Hallo Udo!
- Eine besonders spannende Frage ist es, wie man aus der Datenbank abgefragte Informationen mit berechneten Angaben kombiniert. Du kannst Dir sicher denken, dass E&T's Objektfilter hier unkonventionelle Wege geht denn mit reinen Bordmitteln einer Datenbank wäre das nur quälend langsam. Die Methoden, die ich hierfür entwickelt habe, sind mir fast noch heiliger als das Thema Kontrastreserve.
Was genau meinst Du hier? Ermittlung der Flächenhelligkeit aus der Gesamthelligkeit und Fläche? Oder die Ermittlung des Sichtbarkeitszeitraumes für einzelne Objekte?
Die Informationen, die E&T in den Listen des Objektfilters und des Projekts anzeigt enthalten Daten zweierlei Herkunft: einmal kommen sie direkt aus der Datenbank, zum anderen sind sie auf irgendeine Weise vom Programm ermittelt worden - jedenfalls nicht per SQL-Abfrage oder Stored Procedure.
Für die schnelle Darstellung in großen Listen muss man die Daten beider Herkunftswege effizient zusammenführen. Die Möglichkeit, die berechneten Daten in die Datenbank zu schreiben damit man dann aus einem Guss die Anzeige (oder die Druckfunktion) bedienen kann ist schlicht zu langsam.
- Nicht zu unterschätzen ist auch die Frage nach der Organisation der Sterndaten und der Algorithmik für schnelle und übersichtliche Karten.
Diese Frage beantwortet E&T ja z.B. auch mit der Kopplung an CdC... Wobei: Ich habe früher im Bereich CAD entwickelt und verfüge daher über einige Kenntnisse in der Organisation von grafisch darzustellenden größen Datenmengen.
Du liegst in einem Punkt richtig: als ich mit E&T anfing, hatte ich vom Kartenmachen praktisch keine Ahnung. Deshalb habe ich die Anbindung der externen Programme entwickelt, um dem Anwender über Unzulänglichkeiten bei den E&T Karten hinwegzuhelfen.
Inzwischen schätzen viele Anwender die Karten von E&T als einfach zu bedienen und dennoch nützlich. Solange man keine beweglichen Objekte erwartet. Hier sehe ich auch keinen wirklichen Mehrwert: der Plattenplatz der heutigen Rechner gestattet locker, mehrere Astroprogramme zu nutzen. Die ganze Thematik "alles was sich bewegt" ist m.E. völlig ausreichend abgedeckt von vielen Programmen. Ich benutze am liebsten GUIDE für alle Ephemeridenfragen, denn kein anderes Programm ist präziser. Mit der Bedienung von GUIDE habe ich inzwischen Frieden geschlossen.
Ich denke, dass Dir Deine CAD-Kenntnisse nützlich sein werden! Ich musste für die Karten viel recherchieren, habe aber auch eine ganze Menge Sachen selbst ausgetüftelt.
- Insgesamt habe ich seit 1997 nach vorsichtiger Schätzung mehr als zweitausend Arbeitsstunden in E&T eingebracht.
Und was willst Du mir damit sagen? Astronomie ist doch eh ein Langzeithobby *grinsfrech*
Wir kennen uns ja nur aus ein paar Forenbeiträgen. Beide sind wir hauptberufliche Entwickler. Also wissen wir beide auch, dass Aufwände gerne unterschätzt werden. Ich wollte Dich mit meiner Aussage nicht einschüchtern. Aber eines ist m.E. glasklar: ein wirklich gutes Programm mit dem Anspruch den Du aufgestellt hast, baust Du nicht mal eben an den Wochenenden eines Jahres zusammen. Es sieht anders aus, wenn es die persönliche Spielweise bleibt: man muss niemandem die Logik oder Bedienung erklären, braucht nichts dokumentieren und steht nicht für Weiterentwicklung oder Problembehebung ein.
- Es lohnt sich kommerziell weitaus weniger als die meisten Menschen vermuten.
Das ist mir durchaus bewußt. Kommerzieller Erfolg steht auf der Liste meiner Beweggründe auch ganz, ganz tief unten.
Ich habe mich für die kommerzielle Vermarktung entschlossen, weil mir die Idee von einer richtig guten Software für die Bedürfnisse des Deep Sky Beobachters (der bin ich ja schließlich seit ca. 30 Jahren selbst) wirklich am Herzen lag: Vor zehn Jahren habe ich recherchiert und nichts m.E. Brauchbares gefunden. So reifte das Konzept heran und als erste Versionen allseits lebhaftes Interesse weckten entschied ich mich, "was Richtiges" draus zu machen. Ich habe als Bastelprojekt angefangen, aber mir selbst den Druck gewählt, eine marktreife ordentliche Software erstellen zu "müssen". Ein Bastelprojekt wäre der Bedeutung der Sache nicht angemessen gewesen.
- Neben E&T gibt es eine relevante Anzahl weiterer Planungsprogramme (im internationalen Markt) gegen die ein neuer Planer konkurrieren müsste. Die Nische "Beobachtungsplaner" ist nicht nur schon längst besetzt, sondern sie wird langsam eng.
Jo - wobei ich im internationalen Markt nicht so die Übersicht habe. Ich beginne gerade damit Informationen darüber zu sammeln.
Tipps: Schau' Dir mal SkyTools2, AstroPlaner oder "Deep Sky" von Steve Tuma an.
Vielleicht ist SkyTools2 nahe an dem, was Du suchst. Das Programm hat viele gute Features (ein paar machen mich etwas neidisch, zugegeben), ich finde es aber auch einen ausgesprochenen Krampf in der Bedienung. Aber da sind unsere Geschmäcker wohl verschieden: manche mögen große Fenster voll von filigranen Icons und Informationen, ich mag das aber nicht besonders. Ich finde, ein Beobachtungsplaner für den nächtlichen Einsatz am Fernrohr sollte nicht aussehen wie "Toad for Oracle" von QuestSoftware. Mit der "Kröte" arbeite ich im hellen Büro, das ist was anderes.
Es ist absehbar, dass E&T auch einen benutzerdefinierbaren Horizont bekommt und damit sogar bei Optimierung nach der Beobachtungszeit rechnet.
Jo - das macht E&T sicherlich noch besser. Ist ja auch schon nicht schlecht. Nur ich persönlich komme damit halt leider nicht klar. Mir fehlt z.B. der komplette Bereich "Sonnensystem" - eine Beobachtungsnacht besteht bei mir nicht nur aus Deep Sky. Dazu gefällt mir das Bedienkonzept von E&T halt nicht wirklich gut. Die vielen Fenster mag ich nicht so - ist natürlich völlig subjektiv. Auch die "Kommunikation" zwischen den einzelnen Programmbereichen über D&D bzw. Cut&Paste ist zwar eingängig, kann aber meiner Meinung nach noch deutlich optimiert werden. Dazu kommen absolute Kleinigkeiten wie die falsche Sortierung z.B. von Messier-Objekten (M1, M10, M11...).
Statt D&D und Copy/Paste gibt es Shortcut-Funktionen: damit machtst Du ruckzuck aus einem (Teil eines) Filterergebnis ein neues Projekt oder einen neuen Plan. Oder aus einem (Teil eines) Projektes einen Plan. Die Zwischenablage ist also wirklich nicht der einzige Navigationsweg. Und mit F3 wird überall einfach ein Objekt nach Namen nachgeschlagen. Das ist oft schneller als D&D oder C/P.
Das Thema "Sortierreihenfolge" ist kein leichtes: viele Programmierer gehen davon aus, dass Objektnamen stets so aufgebaut sind, dass nach einem Katalognamen eine Nummer kommt. Es gibt ausreichend viele Ausnahmen hiervon (z.B. den PK oder die Zwicky-Kataloge). Man müsste je Katalog rausparsen, wo die sortierfähige Nummer drinsteckt. Und was machst Du mit Namen, die der Benutzer selbst vergibt? Ist also nicht einfach. Und E&T wird mit einer Messier-Projektdatei in korrekter Sortierfolge ausgeliefert.
Ich hätte alternativ eine Idee für ein Softwareprojekt, das E&T oder viele andere Programme hervorragend ergänzen könnte. Ein Programm, das es in dieser Form noch nicht gibt, das ich vor 15 Jahren selbst mal schreiben wollte und das es wegen E&T von meiner Seite aus nie auf die Welt schaffen wird.
Hier in Kürze die Idee: die beweglichen Objekte am Himmel haben allesamt eine ganze Reihe von Ephemeridengrößen: Position, Entfernung, Helligkeit und weitere physische Ephemeriden. Bei der Betrachtung von zwei oder mehr Körpern kommen Abstand oder minimum enclosing circle hinzu.
"Klassisch" ist es, dass man Zeitreihen dieser Größen berechnet. Nun denken wir mal an die Kurvendiskussion: wir rechnen bei Ephemeriden typischerweise f(t) aus. Aber auch die Umkehrfunktion (Nullstellen), Ableitungen, Extrema und Wendepunkte könnten ggf. praktisch relevante oder interessante Fragestellungen bieten.
Ich habe schon oft kleine Wegwerfprogramme geschrieben, um eine Frage zu beantworten, die keine fertige Software lösen konnte. Denn oft will man zunächst irgendeinen Zeitpunkt ermitteln und dafür dann was anders berechnet haben. Oder eine Rechnung für mehrere Orte ausführen.
Wenn es dann noch eine kleine Grafik sein soll, dann basteln wir uns halt was mit Excel zurecht.
Meine Vorstellung ist ein Programm, das auch solche Zwischen- oder Vorabergebnisse in Listen ablegt, die folgenden Schritten dann als Input dienen können. Und man sollte beliebige Größen einfach gegeneinander auftragen können. Auch die textuelle Ausgabe bzw. der Export müsste sehr flexibel sein: ich würde da wie bei E&T den Umweg über XML wählen und dann XSLT bemühen.
Idealerweise wäre das dann so eine Art Workbench wo man den Rechenweg ähnlich wie bei einem Schaltungssimulationsprogramm grafisch definiert und das Modell dann einfach ausführt.
Ich behaupte nicht, dass man das unbedingt braucht. Auch nicht, dass es sich einfach auf die Beine stellen lässt. Es wäre quasi der Versuch des finalen Ephemeriden- und Ereignissuchers mit dem Aufgaben gelöst werden können, die sonst nur viel umständlicher mit mehreren Programmen oder per Programmierung zu knacken sind.
Andre Wulff hat mit seinem "Skygazer's Almanac for Windows" ein schönes Programm veröffentlicht, das viele sinnvolle Suchfunktionen beeinhaltet. Die Ausgabe der Ergebnisse ist aber nicht so flexibel wie ich es mir wünsche und Grafiken bekommt man keine.
Wirklich gut ist auch "Alcyone Ephemeris", ein Excel-artiges Programm mit Scriptingfähigkeiten. Aber eben auch keine "Ephemeris Workbench".
Viele Grüße,
Tom