Hallo,
danke für den Glückwunsch! Mittlerweile habe ich einige Erfahrungen mit dem Glas bei Tag, in der Dämmerung und am dunklen Nachthimmel machen können:
Auch am Tag ist es eine reine Freude, durch dieses schöne aber schwere Teil zu schauen. Schärfe, Kontrast und Farbsättigung sind in der Bildmitte ganz hervorragend. Die Plastizität und das dreidimensionale Sehen sind atemberaubend, fast schon unwirklich, und bereiten viel Spaß. Die Einzelokulareinstellung ist überraschenderweise kein Nachteil, die Schärfentiefe reicht für mich vollkommen aus! Endlich ein Glas, an dem ich nicht ständig herumstellen muss. Etwas störend ist der am Tage recht deutlich zu sehende Schärfeabfall und Farbfehler am Rand, sowie die leichte Neigung zu Lichtreflexen von weit außerhalb des Gesichtsfeldes.
Die Vergütung schimmert intensivst dunkelblau bis ein wenig violett. Das Navigator / Navidoc verfügt ja über eine UV-sperrende Spezialvergütung. Ein negativer Effekt in Form einer Farbverfälschung ins Gelbliche wäre zu erwarten gewesen, ist mir aber nicht aufgefallen. Ich empfinde das Farbverhalten vielmehr als sehr neutral und mit einer sehr starken Sättigung. Russische Ferngläser sind da viel gelblicher, auch ein uraltes Swarovski Habicht 7x42 hatte eine viel stärkere Gelbfärbung als dieses Glas.
In der Dämmerung beginnt naturgemäß die Domäne eines solchen Lichtriesen. Wo das bloße Auge nur noch verwaschene Konturen sieht, löst das Docter noch auf. Leider verhindern die weichen und angenehmen Teleskopaugenmuscheln einen störenden Lichteinfall von schräg hinten nicht immer zuverlässig.
Schließlich bin ich mit meiner Ausrüstung am 22.10. spätnachts in die Nähe von Blankenheim (Eifel) gefahren. Schließlich wollte ich wissen, was es am Himmel taugt! Ein dunkler Beobachtungsplatz mit Sicht bis zum Horizont war schnell gefunden. Keine störenden Lichtquellen, lediglich ein ganz leicht am Horizont in Richtung Köln aufgehellter Himmel. Auch ohne Instrument ein Traum für einen Großstadtbewohner wie mich: die Milchstraße ist hell zu sehen, der Himmel völlig klar! Der störende Mond war bereits untergegangen.
Als Anfänger bin ich natürlich erst mal auf die einfachsten Objekte los: Die Plejaden und der große Orionnebel. Im Docter springen die mich geradezu an. Allerdings ist mein geliebtes Tento 20x60 wohl die ideale Ergänzung zu dem Docter, denn es holt erst die wahre Pracht aus diesen Objekten heraus! Das war für mich die Überraschung des Abends: Docter und Tento im Team - das Docter zum Aufsuchen und das Tento zum nahen Betrachten.
Ein Vergleich zu einem Tento 7x50 brachte zu Tage, dass die optische Leistung zumindest in der Bildmitte am Himmel mit dem Docter fast gleichzieht. Das mickrige Sehfeld und die unmöglichen Augenmuscheln lassen mich das Tento 7x50 aber schnell wieder weglegen. Auch mein Revue/Tento 10x50 lässt keine wahre Freude und keinen echten Wahrnehmungsgewinn aufkommen. Auch hier stört vor allem das kleine Sehfeld und der unbequeme Einblick, obwohl die Schärfe auch hier voll in Ordnung ist.
Im Außeneinsatz zeigte sich einmal mehr, dass unschöne Dinge oft sehr praktisch sind, so ist es auch mit der scheußlichen Gummiarmierung des Docter. Der Beobachtungsplatz war nämlich ganz schön windig, und da fühlt sich das Metall des Tento sehr unangenehm kalt und die fiese klebrige Gummiarmierung des Docter herrlich warm und griffig dagegen an.
Obligatorisch folgte nun ein Spaziergang durch die Milchstraße, abwechselnd im Docter und dann im Tento 20x60. Um keine Genickstarre zu bekommen, habe ich das Tento vom Stativ abgeschraubt und verwende es freihand, mit dem Rücken auf einer Isomatte liegend. Das geht erstaunlich gut! Das Docter zeigt eine Unzahl Sterne, zufällig stolpere ich über M37, M36 und M38. Solche Objekte finden sich schnell und leicht dank des großen Gesichtsfelds im Docter. Aber richtig schön aufgelöst werden sie dann im Tento! Und das geht rücklings leicht überkopf doch wesentlich besser, als ich gedacht hätte!
Schließlich fahre ich die im Docter aufgefundenen Objekte auch mal mit meinem Galileo FS120/1000 auf Lidl Monti an: Scharf, aber enttäuschend! Zu wenig Helligkeit und Gesichtsfeld, und die Lidl-Monti wackelt im Wind. Vielleicht sollte ich mir zu Weihnachten einen 8" Dobson gönnen?
Zurück zum Docter Navigator/Navidoc 7x50: Ein tolles und praxistaugliches Glas! Ich denke, damit werde ich noch viel Freude haben und es wird mir bei der Aufsuche von Messier-Objekten sowie beim Spaziergang durch die Milchstraße noch viele gute Dienste leisten. Aber auch am Tage und in der Dämmerung werde ich es sicherlich öfter mal verwenden, auch wenn das hohe Volumen und Gewicht verhindert, es immer dabei zu haben.