Sky Commander und "Computer Aided Observing"
Hallo Andreas!
Ein Sky Commander ist ein Gerät der Sorte "Digitale Teilkreise". Dessen Grundfunktion ist es, dir äquatoriale Koordinaten anzuzeigen, nachdem du zwei Referenzsterne angepeilt und quittiert hast. Die Stellung des Teleskops wird in den beiden Achsen jeweils von einem Encoder (=elektrischer Winkelmesser) gemessen. Da man den Montierungstyp (deutsch, Gabel, Dobson) einstellen kann, ist das Gerät recht universell verwendbar.
Der Sky Commander hat intern Objektdaten gespeichert und im Aufsuch-Modus kann man sich die Ablage (relative Koordinaten) zu einem ausgewählten Zielobjekt anzeigen lassen. Statt Schrittmotoren für sich arbeiten zu lassen schiebt man selber, bis beide Ablagewinkel auf Null kommen. Es gibt auch eine Möglichkeit, selber 58 Objekte einzugeben oder hochzuladen. Die Unterschiede zu anderen Geräten der Familie "Digital-Teilkreise" sind also gering, für den Sky Commander spricht aber ganz klar der wesentlich günstigere Preis. Viele Dobsonauten sind von dem Ding begeistert und ich hoffe das bald selber nachvollziehen zu können.
Der SC hat eine serielle Schnittstelle, die es Programmen erlaubt, die aktuelle Teleskopposition abzufragen. Damit fährt dann eine Markierung auf der Karte mit die zeigt, wo man gerade hinschaut. Leider gibt es noch keinen ASCOM-kompatiblen Treiber für den Sky Commander, so dass von den bekannten Programmen nur GUIDE und Skymap Pro den SC abfragen. Vielleicht schreibe ich aber mal einen ASCOM-Treiber für den SC, mal sehen, ob sich die Funktionen des Sky Commander sinnvollerweise auf die ASSCOM-Spezifikation abbilden lassen.
Ob das Kabel zwischen SC und Notebook nicht zur Stolperfalle und damit zum Ärgernis wird, sehe ich aber noch recht skeptisch. Philipp Keller sagte mir auf Nachfrage, dass mit einem *abgeschirmten* Kabel bis zu 15m Länge zu packen wären. Ich wollte nur vom Dobson bis zum Kofferraum kommen, wo das Notebook steht. Mal sehen, ob die Vorteile überwiegen.
Nun will ich nicht allzu viel Werbung für E&T machen, aber die konsequente Verbindung der ganzen Maschinerie wäre dann, in dieser Planungssoftware die Koordinaten des Zielobjekts über RS232 zum Sky Commander zu schieben und das Objekt einfach einzustellen. Alternativ könnte man die Objekte eines damit erstellten Beobachtungsplanes aber auch in den Sky Commander hochladen und nur mit diesem zum Spechteln rausfahren. Mir fallen noch viele Sachen ein, die eine Software mit Kenntnis der aktuellen Teleskopposition so veranstalten könnte, aber da stehen Sinnfragen (wozu? was bringt's wirklich?) erst einmal im Vordergrund.
Es gibt viele Möglichkeiten - als Protagonist der rechnergestützten Beobachtungsplanung will ich einfach mal selbst ausloten, was und wie es geht, wo Probleme und Nachteile liegen und wo sich echter Nutzen einstellt. Der Grundgedanke ist einfach: wenn der Rechner bei Routineaufgaben helfen kann, warum soll er das dann nicht machen? Automation, Fortschrittsglaube und Technik um jeden Preis ist Unsinn und jeder entscheidet selber, wie weit er/sie gehen will. Im Vergleich zu den "abbildenden Zünften" (CCD, Planeten- und Meteorbeobachtung mit Video u.s.w.) ist der Einsatz von Computern zu Zwecken der visuellen Beobachtungsplanung und -unterstützung aber meiner Meinung nach wirklich sinnvoll ausbaufähig. Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit diesem Thema und stelle fest, dass ein großes Nutzenpotential existiert, das eines ganz direkt fördert: den Spaß am Beobachten! Wenn man undogmatisch herangeht und nicht fragt, ob "echte Beobachter alles per Hand einstellen müssen" oder am Fernrohr überhaupt Kabel sein dürfen, sondern nach dem Nutzenaspekt herangeht, dann gibt es da schöne Möglichkeiten, aus Spechtelnächten mehr reine Beobachtungszeit rauszuholen. Und wenn die nicht ganz genutzt wird, weil man einfach nur träumend nach oben schaut (statt durchs Okular oder auf einen Bildschirm), dann ist das doch auch wunderbar. Manchmal fahre ich nur mit dem Edmund Astroscan und dem Okularkoffer raus und schwenke im wahrsten Wortsinn auch mal planlos durch die Milchstraßenwolken. Unplugged sozusagen. Ein anderes Mal habe ich Bock auf richtige 'Challenges' und lote die Grenzen von Teleskop und Wahrnehmung aus - mit der vollen Breitseite der Atlanten, Karten und Daten. Und Planeten gucken oder videografieren macht halt auch Spaß. Ist doch prima, wie vielseitig unser Hobby ist!
Jetzt sind es zwar mehr als zwei Sätze geworden, aber vielleicht kann diese Darstellung ein paar Anregungen geben - ganz undogmatisch <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Clear skies,
Tom