Was ist besser: Crayford oder Monorail Auszug?

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mausesause

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Hallo,

ich stehe vor der Verbesserung meines 6" SC's.
Was mich etwas stört ist die Einstellung der Schärfe, ich glaube das geht besser.
Was ist Eurer Meinung besser: ein Crayford oder ein Monorail Auszug?

Nutzen möchte ich den Auszug am Anfang visuell, später aber auf alle mit DSLR und Hyperion Okularen für die Photografie.

Für Empfehlungen einezelner Produkte mit Erklärung warum und wieso der ein oder andere Auszug geeignet oder ungeeignet ist bin ich sehr dankbar.

CS Ralf
 
Hallo Ralf !

Wenn Du schwereres Zubehör benutzt würde ich den Monorail nehmen.

Ich selbst hatte an meinem Refraktor einen China-Crayford. Er versagte bei höherer Belastung. Das Fokussieren war ruckelig, die Untersetzung funktionierte nicht mehr und das Auszugsrohr rutschte langsam durch.

Jetzt verwende ich den Baader Steel Track (der Monorail soll ein Nachbau vom Steel Track sein). Die o.g. Probleme gehören nun der Vergangenheit an.

 
Hallo Ralf,

der Monorail hat eine andere Bauweise als der Steeltrack.
Der Schwachpunkt des Steeltrack liegt in der Verwendung der winzigen Kugellager. Der hohe mögliche Anpreßdruck der Crayfordwelle an die Stahlschiene kann somit nicht ausgenutzt werden, da die Kugellager brechen können.

Beim Monorail läuft eine beidseitig eingefräste Stahlschiene in einer größeren Anzahl von Kugellagerkugeln , die als Gegenlager ebenfalls Stahlschienen benutzen.
Daß der Monorail etwas billiger ist als der Steeltrack, sagt qualitätsmäßig nichts aus.

Ich mußte schon mehrmals bei einem Steeltrack die kaputten Kugellager auswechseln und verwende daher den Monorail.

Wenn Du allerdings kein schweres Zubehör an den Auszug montierst, ist natürlich auch gegen den Steeltrack nichts einzuwenden.

Im Anhang siehst Du das Prinzip des Monorails.

Viele Grüße aus Graz,
Johann
 

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Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Johann und Tommy,

vielen Dank für die Antworten und speziell für die extra Arbeit mit dem Bild - sehr anschaulich.

Frage: ab welchem Gewicht ist schwer denn schwer?

Konkret: ich möchte an den Auszug eine DSLR mit Objektiv, sowie ein Hyperion Okular mit Zenitprisma anbringen. Alles zusammen in etwa 1,3-1,5kg Gewicht.
Da dies auch nicht gerade Billigteile sind bzw. waren möchte ich natürlich nicht das Risiko eines eventuellen Absturzes eingehen.
Auch wenn -wie Oliver schrieb- das Auszugsrohr langsam aber sicher nach unten rutscht ist ja kein sinnvolles Photografieren möglich.

Könntet Ihr mir ein Typ/Bauteil besonders empfehlen? Oder ganz speziell von bestimmten Teilen abraten?

Vielen Dank im voraus!
CS Ralf
 
Hallo Ralf,

der von mir erwähnte Steeltrack musste etwa 2,5kg halten können und da war der entsprechende Andruck der Crayfordwelle, um ein Rutschen bzw. ein Kippen des Auszugrohres zu verhindern, für die Kugellager eine zu große Belastung.

Beim Monorail gibt es ja diese Art der Kugellager nicht und da kannst Du den Andruck so fest einstellen, bis nix mehr durchrutscht.
Ein Verkippen des Auszugrohres durch das Kameragewicht gibt es hier konstruktionsbedingt nicht, sogar wenn die Crayfordwelle komplett locker ist.
Wenn Du beim Steeltrack den Andruck lockerst, wackelt das Auszugrohr komplett.

Da die DSLR ohne Objektiv, denn das brauchst Du ja dabei nicht, aber wahrscheinlich weit unter 1kg wiegt, bzw. Okular mit Zenitprisma auch nicht schwerer ist, kannst Du nehmen was Du willst.

Viele Grüße,
Johann
 
Hi Ralf,

das einfachste wäre, auf Okularprojektion zu verzichten. Das würde sich auch positiv auf die Bildqualität auswirken.

Mit dem ganzen Linsenpaket (Okular + Objektiv), der DSLR und dem Zenitprisma (oder doch ein Spiegel?) baust Du einen ziemlich langen Hebel, dessen Kräfte bei Lageänderung durch die Klemmung am Auszug aufgebracht werden müssen.

CS Chris
 
Hallo Johann und Cris,

Ihr schreibt beide das ich besser auf das Objektiv an der Kamera verzichten soll bzw. auf die Okularprojektion.
Vom Gewicht her gesehen ist die Aussage klar nachzuvollziehen. Das ich die Kamera auch direkt mittels Adapter an das Prisma bzw. den Auszug anschliessen kann ist auch soweit klar.

Aber wieso wäre dann die Bildqualität besser?
Mein Verständnis war bisher: wenn ich mittels Okularprojektion fotografiere, d.h. das Kameraobjektiv ist direkt mit dem Hyperionokular verschraubt, dann nehme ich letztendlich das Objekt so auf wie ich es durch das Okular betrachtet sehen würde. Natürlich mit Ausnahme der Helligkeit die durch das Kameraobjektv (leicht) abgeschwächt wird. Mache ich hier einen Denkfehler?

Das man auch mittels Piggyback Halterung fotografieren kann ist mir klar, damit möchte ich - weil ich glaube das es für den Anfang einfacher ist - auch anfangen. Ausserdem bekomme ich nur so bestimmte Brennweiten mittel Kameraobjektiven hin, mein C6 hat ja ~1500mm Brennweite ohne Zoomfunktion ;-))

Wie könnte ich denn ohne Okularprojektion noch direkt durch das Teleskop fotografieren um in den gewünschten Vergrößerungsbereich zu kommen?

Viele Grüße und CS
Ralf
 
Hallo Ralf,

ein Objektiv für eine DSLR kann man ja abnehmen und einen Telekonverter zwischen Kamera und Objektiv dranschrauben.
Gegenfrage: warum nimmt die Abbildungsqualität eines Objektivs ab, wenn man es mit Telekonverter betreibt?

Wieso also sollte man ein von einem Teleskop projeziertes Bild, das vom Okular nochmal projeziert wird und vom Kameraobjektiv wiederrum projeziert wird ...
Mit jeder Projektion verschlechtert sich die Bildqualität, weil jede einzelne Projektion für sich nicht perfekt ist, also Fehler enthält. Die Fehler von Projektion zu Projektion summieren sich nicht, sie multiplizieren sich.

Ein 2x Telekonverter verdoppelt die Fehler des Objektivs und bringt seine eigenen Fehler mit ins Bild.

Da ist es doch einfacher, das Objektiv von der Kamera zu entfernen und das Teleskop als Objektiv zu betreiben. Reicht die Brennweite des Teleskops nicht aus, nimmt man ein größeres Teleskop, einen Telekonverter oder den Baader FFC. Und mechanisch ist es auch einfacher.

Viele Grüße
Markus
 
Hallo Ralf,

Okularprojektion gebraucht man ja meistens, um die Brennweite für Aufnahmen von Mond und Planeten zu verlängern. Und da ist eine DSLR nicht unbedingt geeignet, besser wäre hier eine Webcam.
Ohne Okularprojektion und Objektiv brauchst Du eine Barlow, die die Brennweite entsprechend verlängert.

Für deepsky brauchst Du kürzere Brennweiten, da ist das C6 schon zuviel, Brennweiten über 1m stellen schon ziemliche Ansprüche an Montierung und guiding.
Mit einem Reducer (0,63x) kannst Du zwar die Brennweite auf unter 1m bringen aber Vignettierug und Verzeichnung nehmen zu.

Die beste Lösung für die Photographie ist sicher ein Newton 6-8" oder ein kleiner ED, wobei aber wahrscheinlich der Newton nicht auf die Montierung des C6 paßt.

Viele Grüße,
Johann
 
Hallo Markus und Johann,

vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

Soweit habe ich Eure Ausführungen verstanden, nur bei einem Punkt stutze ich noch:
wieso ist eine Webcam besser für Planeten geeignet als eine DSLR? Mich würden die Gründe interessieren, kann mir das bitte jemand erklären?

Falls eine Webcam mit VGA Auflösung tatsächlich besser als eine DSLR sein sollte, kann es ja eigentlich nur an der Anzahl der Bilder pro Zeiteinheit liegen, oder?

Dann müßte ich doch aber auch eine S-Video Kamera benutzen können, die müßte ja dann noch besser sein: gleiche Anzahl BIlder nur mit besserer Auflösung da immerhin fast 800*600 Pixel.

Ausserdem fällt mir auf ich habe gar nichts über meine sonstige Ausrüstung geschrieben.

Ausrüstung bisher:
- Celestron C6 mit 8*50 Finder(Sucher)
- Skywatcher EQ5 auf Vixen Hartholzstativ, bisher noch ohne Motorisierung
- 40mm und 25mm Celestron Okulare
- 8mm Baader Hyperion
- DSRL mit diversen Objektiven von 11 bis 500mm

Nächste geplante Anschaffungen.
- Piggyback für DSLR
- Motorisierung (weis da aber noch nicht welche Marke/Typ)
- ?

Was würdet Ihr mir denn noch an Ausstattung für die Astrofotographie empfehlen?

Viele Grüße
Ralf
 
Hallo Ralf

Zitat von mausesause:
Falls eine Webcam mit VGA Auflösung tatsächlich besser als eine DSLR sein sollte, kann es ja eigentlich nur an der Anzahl der Bilder pro Zeiteinheit liegen, oder?

Ja!

Du machst mit der Webcam einige 100 oder auch 1000 Bilder mit Belichtungszeiten von Sekundenbruchteilen, die dann mit einem geeigneten Programm (z.B. avistack) zu einem Summenbild zusammengesetzt werden.

Mit der DSLR geht das ja nicht wegen der Speicherzeiten (einige Sekunden) zwischen den einzelnen Bildern. Da kannst Du Dir ausrechnen, wie lange Du für 1000 Aufnahmen brauchen würdest.

Wenn Du in nächster Zeit keine größere Montierung ins Auge faßt, würde ich Dir das SkyScan-GoTo-Upgrade für die EQ5 von Skywatcher empfehlen.
Kostet zwar dreimal soviel wie eine einfache Zweiachsensteuerung aber dafür hast Du einen bewährten ST-4 Autoguideranschluß und die schnelle computergesteuerte Objekteinstellung über hochwertige Schrittmotoren bei sehr niedrigem Geräuschpegel.

Viele Grüße,
Johann



 
Hallo Ralf,

wieso ist eine Webcam besser für Planeten geeignet als eine DSLR? Mich würden die Gründe interessieren, kann mir das bitte jemand erklären?

mit einer Webcam (da schraubt man das eventuell vorhandene Kameraobjektiv ab) nimmst Du entweder direkt im Fokus des Teleskopes auf, oder Du verwendest noch eine Barlow oder Okularprojektion zwischen Okularauszug und Kamera, um den Planeten größer auf dem Chip abzubilden.

Mit heute gängigen Rechnern kannst Du problemlos 15, 20 oder 25 Webcambilder pro Sekunde aufnehmen. Du hast damit in etwa die selbe Bildfrequenz, wie sie auch Dein Auge wahrnimmt.

Guckst Du mit dem Auge durch das Okular, flimmert und wabert das Planetenbild. Und zwischendrinn gibt es Momente, wo das Seeing richtig scharfe und nicht verzerrte Bilder bringt.

Diese scharfen Bilder der Webcam (je nach Seeing zwischen 5 und 25%) werden nach der Aufnahme (ca. 1000 - 2000 Bilder) durch ein Stackingprogramm rausgesucht und gemittelt. Das so entstandene Summenbild ist jetzt viel rauschärmer als ein Einzelbild der Webcam und kann geschärft werden.

Den mechanischen Teilen Deines Fotapperates täte es garnicht gut, wenn Du 2.000 mal den Verschluß für eine einzige Sequenz (ein einziges fertiges Bild) betätigen würdest. Dessen Lebensdauer ist auf 50.000 oder 100.000 Betätigungen ausgelegt. Nach 50 Versuchen a 2.000 Bildern wäre er hinüber. :(

Eine Webcam hat keinen mechanischen Verschluß. :)

Dann müßte ich doch aber auch eine S-Video Kamera benutzen können, die müßte ja dann noch besser sein: gleiche Anzahl BIlder nur mit besserer Auflösung da immerhin fast 800*600 Pixel.

Du müßtest schon effektive Brennweiten jenseits von 10 Meter einsetzen, um Jupiter oder Saturn so groß auf dem Chip abzubilden, daß er nicht mehr auf die 640 x 480 Pixel einer Webcam draufpaßt. ;)

Eine Webcam hat quadratische Pixel, eine S-Videokamera dagegen rechteckige. Ohne nachträgliche Skalierung auf quadratische Pixel hast bei Videokameras immer längliche statt runde Planeten nach der Bearbeitung.

Falls Du schon eine Watec, Mintron, ein Videomodul oder eine andere Videokamera hast, kannst das ja mal ausprobieren. :)

Du kannst auch einen normalen (Urlaubs-)Camcorder ausprobieren. Der ist nicht ganz so empfindlich wie eine Webcam und normalertweise kann man da auch die fest verbaute Optik nicht abschrauben. Den müßtest Du entweder über Adapterringe an ein Okular anschrauben oder mit einer Digiklemme befestigen.

Für Sonne und Mond (einzelne Flecken bzw. Kraterlandschaften) ist die Helligkeitsempfindlichkeit eines Camcorders definitiv ausreichend. Da ist der Efekt mit den länglichen Pixeln nicht auffällig, bei den runden Planeten fällt er dagegen deutlich auf.

Ausrüstung bisher:
- Celestron C6 mit 8*50 Finder(Sucher)
- Skywatcher EQ5 auf Vixen Hartholzstativ, bisher noch ohne Motorisierung

Wenn Du von Hand mit biegsamen Wellen nachführst, wird es knifflig, einen Planeten im Gesichtsfeld der Webcam zu halten, um scharfzustellen. Bei der Aufnahme darf er ruhig ein bissy über den Chip wandern, er sollte blos nicht rauslaufen...

Planetenfotografie macht aber erst mit motorisierter Nachführung Spaß.

Solange Du noch keine motorisierte Nachführung hast, würde ich erstmal den Mond aufnehmen. Da kannst in Ruhe scharf stellen, während der Mond durchs Gesichtsfeld der Webcam läuft. Hast dann den Schärfepunkt gefunden, drehst an den Wellen und suchst Dir ein schönes Motiv. Das versuchst dann möglichst gut im Gesichtsfeld zu halten...



 
Hallo Johann,

danke für den Tipp mit der Goto Steuerung, werde ich mir sobald es soweit ist genauer anschauen.

Viele Grüße
Ralf
 
Hallo Fee,

danke für Deine Erklärungen, die Rechnung mit den Einzelbildern ist sehr aufschlußreich.
Sobald ich mit der Motorisierung soweit bin werde ich es trotzdem mal mit der S-Videokamera am Hyperion ausprobieren. Da die eh vorhanden ist verbrenn ich wenigstens kein Geld.

Falls das nicht klappt: welche Webcam ist denn empfehlenswert?

Viele Grüße
Ralf
 
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