Hi unbekannter,
Du kannst mit so einem Teleskop schon mehr sehen, aber bevor Du da an Filter denkst, solltest Du ein paar andere Dinge abklopfen (die ggf. sogar weniger kosten).
Filter sind bei der Planetenbeobachtung ein probates Mittel, aber man braucht Beobachtungserfahrung, um sie wirklich sinnvoll einzusetzen und man muss dafür auch den Verlust der durchaus schönen, natürlichebn Farbe der Planeten hinnehmen. Jupiter in Giftgrün oder Babyblau, das akzeptiert sich eben dann, wenn man den Gesamteindruck ohne Filter kennt und bestimmte Details vertieft beobachten will. Wenn man insgesamt quasi "nichts sieht", ist das wohl der Falsche Weg.
Daher möchte ich mal Dinge abklopfen, die vielleicht einem Beobachtungserfolg ohne Filter im Wege stehen.
1. Justage
Du hast einen Newton mit f/5. Wenn die Optik gut ist, kann sie Ihre Leistung nur mit guter Justage zeigen. Einen f/5 Newton mit Chesire-Okular sauber zu justieren ist schon nicht ganz einfach und an 4 Abenden nicht unbedingt gelernt. Mit einem Justierlaser und der Barlowed-Laser-Methode geht es leichter, setzt aber eine einigermaßen stimmige Grundjustage voraus und eine an der richtigen Stelle sitzende Mittenmarkierung auf dem Hauptspiegel.
2. Okulare
Ein f/5 Teleskop stellt manche Okulare vor Probleme und um ein f/5 Teleskop (bei guter Justage) an seine optimalen Planetenvergrößerungen heranzuführen, braucht man auch schon etwas ungewöhnliche Okularbrennweiten. Der Bereich zwischen 5mm und 3,5mm ist am interessantesten. Wenn Du Okulare wie Orthos, Plössls, Kellner oder RKE einsetzt, kann es am besten sein, sie nicht als z.B. 4mm zu kaufen, sondern sie mit einer Barlow einzusetzen. Ein 12mm Okular mit einer 3x Barlow hat einen angenehmeren Augenabstand und durch die Barlow "sieht" das Okular ein unkritisches f/15-Teleskop statt einem für das Okular gemeinen f/5. Justieren muss man trotzdem sauber! Siehe oben.
3. Blendung
Gerade Jupiter ist sehr hell, ähnlich hell wie der Mond. Das Empfinden der Blendung ist nur geringer, weil er im Bild nicht so groß erscheint, bzw. wenn er groß erscheint ist er stark vergrößert und das Bild dadurch abgedunkelt.
Viele Sternfreunde sind durch Jupiter schlicht geblendet und man kann so Details nicht gut sehen, weil sie im Pastell in Pastell einfach überstrahlt werden. Wenn Öffnung[mm] geteilt durch Vergrößerung etwa 0,7mm ergibt (das nennt man 0,7mm Austrittspupille=AP) hat Jupiter erst eine angenehme Helligkeit. Für die meisten, ist immer individuell. Manchmal kann man seine Umgebung beleuchten (wenn man niemanden damit stört) um das Blendempfinden zu reduzieren. Jedenfalls wird's problematisch, wenn das Seeing einfach nicht diese hohe Vergrößerung zulässt, das Bild also unscharf wabert und auch keine scharfen Momente hat. Dann muss man die Vergrößerung zurücknehmen und das Bild wird heller. Hier hilft nur ein Graufilter bzw. der Erfolg mancher Farbfilter dürfte in einer leichten Helligkeitsdämpfung genauso begründet sein, wie in der Wirkung der Farbe. Beim Baader Skyglow ist das wohl so. Viele Sternfreunde nutzen übrigens einen variablen Polfilter, um die Helligkeit in einem gewissen Bereich einzustellen, ich will aber nicht sagen, dass man so ein Ding grundsätzlich haben muss.
4. Seeing
Es ist schon angeklungen, wie weit man maximal Vergrößern kann hängt auch davon ab, ob die Luftunruhe das zulässt. Luftunruhe findet aber auch im Teleskop statt. Es muss ausgekühlt sein. Ein 6" Newton sollte 20 Minuten bekommen, bevor man "ernsthaft" hoch vergrößert und 30 Minuten bis 45 Minuten wird's bis zu einer guten Temperaturanpassung mindestens dauern. Fällt die Nachttemperatur schnell, läuft das Teleskop ihr entsprechend länger hinterher. So lange (und selbst wenn es um Zehntelgrade Unterschied geht) steigen Warmluftschlieren vom Hauptspiegel auf und durchwandern den Tubus. Du kannst sie sehen. Jupiter unscharf zu einem riesen Flatschen stellen und Du siehst den Querschnitt des Strahlengangs mit Fangspiegel, Halterung, ggf. Halterklemmen und... Deiner Hand vor der Teleskopöffnung z.B. oder eben der Luftschlieren vor dem Spiegel. Unbedingt mal probieren!
Was dagegen tun? Viele Sternfreunde basteln sich eine Tubusbelüftung mit einem vibrationsarmen Lüfter aus dem PC-Bereich. Es gibt etliche Anleitungen, der Beitrag ist schon lang genug.
5. Übung.
Man muss das auch lernen, etwas zu sehen. Konzentration, Gewöhnung mit dem Auge am Okular, Bedienung des ganzen ohne die Konzentration zu verlieren. Und dann eben die Fähigkeit, in einem Moment guter Luftruhe, mag es nur eine Viertelsekunde sein, viel Bildinformation aufzunehmen und zu behalten und auch sie mit dem nächsten ruhigen Moment vielleicht in 10 Sekunden oder später abzugleichen.
Tja, und wenn das alles mal so eine ganze Weile klappt, dann kannst Du die Wirkung eines Farbfilter erst richtig schätzen.
Clear Skies
Sven