Hallo Ralf,
wieso ist eine Webcam besser für Planeten geeignet als eine DSLR? Mich würden die Gründe interessieren, kann mir das bitte jemand erklären?
mit einer Webcam (da schraubt man das eventuell vorhandene Kameraobjektiv ab) nimmst Du entweder direkt im Fokus des Teleskopes auf, oder Du verwendest noch eine Barlow oder Okularprojektion zwischen Okularauszug und Kamera, um den Planeten größer auf dem Chip abzubilden.
Mit heute gängigen Rechnern kannst Du problemlos 15, 20 oder 25 Webcambilder pro Sekunde aufnehmen. Du hast damit in etwa die selbe Bildfrequenz, wie sie auch Dein Auge wahrnimmt.
Guckst Du mit dem Auge durch das Okular, flimmert und wabert das Planetenbild. Und zwischendrinn gibt es Momente, wo das Seeing richtig scharfe und nicht verzerrte Bilder bringt.
Diese scharfen Bilder der Webcam (je nach Seeing zwischen 5 und 25%) werden nach der Aufnahme (ca. 1000 - 2000 Bilder) durch ein Stackingprogramm rausgesucht und gemittelt. Das so entstandene Summenbild ist jetzt viel rauschärmer als ein Einzelbild der Webcam und kann geschärft werden.
Den mechanischen Teilen Deines Fotapperates täte es garnicht gut, wenn Du 2.000 mal den Verschluß für eine einzige Sequenz (ein einziges fertiges Bild) betätigen würdest. Dessen Lebensdauer ist auf 50.000 oder 100.000 Betätigungen ausgelegt. Nach 50 Versuchen a 2.000 Bildern wäre er hinüber.
Eine Webcam hat keinen mechanischen Verschluß.
Dann müßte ich doch aber auch eine S-Video Kamera benutzen können, die müßte ja dann noch besser sein: gleiche Anzahl BIlder nur mit besserer Auflösung da immerhin fast 800*600 Pixel.
Du müßtest schon effektive Brennweiten jenseits von 10 Meter einsetzen, um Jupiter oder Saturn so groß auf dem Chip abzubilden, daß er nicht mehr auf die 640 x 480 Pixel einer Webcam draufpaßt.
Eine Webcam hat quadratische Pixel, eine S-Videokamera dagegen rechteckige. Ohne nachträgliche Skalierung auf quadratische Pixel hast bei Videokameras immer längliche statt runde Planeten nach der Bearbeitung.
Falls Du schon eine Watec, Mintron, ein Videomodul oder eine andere Videokamera hast, kannst das ja mal ausprobieren.
Du kannst auch einen normalen (Urlaubs-)Camcorder ausprobieren. Der ist nicht ganz so empfindlich wie eine Webcam und normalertweise kann man da auch die fest verbaute Optik nicht abschrauben. Den müßtest Du entweder über Adapterringe an ein Okular anschrauben oder mit einer Digiklemme befestigen.
Für Sonne und Mond (einzelne Flecken bzw. Kraterlandschaften) ist die Helligkeitsempfindlichkeit eines Camcorders definitiv ausreichend. Da ist der Efekt mit den länglichen Pixeln nicht auffällig, bei den runden Planeten fällt er dagegen deutlich auf.
Ausrüstung bisher:
- Celestron C6 mit 8*50 Finder(Sucher)
- Skywatcher EQ5 auf Vixen Hartholzstativ, bisher noch ohne Motorisierung
Wenn Du von Hand mit biegsamen Wellen nachführst, wird es knifflig, einen Planeten im Gesichtsfeld der Webcam zu halten, um scharfzustellen. Bei der Aufnahme darf er ruhig ein bissy über den Chip wandern, er sollte blos nicht rauslaufen...
Planetenfotografie macht aber erst mit motorisierter Nachführung Spaß.
Solange Du noch keine motorisierte Nachführung hast, würde ich erstmal den Mond aufnehmen. Da kannst in Ruhe scharf stellen, während der Mond durchs Gesichtsfeld der Webcam läuft. Hast dann den Schärfepunkt gefunden, drehst an den Wellen und suchst Dir ein schönes Motiv. Das versuchst dann möglichst gut im Gesichtsfeld zu halten...