Hallo Philipp, hallo Sternfreunde!
Nachdem sich der Rauch ein bißchen gelegt hat und die Gemüter des langen Gefechts (Refr. - Refl.) beruhigt haben, melde ich mich zu Wort und fasse zunächst das Wesentliche zusammen:
Die eingängliche Frage von Philipp, welche Objekte in einem 80mm Refraktor zu sehen sind, war o.k. und wurde/ist eigentlich schnell beantwortet:
-die komplette Messierliste
-Deep-Sky-Liste
-Karkoschka
-Binokular Highlights
Da es bereits für ein 8x30 Bino -zig Objekte gibt, wächst die Zahl für einen 80mm Refraktor schon fast ins Uferlose an!
Was die Gemüter erregt hat, Philipp, war der provozierende Satz: "Ich weiß, dass 80 mm als völlig ungenügend angesehen werden für den visuellen Einsatz."
Einmal abgesehen davon, dass dieser Satz außer Provokation nichts beinhaltet (denn: ungenügend - beim visuellen Einsatz - für was?). Egal von wem diese Behauptung stammt, diese Frage hast du uns nicht beantwortet, Philipp! Ich unterstelle dir zwar Provokation, will dir aber keine Schuld zuweisen! So ein Satz ist schnell geschrieben (ich hoffe, dass mir das nicht einmal passiert!) und erhitzt dann die antwortenden Gemüter!
Nun zu dem, von Kay ins Gespräch gebrachten Katalog (von M.B.), den er - unzitiert - als einen dieser Provokateure heranzieht, um nicht gegen einen anonymen Provokateur, den Philipp in den Raum gestellt hat, argumentieren zu müssen (verständlicherweise). Ich zitiere hier den angesprochenen Satz aus dem (neusten, hi,hi, hi!) ICS-Katalog 2006 (S.8) von M.B., nicht ohne einen weiteren voranzustellen:
"Als erstes optisches Instrument zur Himmelsbeobachtung, würde ich ein gutes 7x50 Fernglas empfehlen...Meiner Meinung nach macht ein Teleskop aber erst ab 8 Zoll (200 mm freie Öffnung) richtig Sinn, d.h. die Investition in ein kleines Teleskop ist für mich verlorenes Geld, während man das Fernglas später immer noch verwendet."
Na, ja, eine Meinung lassen wir ihm doch Kay, oder? Ich habe aber auch immer gerätselt, warum gerade bei "200 mm freien Öffnung"? Und warum gibt er nicht die entscheidende effektive Öffnung von ca. 6" an? Bei 200mm kann kaum ein Refraktor gemeint sein! Wohl, weil in dieser Größenklasse die Refraktoren (für den Normalsterblichen) enden (und ICS eine Dobsonschmiede und keine Takahashi-Niederlassung ist auch wenn er deren Fernrohre sicher liebend gern verkauft!). Vielleicht steigt bei 6" effektiver Öffnung die Zahl der (noch) sichtbaren Objekte sprunghaft an? Das wäre zu überprüfen!
Natürlich hat jedes System seine Stärken und Schwächen und daher findet jedes Fernrohr seinen Himmel bzw. hat seine Objekte.
Oliver und Andre schrieben es bereits: Wo große Gesichtsfelder (OH...) gefragt sind, ist ein Refraktor (bzw. Fernglas) nicht zu schlagen und ist das Einsatzgebiet eines 80mm Refraktors und nicht etwa eines großen Newton, der wiederum starke Vergrößerungen aber nur ein kleines Gf zuläßt. Ich stimme daher Günthers Motto "Linse kontra Spiegel ist ätzend und langweilig" zu. Die Sternfreunde sollten sich nicht in Lager teilen, sondern unterm Himmel treffen, vergleichen und sich in ihrem *entfernt* ergänzen!
Was die ästhetische Abbildung von Refr. und Refl. anbelangt, da gibt es, gute Optik und Kollimation vorausgesetzt keinen Gewinner (man überzeuge sich bei Treffen!). Allerdings gibt es subjektive Ansichten, wie "die Weitfeldbeobachtung ist schöner, als die eines kleinen Gf" oder "Sternchen mit Kreuz sind schöner". Das darf dann jeder für sich entscheiden!
Ich selbst beobachte übrigens mit einem 7x50, 16x70, einem 6" (f/5) FH-Refraktor und einem 18" Dobson.
-"In meinem 7x50 sehe ich übrigens mehr, als in meinem 18"!"
-"Was?"
-"Na, Himmelsausschnitt natürlich!"
Allen kH mit Grüssen aus dem Allgäu! "Friedenschlichter" Helmut