Ich verfolge schon länger auf Astrobin Fotos vom 11“ EDGE mit 2600 bin2. Das sind durchaus fantastische Fotos in annehmbarer Zeit bei F10 (wenns nicht so ein dicker Batzen Kohle fürs Neuland -SC- betreten wäre).
Tja Dennis,
*stochert mit einem Stock im Lagerfeuer und schuert die Glut*
sieh' es doch einfach mal so:
Der Kampf um Quanteneffizienz ist gelaufen, gute Sensore haben heute alle >60-70% QE.
Der Kampf um Ausleserauschen ist auch gelaufen, bei modernen CMOS ist das nicht der dominierende Faktor.
Der Kampf um kleine Pixel ist auch gelaufen, die koennen heutzutage jenseits jeder optisch erreichbaren Aufloesung realisiert und ausgelesen werden und durch das niedrige Ausleserauschen auch problemlos gebinnt werden.
Der Kampf um den Dunkelstrom ist auch gelaufen, auch der ist nicht mehr limitierendes Problem.
Es stellt sich daher die Frage:
Wie kann man die Empfindlichkeit eines Sensors dann also eigentlich noch steigern?
"And the white elephant in the room is obviously"....
Naja, doch nur noch in dem man die Detektoroberflaeche, die das Licht sammelt, wesentlich vergroessert.
Andere Freiheitsgrade sind ja nicht mehr uebrig.
Und ja, da waren wir schon einmal (und daher kommt auch mein "gedankliches Augenrollen"): In der guten alten Analogfilm-Aera, bei der es sich irgendwann auch mal "ausgehypert" hatte und dann halt Mittelformat 'ran musste...
Das stellt jetzt aber die Frage: Was braucht's dann optisch um so einen groesseren Sensor auszuleuchten?
Antwort:
(I) Die entsprechende Brennweite bei gleichzeitig viel Oeffnung.
(II) Alternativ mehrere Fernrohre mit mehreren kleineren Sensoren im Parallelbetrieb.
CMOS hat einen Ruck durch die Welt der Astrofotografie verursacht, in dem Deepsky auch mit kurzen lichtstarken Optiken auf kleinen bezahlbaren Sensoren moeglich wurde. Das hat als Nebeneffekt auch den Markt fuer Teleskope mit grosser Feldkorrektur fast zu einem Orchideenmarkt verkuemmern lassen, denn man konnte vergleichbare Ergebnisse auch mit kleineren und weniger aufwendigeren Optiken erreichen, die dann allerdings etwas "schneller" sein muessen.
Aber jeder Technologiesprung ist irgendwann ausgereizt und dann gelten auch wieder "die guten alten Regeln von damals" massgeblich mit.
Quo vadis also...?
Denn rein vom optimalen SNR her sieht's so aus:
(1) Man nehme den groessten und empfindlichsten Detektor, den man sich leisten kann (was grosse Filter, Auszuege und aufwendige Korrektoren einschliesst).
(2) Man passe die Brennweite so an, dass das Objekt der Begierde auf diesem Sensor formatfuellend abgebildet wird.
(3) Man nehme fuer diese Brennweite das groesste Oeffnungsverhaeltnis, dass (I) von den Off-Axis Aberrationen her noch beherrschbar ist, (II) diesen Sensor noch halbwegs gleichmaessig ausleuchten kann und (III) das man sich noch leisten oder montieren kann.
(4) Man waehlt die Pixelgroesse so, dass optische Aufloesung und Pixelgroesse harmonieren, entweder ueber Softwarebinning oder die Auswahl der Hardware (oder in dem man High-Res Bilder auf <=4k Bildschirmen binnt und dann anschaut).
( (5) Wenn das immernoch nicht reicht, dann nehme man mehrere Astrografen davon, belichtet parallel und fusioniert die Ergebnisse. )
In etwa so und nicht anders macht man es uebrigens im Designprozess von empfindlichen bildgebenden Systemen in der industriellen Bildgebung, in der professionellen Mikroskopie oder auch in der professionellen Astronomie. Polemisch gesagt: Niemand faengt da an,
zuerst von der Brennweite her zu denken, denn die Optik ist da "nur" das Zwischending, dass die Objektvergroesserung vom Objekt der Begierde an den Sensor anpasst.
Und diesen Designprozess 1-4 und nichts anderes hat der Dane hier empirisch tastend fuer M101 durchexerziert und zwar unbewusst vermutlich (?) motiviert von seinem beruflichen Hintergrund als professioneller Fotograf, denn die "konventionelle Profifotografie" (was lichtstarke Systeme und die APS-C zu Vollformat Debatte angeht), hat diesen Zyklus gerade hinter sich.
Tja Dennis, und genau darum wird der Trend wohl wieder zum Vollformatsensor gehen (und irgendwann wieder zum Mittelformat, denn warum so ein Ding
QHY461PH Astronomy Cameras | IMX461 | QHYCCD jetzt unter "Astronomy Cameras" und nicht mehr unter "Scientific Cameras" gelistet ist, kann man sich ja mal in Ruhe ueberlegen ...), denn das ist derzeit der einzige Freiheitsgrad, an dem man z.Z. noch gross drehen kann, wenn man nicht zu Mehrfachastrografen uebergehen will.
Und von daher: Die alten, ausgemusterten und dicken Rohre werden dann wohl bald wieder das neue "cool", also grosse XYZ-Cassegrains und dicke Newtons mit viel Brennweite, Oeffnung und guter Feldkorrektur und dann grossen Sensoren dahinter.
So wie damals ...
Ist wie Hose mit Schlag, alles kommt wieder...
In deinem Fall waere das davon natuerlich dann ein Doppelsetup und die Frage "rot oder blau" stellt sich fuer dich nicht, Du wirst beides realisieren muessen und Hose mit Schlag hat ja auch zwei Hosenbeine.

Gruss & CS