Zitat von MountyPython:
Und im Grunde sind es alles Consumer-Montierungen.
Hi!
Consumer-Montierung ist nirgends definiert, und muss auch nichts schlechtes sein. Unter Profi-Montierung verstehe ich Montierungen, die nicht nur funktionieren und einfach ihren Dienst tun, sondern die auch so begeistern - dazu gehören für mich leise Motoren und geringer (oder zumindest gleichmäßiger) periodischer Fehler ebenso wie zum Beispiel eine Elektronik, die man entweder auch mal draußen stehen lassen kann oder bei der man zumindest die Steuer-Elektronik abbauen kann, damit sie nicht zu schnell wegrostet oder bei Frost/Hitze nicht mehr funktioniert - oder auch einen Schutz gegen Verpolung eingebaut hat oder wenig Strom braucht.
Im Verein haben wir einen rund 30 Jahre alten Zeiss-Coudé-Refraktor - das Gerät wiegt eine Dreivierteltonne und bietet andere Nachführgeschwindigkeiten nur an, wenn man Sicherungen austauscht. Aber außer Ölwechsel war da keine Pflege nötig, das Ding ist beinahe atombombensicher (zumindest hat es lange Jahre im Schulbetrieb überlebt). Sowas läuft bei mir nicht mehr unter Consumer-Montierung, sondern erfüllt professionellere Ansprüche - nicht unbedingt bei der Nachführgenauigkeit, aber bei Verarbeitung und Haltbarkeit.
Zwei Superpolaris DX haben bei uns im Verein auch fast 30 Jahre durchgehalten, nur die Elektronik ist längst hinüber. Aber es gibt heute noch passende Ersatzmotoren dafür, und ganz wichtig, was sonst kaum eine Montierung bietet: Sie lassen sich auch noch ohne Motoren betreiben. Das ist ein Feature, das meines Wissens nach weder ASA noch 10Micron oder sonst wer bieten. Und wer schon mal mit leeren Akkus auf dem Acker stand, weiß eine Motorkupplung zu schätzen, auch wenn er den Motor manuell auskuppeln muss, um beim Verstellen der Montierung die Motoren nicht zu schrotten.
Bei dem, was ich unter Consumer-Montierung verstehe, sehe ich bei der Ersatzteilversorgung in 20 Jahren schwarz - aber da habe auch keine Probleme, dann einfach die Montierung zu ersetzen, da hindern mich allenfalls sentimentale Gründe dran. Bei einer High-End-Montierung lohnt sich eine Reparatur, oder die Teile halten schlichtweg länger.
Aber letztlich ist eine Montierung oder ein Teleskop nur ein Gebrauchsgegenstand. Gerade im Verein ist es mir lieber, wenn es wegen Verschleiß irgendwann kaputt geht, als wenn es ewig hält, weil es nicht genutzt wird. Wichtig ist, dass es lange genug und ohne zu ärgern seinen Dienst erfüllt, sodass man das Gefühl hat, dass das Gerät sein Geld abgearbeitet hat. Eine EQ1 kann das nicht, bei einer EQ5 muss einem klar sein, dass man Kompromisse eingeht gegenüber einer zigfach teureren Montierung der selben Traglast - sei es bei Komfort, Lautstärke oder Haltbarkeit. Aber das heißt nicht, dass eine EQ5 o.ä. nichts taugen würde - fast lautlose Motoren und kein Getriebespiel wegen Direktantrieb oder annähernd perfekte Nachführung wegen Encodern an den Achsen mit Ausgleich vom Schneckenfehler sind zum Beispiel Dinge, die ich beeindruckend finde und sehr gerne hätte. Ob das jemandem den Aufpreis wert ist oder ob auch weniger Leistung oder Qualität langt, muss jeder selbst entscheiden, klar. Gerade für die visuelle Beobachtung langt auch weniger, da genügt auch eine Giro/Ayo-Montierung - oder eine selbstgebaute Pipemount, die vielleicht noch mehr Spaß macht als jede gekaufte Montierung und nur einen Bruchteil kostet.
Beste Grüße,
Alex