Versuch: Exoplanetentransit (WASP 43b) mit 76/300-Mininewton und Billig-Goto (LCM)

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Ehemaliges Mitglied 31195

Hallo,

ich gebe zu, die Diskussion um das eVscope ist für mich ein Quell unerschöpflicher Motivation, die Wunderdinge, die man dem Ding andichtet (Get your Unistellar eVscopes and help observe an exoplanet this weekend! – Dan's Cosmic Diary), selber mal auszuprobieren. Das sei so leistungsfähig, daß man damit Exoplanetentransits beobachten kann. Aber das eVscope mal beiseite, ich wollte selber ausprobieren, was man minimal braucht, um einen Exoplanetentransit zu erfassen.
Ich habe ja das hier: Meinen Pingutorpedo auf einer Celestron LCM ALT-AZ-Montierung. Die LCM ist ein Krüke (aber billig) und man muß schon ständig neu positionieren, damit das Ziel nicht wegdriftet. Reicht das schon um einen Exoplaneten zu detektieren, wollte ich wissen?
FirstTorpedo.jpg


Gestern Nacht habe ich hier (http://var2.astro.cz/tresca/transits-prediction.php?JDmidnight=2458866.50000) gesehen, daß Wasp 43b einen Transit von ca. 1:45 Uhr bis 2.54 Uhr hat. Keine Ahnung wie genau die Zeiten sind. Das schien mir das geeignetste Ziel für die Nacht zu sein. Da es klar war, habe ich es einfach mal ausprobiert. Kamera war die Altair GPM224MC. Ich hatte mit Sharpcap live gestackt - je 30x8 Sekunden Substacks.
Bild anbei, der Pfeil zeigt auf WASP 43 (mag 12,4):
Wasp43.jpg


Die einzelnen Substacks habe ich mit AstroimageJ ausgewertet und die Lichtkurve, die ich erhalten habe, sieht so aus:
Measurements.png
.

Mit dem Programm kann man auch eine "best fit"-Kurve ermitteln. Der relative Helligkeitsrückgang ist in der erwarteten Größe (ca. 3%). Ich weiß nicht, wie genau die Durchgangszeiten sind, aber so wie es aussieht, habe ich zu früh abgebrochen, um einen vollen Durchgang mit Nachlauf aufzunehmen und die Streuung ist auch noch recht hoch. Andererseits war der Mond Wasp 43 stark auf den Fersen. Und wir haben es hier mit einer Optik aus einem Spielzeugteleskop zu tun. Wasp 43 hätte auch etwas höher stehen können (Höhe ~28°). Aber ich glaube relativ tiefe Exoplanetentransits bei guten Bedingungen kann man durchaus mit kleinen Optiken erfassen. Andere machen es sogar mit guten Teleobjektiven.
Ich habe damit eigentlich auch noch keine Erfahrung. Deshalb seit bitte nicht zu kritisch mit dem Versuch.

Viele Grüße

*entfernt*

PS: Was kam eigentlich beim Exoplanetentransitaufruf vom eVscope vom letzten Wochenende raus?
 
Moin Heiko,


find ich gut! In einem der ev-scope oder Stellina Threads hatte ich darauf hingewiesen daß mittels Transitmethode bereits ein Nachweis mit einem 76/300 Newton gelang der an der Gegengewichtsstange eines (deutlich) größeren Instruments montiert war. Der Link steht da noch irgendwo und ich kann nicht widerstehen darauf hinzuweisen daß das von einem einschlägig bekannten User als Anlass genutzt wurde mich des Lügens zu bezichtigen.


Viele Grüße Felix
 
Die einzelnen Substacks habe ich mit AstroimageJ ausgewertet und die Lichtkurve, die ich erhalten habe, sieht so aus ...
Gute Arbeit, Heiko! Um zu demonstrieren, dass der gemessene Helligkeitsabfall bei Wasp 43 tatsächlich echt ist und nicht etwa durch atmosphärische oder apparative Effekte verursacht wurde, könntest Du solche Lichtkurven auch noch von den Umgebungssternen im Feld erzeugen und die sollten dann flach aussehen. - Gruß, Peter
 
Hallo Peter,

das Programm gibt den relativen Flux (Helligkeit) im Vergleich zu mehreren Referenzsternen, die man aussucht, an. Wenn apparative oder atmosphärische Effekte zu einem Abfall führen, sollte das bei allen verwendeten Sternen der Fall sein und die Relation zueinander flach bleiben.
Im Programm gibt man Blenden (apertures) um die Sterne an, mit denen man festlegt, wo der Stern und wo - in einem Ring darum -der Hintergrund gemessen wird. Das soll schon mal pro Stern trennen, was Signal und was Hintergrund ist. Die Wahl der Blende hat einen großen Einfluß darauf, wie stark die Messungen streuen.
Aber Du hast recht. Seeing, Mondlicht, Dunst, Nachführung etc. hat einen großen Einfluß auf die Fluxmessung der Sterne. Und bei meinem verwendeten Gurkenaufbau führt das selbst bei der Differentialmessung zu großen Streuungen der Messwerte.
Nach dem Resultat möchte ich das noch mal mit einer bessere Optik auf einer richtigen Montierung wiederholen (z.B. dem EdgeHD 8").

Gruß

*entfernt*
 
das Programm gibt den relativen Flux (Helligkeit) im Vergleich zu mehreren Referenzsternen, die man aussucht, an. Wenn apparative oder atmosphärische Effekte zu einem Abfall führen, sollte das bei allen verwendeten Sternen der Fall sein und die Relation zueinander flach bleiben. Im Programm gibt man Blenden (apertures) um die Sterne an, mit denen man festlegt, wo der Stern und wo - in einem Ring darum - der Hintergrund gemessen wird. Das soll schon mal pro Stern trennen, was Signal und was Hintergrund ist. Die Wahl der Blende hat einen großen Einfluß darauf, wie stark die Messungen streuen.
Hallo Heiko, dann ist ja alles paletti. Das sind ja auch die Standards bei der Photometrie von Sternen, wie sie uns z.B. im Astronomiepraktikum am Großen Refraktor in Bergedorf beigebracht wurden.
Seeing, Mondlicht, Dunst, Nachführung etc. hat einen großen Einfluß auf die Fluxmessung der Sterne. Und bei meinem verwendeten Gurkenaufbau führt das selbst bei der Differentialmessung zu großen Streuungen der Messwerte. Nach dem Resultat möchte ich das noch mal mit einer bessere Optik auf einer richtigen Montierung wiederholen ...
Wäre natürlich wünschenswert, die Streuung der Einzelmessungen zu reduzieren. Dann könnte es auch für weniger deftige Transitsignale taugen.

Aber Respekt, ein proof-of-principle Nachweis ist Dir sogar mit Deinem "Gurken"-Aufbau schon gelungen!

Mit freundlichen Grüßen,
Peter
 
Die Ausstattung kann sich sehen lassen. Hatte die Celestron Nexstar Evolution. leider war sie für mein Anforderung zu schwach. Finde dein Projekt Exoplaneten suchen oder Beobachten Spannend. unter Abenteuer Astronomie gibt es einen Bericht darüber. dort wird für die Suche nach Exoplaneten von einem 200 mm - 400 mm Teleskop mit AZ Montierung Empfohlen.

viel glück und wünsche spannende Beobachtungen
*entfernt* (y)
 
hab den Link entdeckt:76/300 Newton Transit

Die Monti ist eher "großzügig" ausgelegt...:cool:

Hallo Felix,

da kann man ruhig behaupten, daß da ein kleiner Schwanz mit einem ziemlich großen Hund wackelt :)
Der 76/300-er Spiegel dort ist wahrscheinlich derselbe wie in meinem Mininewton. Die werden vermutlich irgendwo in China in Serie gefertigt. Es braucht also nicht viel, um die markanteren Exoplanetentransits nachzuweisen, wenn man weiß, wann sie auftreten. Das zeigt mir auch, daß meine Lichtkurve wahrscheinlich keine Illusion ist. Man braucht dazu jedenfalls keine "revolutionäre" neue Technik. - q.e.d.
Wo ich aber den Sinn eines Beobachtungsaufrufs wie oben beim eVscope sehe ist, daß man viele Lichtkurven des gleichen Transits mit der gleich Ausrüstung mitteln könnte, um ein rauschfreieres Ergebnis zu bekommen - ähnlich wie beim Bilderstacken.

Gruß

*entfernt*
 
Hallo zusammen,

klasse Projekt, ich hätte nicht gedacht, dass sowas mit moderaten Mitteln möglich ist. Danke für die Inspiration!

Viele Grüße und CS,
Reinhard
 
Spannend.

Gibt es da auch Software, die automatisch nach Schwankungen sucht, ohne einen bestimmten Stern zu markieren? Damit könnte man bequem selbst auf die Suche nach bisher unbekannten Systemen machen. Oder solche Messungen als "Beifang" gewöhnlicher Aufnahmen mitnehmen.

cs
Jürgen
 
Hallo,

danke für eure Antworten. Ich hatte fast befürchtet, das interessiert keinen. Man schaut sich ja heutzutage doch meist lieber bunte Bilder an.

Stefan, ich glaube nicht, daß ich oversized bin. Der Typ im Video hat mindestens eine EQ-6 o.ä. und ein gutes Teleobjektiv und Kamera ist auch nicht billig. Die LCM mit Tchibotorpedo hat mich 250.- Euro (neu) gekostet und der Spiegel kommt aus einem gebrauchten Pinguin (Infinity 76) für ca. 20.-Euro. Die Altair-Kamera gibt es für ca. 200.- Euro. Also für unter 500.- Euro kann man Exoplaneten jagen. ;)

Jürgen, ich glaube Software, die automatisch nach Exoplaneten als "Beifang" sucht, gibt es noch nicht. In einer idealen Welt wäre das sicher möglich, aber wir haben leider eine Atmosphäre, den Mond, ungenaue Nachführungen, rauschende Sensoren etc. die individuell berücksichtigt werden wollen. Und die meisten Exoplanetensignale sind wirklich klein und gehen gerne im Rauschen unter.

Viele Grüße

*entfernt*
 
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