Venus 10. Oktober in drei "exotischen" Farbbereichen

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Canonist

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Hallo zusammen.
Nach längerer Zeit mal wieder etwas aus der Grasweg-Sternwarte:

Das aufgelockerte Wetter heute morgen hat mich motiviert, trotz stetigen Wolkendurchzuges in den größeren Lücken mal wieder mein Glück zu versuchen. Venus war leicht zu finden, das Seeing aber, wie meistens bei Wolken in der Nähe, die meiste Zeit sehr unruhig.
Trotzdem habe ich Aufnahmen am C14 mit 2xBarlow und den Filtern Methanband, Natrium und UV versucht. Am schwierigsten am hellen Taghimmel natürlich UV, wo der Kontrast ziemlich flau war. Methan und Natrium lagen belichtungsmäßig in etwa gleichauf.

Zum meinem Erstaunen waren die Ergebnisse gemessen am Seeing unerwartet gut.
Noch größer war die Überraschung, dass mit dem Natrium-Filter klar Wolkenstrukturen erfasst werden konnten, die sich zudem von denen im Methanband unterscheiden.
Alle drei habe ich in anhängendem Tableau in einem Falschfarbenbild vereinigt. Ein solches habe ich zum ersten Mal mit diesen Farbbereichen gemacht.
Sieht durchaus interessant aus, Venus auch mit dem NA-Filter weiter zu beobachten.

CS
Rudolf

venustab2020-10-10_ger.jpg
 
Hallo Rudolf,

klasse Aufnahmen, wie es der Zufall will habe ich heute auch die Venus aufgenommen. Deine Strukturen sind im UV ja sehr kräftig zu sehen. Ich werde meine TS47 Violett Filter Aufnahme mal gröber schärfen um dem näher zu kommen.

Gruß,
Holger
 
Hmmm ... sorry vielmals, aber bei der UV Aufnahme bin ich irgendwie etw. skeptisch. Um 360 nm zeigt Venus i.d.R. ein breite, umspannende Bandstuktur, dunkler am Äquator und heller an den Polen, mit darin enthaltenen eher schwachen Turbulenzen.
 
Hallo Cpt. Boiler.
Also, wenn ich hier jetzt Skepsis erwartet hätte, dann vielleicht ehesten bei der Natrium-Aufnahme. Die ist nämlich für mich wie die meisten anderen (es gibt nicht viele, die sich vor einiger Zeit mal ein solches Filter gemeinsam bestellt haben) echtes Neuland.

Die UV-Aufnahme hingegen ist längst sowas wie "Standard". So beobachte ich Venus schon lange, und kann Dir daher sagen: Ein "in der Regel" gibt es nicht. UV-Wolken halten sich nicht daran, ihr Aussehen verändert sich sehr schnell, und von bestimmten Häufigkeiten abgesehen, ist dabei alles möglich. Die "Häufigkeiten" beziehen sich zum Beispiel darauf, dass die Pole meisten heller sind, der Äquatorgegenden meistens dunkler. Was sich aber in der dunklen Zone abspielt, ist komplett unvorhersagbar. Schöne Beispiele gibt es da aus der intensiven Beobachtung der Frühjahrs-Abendsichtbarkeit (auch hier im Forum).
Für die obige Aufnahme gibt es im Übrigen eine (Fast)Parallelbeobachtung: Oliver Schneider hat am Morgen drei Stunden vor mir beobachtet. Sein UV-Bild zeigt eine ähnliche Verteilung, wobei bei mir bereits die Rotation der drei Stunden zu erkennbaren Unterschieden geführt hat. So steht das helle Gebiet am Rand links unten bei ihm noch mehr auf der Scheibe.

Wer mit Venus-UV nicht so vertraut ist, sollte wissen: Die Aufnahme oben ist im Kontrast sehr stark angehoben. Logischerweise sind UV-Bilder am Hellen Taghimmel wie "Dunkelblau vor Blau". Technisch gesprochen: Die Kamera stand auf ca. 75 von 100 Prozent Kontrast (andere Planeten bekommen in FC bei mir 36). Das danach trotzdem immer noch ziemlich flaue Ergebnis durchlief dann immer noch weitere Anpassungen, die auch den "groben" Bildeindruck verursachen. Es wird eben alles herausgekitzelt. Die Heligkeit ist zudem auf das Niveau der anderen beiden Filter angehoben worden. An sich wäre UV sonst eher dunkel. Dann käme es aber im Falschfarbbild nur schwach zum Tragen.

Die Strukturen indes sind unstrittig, sie sind zudem bei mehreren Aufnahmen nacheinander reproduzierbar, was letztlich der Beweis gegenüber Artefaktverdachten ist.
LG
Rudolf
 
Hallo,

hier zum Vergleich meine Aufnahme, allerdings viel früher um 9:30 Uhr unserer Zeit:
Die Wolken sollten nach links ziehen, daher ist die markante helle Stelle links nicht mehr bei Rudof's Aufnahme zu sehen.
Das helle Band in der Mitte könnte bei mir ganz rechts zu sehen sein.

Gruß,
Holger
 
Danke, Holger, für die unmittelbare Vergleichsmöglichkeit.
Deins ist ja nun auch schon ein Komposit, hast Du auch die UV-Aufnahme allein?
CS
 
ich wusste, dass es schwierig wird, wenn ich meinen Eindruck wie oben im Post mal einstelle, u.U. habe ich auch die falschen Worte gewählt. Ich will hier niemandem etwas unterstellen.

Venus Aufnahmen im UV habe ich im späten Frühjahr bei der Abendsichtbarkeit auch gemacht (morgens stand sie für mich leider lange Zeit etw. ungünstig, und jetzt ist sie schon recht klein, da brauche ich's mit mn. Equipment nicht mehr zu probieren), und mn. Bilder sind durchaus vergleichbar z.B. mit Holgers hier im Forum, und die sahen/sehen einfach vom "Grundeindruck" anders aus, ebenso Bilder, die ich ich zum Thema Venus anderweitig gesehen hatte, das hat mich halt irritiert.
Natürlich sind Wolken nicht statisch, und ich erwarte auch nicht, dass Venus immer noch so aussieht wie im April :)

Aber das wesentliche hast du ja jetzt erklärt, durch den bewusst stärkeren Kontrast entsteht eben dann auch ein anderer Eindruck. Also alles gut so wie's ist.
 
OK.
Nur, um mal deutlich zu machen, wo wir herkokmmen (bzw. was die Basis meines UV-Ergebnisses war): Das ist das unbearbeitete Stackbild:
Ven_132935_101020_UV_e11111111_ap1.jpg
 
ja, der UV Kram ist schwierig, aber wenigstens zeigt sich Venus mit ihrer Helligkeit noch sehr kooperativ :)
Dieses Frühjahr gabs ja eine lange Hochdruckphase mit oft guten Bedingungen, ich habe 3 Wochen lang fast jeden Abend aufgenommen, aber aus der ganzen Zeit nur 2 brauchbare Bilder herausbekommen...
 
Ja, die Qualität als Ausgangsmaterial härtte ich gern mal, Holger.
Dazu waren aber heute weder Seeing noch Transparenz angetan. Zudem wird UV am C14 immer etwas flauer aussehen als an einem Newton. Ich nehme aber trotzdem mal an, dass Du den Hintergrund Deines Summenbildes auf schwarz gesetzt hast und er in der Aufnahme auch eher mittelgrau war, oder?
 
Hallo Rudolf,

ja aber nur ein wenig, hier hatte ich mal das Livebild animiert: https://forum.astronomie.de/threads/venus-mit-strukturen-im-violett-ir-bereich.293844/#post-1511231
Der Violettfilter geht ja mit ins sichbare Licht und lässt mehr durch als ein richtiger UV Filter. Dafür sind die Strukturen aber blasser. Dafür kann ich wiederum mit kürzerer Belichtungszeit arbeiten. Liegt bei ca. 1,5ms und so kann ich dank hoher Framerate in kurzer Zeit an die 20000 Frames sammeln.

Gruß,
Holger
 
Ha. Traumhaft.
Ich komm bei diesem Bild gerade mal auf runde 20ms, das ergab runde 10.000 frames binnen 3:20 Minuten.... Aus denen habe ich schon - trotz des miesen Seeings - 90 Prozent nutzen müssen, um ein halbwegs bearbeitbares Summenbild zu bekommen. Ich hätte natürlich anstatt der Standardbrennweite von 8 Metern auf Fokal bei 4m wechseln können, aber angesichts der Wolkenlückenbeobachtung unter Zeitdruck wollte ich mir das ersparen.
Das Violettfilter scheint aber eine durchaus probate Alternative zu sein, die UV-Strukturen lassen sich damit abbilden.
CS
Rudolf
 
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