Hallo Matthias, hallo Threaderöffner, hallo allerseits,
einige Anmerkungen/Ergänzungen/Differenzierungen/Erweiterungen:
1. Bei Einsteigerteleskopen ist "Qualität" genauso wichtig wie für "Aufsteigerteleskope" oder "Dauerlösungen". Ohne für freudvolle Beobachtungen angepasst durchdachtes optisches Design, sachgerechte Ausführung und gesamtkonzeptionelle Abstimmung und Passung sind Zufriedenheitsabstriche vorprogrammiert. Gerade der Einsteiger sollte sich an seinem Erstgerät nachhaltig erfreuen können, sonst ist häufig allzubald Finis mit dem neuen Hobby.
2. Nach beraterischer Klärung von (örtlichen/Transport-/Transportabilitäts/Okularpreislage-) Bedingungen und Einsatzgebiet(en) ergibt sich für die meisten Durchschnittseinsteiger die Forderung nach einem Allrounder. Nicht allzuviele Teleskope aus dem großen Angebot des Markts erfüllen diese Bedingung. Für Spezialanwendungen werden Abstriche zu erwarten sein, diese können durch geeignete Wahl allerdings meist gut minimiert werden.
3. "Marken" zu empfehlen ist sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, da die "Empfehlungskriterien" stark subjektiv sind. Es gibt optische Designs, die prinzipiell (optiktheoretisch, mechanisch...) nicht unbedingt für Einsteiger zu empfehlen sind. Was, wenn dieselbe Marke (Label) auch andere, empfehlenswerte Optiken herstellt? Was, wenn eine andere Marke (Label) viele "suboptimale Allrounder"-Designs anbietet, aber auch Empfehlenswertes? Zudem kommt noch Serienstreuung und Preis/Leistung...
4. Spiegelteleskope (Newtons) haben heute ein sehr gutes Preis-Öffnungs-Verhältnis. Wenn das Restdesign (Mechanik, Spiegelgüte etc.) stimmt, sind es sehr leistungsfähige Geräte. Die Aussage, öffnungsbezogen haben Refraktoren einen besseren Kontrast als Newtons ist bedingt auch richtig. Wenn man allerdings den Preis als wesentlichen Parameter berücksichtigt, erhält man beim Newton derart viel mehr Öffnung und damit Auflösung, daß der relative Kontrastnachteil mehr als ausgeglichen wird. (Der Kontrast maßgeblicher Ortsfrequenzen verschiebt sich für die MTF durch die größere Öffnung, daß preisvergleichbare Refraktoren da gar nicht hinkommen.) Um volle Leistung zu bringen, müssen am Newton einige Aspekte beachtet werden (Justage, Auskühlung, Ventilation, Isolation evtl. Tiefschwärzung und himmelseitige Tubusverlängerung), dies ist jedoch mit relativ bescheidenem Bastelaufwand machbar. Am Refraktor ist derartiges Tuning im Prinzip kaum anwendbar. Visuelle Allroundrefraktoren sind ordentlich farbkorrigierte Designs und leider relativ kostspielig. Allroundnewtons beispielsweise als 8"-f/6 sind wesentlich niederpreisiger und vielfach bewährt.
5. Okularberatung sollte m. E. mehr oder weniger erst dann einsetzen, wenn ein Teleskop bereits festgelegt ist. Zu viele Variablen sind sonst unbekannt. Da visuelle Allrounder nicht allzuschnell vom Öffnungsverhältnis her sind (ca. f/6...f/8 [+/-]), brauchen aufwendige und kostspielige Okulardesigns nicht dringend angeraten zu werden. (Auch im unteren bis mittleren Preissegment ist eine nachhaltig freudvolle Okularbestückung möglich.)
6. Sehr wichtig finde ich persönlich noch, Einsteiger auf die Besonderheiten von 2"-Okular-Auszügen hinzuweisen, und die sich damit ergebenden Möglichkeiten. Gleiches gilt für eine ordentliche Montierung, was sowohl Rockerbox für Dobsons oder auch Stativ(länge! Refraktoren im Zenit) und Montierungskopf angeht (Stabilitätsanforderung kaum hoch genug einzuschätzen und daher wegen Budgetgrenze auch wesentlicher Gesamtsystemlimitierer).
Klare Himmel mit Top-Bedingungen wünscht allen
Matthias.