Der_Peter

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Hallo zusammen,

danke für diesen Thread!

Für mich ist hier erstmals schlüssig erklärt, dass bei geschlossenen Systemen eine ordentliche Tubusisolation eine Temperaturangleichung / ein Abkühlen unnötig macht.


Dafür gibt's 5 Sterne. ;)
 

Ehemaliger Benutzer (6068)

Hallo zusammen,

es ist ganz sicher bei geschlossenen Systemen etwas problematisch, eine funktionierende Lüftung einzubauen.

"Pteng" hat das hier mal beschrieben.

http://www.pteng.de/astro/im715/im715.htm

Wenn ich meinen 12" Newton mit einem Sonnenfilter verschließe, habe ich auch ein quasi geschlossenes System, ähnlich (un)dicht wie viele MAKs und SCs auch.

Hier ist Markus am Gerät zu sehen und man sieht auch,

Link zur Grafik: https://*entfernt*/images/PICS/Markus.JPG

dass es sich um einen ISO-Tubus mit Sandwich aus Kork, Walzblech und Velours (von außen nach innen, sowie im Bereich der Einschubkiste für den 6-Zöller um gut isolierendes Mehrschichtholz handelt.

Mit dem großen Tubus habe ich festgestellt, dass eine laufende Lüfung zusätzlich zur Isolierung nochmals deutliche Vorteile bringt. Das äußert sich im Test durch höhere Vergrößerungsfähigkeit mit laufendem Lüfter.

Hier der Quirl,

Link zur Grafik: https://*entfernt*/images/PICS/hpim3360.jpg

ein großer Langsamläufer, vom Tubus entkoppelt angebracht und mit regelbarer Drehzahl.
Im Gegensatz zu Beobachtungen ohne den Sonnenfilter wird hier keine gleichmäßige, von hinten saugende Luftströmung durch den kompletten Tubus erreicht, was sich ja zigfach bewährt und als sehr positiv erwiesen hat. Dennoch wird die Luft bewegt und auch etwas Luft von außen nach innen und wieder hinaus transportiert.
Es hilft sichtbar, definitiv und reproduzierbar immer, auch jedem Beobachter.
Dabei geht es nicht um 150fach kontra 250fach, eher um die Hälfte davon, auch mal weniger, aber immerhin.

Gruß
*entfernt*


 
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Mogunt

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Ich würde gerne den Thread nochmals wiederbeleben und etwas weiterführen:

Was denkt ihr über den Ansatz die Optik (unisoliert) ggf. durch einen Lüfter beschleunigt/unterstützt sich an die Umgebungstemperatur anpassen zu lassen. Das ca. 2 Stunden durchziehen (im Sommer oder mit Lüfter ggf. kürzer) und dann einige Minuten vor dem Beobachten die Isolierung um den Tubus zu schnallen.
Dann hat man wenig Wärmeaustausch zwischen den unisolierten Teilen des Teleskops und der Umgebung, da die Temperaturen innen und aussen ja nah beisammen liegen und gleichzeitig werden Temperatur-Ungleichmäßigkeiten z.b. durch Reflektion vom Boden usw. kompensiert.

Was haltet ihr von diesem kombinierten Vorgehen?

Ich werde das heute mal auf meiner aufgeheizten Dachterasse mim 9,25" SC ausprobieren.

mfg, Alex
 

porsti55

Hallo,

seit vielen Jahren habe ich eine abnehmbare Isolierung auf meinem MAK. Seitdem ist er jederzeit sofort einsetzbar. Keine Probleme mehr mit Schlieren. Die Lüfter habe ich noch nie benutzt, sogar die Öffnungen verschlossen (Staubsicherheit).
Da ich mich nicht mit fremden Federn schmücken möchte, möchte ich nur auf die gut nachvollzierbare Begründung von Martin Raabe verweisen!

-"http://www.astroselbstbau.homepage.t-online.de/auskuehlung.htm"

Gruß
Porsti
 

Sven_Wienstein

Mitglied
Hi Zusammen,

mein Mak schaut so aus:
Link zur Grafik: http://www.svenwienstein.de/Pics/IsoMak.jpg
Das funktioniert einfach. Der Unterschied zur Verwendung ohne diesen Isomatten-Zuschnitt war einfach eindeutig. Mit der Isolation ist er auch schon aus dem Wahnsinn einer im Sommer aufgeheizten Wohnung in eine zügig auf 12°C abkühlende Nacht gebracht worden. Ich lasse die Isolation einfach dran und mache beim Aufbau den Deckel auf. Das scheint soviel schnellen Ausgleich zu bringen, dass danach lokales Seeing dominiert.
Dies hier ist am 5.6.2018 mit dem wie oben isolierten 180/2700 Mak und einer ALCCD 5L-IIc entstanden:
Link zur Grafik: http://www.svenwienstein.de/Pics/Jup_235821_FFTUSM.jpg
Da limitiert einfach die örtliche Bebauung als Faktor für lokales Seeing.

Clear Skies
Sven
 

gibeon

Mitglied
Hallo allerseits,

inspiriert u.a. durch diesen Thread habe ich mich auch an die Optimierung meines C8 gemacht. Neben der Tubusisolierung habe ich versucht, die von Sven angesprochene Umwälzung der Innenluft zu realisieren.

Dabei habe ich aus 6 mm Alu-kaschierter Isomatte mittels Heißkleber einen gedämmten Luftkanal gebastelt. Darunter befinden sich zwei 50 mm PC-Lüfter, von denen einer saugt und einer bläst. Damit sollte eine gewisse Umwälzung gegeben sein.

Eines vorweg: hier ging es rein um´s Funktionelle. Einen Schönheitspreis gewinnt das SCT nicht mehr:

IMG_20181207_141843_resized_20181207_021920245.jpg
IMG_20181207_141806_resized_20181207_021920510.jpg


Viele Grüße

Peter
 

WOBAFGKMRN

Mitglied
Hallo,

spannende Sache: Habe bei meinem 180/2700 Mak auch schon vor ein paar Jahren mit einer Isolierung experimentiert - hat aber nicht wirklich was gegen das Tubusseeing gebracht. Darum lag das Teleskop in den letzten Jahren eher nur rum. Und nun lese ich hier, dass es evtl. an einer zu geringen Isolierung gelegen hat. Das könnte sein, schließlich habe ich relativ dünne Heizkörpertapete verwendet und diese mit Goldfolie umwickelt. Gleich am Montag werde ich mir eine ordentlich dicke Isomatte kaufen und die um die bereits vorhandene Isolierung rumwickeln. Bin schon gespannt, ob ich dann eine Verbesserung feststellen kann

IMG_7210.JPG


IMG_7211.JPG

LG Michael
 

konfokal

Mitglied
Hallo Peter,

was für Löcher und wieviele hast Du unter dem Luftkanal in die Rückwand des C9 gebohrt? Konntest Du das ganze schon am Himmel testen, ist die Tubus-Seeing-Nase weg? Und hast Du mal probiert, ob für die nötige Zirkulation statt Tandembetrieb evt. schon ein Lüfter allein ausreichen würde?

Gruß,
Mathias
 

gibeon

Mitglied
Hallo Mathias,

ich habe mit einer Lochsäge für Metall aus dem Baumarkt zwei ca. 45mm große Löcher in das Gehäuse geschnitten. Ursprünglich um durch aktive Belüftung die Auskühlung zu beschleunigen. Nach Lesen der aktuellen Beiträge zum Tubuseeing, habe ich mein Konzept geändert und ein geschlossenes isoliertes (gedämmtes) System draus gemacht. Die Zirkulation scheint zu funktionieren: Es sind einige Fusseln an der Schmidtplatte angekommen...:rolleyes: . Ich denke, ein einzelner Lüfter könnte auch funktionieren. Ich hatte halt die beiden schon drin.

Wetterbedingt ist das ganze noch nicht getestet worden. Bin schon sehr gespannt und werde berichten.

Überhaupt ist sicher die Korrekturplatte die größte Wärmebrücke. Die Luft wird dort mit Konvektion reagieren. Die Luft durch Verwirbelung zu homogenisieren leuchtet mir ein.

Ich hab´s noch mal etwas schöner abgeklebt. Das Aluband war beim ersten Versuch zu dick.

Meine Frau hat schon den Vergleich zu Modulen der ISS gezogen. Die trifft den Nagel immer auf den Kopf...:LOL:

Einen schönen zweiten Advent an alle und viel Erfolg beim Basteln!

Peter

IMG_20181209_110303_resized_20181209_110858745.jpg
 

konfokal

Mitglied
Hallo Peter,

sieht doch schick aus, schön spacig, oder z. Zt. als Unterbau für einen Adventskranz. Du hast also zwei 45mm Löcher in die C8-Rückwand geschnitten - was hast Du dabei mit dem Spiegelträger plus Spiegel gemacht? Der ist doch meines Wissens mit dem Blendrohr an der Rückwand fest verschraubt und verklebt. Hast Du diese Verbindung lösen und den Träger ausbauen können? Späne an Spiegel und Fokussiermechanik wären bestimmt nicht so toll.

Das interessiert mich deshalb, weil bei meinem C6 das Blendrohr ganz leicht schief eingebaut ist, was man zwar über den Fangspiegel wegjustieren kann, bei mir aber den Preis hat, dass das Zentrum der maximalen Bildqualität nicht mehr schön in der Mitte des Sehfelds liegt, sondern etwas versetzt Richtung 20 Uhr. Würde ich gern korrigieren, um eine gleichmäßigere Leistung über das Feld zu bekommen, aber ich hab die Verschraubung hinten am SC-Gewinde mit dem Stirnlochschlüssel nicht lösen können. Heißluftpistole hab ich nicht, und ab in den Backofen und mit der guten heißen fettigen Luft weitere Schichten auf den Spiegel aufdampfen fand' ich erst mal nicht so dufte - lecker Vanillekipferl hin oder her :)

Ebenso einen schönen Advent,
Mathias
 
Mal eine Frage,
Mein SCT passt locker in den Kühlschrank würde das was bringen ??
Oder ist das seeing dann schlecht weils im Tubus zu kühl ist?
Gruß Wolfgang.
 

gibeon

Mitglied
Hallo zusammen,

ich sag´s nochmal, weil es wirklich dauert (auch bei mir gedauert hat), ehe man es verinnerlicht hat: Die Beeinträchtigung in der Abbildung um die es hier geht, werden durch unterschiedlich warme ( damit unterschiedlich dichte) Luftschichten erzeugt.

Ein Weg wäre nun, das ganze System auf Umgebungstemperatur abzukühlen, mit der damit verbundenen Wartezeit, mal ganz abgesehen davon, wenn die Temperaturen schneller fallen als die im Teleskop, man ein Gleichgewicht nie erreicht.

Die Tubusdämmung verfolgt den Ansatz, das gesamte System von der Außentemperatur soweit wie möglich zu trennen, sodass keine nennenswerten Differenzen im Teleskop entstehen und so die unterschiedlichen Luftschichten vermieden werden. Egal wie kalt oder warm es draußen ist.

@ Mathias:

ich hab das C8 nach dieser Anleitung komplett zerlegt:

Celestron C8 Modifikation

Bei der Gelegenheit habe ich z.B. noch die Fangspiegelzelle getunt. Der FS sitzt auf einer Aluplatte und die wird auf einer Art Dorn zentriert, der eine kleine Wulst an der Basis hat (um die "kippelt" der FS beim Justieren). Da die Wulst zu niedrig war, reichte der Verstellweg nicht und der FS wurde voll auf die Zelle gezogen. Ein kleiner Gummi-Ring zum Unterlegen schaffte Abhilfe.

Viele Grüße

Peter
 

WOBAFGKMRN

Mitglied
So, ich habe gestern und heute mal Versuche mit der vorhandenen Isolierung angestellt. Wie oben zu sehen, handelt es sich dabei um sehr dünne (2mm) Heizkörpertapete, die ich mit Goldfolie bezogen habe.
Gestern habe ich das Teleskop im Haus mit der Isolierung bezogen und dann erst draußen aufgebaut, heute habe ich das Teleskop ohne Isolierung aufgebaut. Beide Male kam das Teleskop aus dem 23°C warmen Haus ins 0 - 5°C kalte Freie. Nach dem Aufbau habe ich dann das Tubusseeing an einem künstlichen Stern überprüft. In beiden Fällen trat deutliches Tubusseeing auf. Gestern (mit Isolierung) war es evtl. einen Hauch dezenter aber noch immer so, dass an hohe Vergrößerungen nicht zu denken war.
Somit lautet für mich der nächste Versuch: Isolieren des Teleskops mit dickerem Material und beobachten, ob das einen deutlichen Unterschied bringt.

LG Michael
 

gibeon

Mitglied
Berichte aus der Praxis würden mich auch interessieren. Wenn ich (endlich) Erfahrungen machen kann, werden ich sie posten.

Viele Grüße

Peter
 

gibeon

Mitglied
Unter Umständen ist aber auch die Temperaturdiffferenz von ca. 20° etwas zu heftig. Zumindest solange es keine Thermo-Korrekturplatten gibt...
 

Sven_Wienstein

Mitglied
Hi Zusammen,

Die Sache mit der Isolation ist ja zunächst auch deshalb aufgekommen, weil relativ schnell vor allem die Tubus-Oberseite gegenüber der Tubus-Unterseite abkühlt. Grund ist, dass die Tubus-Unterseite mit dem Boden im Strahlungsaustausch steht, eindrucksvoll von Kurt durch Messungen aufgezeigt.
Die Isolation verzögert natürlich die Auskühlung erheblich und die Korrektorplatte als Wärmebrücke dürfte klar sein. Die Innen-Umwälzung sollte daran entstehende Schlieren verwirbeln und ich bin gespannt, wie das Konzept funktioniert.
Was den 180/2700 mit der Heizkörpertapete angeht, fällt es mir schwer, vorauszusehen, wie es sich mit Isomatte verändert. Ganz allgemein kann ich nur vor zu extremen Erwartungen warnen. Wie ich schon Schrieb, habe ich im Sommer die Situation gehabt, dass lokales Seeing in dichter Bebauung dominierte. Das war aber bei tief stehendem Jupiter wirklich kein Zuckerschlecken. Trotzdem war der Unterschied zu zwei Versuchen ohne Isolation erheblich. Die Temperaturdifferenz war aber nicht so extrem, wie wir sie im Winter haben können. Ich gehe von einer 28°C warmen Wohnung aus und draußen war es recht schnell unter 20°C und binnen zwei Stunden bei 12°C. Der Temperaturunterschied für das Gerät müsste daher niemals größer als 15°C gewesen sein. Solange der Temperaturunterschied groß ist, dürfte auch allein über den Korrektor noch ein recht zügiger Temperaturausgleich erfolgen. Man muss ja mit einem Warmluftkeil im Gerät (Auswirkung ggf. scheinbare Dejustage) rechnen, weiter mit einer Wärmeleitung über den Korrektor in dessen Fassung und dann direkt durch Metall in den vorderen Teil des Tubus. Je nach Schrägstellung mag dann ohne Umwälzung Kaltluft am Korrektor nach unten abfließen und den Tubus entlang zum Spiegel wandern.

Für mich war und ist das ganze in dem Rahmen brauchbar, dass ich spontan mit dem Gerät beobachten mag. Wenn ich planen kann, sehe ich zu, das Gerät schon etwas vorher zum Auskühlen zu bringen, auch mit dem Raumanzug, aber halt mit angelehntem Deckel...

Clear Skies
Sven
 

0carpediem

Mitglied
Hallo,

da ich dieses Fass hier aufgemacht habe, möchte ich einmal meine Erfahrungen weiter geben.

Mit unzureichender Isolierung (zu dünn, nur am Tubusumfang, ..) habe ich auch ausreichend schlechte Erfahrung gemacht um vor "Wundern" als Erwartung nur warnen zu können.

Konkret kann ist die Situation bei mir:
In einer Schiebedachsternwarte mit Isolation und guter Durchlüftung habe ich ein 16" Mak ("Glasmasse" ca. 35 - 40 kg).
Das Teleskop ist schwer genug um normalerweise nicht von der Montierung genommen zu werden. Befestigt ist es in Rohrschellen mit innen 2 mm Filzauflage (also 2 nicht optimalen Wärmebrücken im Tubusumfang, aber geht so).
Wenn ich eine Beobachtungssession vorhabe, öffne ich das Dach und lasse die ganze Warte einen Temperaturausgleich vornehmen. Durch die Isolation der Warte / gute Durchlüftung habe ich normalerweise keine extremen Temperaturunterschiede sondern eher einen Bereich typischerweise von 2 - 4 °C, maximal etwa 6 °C.
Ich habe die Tubusisolation so gestaltet, dass sie komplett mit wenig Aufwand abnehmbar ist.

Der Mittelbereich zwischen den Rohrschellen besteht aus ca. 6 Lagen alukaschierter Noppenfolie (also ca. 3 - 4 cm dick), die an einer Nahtstelle überlappend mit Klettband wie ein Gürtel um das Teleskop liegen. Aus Bequemlichkeit bleibt dieser Teil praktisch immer am Teleskop.

Die Bereiche vor (incl. Taukappe) und hinter den Rohrschellen werden mit Ringen aus je ca. 6 -7 Lagen Noppenfolie abgedeckt (aufgewickelt aus einem 10 m langen Streifen Noppenfolie). Die Ringe können innerhalb weniger Sekunden aufgeschoben werden und passen gut genug, dass nicht von selbst verrutschen.
Schließlich gibt es noch eine kreisförmige Platte aus Depron-Deckeln mit dazwischen liegenden Noppenfolien-Lagen, Diese Platte wird über den Okularauszug geschoben und isoliert die OAZ-Seite des Teleskops. Der oben beschriebene hintere Ring steht über das Teleskop und den Deckel etwas über, sodass es bis auf den OAZ keine Wärmebrücke gibt.

Sobald ich mit dem Beobachten beginnen möchte, während Rechner und Montierungssteuerung hochfahren, schiebe ich die beiden Ringe zur Isolation auf das dann zusätzlich etwas akklimatisierte Teleskop.
Ich kann sofort zum Beobachten beginnen und stelle z.B. keine "Temperaturnase" durch den OAZ fest.
Ich sehe sehr wohl langsame, träge Temperaturschlieren im unscharf eingestelltem Stern / Planeten, aber es hält sich ziemlich in Grenzen und ist eindeutig deutlich besser als ohne Isolierung. Den eingebauten Tubuslüfter habe ich seither nicht verwendet. Die Heizung der Taukappe kommt in langen Nächten zum Einsatz, da die Meniskuslinse nach ein paar Stunden ansonsten trotzdem zutaut.

Einen klaren "Nachteil" der Isolierung muss man auch erwähnen:
Bleibt die Isolierung am Teleskop und die Temperatur steigt z.B. unter Tags wieder an, so beschlägt die ausgekühlte Optik. Eine (zumindest teilweise) abnehmbare Isolation erlaubt eine zügigere Temperierung und ein Anlaufen wird verhindert. Nach der Beobachtung nehme ich deshalb den vorderen und hinteren Ring der Isolation stets ab.

Die Idee mit der Luftverwirbelung im Tubus in einem geschlossenen Luftkreislauf, wie von Peter gezeigt, und schon lange z.B. von Sven angeregt, wird vermutlich eines meiner nächsten Projekte und ist absolut ein Verbesserungspotential, zumal ohnehin bereits ein Tubuslüfter vorhanden ist.
Da bin ich sehr gespannt auf die Erfahrungen.

cs
Andreas
 

gibeon

Mitglied
Hallo zusammen,

also, sollte unser Brainstorming zum Thema Tubusseeing von Erfolg gekrönt sein, braucht nur noch einer eine zündende Idee, wie wir unsere liebe Atmosphäre homogenisieren... :LOL:

@Andreas: BTW: Was ist denn das für ein Mak?

cs

Peter
 

gibeon

Mitglied
Hallo allerseits,

heute habe ich einen ersten Test mit meinem modifizierten C 8 gemacht. Zunächst ein paar Infos zum Gerät und zum Aufbau:

Das C 8 wurde im Bereich des Tubusumfangs mit zwei Lagen 6 mm alukaschierter Isomatte und im Bereich der Hauptspiegelzelle einlagig gedämmt. Wie weiter oben beschrieben, habe ich über einen gedämmten Luftkanal eine Umwälzung im Tubus installiert. Es wurde eine (ebenfalls einlagig 6 mm gedämmte) Taukappe verwendet (ca. 400 mm Überstand). Testobjekt: künstlicher Stern in etwa 25 m Entfernung. Okular: 10mm Zeiss Abbe II Ortho ohne Verwendung eines ZS.

Das Gerät wurde (bewusst) aus einem ca. 18 °C warmen Raum direkt nach dem Aufbau erstmalig getestet (ca. 0°C Außentemperatur).

0 Minuten / Lüfter aus.: Der unscharf gestellte Stern zeigt deutliches Tubusseeing. Allerdings keine "Nase", eher ein gleichmäßig starkes Wabern über das gesamte Bild. Nur geringe Vergrößerungen könnten verwendet werden.

5 Minuten / Lüfter 12V: Das Bild verbessert sich dahingehend, dass die Schlieren feiner werden. Das Bild ist aber noch immer stark beeinträchtigt. Vergrößerung wie oben.

30 Minuten / Lüfter 12V: Die Schlieren sind nochmal feiner geworden. Keine massiven Deformationen des unscharfen Stern mehr erkennbar. Mittleren Vergößerungen könnten eingesetzt werden.

60 Minuten / Lüfter 12V: Eine Beeinträchtigung durch Tubusseeing ist kaum noch zu sehen. Man muss sehr genau hinsehen, um es noch wahrzunehmen. Übergang zu höchsten Vergrößerungen möglich.

90 Minten / Lüfter 12 V: Das unscharfe Scheibchen steht ruhig und gut erkennbar im Okular. Offenbar hat das System ein stabiles Gleichgewicht erreicht. Höchste Vergrößerungen sind im Rahmen der sonstigen Bedingungen möglich.

90 Minten / Lüfter aus: Das Sternscheibchen beginnt wieder etwas zu wabern. Ein Zuschalten der Lüfter mit geringerer Spannung (7,5 V) beruhigt die Abbildung wieder.

Fazit bis hierher: Die Tubusisolierung scheint sich sehr positiv auf Temperaturunterschiede im Teleskop auszuwirken. Die aktive Umwälzung der Luft beschleunigt die Abkühlung der Komponenten in Temperaturbereiche, die eine uneingeschränkte Leistung des jeweiligen Gerätes ermöglichen (ohne Staub o.ä. einzutragen). Möglicherweise wird auch ein Zutauen der Korrektorplatte durch eine etwas höhere Temperatur des Systems verhindert. Leider konnte ich keine Temperaturmessungen im Inneren vornehmen. Vielleicht wäre ein Infrarot-Thermometer dafür geeignet.

Noch ein wichtiger Punkt: Zu keiner Zeit des Tests zeigte die Abbildung Zeichen einer thermischen Verspannung der optischen Komponenten! Offenbar kühlt das System zügig und trotzdem gleichmäßig ab, wodurch Einschränkungen durch verspannte Spiegel gar nicht erst enstehen!

Viele Grüße

Peter
 
Zuletzt bearbeitet:

WOBAFGKMRN

Mitglied
Hallo,

auch eine dickere Isolierung erbrachte nicht den erhofften Effekt - habe den Tubus in zwei Lagen silberbeschichtete Knallfolie eingewickelt und dann aus dem warmen Haus nach draußen gebracht. Es bildete sich sofort ärgstes Tubusseeing, welches sehr lange erhalten blieb. Somit ist auch für mich klar, dass diese Isolierung ohne weitere Maßnahmen keine Wunder vollbringt - zumindest nicht im Winter bei so großen Temperaturunterschieden. Eine Grundanpassung der Temperatur muss wohl trotzdem gegeben sein.
Nun will ich bei meinem Mewlon 210 ebenfalls mit einer Isolierung experimentieren. Hierbei handelt es sich um einen offenen Tubus, was ja wieder andere Voraussetzungen mit sich bringt.

LG Michael
 
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