uns dank GoTo phantastische Fotos von tollen Objeten zeigen können, die man anders kaum aufnehmen könnte. Zumindest hat man solche Objekte vor der Zeit der bezahlbaren Computermontierungen bestenfalls vom Hubble Weltraumteleskop gesehen.
Das liegt aber weniger am Goto – mit Teilkreisen kann man die Ziele genauso gut einstellen – sondern vielmehr an Autoguidern und der besseren Verfügbarkeit und Leistung von Digitalkameras gegenüber Kleinbild-/Diafilmen. Das Objekt einstellen war auch in den 90ern das kleinste Problem. Die Sterne im Kamerasucher zu fokussieren (bestenfalls mit einer Sucherlupe, und vor der Erfindung der Bahtinovmaske allenfalls mit einer Scheinerblende), stundenlang in ein Fadenkreuzokular zu schauen um manuell nachzuführen, vorher den Film zu hypern und mit dem Schwarzschildeffekt zu kämpfen, das waren die Herausforderungen.
Die Sternzeit im Himmelsjahr nachschlagen und dann die Koordinaten einzustellen (als Teilkreise noch keine Deko am Teleskop waren, sondern wirklich funktionierten), war schnell erledigt. Wenn man sich früher auf die Beobachtung vorbereitet hat, standen die Koordinaten vom Objekt eh im Buch daneben, und man hatte sie griffbereit. Das ist nur unwesentlich aufwändiger, als in der Steuerung Datum, Uhrzeit und Standort einzustellen und dann in einer langen Objektliste zum Ziel zu scrollen.
Ich bin sicher, dass man unseren Stadthimmel mit einem Fernglas besser kennenlernt, das einem sagt was man sehen kann. Mit bloßem Auge sehe ich hier von jedem Sternbild bestenfalls einen Stern. Das schreckt jeden Anfänger ab und am Ende kennt er gar nichts.
Wenn der Himmel so mies ist, dass du Grenzgröße ~2 hast und kaum Sterne siehst, wirst du vom Anblick im Fernglas auch nicht überwältigt sein.
Nicht falsch verstehen: Das ist interessantes Gerät, und ich nutze sowohl Planetariumsapps gerne, um mich mit bloßem Auge schnell am Himmel zu orientieren, als auch Celestron StarSense als PushTo am Teleskop. Aber es ist weder so, dass tolle Bilder ohne Goto unmöglich oder auch nur wesentlich aufwändiger wären, noch sieht man die Ziele, selbst wenn sie mit Goto perfekt zentriert werden, wenn der Himmel nichts taugt. Und ich bin gewiss der letzte, der einem Fernglas nichts zutraut.
Mit einem Fernglas geht verdammt viel – aber wenn das Marketing verspricht, alles zu finden, und man dann wegen dem Standort nichts sieht, oder weil man ungeeignete Ziele mit zu hohen Erwartungen sucht, sind Enttäuschungen vorprogrammiert.
Um bei Hobby zu bleiben, muss man sich mit dem beschäftigen, was man macht. Mit der ganzen Technik ist es leichter, die Dinge einfach nur mal kurz anzuschauen statt zu beobachten und dann das Interesse zu verlieren, weil man dabei wenig selber macht und weniger Erfolgserlebnisse beim Suchen hat. Um dabeizubleiben, muss man dann eben anderer Stelle Zeit und Neugier investieren, um herauszufinden, warum man trotz aller Hilfsmittel den Nordamerikanebel und M33 wegen ihrer Flächenhelligkeit oder M57 wegen seiner geringen Größe immer noch nicht vom Balkon aus sieht, obwohl sie doch im Bildfeld sind. Sonst landet das tolle Fernglas beim anderen Elektronikspielzeug, das man ein paar mal benutzt hat, neben dem kleinen Kaufhausteleskop, das man auch nur ein paar Mal eingesetzt hat, bis der Reiz des Neuen weg war.
Clear Skies,
Alex