hans_schneider
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William Paolini, Choosing and Using Astronomical Eyepieces, New York, Heidelberg, Dordrecht, London [Springer], 2013. XVIII, 442 pp., ca. 45 €
Dieses Buch spaltet. Zumindest mich. Der Name des Autors erweckt Vorstellungen dessen, was der Leser erwarten könne; ob diese erfüllbar oder falsch sind, erfüllbar sein sollten oder auf Abwege führen, kann ich nicht beantworten. Meinungen sollten begründbar sein. Kant hat das Problem subjektiver Werturteile gelöst, indem er darlegt, diese könnten dergestalt formuliert werden, daß ein Anspruch des Beitritts aller vernünftig Denkenden zu fordern sei (K.d.U., § 19). Das leiste ich hier nicht, denn mit diesem Buch bin ich nicht im reinen. Ich bitte also um Nachsicht; vielleicht erschließt sich dem einen oder anderen, was mich an diesem Werk irritiert. Die Irritation und nichts anderes ist Gegenstand meiner Besprechung.
I.
William Paolini ist bekannt durch seine Testberichte in verschiedenen englischsprachigen Astronomieportalen, vor allem auf den Seiten von Cloudy Nights, er war aber auch schon auf Vortragsreise in Deutschland zu hören.
Wer die Berichte von Paolini kennt, wird im vorgestellten Buch möglicherweise eine gewisse Tiefe der Darstellung erwarten, doch Vorsicht: Das Buch ist a) Teil der „The Patrick Moore Practical Astronomy Series“ und b) trägt es nicht von ungefähr lediglich die Worte „Choosing and Using“ im Titel; wer eine Einführung in die Optik des Teleskopokulars erwartet, die über das Ausrechnen von Vergrößerung, Gesichtsfeld und Blende hinausgeht, ist hier im falschen Buch.
Dies führt sogleich zur wichtigsten Frage: Für wen ist dieses Buch geschrieben? Ich muß zugeben, daß mir das immer noch nicht klar ist, denn das Werk hinterläßt, wie angedeutet, einen mehr als zwiespältigen Eindruck.
Einteilen läßt sich das Buch in mehrere Hauptstücke:
1. Introducing the Astronomical Eyepiece (30 pp.)
2. Choosing Eyepieces and Observing Strategies (40 pp.)
3. Eyepieces and Accessories for Celestial Targets (35 pp.)
4.Popular Eyepieces by AFOV Class (40 pp.)
5. Advice from the Amateur Astronomer Community (38 pp.)
6. Desk Referenceof Astronomical Eyepieces (226 pp.)
Bereits die Einleitung macht das Problem und die Frage, für wen das Buch geschrieben sei, deutlich. Der Autor (oder eher der Verlag?) ist deutlich um Einfachheit bemüht, man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier der langsamste anzunehmende Leser das Tempo bestimmt. Leider wird dadurch, vor allem anfangs des Buches, teilweise ein Niveau erreicht, das weit hinter einem Kinder-Brockhaus (wenn es das gibt) zurückbleibt. So wird zum Beispiel dargelegt, daß eine Barlowlinse plus drei Okulare sozusagen in Summe dem Äquvalent von sechs Okularen entsprechen. Da die Rechnung „2 x 3 = 6“ offenbar für den angenommenen idealen Leser zu kompliziert ist, wird das Ganze illustriert: Ein Bild mit drei Okularen in der oberen Reihe, daneben eine Barlowlinse, in der unteren Reihe – man rate – sechs Okulare. Manches ist aber gut gelungen, recht nett sind zum Beispiel die Illustrationen von Abbildungsfehlern. Die Fähigkeit, anschaulich zu formulieren beziehungsweise, da, wo Sprachformen nicht weiterhelfen, zu illustrieren, ist im gesamten Buch deutlich. Paolini ist sicherlich ein begabter, vielleicht auch ein begnadeter Didaktiker. Die Frage ist, wo sich die Ansprüche didaktischer Einfühlung mit den Ansprüchen der Materie berühren und wo es unweigerlich zu Kollisionen kommt. Die weitere Erkundung des vorgestellten Werkes wird die hierin liegende Sprengkraft verdeutlichen.
Kapitel zwei und drei widmen sich den wichtigsten Eigenschaften von Okularen, wie Augenabstand, mechanische Eigenschaften, Gewicht, den Konzepten von wahrem und scheinbarem Gesichtsfeld, Vergrößerungsfaktor, Austrittspupille etc.; anschließend werden mögliche und sinnvolle Auswahlkriterien von Okularen diskutiert. Es werden Überschlags- wie auch manchmal genauere Rechnungen präsentiert, allerdings erfolgt die Präsentation lediglich in Kochbuchmanier. Es wird, das sei zugegeben, dem Leser so einfach wie möglich gemacht. Zusätzlich erscheinen aber irritierende Einzelheiten; muß wirklich erwähnt werden, daß William Herschel (einmal taucht ein William Hershel auf!) „an English astronomer who discovered the Planet Uranus“ war, daß „COS means cosine“? Weiter p. 47: „Notes: AFOF ist the apparent field of view“; vier (!) Zeilen weiter: „Notes: AFOF ist the apparent field of view“. Nein, daß ist kein Fehler im (Buch-) Satz, das ist gewollt.
Seitenweise erscheint ein „Huygen ocular“ (p. 14 sqq.). Vielleicht hat der Autor auch nur unklare Vorstellungen zum Thema sächsischer und germanischer Genitivbildung. Keine Lust gehabt? Kein Lektorat? Solchwelches ist bekanntlich schon lange ausgestorben. (Springer? Wer wissen möchte, wie wenig ein guter Name heutzutage für Qualität steht, begutachte die deutsche Übersetzung (!) von László Lovácz, József Pelikán, Katalin Vesztergombi, Discrete Mathematics – Elemantary and Beyond, New York 2003. Vierzig Fehler auf einer Doppelseite, alle der Nichtbeherrschung der deutschen Sprache durch die Übersetzerin geschuldet, dürften einen einsamen Rekord darstellen.) Zurück zum Buch.
Neben den Unerfreulichkeiten gibt es andererseits, vor allem im dritten Kapitel, Stellen, auf denen die Fähigkeit des Autors, kontrovers diskutierte Themen mit didaktisch und dialektisch (nein, nicht Ostzone, hier sind die alten Griechen gemeint) geschultem Blick zu erfassen und darzustellen, deutlich wird, ebenso wie seine vorhandene Kenntnis des Marktes aufscheint. Grundsätzliche Überlegungen zu den Themen Vergrößerung, Helligkeit, Kontrast führen nahtlos zur Diskussion praxisgerechter Auswahl von Okularen, Okularsätzen und Zubehör; Hintlerwäldler ist Autor sicherlich nicht – so erwähnt er auch das Zoomset des hier wohlbekannten Günther *entfernt*. Dieses dritte Kapitel wird dem Buchtitel noch am besten gerecht.
II.
Das Kapitel fünf (Kapitel vier s. u.) ist das irritierendste im ganzen Buch, allerdings ist der Waschzettel hierauf besonders stolz: „What distinguishes this Book […] is the involvement of observers […] (Rücktitel). Es handelt sich um eine Blütenlese von – Forenbeiträgen! Diese sind teils amüsant zu lesen (gerade weil auf sehr subjektiven Überzeugungen beruhend, dadurch sich bisweilen lustig widersprechend, teils nur überflüssig. Wäre das Buch ohne diese 40 Seiten zu dünn geworden?
Somit können wir an dieser Stelle versuchen, in einem Zwischenfazit die Eingangsfrage vorläufig zu beantworten. Die bislang erwähnten Kapitel wurden ganz eindeutig für Anfänger geschrieben, denen sozusagen das Kleine Einmaleins des Okulars beigebracht werden muß. Ich kann mich des zwingenden Eindrucks nicht erwehren, daß der Autor hierbei vom Verlag am kurzen Halsband geführt worden ist; die „Practical Astronomy“ ist tatsächlich auf die Praxis reduziert. Schön wäre es gewesen, wenn anstatt des albernen fünften Kapitels mit dem „involvement of observers“ 40 Seiten mit Abbildungsgesetzen, Physik und Chemie zu finden gewesen wären. Die weitgehend fehlende theoretische Untermauerung mag dem Okularerstleser entgegenkommen, dem Buch schadet es eher. Mit Rechenhölzchen darzustellen, was passiert, wenn Bauer Hein für 27 Apfel bei Bauer Michel 14 Birnen eintauscht, mag noch angehen, aber liebe Leute aus dem Land der begrenzten Möglichkeiten, „Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ (K.r.V., B 75).
III.
So weit, so gut. Man kann alles bisher gesagte, Positives wie Negatives, der vermuteten Zielsetzung des Buches (abgezogen die Schlampereien) zugutehalten. Doch es gibt noch die Kapitel vier und sechs, die zusammen mehr als die Hälfte des Buches ausmachen: vielleicht das Hauptthema des Buches, auch wenn es nicht im Titel erscheint. Wie verschafft man sich einen Überblick über das Unübersichliche? Man versucht, (sinnvolle) Kategorien zu finden. Die Auswahl der Kategorien ist entscheidend für die Zuordnung der Entitäten. Bei Okularen könnte man zum Beispiel die Höhe, das Gewicht oder die Farbe des Korpus wählen; Bauchgefühl wie Empirie würden allerdings darauf hinweisen, daß das nicht sinnvoll sei.
Was macht der Autor? Sein Schlüssel nennt sich „AFOV Class“, das scheinbare Gesichtsfeld soll das Klassifikationskriterium sein. Der Leser hätte vielleicht, im dumpfen Gefühl, daß hier die Formalisierung etwas zu weit getrieben beziehungsweise das Vereinfachen etwas übertrieben worden sei, etwas anderes erwartet. Traditionelle Darstellungen von Okularentwürfen orientieren sich bekanntlich gerne an wirklichen oder imaginierten Entwicklungsgeschichten. Das mag komplex erscheinen, aber irgendwo fordert die Wirklichkeit ihren Tribut. Wenn mein einziges Werkzeug ein Hammer ist, dann sind alle Gegenstände Nägel. Was, um Antichrists Willen, treibt den Autor, sich auf die Zahlen von (fast) Null bis (vielleicht) 120 zu kaprizieren? Wieder die Einfachheit, die Intelligibilität auch für den „einfachen Leser“? Wir wissen es nicht. Schauen wir uns den Aufbau an, vielleicht denken wir nur zu kompliziert.
Die Systematik fängt an mit der „40°-Und-Weniger-Klasse“, weiter geht es in Zehnerschritten, es folgt 50°. In die „60°-Klasse“ wird alles eingeordnet, was auf dem Etikett eine Zahl zwischen 60 und 69 stehen hat, anschließend kommt die„70°-Klasse“ und so fort. Dieses Konzept scheint aufregend einfach zu sein, doch sogleich melden sich Zweifel. Kann man die Teleskopokularwelt so modellieren, oder verwirren wir uns im Wald der Marketingetiketten?
Jeder, der sich länger als eine halbe Stunde mit Okularen für Teleskope beschäftigt hat, „weiß“ oder ahnt, daß sich unter der scheinbaren Fülle von Astrookularen viele doppelte Lottchen verbergen, man könnte auch „Falsche Fuffziger“ sagen und hiermit mehr oder weniger unverschämte Plagiate und Plagiatsversuche kennzeichnen. Etikettenschwindel scheint mittlerweile eines der Hauptqualitätsmerkmale im Astrohandel zu sein; Fälschungsversuche, bei denen es offensichtlich in die Hose ging, kann man bekanntlich immer noch unter „Serienstreuung“ verbuchen, das ist, ich leugne es nicht, eine lustige Art, sich selbst in die Tasche zu lügen.
Selbstverständlich ist der Autor nicht so blind, in der jeweiligen Klassenschublade alles und unterschiedslos gleichzusetzen; in der Diskussion werden die besseren Okulare durchaus herausgestellt. An der grundsätzlichen Problematik, daß Originale und Fälschungen quasi gleichgestellt werden (da Mitglieder einer und nur einer „Klasse“) ändert sich nichts.
Zum Teil führt das zu grotesken Bewertungen. Sagen wir (reine Erfindung meinerseits), die tongalesische Originalserie, nennen wir sie KUV, würde mit ehrlichen 65° scheinbarem Gesichtsfeld verkauft. Das Plagiat aus Papua-Neuguinea, nennen wir es „Titan“, käme „natürlich“ (irgendwo muß ja ein Unterschied bemerkbar sein) mit 68° daher, wäre dafür um ein Drittel billiger. Das Plagiat des Plagiats schließlich, ebenfalls aus Papua-Neuguinea und auf den imaginären Namen „Ehemaliger Schimpanse“ hörend, nochmals 20 Prozent „günstiger“ gegenüber Plagiat Nummer eins, würde mit 70° vermarktet werden. Die Qualität würde natürlich von Plagiat zu Plagiat immer besser, denn bekanntlich ist 70>68>65. Der treudoofe Kunde, der den vielversprechenden Katalogausgaben geglaubt hätte, würde sich, entweder irgendwann ehrlich gegenüber sich selbst, übergeben und dem tollen Händler die Pest an den Hals wünschen oder, falls das Bedürfnis nach Selbstbelügen weiterhin vorhanden wäre, über die „Serienstreuung“ auslassen. Alternativ hätte er noch die Chance, an einen serviceorientierten Händler zu geraten, der ihm erzählt (überzeugend!), daß alles so sein muß wie es ist. Juristen nennen das die Normativität des Faktischen.
IV.
Richtig Urständ feiert das Klassensystem im Okular-Katalog, wenn auch auf den ersten Blick unbemerkt. Der Katalog, der das größte Einzelstück des Buches ausmacht, stützt sich auf die seltsame Einteilung nach „Klassen“. Er ist auf der ersten Ebene nach Firmennamen, oder besser, nach Handelsbezeichnungen, geordnet. Die weitere Unterteilung erfolgt dann nach der Bezeichnung für die einzelne Serie. Ein „kritischer“ Katalog (im Sinne diskursiven Besprechens) ist er nicht: Eine weitere Beschreibung der Serie erfolgt allenfalls bei den „besseren“ Teilen. Oft steht aber nur da „This eyepiece line is within the following competition class of eyepieces with similar specifications and performance“. Folgt eine bis zu zehn oder mehr Zeilen lange Aufzählung, leider im selbstgeschaffenen Käfig der imaginierten Klassenzugehörigkeiten. Beim oben genannten fiktiven Beispiel aus Tonga und Papua-Neuguinea (selbstvertändlich ist das Beispiel fiktiv, willkürlich und ohne jeglichen Bezug zur Wirklichkeit, oder hätte jemand von einer optischen Industrie in Papua-Neuguinea gehört?) würde sich nun das Plagiat des Plagiates in einer eigenen Klasse finden, zusammen mit dem anderen Dutzend von Plagiaten des Plagiats, die alle aus der gleichen Glasklickerstanzfabrik kommen.
Gedankenblitz: Brian Auger ist zwar kein Glashersteller, hatte aber einmal eine Band, die „Oblivion Express“ hieß (seltsame Häufung des Buchstaben „B“ in diesem Namen). Und tatsächlich dürfte vieles, das heute mit den tollsten Vermarktungslobpreisungen versehen auf den Kunden losgelassen wird, morgen schon wieder vergessen sein. Dummerweise könnten für ein verschwundenes Etikett fünf neue gedruckt werden. Der Händerphantasie sind leider keine Grenzen gesetzt.
Gerade ist eine wesentliche Kritik am Buch zu äußern: Dieses hilft nicht wesentlich weiter, wenn es darum geht, herausfinden zu wollen, was aktuell unter welchem Mäntelchen verkauft wird. Die „Technischen Daten“ sind nur von begrenztem Nutzen, stammen sie doch hauptsächlich aus den Katalogen der Hersteller/Vermarkter (p. 189). Bei diesen Daten handelt es sich übrigens um: Brennweite, scheinbares Gesichtsfeld, Augenabstand, Feldblendendurchmesser, Gewicht (in Unzen, es wurde auch Zeit, das Metrische System langsam abzuschaffen), Elemente/Gruppen, Vergütung, Steckdurchmesser.
Die Problematik des Auftauchens ein und desselben Produktes unter verschiedenen Handelsnamen mit wechselnder (Nicht-) Qualität ist dem Autor aber durchaus bewußt (p. 188). Könnte es sein, daß eine mögliche Vorgabe für das Buch war, niemandem wehzutun?. Man mag es nicht glauben. Eine etwas kritischere Auseinandersetzung mit dem Marktgeschehen und dem Händlergehabe hätte auf jeden Fall gutgetan; es hätte ja nicht gleich eine Kampfschrift werden müssen. Vielleicht liegt das Wissen um die recht harmlose Grundhaltung sogar dem Autor selbst auf dem Magen, wie sonst wäre sein Hinweis zu verstehen, sich im Zeifel bei Fragen zur Qualität von Okularen in den einschlägigen Foren informieren zu sollen (ibd.)? Gerade die Kompetenz des Autors, die immer wieder durchscheint, aber an wesentlichen Stellen beschnitten erscheint, und die im Vergleich hierzu mehr als offensichtlichen Zurückhaltung lassen den Leser verwundert zurück. „Wasch mir den Pelz, aber mach' ihn nicht naß“? Dies würde ich dem Autor zuallermeist zugutehalten. Es ist eigentlich alles da; wem der „gebremste Schaum“ zur Last zu legen ist, werden wir nicht erfahren (Werbung, ich liebe Dir, dieses Bild begleitet mich seit 30 Jahren, nur der Gilb war eindrücklicher).
Somit ist Zeit für Fazit zwei: Ich weiß immer noch nicht, für wen das Buch eigentlich geschrieben worden ist. Ein „Buch für alle und keinen“ (F. N.)? So tief geht es hier natürlich nicht. Aber möglichst sine ira et studio (wobei, nebenbei bemerkt, der Urheber dieses Spruches einer der übelsten Geschichtsklitterer und Pateigänger aller Zeiten war)? Nein. Die Meinung mit dem höchstmöglichen Anspruch „auf den Beitritt aller vernünftig Denkenden“ könnte so aussehen:
+ Einfach zu verstehende und geduldige Einführung für den Anfänger
+ Ebenfalls anfängergerechte ausführliche Diskussion „welche Brennweite, welches Gesichtsfeld für was“
+ Zubehör wird verständlich aufgezählt
+ Marktüberblick über aktuelle und verblichene Handelsmarken
+ Produkte aus dem fernen Deutschland werden wahrgenommen (APM, Leica ASPH-Zoom, Günther Mooz)
+ keine Mathematik
- keine Mathematik
- Kritik am bestehenden Kistenschieberetikettenschwindelsyndrom allenfalls zwischen den Zeilen zu ahnen
- hierzu gehörig: Offensichtlich vorhandenes Wissen über Doppelt- bis Zehnfachvermarktung identischer Systeme wird allenfalls zwischen den Zeilen angedeutet
- Angsthasenliteratur?
Endgültiges Fazit: Kaufempfhelung leider nein, Zusammenfassung in einem Wort: schade.
Anstatt dessen und für das gleiche Geld (zusammen): David Foster Wallace, „Infinite Jest“, „Oblivion“ (nein, das ist jetzt kein Spaß, auch kein Expreß-Spaß, sondern purer Zufall), "Everything and More: A Compact History of Infinity" (über Cantor).
Dieses Buch spaltet. Zumindest mich. Der Name des Autors erweckt Vorstellungen dessen, was der Leser erwarten könne; ob diese erfüllbar oder falsch sind, erfüllbar sein sollten oder auf Abwege führen, kann ich nicht beantworten. Meinungen sollten begründbar sein. Kant hat das Problem subjektiver Werturteile gelöst, indem er darlegt, diese könnten dergestalt formuliert werden, daß ein Anspruch des Beitritts aller vernünftig Denkenden zu fordern sei (K.d.U., § 19). Das leiste ich hier nicht, denn mit diesem Buch bin ich nicht im reinen. Ich bitte also um Nachsicht; vielleicht erschließt sich dem einen oder anderen, was mich an diesem Werk irritiert. Die Irritation und nichts anderes ist Gegenstand meiner Besprechung.
I.
William Paolini ist bekannt durch seine Testberichte in verschiedenen englischsprachigen Astronomieportalen, vor allem auf den Seiten von Cloudy Nights, er war aber auch schon auf Vortragsreise in Deutschland zu hören.
Wer die Berichte von Paolini kennt, wird im vorgestellten Buch möglicherweise eine gewisse Tiefe der Darstellung erwarten, doch Vorsicht: Das Buch ist a) Teil der „The Patrick Moore Practical Astronomy Series“ und b) trägt es nicht von ungefähr lediglich die Worte „Choosing and Using“ im Titel; wer eine Einführung in die Optik des Teleskopokulars erwartet, die über das Ausrechnen von Vergrößerung, Gesichtsfeld und Blende hinausgeht, ist hier im falschen Buch.
Dies führt sogleich zur wichtigsten Frage: Für wen ist dieses Buch geschrieben? Ich muß zugeben, daß mir das immer noch nicht klar ist, denn das Werk hinterläßt, wie angedeutet, einen mehr als zwiespältigen Eindruck.
Einteilen läßt sich das Buch in mehrere Hauptstücke:
1. Introducing the Astronomical Eyepiece (30 pp.)
2. Choosing Eyepieces and Observing Strategies (40 pp.)
3. Eyepieces and Accessories for Celestial Targets (35 pp.)
4.Popular Eyepieces by AFOV Class (40 pp.)
5. Advice from the Amateur Astronomer Community (38 pp.)
6. Desk Referenceof Astronomical Eyepieces (226 pp.)
Bereits die Einleitung macht das Problem und die Frage, für wen das Buch geschrieben sei, deutlich. Der Autor (oder eher der Verlag?) ist deutlich um Einfachheit bemüht, man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier der langsamste anzunehmende Leser das Tempo bestimmt. Leider wird dadurch, vor allem anfangs des Buches, teilweise ein Niveau erreicht, das weit hinter einem Kinder-Brockhaus (wenn es das gibt) zurückbleibt. So wird zum Beispiel dargelegt, daß eine Barlowlinse plus drei Okulare sozusagen in Summe dem Äquvalent von sechs Okularen entsprechen. Da die Rechnung „2 x 3 = 6“ offenbar für den angenommenen idealen Leser zu kompliziert ist, wird das Ganze illustriert: Ein Bild mit drei Okularen in der oberen Reihe, daneben eine Barlowlinse, in der unteren Reihe – man rate – sechs Okulare. Manches ist aber gut gelungen, recht nett sind zum Beispiel die Illustrationen von Abbildungsfehlern. Die Fähigkeit, anschaulich zu formulieren beziehungsweise, da, wo Sprachformen nicht weiterhelfen, zu illustrieren, ist im gesamten Buch deutlich. Paolini ist sicherlich ein begabter, vielleicht auch ein begnadeter Didaktiker. Die Frage ist, wo sich die Ansprüche didaktischer Einfühlung mit den Ansprüchen der Materie berühren und wo es unweigerlich zu Kollisionen kommt. Die weitere Erkundung des vorgestellten Werkes wird die hierin liegende Sprengkraft verdeutlichen.
Kapitel zwei und drei widmen sich den wichtigsten Eigenschaften von Okularen, wie Augenabstand, mechanische Eigenschaften, Gewicht, den Konzepten von wahrem und scheinbarem Gesichtsfeld, Vergrößerungsfaktor, Austrittspupille etc.; anschließend werden mögliche und sinnvolle Auswahlkriterien von Okularen diskutiert. Es werden Überschlags- wie auch manchmal genauere Rechnungen präsentiert, allerdings erfolgt die Präsentation lediglich in Kochbuchmanier. Es wird, das sei zugegeben, dem Leser so einfach wie möglich gemacht. Zusätzlich erscheinen aber irritierende Einzelheiten; muß wirklich erwähnt werden, daß William Herschel (einmal taucht ein William Hershel auf!) „an English astronomer who discovered the Planet Uranus“ war, daß „COS means cosine“? Weiter p. 47: „Notes: AFOF ist the apparent field of view“; vier (!) Zeilen weiter: „Notes: AFOF ist the apparent field of view“. Nein, daß ist kein Fehler im (Buch-) Satz, das ist gewollt.
Seitenweise erscheint ein „Huygen ocular“ (p. 14 sqq.). Vielleicht hat der Autor auch nur unklare Vorstellungen zum Thema sächsischer und germanischer Genitivbildung. Keine Lust gehabt? Kein Lektorat? Solchwelches ist bekanntlich schon lange ausgestorben. (Springer? Wer wissen möchte, wie wenig ein guter Name heutzutage für Qualität steht, begutachte die deutsche Übersetzung (!) von László Lovácz, József Pelikán, Katalin Vesztergombi, Discrete Mathematics – Elemantary and Beyond, New York 2003. Vierzig Fehler auf einer Doppelseite, alle der Nichtbeherrschung der deutschen Sprache durch die Übersetzerin geschuldet, dürften einen einsamen Rekord darstellen.) Zurück zum Buch.
Neben den Unerfreulichkeiten gibt es andererseits, vor allem im dritten Kapitel, Stellen, auf denen die Fähigkeit des Autors, kontrovers diskutierte Themen mit didaktisch und dialektisch (nein, nicht Ostzone, hier sind die alten Griechen gemeint) geschultem Blick zu erfassen und darzustellen, deutlich wird, ebenso wie seine vorhandene Kenntnis des Marktes aufscheint. Grundsätzliche Überlegungen zu den Themen Vergrößerung, Helligkeit, Kontrast führen nahtlos zur Diskussion praxisgerechter Auswahl von Okularen, Okularsätzen und Zubehör; Hintlerwäldler ist Autor sicherlich nicht – so erwähnt er auch das Zoomset des hier wohlbekannten Günther *entfernt*. Dieses dritte Kapitel wird dem Buchtitel noch am besten gerecht.
II.
Das Kapitel fünf (Kapitel vier s. u.) ist das irritierendste im ganzen Buch, allerdings ist der Waschzettel hierauf besonders stolz: „What distinguishes this Book […] is the involvement of observers […] (Rücktitel). Es handelt sich um eine Blütenlese von – Forenbeiträgen! Diese sind teils amüsant zu lesen (gerade weil auf sehr subjektiven Überzeugungen beruhend, dadurch sich bisweilen lustig widersprechend, teils nur überflüssig. Wäre das Buch ohne diese 40 Seiten zu dünn geworden?
Somit können wir an dieser Stelle versuchen, in einem Zwischenfazit die Eingangsfrage vorläufig zu beantworten. Die bislang erwähnten Kapitel wurden ganz eindeutig für Anfänger geschrieben, denen sozusagen das Kleine Einmaleins des Okulars beigebracht werden muß. Ich kann mich des zwingenden Eindrucks nicht erwehren, daß der Autor hierbei vom Verlag am kurzen Halsband geführt worden ist; die „Practical Astronomy“ ist tatsächlich auf die Praxis reduziert. Schön wäre es gewesen, wenn anstatt des albernen fünften Kapitels mit dem „involvement of observers“ 40 Seiten mit Abbildungsgesetzen, Physik und Chemie zu finden gewesen wären. Die weitgehend fehlende theoretische Untermauerung mag dem Okularerstleser entgegenkommen, dem Buch schadet es eher. Mit Rechenhölzchen darzustellen, was passiert, wenn Bauer Hein für 27 Apfel bei Bauer Michel 14 Birnen eintauscht, mag noch angehen, aber liebe Leute aus dem Land der begrenzten Möglichkeiten, „Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ (K.r.V., B 75).
III.
So weit, so gut. Man kann alles bisher gesagte, Positives wie Negatives, der vermuteten Zielsetzung des Buches (abgezogen die Schlampereien) zugutehalten. Doch es gibt noch die Kapitel vier und sechs, die zusammen mehr als die Hälfte des Buches ausmachen: vielleicht das Hauptthema des Buches, auch wenn es nicht im Titel erscheint. Wie verschafft man sich einen Überblick über das Unübersichliche? Man versucht, (sinnvolle) Kategorien zu finden. Die Auswahl der Kategorien ist entscheidend für die Zuordnung der Entitäten. Bei Okularen könnte man zum Beispiel die Höhe, das Gewicht oder die Farbe des Korpus wählen; Bauchgefühl wie Empirie würden allerdings darauf hinweisen, daß das nicht sinnvoll sei.
Was macht der Autor? Sein Schlüssel nennt sich „AFOV Class“, das scheinbare Gesichtsfeld soll das Klassifikationskriterium sein. Der Leser hätte vielleicht, im dumpfen Gefühl, daß hier die Formalisierung etwas zu weit getrieben beziehungsweise das Vereinfachen etwas übertrieben worden sei, etwas anderes erwartet. Traditionelle Darstellungen von Okularentwürfen orientieren sich bekanntlich gerne an wirklichen oder imaginierten Entwicklungsgeschichten. Das mag komplex erscheinen, aber irgendwo fordert die Wirklichkeit ihren Tribut. Wenn mein einziges Werkzeug ein Hammer ist, dann sind alle Gegenstände Nägel. Was, um Antichrists Willen, treibt den Autor, sich auf die Zahlen von (fast) Null bis (vielleicht) 120 zu kaprizieren? Wieder die Einfachheit, die Intelligibilität auch für den „einfachen Leser“? Wir wissen es nicht. Schauen wir uns den Aufbau an, vielleicht denken wir nur zu kompliziert.
Die Systematik fängt an mit der „40°-Und-Weniger-Klasse“, weiter geht es in Zehnerschritten, es folgt 50°. In die „60°-Klasse“ wird alles eingeordnet, was auf dem Etikett eine Zahl zwischen 60 und 69 stehen hat, anschließend kommt die„70°-Klasse“ und so fort. Dieses Konzept scheint aufregend einfach zu sein, doch sogleich melden sich Zweifel. Kann man die Teleskopokularwelt so modellieren, oder verwirren wir uns im Wald der Marketingetiketten?
Jeder, der sich länger als eine halbe Stunde mit Okularen für Teleskope beschäftigt hat, „weiß“ oder ahnt, daß sich unter der scheinbaren Fülle von Astrookularen viele doppelte Lottchen verbergen, man könnte auch „Falsche Fuffziger“ sagen und hiermit mehr oder weniger unverschämte Plagiate und Plagiatsversuche kennzeichnen. Etikettenschwindel scheint mittlerweile eines der Hauptqualitätsmerkmale im Astrohandel zu sein; Fälschungsversuche, bei denen es offensichtlich in die Hose ging, kann man bekanntlich immer noch unter „Serienstreuung“ verbuchen, das ist, ich leugne es nicht, eine lustige Art, sich selbst in die Tasche zu lügen.
Selbstverständlich ist der Autor nicht so blind, in der jeweiligen Klassenschublade alles und unterschiedslos gleichzusetzen; in der Diskussion werden die besseren Okulare durchaus herausgestellt. An der grundsätzlichen Problematik, daß Originale und Fälschungen quasi gleichgestellt werden (da Mitglieder einer und nur einer „Klasse“) ändert sich nichts.
Zum Teil führt das zu grotesken Bewertungen. Sagen wir (reine Erfindung meinerseits), die tongalesische Originalserie, nennen wir sie KUV, würde mit ehrlichen 65° scheinbarem Gesichtsfeld verkauft. Das Plagiat aus Papua-Neuguinea, nennen wir es „Titan“, käme „natürlich“ (irgendwo muß ja ein Unterschied bemerkbar sein) mit 68° daher, wäre dafür um ein Drittel billiger. Das Plagiat des Plagiats schließlich, ebenfalls aus Papua-Neuguinea und auf den imaginären Namen „Ehemaliger Schimpanse“ hörend, nochmals 20 Prozent „günstiger“ gegenüber Plagiat Nummer eins, würde mit 70° vermarktet werden. Die Qualität würde natürlich von Plagiat zu Plagiat immer besser, denn bekanntlich ist 70>68>65. Der treudoofe Kunde, der den vielversprechenden Katalogausgaben geglaubt hätte, würde sich, entweder irgendwann ehrlich gegenüber sich selbst, übergeben und dem tollen Händler die Pest an den Hals wünschen oder, falls das Bedürfnis nach Selbstbelügen weiterhin vorhanden wäre, über die „Serienstreuung“ auslassen. Alternativ hätte er noch die Chance, an einen serviceorientierten Händler zu geraten, der ihm erzählt (überzeugend!), daß alles so sein muß wie es ist. Juristen nennen das die Normativität des Faktischen.
IV.
Richtig Urständ feiert das Klassensystem im Okular-Katalog, wenn auch auf den ersten Blick unbemerkt. Der Katalog, der das größte Einzelstück des Buches ausmacht, stützt sich auf die seltsame Einteilung nach „Klassen“. Er ist auf der ersten Ebene nach Firmennamen, oder besser, nach Handelsbezeichnungen, geordnet. Die weitere Unterteilung erfolgt dann nach der Bezeichnung für die einzelne Serie. Ein „kritischer“ Katalog (im Sinne diskursiven Besprechens) ist er nicht: Eine weitere Beschreibung der Serie erfolgt allenfalls bei den „besseren“ Teilen. Oft steht aber nur da „This eyepiece line is within the following competition class of eyepieces with similar specifications and performance“. Folgt eine bis zu zehn oder mehr Zeilen lange Aufzählung, leider im selbstgeschaffenen Käfig der imaginierten Klassenzugehörigkeiten. Beim oben genannten fiktiven Beispiel aus Tonga und Papua-Neuguinea (selbstvertändlich ist das Beispiel fiktiv, willkürlich und ohne jeglichen Bezug zur Wirklichkeit, oder hätte jemand von einer optischen Industrie in Papua-Neuguinea gehört?) würde sich nun das Plagiat des Plagiates in einer eigenen Klasse finden, zusammen mit dem anderen Dutzend von Plagiaten des Plagiats, die alle aus der gleichen Glasklickerstanzfabrik kommen.
Gedankenblitz: Brian Auger ist zwar kein Glashersteller, hatte aber einmal eine Band, die „Oblivion Express“ hieß (seltsame Häufung des Buchstaben „B“ in diesem Namen). Und tatsächlich dürfte vieles, das heute mit den tollsten Vermarktungslobpreisungen versehen auf den Kunden losgelassen wird, morgen schon wieder vergessen sein. Dummerweise könnten für ein verschwundenes Etikett fünf neue gedruckt werden. Der Händerphantasie sind leider keine Grenzen gesetzt.
Gerade ist eine wesentliche Kritik am Buch zu äußern: Dieses hilft nicht wesentlich weiter, wenn es darum geht, herausfinden zu wollen, was aktuell unter welchem Mäntelchen verkauft wird. Die „Technischen Daten“ sind nur von begrenztem Nutzen, stammen sie doch hauptsächlich aus den Katalogen der Hersteller/Vermarkter (p. 189). Bei diesen Daten handelt es sich übrigens um: Brennweite, scheinbares Gesichtsfeld, Augenabstand, Feldblendendurchmesser, Gewicht (in Unzen, es wurde auch Zeit, das Metrische System langsam abzuschaffen), Elemente/Gruppen, Vergütung, Steckdurchmesser.
Die Problematik des Auftauchens ein und desselben Produktes unter verschiedenen Handelsnamen mit wechselnder (Nicht-) Qualität ist dem Autor aber durchaus bewußt (p. 188). Könnte es sein, daß eine mögliche Vorgabe für das Buch war, niemandem wehzutun?. Man mag es nicht glauben. Eine etwas kritischere Auseinandersetzung mit dem Marktgeschehen und dem Händlergehabe hätte auf jeden Fall gutgetan; es hätte ja nicht gleich eine Kampfschrift werden müssen. Vielleicht liegt das Wissen um die recht harmlose Grundhaltung sogar dem Autor selbst auf dem Magen, wie sonst wäre sein Hinweis zu verstehen, sich im Zeifel bei Fragen zur Qualität von Okularen in den einschlägigen Foren informieren zu sollen (ibd.)? Gerade die Kompetenz des Autors, die immer wieder durchscheint, aber an wesentlichen Stellen beschnitten erscheint, und die im Vergleich hierzu mehr als offensichtlichen Zurückhaltung lassen den Leser verwundert zurück. „Wasch mir den Pelz, aber mach' ihn nicht naß“? Dies würde ich dem Autor zuallermeist zugutehalten. Es ist eigentlich alles da; wem der „gebremste Schaum“ zur Last zu legen ist, werden wir nicht erfahren (Werbung, ich liebe Dir, dieses Bild begleitet mich seit 30 Jahren, nur der Gilb war eindrücklicher).
Somit ist Zeit für Fazit zwei: Ich weiß immer noch nicht, für wen das Buch eigentlich geschrieben worden ist. Ein „Buch für alle und keinen“ (F. N.)? So tief geht es hier natürlich nicht. Aber möglichst sine ira et studio (wobei, nebenbei bemerkt, der Urheber dieses Spruches einer der übelsten Geschichtsklitterer und Pateigänger aller Zeiten war)? Nein. Die Meinung mit dem höchstmöglichen Anspruch „auf den Beitritt aller vernünftig Denkenden“ könnte so aussehen:
+ Einfach zu verstehende und geduldige Einführung für den Anfänger
+ Ebenfalls anfängergerechte ausführliche Diskussion „welche Brennweite, welches Gesichtsfeld für was“
+ Zubehör wird verständlich aufgezählt
+ Marktüberblick über aktuelle und verblichene Handelsmarken
+ Produkte aus dem fernen Deutschland werden wahrgenommen (APM, Leica ASPH-Zoom, Günther Mooz)
+ keine Mathematik
- keine Mathematik
- Kritik am bestehenden Kistenschieberetikettenschwindelsyndrom allenfalls zwischen den Zeilen zu ahnen
- hierzu gehörig: Offensichtlich vorhandenes Wissen über Doppelt- bis Zehnfachvermarktung identischer Systeme wird allenfalls zwischen den Zeilen angedeutet
- Angsthasenliteratur?
Endgültiges Fazit: Kaufempfhelung leider nein, Zusammenfassung in einem Wort: schade.
Anstatt dessen und für das gleiche Geld (zusammen): David Foster Wallace, „Infinite Jest“, „Oblivion“ (nein, das ist jetzt kein Spaß, auch kein Expreß-Spaß, sondern purer Zufall), "Everything and More: A Compact History of Infinity" (über Cantor).