W. Paolini, Choosing and Using Astronomical Eyep..

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hans_schneider

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William Paolini, Choosing and Using Astronomical Eyepieces, New York, Heidelberg, Dordrecht, London [Springer], 2013. XVIII, 442 pp., ca. 45 €

Dieses Buch spaltet. Zumindest mich. Der Name des Autors erweckt Vorstellungen dessen, was der Leser erwarten könne; ob diese erfüllbar oder falsch sind, erfüllbar sein sollten oder auf Abwege führen, kann ich nicht beantworten. Meinungen sollten begründbar sein. Kant hat das Problem subjektiver Werturteile gelöst, indem er darlegt, diese könnten dergestalt formuliert werden, daß ein Anspruch des Beitritts aller vernünftig Denkenden zu fordern sei (K.d.U., § 19). Das leiste ich hier nicht, denn mit diesem Buch bin ich nicht im reinen. Ich bitte also um Nachsicht; vielleicht erschließt sich dem einen oder anderen, was mich an diesem Werk irritiert. Die Irritation und nichts anderes ist Gegenstand meiner Besprechung.

I.

William Paolini ist bekannt durch seine Testberichte in verschiedenen englischsprachigen Astronomieportalen, vor allem auf den Seiten von Cloudy Nights, er war aber auch schon auf Vortragsreise in Deutschland zu hören.

Wer die Berichte von Paolini kennt, wird im vorgestellten Buch möglicherweise eine gewisse Tiefe der Darstellung erwarten, doch Vorsicht: Das Buch ist a) Teil der „The Patrick Moore Practical Astronomy Series“ und b) trägt es nicht von ungefähr lediglich die Worte „Choosing and Using“ im Titel; wer eine Einführung in die Optik des Teleskopokulars erwartet, die über das Ausrechnen von Vergrößerung, Gesichtsfeld und Blende hinausgeht, ist hier im falschen Buch.

Dies führt sogleich zur wichtigsten Frage: Für wen ist dieses Buch geschrieben? Ich muß zugeben, daß mir das immer noch nicht klar ist, denn das Werk hinterläßt, wie angedeutet, einen mehr als zwiespältigen Eindruck.

Einteilen läßt sich das Buch in mehrere Hauptstücke:
1. Introducing the Astronomical Eyepiece (30 pp.)
2. Choosing Eyepieces and Observing Strategies (40 pp.)
3. Eyepieces and Accessories for Celestial Targets (35 pp.)
4.Popular Eyepieces by AFOV Class (40 pp.)
5. Advice from the Amateur Astronomer Community (38 pp.)
6. Desk Referenceof Astronomical Eyepieces (226 pp.)

Bereits die Einleitung macht das Problem und die Frage, für wen das Buch geschrieben sei, deutlich. Der Autor (oder eher der Verlag?) ist deutlich um Einfachheit bemüht, man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier der langsamste anzunehmende Leser das Tempo bestimmt. Leider wird dadurch, vor allem anfangs des Buches, teilweise ein Niveau erreicht, das weit hinter einem Kinder-Brockhaus (wenn es das gibt) zurückbleibt. So wird zum Beispiel dargelegt, daß eine Barlowlinse plus drei Okulare sozusagen in Summe dem Äquvalent von sechs Okularen entsprechen. Da die Rechnung „2 x 3 = 6“ offenbar für den angenommenen idealen Leser zu kompliziert ist, wird das Ganze illustriert: Ein Bild mit drei Okularen in der oberen Reihe, daneben eine Barlowlinse, in der unteren Reihe – man rate – sechs Okulare. Manches ist aber gut gelungen, recht nett sind zum Beispiel die Illustrationen von Abbildungsfehlern. Die Fähigkeit, anschaulich zu formulieren beziehungsweise, da, wo Sprachformen nicht weiterhelfen, zu illustrieren, ist im gesamten Buch deutlich. Paolini ist sicherlich ein begabter, vielleicht auch ein begnadeter Didaktiker. Die Frage ist, wo sich die Ansprüche didaktischer Einfühlung mit den Ansprüchen der Materie berühren und wo es unweigerlich zu Kollisionen kommt. Die weitere Erkundung des vorgestellten Werkes wird die hierin liegende Sprengkraft verdeutlichen.

Kapitel zwei und drei widmen sich den wichtigsten Eigenschaften von Okularen, wie Augenabstand, mechanische Eigenschaften, Gewicht, den Konzepten von wahrem und scheinbarem Gesichtsfeld, Vergrößerungsfaktor, Austrittspupille etc.; anschließend werden mögliche und sinnvolle Auswahlkriterien von Okularen diskutiert. Es werden Überschlags- wie auch manchmal genauere Rechnungen präsentiert, allerdings erfolgt die Präsentation lediglich in Kochbuchmanier. Es wird, das sei zugegeben, dem Leser so einfach wie möglich gemacht. Zusätzlich erscheinen aber irritierende Einzelheiten; muß wirklich erwähnt werden, daß William Herschel (einmal taucht ein William Hershel auf!) „an English astronomer who discovered the Planet Uranus“ war, daß „COS means cosine“? Weiter p. 47: „Notes: AFOF ist the apparent field of view“; vier (!) Zeilen weiter: „Notes: AFOF ist the apparent field of view“. Nein, daß ist kein Fehler im (Buch-) Satz, das ist gewollt.

Seitenweise erscheint ein „Huygen ocular“ (p. 14 sqq.). Vielleicht hat der Autor auch nur unklare Vorstellungen zum Thema sächsischer und germanischer Genitivbildung. Keine Lust gehabt? Kein Lektorat? Solchwelches ist bekanntlich schon lange ausgestorben. (Springer? Wer wissen möchte, wie wenig ein guter Name heutzutage für Qualität steht, begutachte die deutsche Übersetzung (!) von László Lovácz, József Pelikán, Katalin Vesztergombi, Discrete Mathematics – Elemantary and Beyond, New York 2003. Vierzig Fehler auf einer Doppelseite, alle der Nichtbeherrschung der deutschen Sprache durch die Übersetzerin geschuldet, dürften einen einsamen Rekord darstellen.) Zurück zum Buch.

Neben den Unerfreulichkeiten gibt es andererseits, vor allem im dritten Kapitel, Stellen, auf denen die Fähigkeit des Autors, kontrovers diskutierte Themen mit didaktisch und dialektisch (nein, nicht Ostzone, hier sind die alten Griechen gemeint) geschultem Blick zu erfassen und darzustellen, deutlich wird, ebenso wie seine vorhandene Kenntnis des Marktes aufscheint. Grundsätzliche Überlegungen zu den Themen Vergrößerung, Helligkeit, Kontrast führen nahtlos zur Diskussion praxisgerechter Auswahl von Okularen, Okularsätzen und Zubehör; Hintlerwäldler ist Autor sicherlich nicht – so erwähnt er auch das Zoomset des hier wohlbekannten Günther *entfernt*. Dieses dritte Kapitel wird dem Buchtitel noch am besten gerecht.

II.

Das Kapitel fünf (Kapitel vier s. u.) ist das irritierendste im ganzen Buch, allerdings ist der Waschzettel hierauf besonders stolz: „What distinguishes this Book […] is the involvement of observers […] (Rücktitel). Es handelt sich um eine Blütenlese von – Forenbeiträgen! Diese sind teils amüsant zu lesen (gerade weil auf sehr subjektiven Überzeugungen beruhend, dadurch sich bisweilen lustig widersprechend, teils nur überflüssig. Wäre das Buch ohne diese 40 Seiten zu dünn geworden?

Somit können wir an dieser Stelle versuchen, in einem Zwischenfazit die Eingangsfrage vorläufig zu beantworten. Die bislang erwähnten Kapitel wurden ganz eindeutig für Anfänger geschrieben, denen sozusagen das Kleine Einmaleins des Okulars beigebracht werden muß. Ich kann mich des zwingenden Eindrucks nicht erwehren, daß der Autor hierbei vom Verlag am kurzen Halsband geführt worden ist; die „Practical Astronomy“ ist tatsächlich auf die Praxis reduziert. Schön wäre es gewesen, wenn anstatt des albernen fünften Kapitels mit dem „involvement of observers“ 40 Seiten mit Abbildungsgesetzen, Physik und Chemie zu finden gewesen wären. Die weitgehend fehlende theoretische Untermauerung mag dem Okularerstleser entgegenkommen, dem Buch schadet es eher. Mit Rechenhölzchen darzustellen, was passiert, wenn Bauer Hein für 27 Apfel bei Bauer Michel 14 Birnen eintauscht, mag noch angehen, aber liebe Leute aus dem Land der begrenzten Möglichkeiten, „Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ (K.r.V., B 75).

III.

So weit, so gut. Man kann alles bisher gesagte, Positives wie Negatives, der vermuteten Zielsetzung des Buches (abgezogen die Schlampereien) zugutehalten. Doch es gibt noch die Kapitel vier und sechs, die zusammen mehr als die Hälfte des Buches ausmachen: vielleicht das Hauptthema des Buches, auch wenn es nicht im Titel erscheint. Wie verschafft man sich einen Überblick über das Unübersichliche? Man versucht, (sinnvolle) Kategorien zu finden. Die Auswahl der Kategorien ist entscheidend für die Zuordnung der Entitäten. Bei Okularen könnte man zum Beispiel die Höhe, das Gewicht oder die Farbe des Korpus wählen; Bauchgefühl wie Empirie würden allerdings darauf hinweisen, daß das nicht sinnvoll sei.

Was macht der Autor? Sein Schlüssel nennt sich „AFOV Class“, das scheinbare Gesichtsfeld soll das Klassifikationskriterium sein. Der Leser hätte vielleicht, im dumpfen Gefühl, daß hier die Formalisierung etwas zu weit getrieben beziehungsweise das Vereinfachen etwas übertrieben worden sei, etwas anderes erwartet. Traditionelle Darstellungen von Okularentwürfen orientieren sich bekanntlich gerne an wirklichen oder imaginierten Entwicklungsgeschichten. Das mag komplex erscheinen, aber irgendwo fordert die Wirklichkeit ihren Tribut. Wenn mein einziges Werkzeug ein Hammer ist, dann sind alle Gegenstände Nägel. Was, um Antichrists Willen, treibt den Autor, sich auf die Zahlen von (fast) Null bis (vielleicht) 120 zu kaprizieren? Wieder die Einfachheit, die Intelligibilität auch für den „einfachen Leser“? Wir wissen es nicht. Schauen wir uns den Aufbau an, vielleicht denken wir nur zu kompliziert.

Die Systematik fängt an mit der „40°-Und-Weniger-Klasse“, weiter geht es in Zehnerschritten, es folgt 50°. In die „60°-Klasse“ wird alles eingeordnet, was auf dem Etikett eine Zahl zwischen 60 und 69 stehen hat, anschließend kommt die„70°-Klasse“ und so fort. Dieses Konzept scheint aufregend einfach zu sein, doch sogleich melden sich Zweifel. Kann man die Teleskopokularwelt so modellieren, oder verwirren wir uns im Wald der Marketingetiketten?

Jeder, der sich länger als eine halbe Stunde mit Okularen für Teleskope beschäftigt hat, „weiß“ oder ahnt, daß sich unter der scheinbaren Fülle von Astrookularen viele doppelte Lottchen verbergen, man könnte auch „Falsche Fuffziger“ sagen und hiermit mehr oder weniger unverschämte Plagiate und Plagiatsversuche kennzeichnen. Etikettenschwindel scheint mittlerweile eines der Hauptqualitätsmerkmale im Astrohandel zu sein; Fälschungsversuche, bei denen es offensichtlich in die Hose ging, kann man bekanntlich immer noch unter „Serienstreuung“ verbuchen, das ist, ich leugne es nicht, eine lustige Art, sich selbst in die Tasche zu lügen.

Selbstverständlich ist der Autor nicht so blind, in der jeweiligen Klassenschublade alles und unterschiedslos gleichzusetzen; in der Diskussion werden die besseren Okulare durchaus herausgestellt. An der grundsätzlichen Problematik, daß Originale und Fälschungen quasi gleichgestellt werden (da Mitglieder einer und nur einer „Klasse“) ändert sich nichts.

Zum Teil führt das zu grotesken Bewertungen. Sagen wir (reine Erfindung meinerseits), die tongalesische Originalserie, nennen wir sie KUV, würde mit ehrlichen 65° scheinbarem Gesichtsfeld verkauft. Das Plagiat aus Papua-Neuguinea, nennen wir es „Titan“, käme „natürlich“ (irgendwo muß ja ein Unterschied bemerkbar sein) mit 68° daher, wäre dafür um ein Drittel billiger. Das Plagiat des Plagiats schließlich, ebenfalls aus Papua-Neuguinea und auf den imaginären Namen „Ehemaliger Schimpanse“ hörend, nochmals 20 Prozent „günstiger“ gegenüber Plagiat Nummer eins, würde mit 70° vermarktet werden. Die Qualität würde natürlich von Plagiat zu Plagiat immer besser, denn bekanntlich ist 70>68>65. Der treudoofe Kunde, der den vielversprechenden Katalogausgaben geglaubt hätte, würde sich, entweder irgendwann ehrlich gegenüber sich selbst, übergeben und dem tollen Händler die Pest an den Hals wünschen oder, falls das Bedürfnis nach Selbstbelügen weiterhin vorhanden wäre, über die „Serienstreuung“ auslassen. Alternativ hätte er noch die Chance, an einen serviceorientierten Händler zu geraten, der ihm erzählt (überzeugend!), daß alles so sein muß wie es ist. Juristen nennen das die Normativität des Faktischen.

IV.

Richtig Urständ feiert das Klassensystem im Okular-Katalog, wenn auch auf den ersten Blick unbemerkt. Der Katalog, der das größte Einzelstück des Buches ausmacht, stützt sich auf die seltsame Einteilung nach „Klassen“. Er ist auf der ersten Ebene nach Firmennamen, oder besser, nach Handelsbezeichnungen, geordnet. Die weitere Unterteilung erfolgt dann nach der Bezeichnung für die einzelne Serie. Ein „kritischer“ Katalog (im Sinne diskursiven Besprechens) ist er nicht: Eine weitere Beschreibung der Serie erfolgt allenfalls bei den „besseren“ Teilen. Oft steht aber nur da „This eyepiece line is within the following competition class of eyepieces with similar specifications and performance“. Folgt eine bis zu zehn oder mehr Zeilen lange Aufzählung, leider im selbstgeschaffenen Käfig der imaginierten Klassenzugehörigkeiten. Beim oben genannten fiktiven Beispiel aus Tonga und Papua-Neuguinea (selbstvertändlich ist das Beispiel fiktiv, willkürlich und ohne jeglichen Bezug zur Wirklichkeit, oder hätte jemand von einer optischen Industrie in Papua-Neuguinea gehört?) würde sich nun das Plagiat des Plagiates in einer eigenen Klasse finden, zusammen mit dem anderen Dutzend von Plagiaten des Plagiats, die alle aus der gleichen Glasklickerstanzfabrik kommen.

Gedankenblitz: Brian Auger ist zwar kein Glashersteller, hatte aber einmal eine Band, die „Oblivion Express“ hieß (seltsame Häufung des Buchstaben „B“ in diesem Namen). Und tatsächlich dürfte vieles, das heute mit den tollsten Vermarktungslobpreisungen versehen auf den Kunden losgelassen wird, morgen schon wieder vergessen sein. Dummerweise könnten für ein verschwundenes Etikett fünf neue gedruckt werden. Der Händerphantasie sind leider keine Grenzen gesetzt.

Gerade ist eine wesentliche Kritik am Buch zu äußern: Dieses hilft nicht wesentlich weiter, wenn es darum geht, herausfinden zu wollen, was aktuell unter welchem Mäntelchen verkauft wird. Die „Technischen Daten“ sind nur von begrenztem Nutzen, stammen sie doch hauptsächlich aus den Katalogen der Hersteller/Vermarkter (p. 189). Bei diesen Daten handelt es sich übrigens um: Brennweite, scheinbares Gesichtsfeld, Augenabstand, Feldblendendurchmesser, Gewicht (in Unzen, es wurde auch Zeit, das Metrische System langsam abzuschaffen), Elemente/Gruppen, Vergütung, Steckdurchmesser.

Die Problematik des Auftauchens ein und desselben Produktes unter verschiedenen Handelsnamen mit wechselnder (Nicht-) Qualität ist dem Autor aber durchaus bewußt (p. 188). Könnte es sein, daß eine mögliche Vorgabe für das Buch war, niemandem wehzutun?. Man mag es nicht glauben. Eine etwas kritischere Auseinandersetzung mit dem Marktgeschehen und dem Händlergehabe hätte auf jeden Fall gutgetan; es hätte ja nicht gleich eine Kampfschrift werden müssen. Vielleicht liegt das Wissen um die recht harmlose Grundhaltung sogar dem Autor selbst auf dem Magen, wie sonst wäre sein Hinweis zu verstehen, sich im Zeifel bei Fragen zur Qualität von Okularen in den einschlägigen Foren informieren zu sollen (ibd.)? Gerade die Kompetenz des Autors, die immer wieder durchscheint, aber an wesentlichen Stellen beschnitten erscheint, und die im Vergleich hierzu mehr als offensichtlichen Zurückhaltung lassen den Leser verwundert zurück. „Wasch mir den Pelz, aber mach' ihn nicht naß“? Dies würde ich dem Autor zuallermeist zugutehalten. Es ist eigentlich alles da; wem der „gebremste Schaum“ zur Last zu legen ist, werden wir nicht erfahren (Werbung, ich liebe Dir, dieses Bild begleitet mich seit 30 Jahren, nur der Gilb war eindrücklicher).

Somit ist Zeit für Fazit zwei: Ich weiß immer noch nicht, für wen das Buch eigentlich geschrieben worden ist. Ein „Buch für alle und keinen“ (F. N.)? So tief geht es hier natürlich nicht. Aber möglichst sine ira et studio (wobei, nebenbei bemerkt, der Urheber dieses Spruches einer der übelsten Geschichtsklitterer und Pateigänger aller Zeiten war)? Nein. Die Meinung mit dem höchstmöglichen Anspruch „auf den Beitritt aller vernünftig Denkenden“ könnte so aussehen:

+ Einfach zu verstehende und geduldige Einführung für den Anfänger
+ Ebenfalls anfängergerechte ausführliche Diskussion „welche Brennweite, welches Gesichtsfeld für was“
+ Zubehör wird verständlich aufgezählt
+ Marktüberblick über aktuelle und verblichene Handelsmarken
+ Produkte aus dem fernen Deutschland werden wahrgenommen (APM, Leica ASPH-Zoom, Günther Mooz)
+ keine Mathematik

- keine Mathematik
- Kritik am bestehenden Kistenschieberetikettenschwindelsyndrom allenfalls zwischen den Zeilen zu ahnen
- hierzu gehörig: Offensichtlich vorhandenes Wissen über Doppelt- bis Zehnfachvermarktung identischer Systeme wird allenfalls zwischen den Zeilen angedeutet
- Angsthasenliteratur?

Endgültiges Fazit: Kaufempfhelung leider nein, Zusammenfassung in einem Wort: schade.

Anstatt dessen und für das gleiche Geld (zusammen): David Foster Wallace, „Infinite Jest“, „Oblivion“ (nein, das ist jetzt kein Spaß, auch kein Expreß-Spaß, sondern purer Zufall), "Everything and More: A Compact History of Infinity" (über Cantor).
 
Hallo Hans,

Schöner Bericht. Vielen Dank. Die offensichtlichen Schwächen, aber auch die prinzipiellen Probleme dieser Thematik hast Du gut dargestellt. ich hätte mir ein solches Buch ohnehin nicht gekauft, ich hab meine Nagler.

Solche Produktführer sind aber ohnehin immer problematisch, weil sich der Markt natürlich dreht und immer neue (neu gelabelte?) Okulare auf den Markt kommen. Eine historische und konstruktive Ordnung des Buches wäre eindeutig sinnvoller gewesen.

Bis dann:
Marcus
 
Sehr gut geschrieben - danke!

Grüße

fquadrat
 
Marcus,

paßt. Auch wenn es elitär klingen mag, mein Rat ist, so teuer wie möglich zu kaufen. Privat heißt es, einen beliebigen Gebrauchsgegenstand nur dann zu kaufen, wenn man sich mindestens drei davon leisten könnte. Das bewährt sich in der Praxis ganz gut.

Händler und Billigheimer: Am teuersten haben sich bisher die preisgarantiertenserviceorientierten (oder waren es die serviceorientiertenpreisgarantierten?) Händler erwiesen.

Die wahre Qualität entdeckt man, wenn der preisgarantierte Chinaschrott vom dito preis- wie expressorientierten Händler auseinanderfällt. Es ist nett, gesagt zu bekommen, "das kann gar nicht sein" und als Kunde in die kriminelle Ecke gestellt zu werden.

Hans


 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
hallo Hans,

man merkt wie du an dem Buch verzweifelst, und die vertane Chance dir die Tränen durch die Hirnschale treibt, woraus sie als Schweisstropfen des Ärgers austreten.

Ein gutes Werk über Okulare hätte ich wirklich sehr gern gesehen, mit von mir aus subjektiven Bemerkungen zu: Transmission, Farbtreue, Einblickverhalten, lateraler Farbe, Verzeichnung, Brennebenkrümmung und einiges mehr was in keinen Herstellerangaben steht.

Dass Paolini ofenbar einfach Herstellerangaben abschreibt, das hätte ich nicht gedacht. Wo wir wissen, dass viele Okular (und anderes Zeugs) Hersteller ja gar keine Hersteller sind, sondern nur Zwischenhändler. Der eine lässt 100° draufschreiben und der andere 101°, diesen Fall fand ich besonders keck. Mehr als 32 bzw 33, oder 38 bzw 40mm, oder die berühmten 65/68/70° wo das Okular gleich in eindere "Klasse" katapultiert wird.

Danke für deine launige und intelligente Kritik!

lg Tommy

 
Hallo Hans,

man muß durchaus nicht so teuer wie möglich zu kaufen, um gute Qualität zu bekommen. Gerade aus China kommen preisgünstige Plössl mit wirklich guter Qualität. Auf ein Auseinanderfallen kann man bei denen lange warten. Wer kein Weitwinkel braucht, ist mit solchen Okularen gut bedient. Für Planeten und Mond gehören sie sogar zur besten Wahl, sofern das Teleskop ein mittleres bis kleines Öffnungsverhältnis hat.

Grüße

fquadrat
 
Hallo Hans, ich muss Deiner Einschätzung leider vollständig zustimmen ...

Ich hatte mir das Buch mit hohen Erwartungen schon zum Erscheinungsdatum Anfang September 2013 schicken lassen und war dann furchtbar enttäuscht davon. Da ist auf 442 Seiten wirklich gar nichts Interessantes zur Theorie, zur Konstruktion und Entwicklungsgeschichte von Okularen zu finden. Stattdessen nur alberne Piktogramme für Pipifax, und selbst der "Desk Reference" Produktkatalog, von dem man immerhin zum Nachschlagen einen gewissen Nutzen erwarten würde, ist nur eine ungeprüfte Sammlung von recht dürftigen Herstellerangaben, oder schlimmer noch von häufig übertriebenen und unseriösen Händlerangaben.

In Kapitel 5 (Advice from the Amateur Astronomer Community) werden die subjektiven Erfahrungen und Empfehlungen von namentlich genannten Amateuren zitiert, so wie man sie aus den einschlägigen Foren wie CN oder A.de kennt. Dazu gehören auch die hier wohlbekannten Forenmitglieder Andreas Braun und Uwe Pilz. Mit solchen Zitaten von persönlichen Meinungen anderer vermeidet der Autor des Buches natürlich in raffinierter Weise eine eigene kritische Beurteilung, denn davor scheint er sich wie der Teufel vor dem Weihwasser zu fürchten.

Ich würde sehr bezweifeln, dass dieses Buch von Paolini irgendeinen wirklichen Nutzen hat. Für den fortgeschrittenen Amateur, der sich von so einem Buch eine verständliche Einführung in das optische Design und die historische Entwicklung von Okulartypen erhofft, bringt es rein gar nichts. Das didaktische Niveau ist offensichtlich auf den blutigen Anfänger zugeschnitten, aber der wird sich für die Anschaffung seiner ersten drei Okulare wohl kaum so einen Schinken zumuten. Da sind konkrete Nachfragen in den einschlägigen Astroforen allemal zielführender. Ich fürchte die Mehrheit der Exemplare dieses Buches wird in den Regalen verstauben. In mein eigenes habe ich seit der ersten Enttäuschung nie wieder reingeschaut ...

Gruß, Peter

 
Hi Zusammen,

schon interessant, zu sehen, wie die Erwartungen des Einzelnen an ein Buch auseinander gehen, wenn ich mal Peter, Hans, fquadrat, Tommy vergleiche. Ich zum Beispiel würde demjenigen der bereit wäre, vor dem Kauf "bleibender Okulare" ein Buch dazu zu kaufen und zu lesen, viel lieber eine Anleitung an die Hand geben, mit der man zum verlässlichem Erkennen des "persönlich richtigen" Okulars für den jeweiligen Verwendungszweck kommt. Dabei könnte es ein reines Randthema sein, wie Okulare gerechnet, mechanisch entwickelt und schließlich gefertigt werden.

Leider hat sich Literatur in den letzten Jahrzehnten genauso "Entwickelt", wie sich viele Teile des "globalen Marktes" auch entwickelt haben: Der geringen Aufmerksamkeitsspanne des Lesers muss dringend Rechnung getragen werden, nicht indem man Information entsprechend aufbereitet, sondern in dem man einen Wust von Erklärungstexten in Einzelkästen außerhalb des Textflusses anbietet. Der Leser darf dann also mit seiner verkürzten Aufmerksamkeitsspanne auch noch managen, wann er diese Kästen liest. Mitten im Satz abbrechen? Oder doch raten, nach welchem Absatz? Oder erst einmal den Text komplett Lesen, dann die Kästen lesen und danach den Text nochmal lesen, in der Hoffnung, die in den Kästen erklärten Fachworte noch im Sinn zu haben, falls sie denn im Text wirklich vorkommen?
Dazu kommt noch die Tendenz, dass heutiges Lektorat nicht verantwortlich zeichnet für Rechtschreibung, Grammattik, Satzbau und sachliche Richtigkeit, sondern dass es vielmehr die juristische Angreifbarkeit und die Vermarktungsfähigkeit des Textes in Augenschein nimmt.

Ich besitze und kenne das Werk nicht, aber es erscheint mir eine typische Herangehensweise von Verkäufer nahen Werken, neue Klassifizierungen zu schaffen, die sich nicht auf sachliche Grundlagen sondern auf subjektive Wahrnehmungen stützen. Hier ist die Klasseneinteilung nach nominellem scheinbaren Gesichtsfeld wirklich bezeichnend. Okulare derart zu klassifizieren bedeutet, den potenziellen Käufer auf ein Attribut zu fixieren, welches er nur subjektiv wahrnehmen, nicht selbst überprüfen und vor allem in seiner Bedeutung auch nicht wirklich einschätzen kann. Traurig, denn es gilt doch weiterhin, dass AP und Feldblende sowie die Verträglichkeit mit einem gegebenen Teleskop letztendlich die Verwendbarkeit eines Okulars für eine bestimmte Beobachtung ergeben. Vor solchen neuartigen Klassifizierungen (oder auch dem Majesty Factor, der in's selbe Horn tutet) kann man nur warnen, warnen, warnen!

Clear Skies
Sven
 
Hi Hans,

ich vermute mal stark, dass du Mathematiker bist.

Ich mag das Zitat "Wenn mein einziges Werkzeug ein Hammer ist, dann sind alle Gegenstände Nägel" oder auch "Wenn mein einziges Werkzeug ein Hammer ist, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus". Sehr schön! :)

Danke für den amüsant geschriebenen Beitrag. Es hat viel Spaß gemacht, ihn zu lesen.





Wenn man sich nur den Titel anschaut "Choosing and Using Astronomical Eyepieces", dann erfüllt das Buch voll das, was es im Titel verspricht. Das kommt für mein Empfinden so aus deiner Rezension heraus! Optiktheorie sucht man wohl besser in anderen Büchern, z.B. "Telecope Optics, Rutten & van Venrooij" oder andere Werke, die noch mehr ins Detail gehen mögen.



Beste Grüße,
Christian
 
Zitat von Christian_P:
ich vermute mal stark, dass du Mathematiker bist.

Christian,

nee, bewohne genau (und leider) die Antipoden-Seite des akademischen Globus'. Aber ausgehend von Oskar Becker und von dort via Ilting einerseits und auf der Alternativstrecke via Lorenzen und von dort zu Kuno Lorenz andererseits hatte ich etwas das Vergnügen (habe bei Ilting und Lorenz gehört, bei Lorenz das dritte Rigorosum)...


Wenn man sich nur den Titel anschaut "Choosing and Using Astronomical Eyepieces", dann erfüllt das Buch voll das, was es im Titel verspricht. Das kommt für mein Empfinden so aus deiner Rezension heraus

Mag sein, daß es sich so interpretieren läßt. Vielleicht war ich immer noch zu vornehm - ich muß mich bei meinen Äußerungen zurückhalten... Das Buch ist, auch unter der Berüchsichtigung des Titels, im Grunde "setzen, sechs".

Schöne Grüße

Hans

 
Hallo Christian,

es ist natürlich schwer anzusetzen, wenn man das Buch nicht hat, aber(!): Wenn es denn wirklich so ist, dass das Buch eine klassifizierung nach der Herstellerangabe des scheinbaren Gesichtsfelds vornimmt, dann habe ich erhebliche Zweifel daran, ob es denn darauf basierend zielführend das "choosing" gut begleitet. Das kann man als (Sarg-)Nagel betrachten, oder als sachliche Kritik. Beides trifft den Nagel auf den Kopf. Ich würde es (wie ich schon an Televues Majesty Factor bemängelte) für kein gutes Kriterium halten.

Clear Skies
Sven
 
Zitat von Sven_Wienstein:

Sven,

"Den Gebietenten macht nur der Gehorchende groß"
(F. Schiller)


Die Teleskope der von Dir angesprochenen Majestät sind ja auch alle für Vergrößerungen bis zum 250-Fachen der Öffnungsmillimeter fähig, so zu sehen auf deren Internetzseite. Da muß man sich doch einfach hinknien.

Nun wirkt die Angeberei mit der möglichen maximalen Vergrößerung bei Teleskopen etwas angestaubt, dafür haben wir jetzt den Gesichtsfeld-Wahn bei den Okularen, welcher an den Pickel-Wahn aus der ersten Periode der Digitalfotografie erinnert. Aber nur getrost voran! Es rollt (zum Beispiel stolz angekündigt vom Händler mit den vielen Garantien) bereits die 110°-Welle auch ohne Majestätsfaktor und zum halben Preis heran.

Wobei hier ein Bruch in der Logik der Etiketten-Kreativen festzustellen ist; es müßten doch mindestens 112° sein... Dürfen wir hier eine neue Bescheidenheit erwarten oder ist dies weise Selbstbeschränkung angesichts dessen, daß bei 360° endgültig Schluß sein wird? (Aber vielleicht erleben wir noch das 362°-Okular; immerhin gibt oder gab es im Land der unbegrenzten Fälschungen ein Fahrrad mit dem bescheidenen Namen "Hält ewig". Leider gab es das nie in Deutschland zu kaufen; der Importeur hätte gewiß fünf Jahre Garantie gegeben.)


H.
 
lieber Hans,

also mit einem 362° Okular wäre ich nicht zufrieden. Wenn das Ding schon erlaubt dass man den Kopf reinsteckt und sich umdreht, dann möchte ich mich schon mindestens 2x umdrehen können, also 720° wäre das mindeste. Oder halt 764°. Am besten wäre sowieso eine beheizbare Glaskuppel, wo man sich gemütlich reinsetzen kann. Da dürfte sogar der Paolini eine neue Kategorie aufschlagen.

lg Tommy


 
Hallo Tommy,

dann aber bitte die Kuppel als Zweilinser mit Luftspalt. Das isoliert und ist bei richtiger Glaspaarung farblich besser.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Leute

naja... was mich tatsächlich sehr verwundert ist, dass sich Leute wie Peter und auch Hans und vielleicht auch Sven etwas von diesem Buch "versprochen" haben. Ja was genau bitte habt ihr euch denn von diesem Buche versprochen oder vom Buch erwartet? Welche neuen Erkenntnisse soll es euch denn bringen, wo ihr doch allesamt sehr erfahrene Beobachter seit und viele viele Okulare bereits ausführlich verglichen habt, selbst in der höchsten Qualitätsstufe?


Der Trend geht nun mal in Richtung Gesichtsfeld. Schon für den Einsteiger stellt sich die Frage nach Weitwinkelokularen, da er ja meist einen schnellen Newton auf Dobsonmontierung kauft. Sofort ist man also in diesem undurchsichtigen Dschungel der Weitwinkelokulare drin! Da kann man gar nichts machen. Wenn sich nun ein Einsteiger Informieren möchte, könnte er das Buch doch durchaus lesen, denn es stehe doch viele nützliche Infos drin und, wie von Hans beschrieben, steht doch viel zwischen den Zeilen und es wird vom Autor sogar der Hinweis gebracht, sich in den Foren zu informieren. Also ist doch im Prinzip alles gut.


Grüße
Christian
 
Zitat von Christian_P:
Ja was genau bitte habt ihr euch denn von diesem Buche versprochen oder vom Buch erwartet?

Christian,

I.

der Autor ist nicht unbekannt. Bei Büchern gibt es einen Kaufreflex. Der Verlag ist nicht unbekannt. Das Thema interessiert...

Aber wir können es andersherum angehen, vielleicht hilft das weiter:

Einer der berühmtesten Verrisse der Denkgeschichte erschien im Jahr 1766, trug den Titel "Träume eines Geistersehers/ erläutert durch Träume der Metaphysik./ velut aegri somnia, vanae/ Figuntur species*/ Hor. /Königsberg (...)

Der Autor heißt Immanuel Kant, und mit dem Geisterseher ist Swedenborg gemeint, ein zu seiner Zeit eminent wirkungsmächtiger - Phantast.

Kant war ein äußerst selbstkritischer Autor, der bemüht war, auch den kleinsten Gedankenschritt vor sich und seinen Lesern zu rechtfertigen. So heißt es denn im Vorwort:

"Da es eben so wohl ein dummes Vorurteil ist, von vielem, das mit einigem Schein der Wahrheit erzählt wird, ohne Grund n i c h t s zu glauben, als von dem, was das gemeine Gerüchte sagt, ohne Prüfung a l l e s zu glauben, so ließ sich der Verfasser dieser Schrift, um dem ersten Vorurteile auszuweichen, zum Teil von dem letzten fortschleppen. Er bekennet mit einiger gewissen Demütigung, daß er so treuherzig war, der Wahrheit einiger Erzählungen von der erwähnten Art nachzuspüren. Er fand --- wie gemeiniglich, wo man nichts zu suchen hat --- er fand nichts."

Man lasse sich von dem geschraubten Stil der zweiten Hälfte des 18. Jhds. nicht abschrecken. Kant war ein glasklarer Denker. Sein Fazit, das ich, angesichts meiner Zwergengröße dem kleinwüchsigen Titan gegenüber, nicht mitunterschreiben kann, sondern an dessen Rockzipfel ich mich lediglich hängen kann, lautet denn auch:

"Überdem war ein großes (= teures) Werk gekauft, und, welches noch schlimmer ist, gelesen worden, und diese Mühe sollte nicht verloren sein."

Das zur Motivation und Ziel.



Somit ist Deine Frage, wenn auch nicht beantwortet, dann doch vielleicht auf eine andere, viellcht richtige, Bahn geleitet.



Wenn ich Kant und sein geniales "Früh" -Werk (Kant war Spätzünder, einiger Erfolg stellte sich erst in seinem 56. Lebensjahr ein, vorher war Wüste) schon erwähne, sollte ich auch, und gelte es, bohrende Neugierde bärtiger Brillenträger zu befriedigen, die Auflösung verraten. Swedenborg behauptete also, Kontakt zur jenseitigen Welt, und mit dort befindlichen Verstorbenen zu haben. Kants Fazit ist wissenschaftliche Eleganz und Brutalität in einem:

"(...) und denen Wißbegierigen, die sich nach derselben (= der jenseitigen Welt, H. S.) so angelegentlich erkundigen, kann man den einfältigen aber sehr natürlichen Bescheid geben: daß es wohl am ratsamsten sei,
w e n n
s i e
s i c h
z u
g e d u l d e n
b e l i e b t e n ,
b i s
s i e
w e r d e n
d a h i n
k o m m e n."



(nein, im Original nicht umgebrochen, die dumme Forensoftware kann mit Sperrungen nicht umgehen; eckige Klammern traut man sich ja gar nicht zu benutzen. Schön, daß das Internetz von Kulturfernen erfunden worden ist, welche von europäischer Zitiertradition bis heute nichts gehört haben.)


---------------------
*wie Träume eines Kranken werden Wahngebilde erdichtet, Quintius Horatius Flaccus.


II.

"Allgemeine Trends". Solche gingen bekanntlich schon mal zum Zweitbuch, bei der Digitalfotografie gingen sie in Richtung Pickelwahn, etc. Irrtümer, wohin man schaut. Ein schönes Beispiel. Fritz Schiller wurde von den französichen Revoliotionären zu Ehrenbürger des vom König befreiten Frankreich gemacht. Wegen seines Stückes "Die Räuber" natürlich. Wenn die gewußt hätten... Ein Beispiel für die "revolutionäre" Gesinnung von Fritz gefällig?

"Majestät der Menschennatur? Dich soll ich beim Haufen/
Suchen? Bei wenigen nur hast du von jeher gewohnt./
Einzelne wenige zählen, die übrigen sind alles blinde/
Nieten (...)"

Na? Ich bin übrigens kein Freund von Schiller, sein rhythmisches Gehopse macht mich wahnsinnig, aber unsere Sprache ist voll von Schiller ("... da werden Weiber zu Hyänen").

Zum Thema. Ich weiß nicht, ob es einen "Trend" zum Weitgesichtswinkelokular gibt. (Scheinweitwinkelgesicht? Gesichtswinkelscheinheit? Scheinbares Winkelgesicht?. Schwindelschweingeschminktesbreitwandokular? Schwandelschwubschwinkelscheinscheiyypopopromotium? Scheinschnitzelschwurbdiewurbgesichtsbefehlfeldabbildungsorientiertschwanzscharfesscharfschwänziges?)


Für die armen Deppen, die jeder Werbeaussage der weitwinkelzentriertenbestpreisoptimierten serviceversprechenden allgegenwärtigen Händler glauben, vielleicht.

Ich sehe das anders: Vernunft macht sich breit -- siehe die recht neuen Abbe-Okulare von Takahashi. Da "geht" kein "Trend". Da fressen aber auch keine Milliarden Mücken mit.



Aber einen neuen Okularfaden aufzumachen war das letzte, was ich wollte.

H.


Ediert: ein blöder Schreibfehler, etliche andere werden sich noch finden. H.

 
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Hallo Christian,

ich kann und mag mit Hans nicht Schritt halten, aber Antwort soll Dir werden:

Weniger habe ich mir von einem solchen Buch etwas versprochen, als ich in solchen Büchern heute vermehrt die Gefahr sehe, den Leser zum händlerhörigen Jünger auszubilden, der brav sein erspartes Geld in einer Art Abo zu neuem Equipment wandeln möge.

Keinen anderen Zweck kann man verfolgen, indem man Eigenschaften zur Produktauswahl in den Vordergrund hebt, die nicht die wesentlichen Eigenschaften des Produkts sein können. Majesty Factor, Megapixel-Wahn und auch die Erhebung des ED zum "automatisch Apo" mögen da Beispiele sein.

Zu Deiner Einschätzung, wohin der Trend geht: Nein, zum großen Gesichtsfeld geht der Trend nicht, man hat es Dir nur eingeredet. Der Trend sollte immer zu Top-Leistung für den jeweiligen Verwendungszweck gehen und diese Top-Leistung kann ein Weitwinkelokular nach unseren heutigen physikalischen Möglichkeiten und Kenntnissen nicht in allen Disziplinen liefern. Es braucht nämlich einfach zu viele Linsen dafür.
Und was die Information in Foren angeht... ach Du liebe Zeit! Wenn ich alles an Fehl- und Desinformation kenntlich machen würde, was in diesem schwarzen Riff so abgeht, egal ob mit Verkaufsgedanken oder aus schlicht unberufenem Unwissen...

Mein Motto ist: Selbst Wissen aneignen und stets überprüfen, ob es noch aktuell ist. Derjenige hat es gut, der selbst praktische Erfahrungen sammeln kann und in der Lage ist sie selbstkritisch genug und einigermaßen methodisch einzuordnen.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Sven.

Zitat von Sven_Wienstein:
Nein, zum großen Gesichtsfeld geht der Trend nicht, man hat es Dir nur eingeredet. Der Trend sollte immer zu Top-Leistung für den jeweiligen Verwendungszweck gehen und diese Top-Leistung kann ein Weitwinkelokular nach unseren heutigen physikalischen Möglichkeiten und Kenntnissen nicht in allen Disziplinen liefern.
Möglich, daß der Trend zur Top-Leistung gehen sollte, aber ein Blick auf Angebot, besonders aber auf die Neuerscheinungen zeigt, daß Weitwinkelokulare stark im Kommen sind. Man bevorzugt für große und deshalb (Erreichbarkeit des Okulars) schnelle Dobsons gut korrigierte Okulare mit viel Gesichtsfeld.

Ich persönlich habe normale und Weitwinkeltypen, nutze aber meist erstere.

Grüße

fquadrat
 
Hallo fquadrat,

naja, das ist ja wohl eine Frage der Betrachtungsweise. Der Trend geht eigentlich dahin, den Leuten irgendwas aufzuschwatzen, am besten zweimal dasselbe in unterschiedlichem Gehäuse, mal für Planeten und mal für Deepsky. Der Markt soll so unübersichtlich sein.
Daraus lese ich vor allem ab, dass sich im Sinne der Nützlichkeit von Okularen eigentlich gar kein Markt-Trend entwickeln kann.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Miteinander,

Sven, du bist wenigstens ehrlich. Ich weiß auch nicht ganz genau, was Hans meint. Trotzdem Danke an Hans für den interessanten Beitrag.


Sven, natürlich hast du mit deiner Sicht völlig Recht! Der Markt ist durch vielfältige und günstige Angebote vor allem für den Einsteiger unübersichtlich geworden.


Da viele als Einstiegsgerät und auch später eine schnelle Optik benutzen und diese auch sehr oft dobsonmontiert ist, geht die Okularwahl schnell in Richtung der weitwinkligen, für extremere Einfallswinkel besser korrigierten Okulare. Das wissen die Händler und Hersteller natürlich und sie versuchen diesen Markt auch im Billig- und Mittelpreisbereich zu besetzten. Das da auch viel Müll dabei ist, ist klar. Um noch mal auf das Buch zurück zu kommen: Findet man da diesbezüglich Hilfe, d.h. weiß man nach Lektüre des Buches, welche preiswerte Marke, welches Okular einen Blick wert ist? Ich denke schon.


VG
Christian
 
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