Was verbirgt sich hinter Jenoptik?

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vivendi

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Hallo, zusammen.

Ich habe über die Suchfunktion zwar schon einige Teilinfos erhalten, frage aber dennoch:

Weiß jemand von euch, was hinter der Firmenbezeichnung "Jenoptik" steckt?

Soll ja wohl implizieren, das es sich um Carl Zeiss handelt.

Danke für eure Antworten und viele Grüße, Ernst.
 
> Soll ja wohl implizieren, das es sich um Carl Zeiss handelt.

Hallo Ernst,

das wohl eher nicht. Schaust Du unter jenoptik.com, da findest Du ein paar Infos zum Unternehmen. Den Lothar Späth kennst Du aber? Er hat aus Teilen des Jenaer Zeiss Werkes Jenoptik aufgebaut. Die Produktbereiche haben heute allerdings nicht mehr viel mit dem gemein, was Sterngucker im allgemeinen mit dem Namen Zeiss Jena verbinden. Es gibt noch Digitalkameras und ein paar Ferngläser im Programm. Aber ob die noch in Jena gebaut werden?

So richtig sehe ich auch heute noch nicht durch. Nach der Wiedervereinigung wurden doch Teile vom ehemaligen Kombinat Carl Zeiss Jena durch Zeiss West übernommen. Eine Zeit lang gab es in Jena noch die Carl Zeiss Jena GmbH, welche u.a. die tollen Amateurteleskope gebaut hat, aber damals wohl schon zur Zeiss Gruppe gehörte. Da Zeiss West ein modernes Fertigungsprogramm in den Bereichen Fernoptik und Mikroskopie hatte, wurden diese Bereiche von Zeiss Ost nach meinem Kenntnisstand nicht in Zeiss (Ost+West) integriert. Um die Weiterführung der Produktion von Ferngläsern, Spektiven und Zielfernrohren hat sich Docter-Optik Wetzlar bemüht und Teile des Sortiments gibt es noch heute bei Docter in Eisfeld. Die Mikroskopie auf aktuellem Stand findet man z.T. bei Askania in Rathenow (was ganz früher die Rathenower Optischen Werke - ROW - waren). Heute ist Askania eine sehr gute Adresse für Mikroskopiker. Es gibt sicher noch mehr kleine und mittlere Firmen in und um Jena, die sich nach der Vereinigung von Zeiss Ost und Zeiss West neu am Markt etabliert haben. Neben Zeiss ist ja auch Jena seit vielen Jahrzehnten ein Begriff in der Feinmechanik/Optik und damit kann man bestimmt was anfangen. Lothar Späth ist es wohl zu verdanken, daß wenigstens ein Teil der Arbeitsplätze am Standort der früheren Zeiss Werke erhalten blieb. Er hat mit Teilen der alten Belegschaft die Jenoptik AG gegründet, aber mit Zeiss hat das wohl nix mehr zu tun ...

Frank.
 
Danke Frank.

Ein wenig muss ich den "Ossis" Abbitte leisten. In der Tat stellte sich um 1990 alles so dar, als ob alles in der DDR Sch... gewesen wäre. Wenn ich mir allerdings (um es nur mal auf unser Hobby zu beschränken) die qualitativ hochwertigen Produkte von Zeiss Jena anschaue, deren heutige Beliebtheit und die damit verbundenen Preise (die ja auch bezahlt werden), und dann Revue passieren lasse, wie damals alles schlecht geredet, verramscht und verteilt worden ist, bekomme ich Trauerfalten auf der Stirn.

Die hohen Fertigungskosten können kein Argument dafür sein, das solche Ferngläser oder das Telementor nicht mehr gebaut werden. Die Dinger werden ja noch heute hochpreisig gehandelt. Hier ist einfach etwas "platt gemacht" worden. Die Hintergründe entziehen sich meiner Kenntnis und auch meiner Phantasie.

Viele Grüße und cs, Ernst.
 
Hallo,

Jenoptik war die Bezeichnung von Carl Zeiss Jena in der DDR kurz vor der Wende. Kurz danach wurde aus Jenoptik eine eigenständige Firma aus der viele Bereiche, auch die Fernglasproduktion ausgeglieder wurde (die dann Docter hieß).
Ich habe ein Fernglas mit der Bezeichnung "aus Jena", die Anleitung zeigt als Firmennamen Jenoptik DDR.
Die gleiche Anleitung und das gleiche Gals habe ich auch mit der Carl Zeiss Jena Bezeichnung. Die älteren Docter Gläser haben dann ebenfalls die gleiche Aufmachung.

Ich mail Dir hierzu Fotos!

Die seit vielen Jahren angebotenen Jenoptikgläser haben aber nichts mit den Jenoptik Gläsern aus der DDR zu tun und sind preiswert ausgeführte Massenware!

Gruß

Robert
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Danke auch dir, Robert.
Habe deine email erhalten. Meine Frage ist damit beantwortet. Vielen Dank nochmal, euch beiden.

cs, Ernst.
 
Hallo Ernst,

wenn Du mit Sch... schön meinst, dann mußt Du keine Abbitte leisten. Es war tatsächlich alles wunderschön <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ...

Warum man die Amateursparte platt gemacht hat, das wird wohl mit dem Geld zu tun haben, was man nicht verdient hat. Zumindest würde ich das vermuten. Die Preise für gebrauchtes CZJ Equipment sind heutzutage z.T. reine Sammlerpreise. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Zeiss mit einem Wiedereinstieg in die Astroszene und solchen Preisen auf den grünen Zweig kommen würde. Heute muß es billig sein und die findigen Astrohändler haben das erkannt. Daher bekommt man immer wieder hervorragende Optik mit besonders gutem Preis-Leistungsverhältnis aus China zu kaufen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />.

Bei den Gebrauchtpreisen für CZJ Ferngläser sieht es etwas anders aus. Die tauchen häufig genug auf ebay oder auf Optikbörsen auf, so daß man ein solches Glas meist für vernünftige Preise kaufen kann (mal abgesehen von den zwei seltenen Nobilem's). Die bei weitem nicht so häufig vertretenen Astroartikel gehen halt für Liebhaberpreise weg. Rechne mal zusammen, was Du heute für einen Telementor und einen Satz Abbe Okulare zahlen würdest. Ein gut erhaltener Telementor mit T-Montierung und Holzstativ ist vielleicht für 750 Euro zu haben. Abbe Okulare bekommst Du hin und wieder für 695 Euro das Stück bei Markus Ludes. Nehmen wir 5 Okulare für ein Set und Du bist mit runden 4200 Euro rundum glücklich <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Etwas Rabatt sollte natürlich drin sein. Na wenn das nix ist!

Übrigens ist ja Carl Zeiss Jena noch heute lebendig. Erstklassige Porro-Ferngläser werden auch heute noch gebaut und wunderschöne Mikroskope ebenfalls. Es steht halt nicht Zeiss drauf, Docter oder Askania tut es genauso <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
Hallo Frank,

>Ich kann mir nicht vorstellen, daß Zeiss mit einem Wiedereinstieg in die Astroszene und solchen Preisen auf den grünen Zweig kommen würde.<

Ich schon. Noch sind das know how und die Maschinen dort. Und eine kleine aber feine Serie von Objektiven tut's doch auch. Wenn das vernünftig vermarktet wird, sollten Wartezeiten wie bei Astrophysics kein Problem sein. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> Mit den Wartezeiten kommen die noch höheren Preise von ganz allein. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
 
Hallo Frank,

ich bin der festen Überzeugung, das sich Zeiss, wenn sie es denn wollten, einen guten Stand in Astroszene schaffen könnten. Nicht jeder greift auf Chinaware zurück.

Berücksichtigt man, das hochpreisige Okulare und Scopes recht rege gehandelt werden, hätte Zeiss mit Sicherheit die Chance, sich seinen Platz auf dem Markt schaffen.

Ich bin recht häufig in verschiedenen Staaten der USA und staune immer wieder, wie dort Gerätschaften, auf denen "Zeiss" steht, regelrecht verherrlicht werden.

Ich glaube auch nicht, das rein betriebswirtschaftliche Gründe dem entgegenstehen. Ich könnte mir eher vorstellen, das dies (s. Zeiss-West/-Ost Streitereien in der Vergangenheit) aus anderen Gründen nicht geschieht.

Bedeckter Himmel im nördlichen Ruhrgebiet, trotzdem heitere Grüße, Ernst.
 
Hallo Jochen,

die Idee mit den Wartezeiten ist natürlich klasse! Über die Länge der Warteliste kann man auch ein Produkt definieren <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Bist Du Dir sicher, daß die Mitarbeiter der alten (Amateur-) Astroabteilung noch dort sind? Ich dachte immer, die hätten nach 1995 das weite gesucht. Bei Zeiss auf der Website kann man übrigens lesen, daß auch das Geschäftsfeld der richtigen Teleskope (die großen) dicht gemacht wird. Dann wird man die Astroabteilung wohl bald nur noch im Zeiss Archiv finden <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />.

Aber immerhin findet man auf derselben Website einen Hinweis für Amateurastronomen mit einem Link auf astronomie.de! Also schreib mal, was Du gern hättest. Vielleicht liest ja einer mit <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Frank,

also ich hätte gern einen 130er APQ. Der ist noch handlich. Mal sehen, vielleicht kommt jetzt Post von Zeiss. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
 
Hallo Ernst,

die objektive Aufarbeitung dessen, was damals geschehen ist steht sicherlich noch aus - vor allem deswegen, weil der geschichtliche Abstand noch fehlt. Die geschilderte "Meinung" oder besser Stimmung war sicherlich auch vorhanden, aber wohl mehr an den Stammtischen, in der Bild-Zeitung und in der Politik, als in der Wirtschaft. Große Industrieunternehmen entscheiden ohne auf Stimmungen oder Traditionen Rücksicht zu nehmen. Der Markt und die eigenen Fähigkeiten spielen hier die einzige Rolle. Trägt man dem nicht Rechnung begeht man Selbstmord. Der Weg der westdeutschen Optikhersteller ist gepflastert mit Negativbeispielen. Dass Zeiss dies sehr wohl macht zeigen aktuelle Beispiele: einmal die angekündigte völlige Abkehr vom optischen Astronomie-Sektor (betrifft nicht nur die bereits eingestellte Produktion von Amateurteleskopen) und als zweites Beispiel sei hier (positiv) die Fernoptik genannt. Auf diesem Sektor ist man noch rechtzeitig von einem gnädigen Schicksal erwischt worden, weil die Birdwatcher-Bewegung einen großen Markt eröffnete, der vorher garnicht vorhanden war. Gott sei Dank ist das passiert, sonst gäbe es vielleicht bald keine hochwertigen Ferngläser und Spektive mehr von Zeiss. Zeiss hat reagiert und fördert diesen Markt ganz massiv. Man darf davon ausgehen, dass Zeiss diese Sparte im Moment unter (fast) allen Umständen halten will, obwohl die Geschäfte bei Operationstechnik oder Halbleiterherstellung u.a. viel angenehmer, einfacher und lukrativer sind. Hier bringen Einzelaufträge Millionengewinne - dafür müßte man zehntausende Ferngläser und Spektive an den Mann bringen.

Zurück zur Wende:

Auch wenn längst nicht alle Fakten öffentlich bekannt sind, so gibt es doch einige seriöse Eckpunkte. Zeiss West war damals in der schlimmsten wirtschaftlichen Krise seiner Geschichte, denn der größte garantierte Einzelposten des Gesamtgeschäftes - der Militärtechnik/optik-Sektor - war tot. Einmal, weil andere Aufklärungstechnologien aktuell waren, aber zum anderen wegen der Konversion. Der östliche Block war in Auflösung, alle Welt glaubte, der Friede sei ausgebrochen und es gab schon seit Jahren keine neuen öffentlichen Aufträge mehr, mit denen man früher immer fest rechnen konnte. Die durch öffentliche Aufträge subventionierte Forschung bei Militäroptiken ersparte einem auf dem zivilen Sektor (Foto-Objektive, Ferngläser usw.) viel Geld.

Auf der "anderen Seite" das Kombinat Carl Zeiss Jena.

Man fühlte sich mit diesem Planwirtschaftsunternehmen vor allem bei der Carl Zeiss Stiftung traditionell verbunden und hatte sicherlich den Traum von einer irgendwie gearteten Fusion oder Übernahme.

Auf dem hier interessierenden Optiksektor hatte man sich mit Jena vordergründig wegen des Logos, aber eigentlich wohl wegen der aus Devisennot entstandenen Preispolitik jahrzehntelang beharkt. Das war aber jetzt Schnee von gestern.

Für die Übergabe der Verantwortung an das Konsortium von Hella, Bosch und Rodenstock und das Nicht-Engagement von Zeiss war aber wohl folgendes ausschlaggebend:

1. Zeiss Jena hatte keinen eigenen Markt mit der ökonomisch notwendigen Größe und Struktur, denn hier lief ja alles über öffentliche Aufträge und Genehmigungen. Die gab es nicht mehr und es waren auch keine in Aussicht.
2. Zeiss West hätte den eigenen Markt mehr als vervierfachen müssen, um die Jenaer Mitarbeiterlöhne, die ja schnell steigen würden, überhaupt bezahlen zu können. Die Mitarbeiterzahl überstieg bekanntermassen in allen Kombinaten und auch in anderen Bereichen wie Post und Bahn ein Mehrfaches dessen, was unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten machbar war und zu Westpreisen bezahlt werden mußte.
3. Zeiss West hatte garnicht, selbst für eine bescheidenere Expansion, die Mittel, die notwendig gewesen wären.

Es kommen vermutlich noch ein paar andere Gründe dazu, die letztlich für Carl Zeiss Jena zu dem bekannten Desaster führten. Vielleicht erfahren wir mehr, wenn Frank Schäfer sein neues Buch gelesen hat. Ich bin gespannt.

Begehrtheit der Produkte:

Die Qualität der optischen Geräte aus Jena wird niemand bestreiten. Nur haben diese inzwischen, natürlich auch weil sie nicht mehr gebaut werden, einen Kultstatus vergleichbar mit noch älteren Geräten von Beck, Hertel&Reuss, Schütz usw. Nicht zu vergessen sind es eben Raritäten und rein sachlich betrachtet auch technische und ökonomische Antiquitäten, ob einem das nun gefällt oder nicht. Diejenigen, die so etwas heute kaufen, sind in der Regel Liebhaber und Freaks, die eine nur kleine Marktnische bilden.
Ein Unternehmen könnte damit aktuell sicher nicht mehr sein Brot verdienen. Das beste Indiz ist die Fernoptik-Sparte von Docter in Eisleben. Ich behaupte, dass es die nur noch deshalb gibt, weil man sie durch die anderen Sparten (z.B. blankgepresste Asphären für Autoscheinwerfer) mitschleppt - wobei ich hoffe, dass dies noch lange funktioniert.
Viel Reklame macht man z.B. bei Ferngläsern nicht, die Präsenz im Handel und im Markt ist verschwindend gering und viele (ich glaube die meisten) sind oder basieren auf Zeiss Jena Gläsern.
Eine Ausnahme stellen die Zielfernrohre dar, mit denen man relativ gute Geschäfte macht. Aber natürlich ist dies ein sehr begrenzter Markt, der sich nicht beliebig ausdehnen läßt.

Gruß
Walter
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Walter,

Du verfügst über sehr fundierte Kenntnisse, wie mir scheint. Hast du mit der Branche zu tun, oder sind diese Kenntnisse angelesen?

Wie man sieht, kommt man, wie im Falle CZJ, mit Spekulationen von aussen nicht weiter. Die Dinge sind oft viel tiefgreifender und komplizierter, als es sich für Aussenstehende darstellt.

Ich bin dir sehr dankbar für deine ausführlichen Erläuterungen und für die Mühe, die du dir damit gemacht hast.

Viele Grüße, Ernst.
 
Hallo Walter,

Du hast vollkommen recht: mit Urteilen von außen sollte man sehr vorsichtig sein. Wenn man nicht gerade irgendwo in der Chefetage der beiden Unternehmen gewohnt hat oder einen kennt, der dort gewohnt hat <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />, dann fehlt einfach der nötige Einblick, um sich eine fundierte Meinung zu bilden. Das ändert aber nichts daran, daß die Geschichte beider Firmen echt spannend ist!

Frank.
 
Hallo vivendi !

Ich hatte einmal ein Telefongespräch mit einem Marketier bei Jenoptik - habe ein JB32 oder wie das Ding heißt per eBay erworben und mich über die schlechte Qualität dieses Plastikfernglases mokiert. Nachdem die Dinger im Entfernten aussehen, wie die guten alten Notarmems hat sich herausgestellt, dass Jenoptik fast ausschliesslich Handel mit Fernostware betreibt (was zumindest Konsumentenprodukte betrifft). So gesehen darf man sich nicht allzuviel erwarten.
Leider.

CS
Hans
 
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