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Hallo Sven,
aber in anderer Reihenfolge! Das eigentliche Problem, an dem die Marke Vixen durch unflexibilität letztendlich schwere Verluste davongetragen hat, ist schon vor 10 Jahren vorhergesagt worden: Die auch von Vixen repräsentierte Mittelklasse der Amateurteleskope wurde fast komplett durch Billigprodukte verdrängt. Man hat es versäumt, dem Kunden die Qualitätsunterschiede zur Rechtfertigung des Preises zu verdeutlichen und man hat halbherzige Versuche unternommen, in günstige Preisbereiche vorzustossen (Cosmostar).
Betrachtet man die Vehrenberg-Misere, dann sehe ich eine üble Kombination zweier Dinge:
Da ist zum einen die Rolle des neuen (inzwischen alten) Auslands-Vertriebschefs. Es erscheinen Produkte, die nicht der bisherigen Vixen-Qualität entsprechen, und die nur auf den längst Vorhandenen Trend der ETX und Nexstar aufspringen. Neue, vielversprechende Produkte kommen nicht, zum Beispiel das R250SS, mit dem man damals dem Druck aus China und Taiwan hätte entfliehen können, weil es vergleichbares nicht gab. Warum hat Vixen nicht in gewohnter Qualität genau jene Teleskope produziert, die nun Orion UK gut verkauft? Ein 8" f/6 R200M ist für die GP zu schwer? Warum kann Vixen denn dann keine Suprax-Spiegel verwenden???
Und dann sägt Vixen den Generalimporteur ab, der bisher durch ein gutes Marketing dafür gesorgt hat, daß die Marke Vixen präsent ist.
Die Markteinführung des wirklich innovativen Starbook wird vom neuen Team verpatzt. Weil man auf internes Testen und ggf. Nachbessern verzichtet, kommt das Gerät mit peinlichen Schwächen auf den Markt (rote Folie für's Display).
Stammkunden werden verunsichert, weil Vixen Europe versäumt, eine eindeutige Stellungnahme zum Thema Garantie abzugeben.
Eine gewisse Arroganz der Marke lässt sich nicht verschweigen, denn während GSO-Produkte derweil von Version zu Version verbessert werden, nimmt Vixen sich konstruktiver Kritik nicht an. Warum gibt es am R200SS Komakorrektor kein Einschraubgewinde für einen IDAS???
Und wie lange hat es gedauert, bis Vixen-Europe eine brauchbare Internetseite aufgebaut hatte? So lange, bis niemand mehr danach gesucht hat.
Im Grunde ein riesiges Chaos, das weder ein kluges Marketingkonzept noch überhaupt ein Gespür für die einfachen Notwendigkeiten der Marken- und Produktpflege erkennen lässt.
Genau das habe ich in all den letzten Jahren mitverfolgt, und mich gestern an manches wieder, beim durchsehen meines Vehrenberg - Ortners, an Hand von Rechnungen und den Prospekten aus den vergangenden Jahren erinnert.
Die alten Herrn in Japan waren schon immer sehr unzugänglich. Eine offizielle Firmenanfrage 1974, ob ich anläßlicht eines beruflichen Einsatzes in Japan, eine Werksbesichtigung mit anschliesendem Werkseinkauf durchfüren könnte, wurde in 9 Wochen bis zur Abreise auch nach mehrmaliger Nachchfrage nicht einmal beantwortet. Ich kaufte dann bei Lichtenknäker, später Celestron bei Vehrenberg.
Eine Ära geht zu Ende, schade! Sehr schade!
Ich habe meine ersten Astroteile, 1975 noch in der Schillerstrasse 17 bei Hans Vehrenberg Senior gekauft. Dort wurde gerade der Falkauer Atlas für die Auslieferung versandfertig gemacht, Trotzdem hat ER sich eine Stunde Zeit genommen um zu erfahren, wie Zufrieden ich mit der Wachter Montierung und dem Lichtenknecker Refraktor mit dem System 64 bin. Nach und nach erklärte Er mir bei meinen Besuchen Seine Ausstellungsstücke von Celestron von C90 bis C14 mit dem Hinweis, auch wenn ich ja schon eine komplette Teleskopausrüstung hätte, würde ich außer den Büchern und Atlanten die bei Ihm bestelle auch noch irgendwann Teleskopkunde, da war Er sich sicher.
1977 erwarb ich von Ihm die 8“ 1,5 Schmidt Kamera, mit der Er in Namibia die Sonnenfinsternis aufgenommen hatte. Danach folgten noch C8/f2000 und der Comet Catcher.
In der Vixenära kam noch eine Reisemontierung New Polaris dazu.
Alle Geräte sind heute noch bei mir im Einsatz.
Es zeigt aber, dass auch Geräte in diesen Preisklassen wenn Sie von guter Qualität sind langlebige Teile sind die nicht so schnell ersetzt werden müssen.
Und da hat sich die Vehrenberg KG sicher keinen gefallen getan, zu oft nur auf Monopol zu setzen, statt den Einsteiger und den Fortgeschrittenen auch mit Preiswerten Komplett Geräten anderer Hersteller zu versorgen. Das geschah in Ansätzen erst als man unter Konkurrenzdruck geriet, da gab es Sonderangebote, die aber potenzielle Käufer wenig überzeugen konnten, da allerorts von den ach so preiswerten Großoptiken geschwärmt wird, die man nur hinstellen braucht und schon fliegen einem die Neuentdeckungen direkt ins Auge. Wenn dann Abnahmeverpflichtungen den Preisspielraum einengen trauert man den guten Monopolzeiten des Vaters nach.
So zeigt es aber auch, dass in dem Geschäft, die Kreativität in entscheidendem Maße von der eigenen Betätigung mit diesem Hobby abhängt. Geht Die aus Zeitgründen verloren, so geht auch schnell ein offenes Ohr für Kunden und danach auch Servicequalität verloren.
Schade ist das dort ein Wissenspool verloren geht der lange Jahre die Szene entscheidend mitgeformt hat, von dem auch Andere heute profitieren, und hoffentlich die richtigen Lehren ziehen.
Denn auf übersteigerte Werbeanpreisungen mit Niedrigstpreisen, folgt eine übersteigerte Erwachtungshoffnung auf Leistungen die dann oft nicht erbracht werden können.
Dem Preisverfall, folgen dann sehr schnell Qualitätseinbußen quer durch alle Komponenten.
Gruß Günter