Ehemaliges Mitglied
Hallo ihr!
Diese partielle Sonnenfinsternis war für mich etwas ganz Besonderes. Denn sie war die erste, die ich durch ein Teleskop (mein 60/700 mit Zenitspiegel) gesehen habe. Denn ich bin erst seit diesem Frühjahr im Besitz eines Sonnenfilters. Nein, auch mit SoFi-Brille war bisher nix bei mir.
Also packte ich zur rechten Zeit mein Teleskop samt Sonnenausrüstung, Hocker, Beobachtungstuch, etwas zu trinken und ein paar Keksen (das Mittagessen fiel aus) zusammen und ging in die heute nicht dunkle, aber ruhige Ecke hinterm Haus hinunter. Auch die Zeichensachen nahm ich mit.
Bei uns hier in der Ingolstädter Gegend lachte die Sonne von einem nur sehr leicht bewölkten Himmel. So konnte ich eigentlich die kompletten zwei Stunden uneingeschränkt das Geschehen beobachten. Und ich muss euch sagen, es hat mich ganz schön überwältigt. Das hätte ich nicht gedacht gehabt! Denn schließlich war es ja "nur" eine partielle Sonnenfinsteris. Und nicht die erste, die ich erlebte. So wie jeder Andere auch, wusste ich, was passieren würde. Und ich kannte aus dem Jahrbuch die Grafiken, die den genauen Ablauf skizzierten.
Als ich dann soweit war, um unter mein Beobachtungstuch zu schlüpfen und den ersten Blick zur Sonne zu werfen, wurde es mir ganz anders. Die Verfinsterung hatte bereits begonnen, und ich saß nun da - von Angesicht zu Angesicht mit dieser Sonne, der schon ein ganzes Stückchen fehlte. Ich kann euch sagen, es war einfach überwältigent! Nicht, weil es irgendwie anders gewesen wäre, als ich es mir vorgestelle hatte. Es sah genauso aus wie auf den Fotos, die ich kannte. Und doch war in diesem Moment alles anders. Es war der reine Wahnsinn! Weil ich es selbst sah, mit eigenen Augen, live. Das, was mir das Okular zeigte, passierte in diesem Augenblick da droben am Himmel. Der Mond, den ich nicht sehen konnte, war da. Und er stand genau zwischen uns und der Sonne. Da gab es nichts mehr, das ich irgend einem Foto glauben musste oder einer abstrakten Grafik, die sich kluge Leute ausgedacht haben. Das, was ich da sehen konnte, war wirklich, jetzt und hier! Nicht in meiner Vorstellungskraft, kein Bild, das mir mein Wissen in den Kopf pflanzte, nein. Da droben passierte grad etwas ganz Verrücktes. Und ich konnte es mit eigenen Augen sehen.
Mir wurde heiß und kalt gleichzeitig. Mein Herz ging auf. Es war wie damals, als ich Saturn und Jupiter zum ersten Mal durchs Teleskop gesehen hatte. Ein abstraktes Theorie-Wissen wurde zur Gewissheit, zum Erleben, zur Wirklichkeit, die man selbst gesehen hat. Und diese Wirklichkeit war so unvorstellbar, dass es einem die Sprache verschlagen konnte.
Es war so ein besonderer Moment, eine außergewöhnliche Situation: Ich allein unter meinem Beobachtungstuch, die Geräusche der Nachbarschaft im Ohr und gleichzeitig ganz weit weg von all dem Alltagstrubel, der mittags so ein Menschenleben eigentlich beherrscht. Ich konnte die Wärme der Sonne auf meinem Körper spüren. Und gleichzeitig dabei zusehen, wie sich der Mond immer weiter zwischen uns und die Sonne schob.
Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, wird mir klar, dass das eigentlich Besondere an dieser Sonnenfinsternis der Mond war. So hatte ich ihn noch niemals wahrgenommen. Und eigentlich konnte ich ihn auch jetzt nicht sehen, nur seine schattenhafte Gestalt, die sich zwischen die Sonne und uns Erdlinge schob. Und mir still, aber deutlich sagte: "Ich bin da!" Ich bin da, auch wenn du mich nicht sehen kannst. Ich bin da, mitten am Tag. Ich bin da, auf eine Art und Weise, wie du mich noch nie gesehen hast. Schau nur genau hin! Schau hin und werde demütig beim Anblick dieses Wunders, das bereits vielen vergangenen Kulturen Demut und Respekt eingeflößt hat. Glaub nicht, dass du mit deinem heutigen Wissen um das, was hier gerade passiert, auf diese Demut und den Respekt vor den Kräften der Natur verzichten kannst! Seit diesen alten Zeiten hat sich vielleicht für euch viel verändert. Für mich nicht das Geringste. Und auch wenn irgendwann niemand von euch mehr da ist, um sich so etwas wie heute anzusehen, wird es dennoch immer und immer wieder geschehen. Still und unendlich mächtig.
Vielleicht klingt das jetzt etwas seltsam. Aber es war eine ganz besondere und ergreifende Situation.
Ich begann, das, was ich sah, zu zeichnen. Es waren ein paar nette Sonnenflecken da. Aber ich konnte meine Aufmerksamkeit nicht vom Mond lösen. Ich schaute mir seinen Rand vor der hellen Sonnenscheibe genau an. Und da konnte ich doch tatsächlich ganz winzige Unregelmäßigkeiten erkennen. Mondberge. Ich konnte Berge des Mondes sehen! Sicher, ich hatte schon öfter nachts den Mond beobachtet und auch dort an der Terminatorlinie das Mondrelief gesehen. Aber diese Berge, die über den Rand des Mondes hinausragten, ... und die so hoch waren, dass ich sie hier unten sehen konnte, ... Puh! Unglaublich!
Das faszinierte mich so sehr, dass ich versuchte, sie abzuzeichnen. Deshalb wechselte ich vom 15 mm Okular zum 10 mm. Dann tastete ich mich Stückchen für Stückchen von einer erkennbaren Erhebung zum angrenzenden Tal weiter, zur nächsten Erhebung, usw. Ich konnte spitze Gipfel erkennen und stumpfere, auch ein größeres flaches Hochplateau. Immer wieder verschwamm das Bild vor meinen Augen. Dann wartete ich darauf, dass es wieder klarer wurde und ich mich am Relief weiter vorantasten konnte und überprüfen, ob das, was ich gezeichnet hatte, auch wirlich da war oder nur ein Spuk, den mir meine Augen vorgegaukelt hatten.
Hier wäre das Ergebnis:
Zwischendurch dokumentierte ich auf einem anderen Blatt, wie die Sonnenfinsternis voranschritt. Es ist etwas Sabine-chaotisch, aber ein Zeugnis dieses denkwürdigen Ereignisses:
Es war ein ganz besonderes Erlebnis, das ich mir vorher nicht so ausgemalt hätte. Aber so ist das in der Astronomie. Man wird immer wieder verzaubert, wenn man sich nur darauf einlässt.
Herzliche Grüße
Sabine
Diese partielle Sonnenfinsternis war für mich etwas ganz Besonderes. Denn sie war die erste, die ich durch ein Teleskop (mein 60/700 mit Zenitspiegel) gesehen habe. Denn ich bin erst seit diesem Frühjahr im Besitz eines Sonnenfilters. Nein, auch mit SoFi-Brille war bisher nix bei mir.
Also packte ich zur rechten Zeit mein Teleskop samt Sonnenausrüstung, Hocker, Beobachtungstuch, etwas zu trinken und ein paar Keksen (das Mittagessen fiel aus) zusammen und ging in die heute nicht dunkle, aber ruhige Ecke hinterm Haus hinunter. Auch die Zeichensachen nahm ich mit.
Bei uns hier in der Ingolstädter Gegend lachte die Sonne von einem nur sehr leicht bewölkten Himmel. So konnte ich eigentlich die kompletten zwei Stunden uneingeschränkt das Geschehen beobachten. Und ich muss euch sagen, es hat mich ganz schön überwältigt. Das hätte ich nicht gedacht gehabt! Denn schließlich war es ja "nur" eine partielle Sonnenfinsteris. Und nicht die erste, die ich erlebte. So wie jeder Andere auch, wusste ich, was passieren würde. Und ich kannte aus dem Jahrbuch die Grafiken, die den genauen Ablauf skizzierten.
Als ich dann soweit war, um unter mein Beobachtungstuch zu schlüpfen und den ersten Blick zur Sonne zu werfen, wurde es mir ganz anders. Die Verfinsterung hatte bereits begonnen, und ich saß nun da - von Angesicht zu Angesicht mit dieser Sonne, der schon ein ganzes Stückchen fehlte. Ich kann euch sagen, es war einfach überwältigent! Nicht, weil es irgendwie anders gewesen wäre, als ich es mir vorgestelle hatte. Es sah genauso aus wie auf den Fotos, die ich kannte. Und doch war in diesem Moment alles anders. Es war der reine Wahnsinn! Weil ich es selbst sah, mit eigenen Augen, live. Das, was mir das Okular zeigte, passierte in diesem Augenblick da droben am Himmel. Der Mond, den ich nicht sehen konnte, war da. Und er stand genau zwischen uns und der Sonne. Da gab es nichts mehr, das ich irgend einem Foto glauben musste oder einer abstrakten Grafik, die sich kluge Leute ausgedacht haben. Das, was ich da sehen konnte, war wirklich, jetzt und hier! Nicht in meiner Vorstellungskraft, kein Bild, das mir mein Wissen in den Kopf pflanzte, nein. Da droben passierte grad etwas ganz Verrücktes. Und ich konnte es mit eigenen Augen sehen.
Mir wurde heiß und kalt gleichzeitig. Mein Herz ging auf. Es war wie damals, als ich Saturn und Jupiter zum ersten Mal durchs Teleskop gesehen hatte. Ein abstraktes Theorie-Wissen wurde zur Gewissheit, zum Erleben, zur Wirklichkeit, die man selbst gesehen hat. Und diese Wirklichkeit war so unvorstellbar, dass es einem die Sprache verschlagen konnte.
Es war so ein besonderer Moment, eine außergewöhnliche Situation: Ich allein unter meinem Beobachtungstuch, die Geräusche der Nachbarschaft im Ohr und gleichzeitig ganz weit weg von all dem Alltagstrubel, der mittags so ein Menschenleben eigentlich beherrscht. Ich konnte die Wärme der Sonne auf meinem Körper spüren. Und gleichzeitig dabei zusehen, wie sich der Mond immer weiter zwischen uns und die Sonne schob.
Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, wird mir klar, dass das eigentlich Besondere an dieser Sonnenfinsternis der Mond war. So hatte ich ihn noch niemals wahrgenommen. Und eigentlich konnte ich ihn auch jetzt nicht sehen, nur seine schattenhafte Gestalt, die sich zwischen die Sonne und uns Erdlinge schob. Und mir still, aber deutlich sagte: "Ich bin da!" Ich bin da, auch wenn du mich nicht sehen kannst. Ich bin da, mitten am Tag. Ich bin da, auf eine Art und Weise, wie du mich noch nie gesehen hast. Schau nur genau hin! Schau hin und werde demütig beim Anblick dieses Wunders, das bereits vielen vergangenen Kulturen Demut und Respekt eingeflößt hat. Glaub nicht, dass du mit deinem heutigen Wissen um das, was hier gerade passiert, auf diese Demut und den Respekt vor den Kräften der Natur verzichten kannst! Seit diesen alten Zeiten hat sich vielleicht für euch viel verändert. Für mich nicht das Geringste. Und auch wenn irgendwann niemand von euch mehr da ist, um sich so etwas wie heute anzusehen, wird es dennoch immer und immer wieder geschehen. Still und unendlich mächtig.
Vielleicht klingt das jetzt etwas seltsam. Aber es war eine ganz besondere und ergreifende Situation.
Ich begann, das, was ich sah, zu zeichnen. Es waren ein paar nette Sonnenflecken da. Aber ich konnte meine Aufmerksamkeit nicht vom Mond lösen. Ich schaute mir seinen Rand vor der hellen Sonnenscheibe genau an. Und da konnte ich doch tatsächlich ganz winzige Unregelmäßigkeiten erkennen. Mondberge. Ich konnte Berge des Mondes sehen! Sicher, ich hatte schon öfter nachts den Mond beobachtet und auch dort an der Terminatorlinie das Mondrelief gesehen. Aber diese Berge, die über den Rand des Mondes hinausragten, ... und die so hoch waren, dass ich sie hier unten sehen konnte, ... Puh! Unglaublich!
Das faszinierte mich so sehr, dass ich versuchte, sie abzuzeichnen. Deshalb wechselte ich vom 15 mm Okular zum 10 mm. Dann tastete ich mich Stückchen für Stückchen von einer erkennbaren Erhebung zum angrenzenden Tal weiter, zur nächsten Erhebung, usw. Ich konnte spitze Gipfel erkennen und stumpfere, auch ein größeres flaches Hochplateau. Immer wieder verschwamm das Bild vor meinen Augen. Dann wartete ich darauf, dass es wieder klarer wurde und ich mich am Relief weiter vorantasten konnte und überprüfen, ob das, was ich gezeichnet hatte, auch wirlich da war oder nur ein Spuk, den mir meine Augen vorgegaukelt hatten.
Hier wäre das Ergebnis:
Zwischendurch dokumentierte ich auf einem anderen Blatt, wie die Sonnenfinsternis voranschritt. Es ist etwas Sabine-chaotisch, aber ein Zeugnis dieses denkwürdigen Ereignisses:
Es war ein ganz besonderes Erlebnis, das ich mir vorher nicht so ausgemalt hätte. Aber so ist das in der Astronomie. Man wird immer wieder verzaubert, wenn man sich nur darauf einlässt.
Herzliche Grüße
Sabine