Wie beobachtet ihr am liebsten Planeten?

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Andiweinberg

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Hallo,

ich wollte mal nachfragen, wie ihr so die Planeten beobachtet?
Ich halte mich mit meinem 8"SC überwiegend im Sonnensystem auf.

Schaut ihr da mit oder ohne Bino?

Ich bin am überlegen ob ich mir eins zulegen soll oder ob es das klassische einäugige Beobachten auch tut.

Viele grüße
Andi
 
Hallo Andy,
ich schon wieder.....
Mond, Planeten und Sonne nur mit Bino.
Da sollte es bei deinem SC keine Probleme mit dem Fokus geben, das ist beim Newton schon anders da brauchst du in der Regel einen GWK.

Gruß
Ralf
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Andi

Das ist auch Gewohnheit Sache, Ich beobachte schon immer Planeten, mit meinem Dob oder Refraktor, mit einem Auge,
es ist für mich einfach bequem mit dem Linken Auge zu beobachten, egal ob Deepsky oder Planeten.

Mit Gruß Manfred
 
Hallo Andi,

die einäugige Beobachtung ist die unkomplizierteste Methode mit den besten Ergebnissen.

Der Einsatz eines Binos am SC bzw. Refraktor birgt folgende Probleme:

- Das Objektiv (in deinem Fall der Spiegel) ist ja nicht für das Prisma berechnet worden - also gibt es Kontrastverluste/Unschärfen.

- Unvermeidlicher Lichtverlust, der durch das beidäugige Sehen nicht aufgefangen wird (die Lichtmenge halbiert sich pro Auge).

- Solltest du auf dem zweiten Auge Astigmatismus haben, musst du mit Brille beobachten.

- Nicht jeder kommt mit dem binokularem Sehen klar - also vorher testen.

- Wenn überhaupt binokular, dann unbedingt mit Dioptrien-Einstellung (keiner hat identische Augen).

- doppelte Okulare kosten doppeltes Geld.

Nach meiner Einschätzung macht das binokulare Sehen nur Sinn mit einem Doppelrefraktor bzw. Großfernglas (hier sind die Objektive auf die Prismen abgestimmt, und jedes Auge bekommt die volle Lichtmenge der Öffnung).

Gruß Sternenhundklaus

 
Hallo Andi,

meine detailiertesten Jupiterbeobachtungen hatte ich monokular, aber die mit dem Binokular waren ähnlich fesselnd. Winter, kalt, Sternwarte, 300-mm-Cassegrain, Jupiter im Baader-60°-Bino. Ergebnis: 30 Minuten lang nicht bewegt, nur beobachtet.

Eine Beobachtung von M 42 im 300-mm-Newton ist mir auch noch im Gedächtnis geblieben. Die Nacht war sehr dunkel, und mit dem Binoansatz wollte keiner den Platz vor den Okularen räumen.

Grüße

fquadrat
 
Hallo Klaus,

interessanter Standpunkt... Your mileage may vary, wie's so schön heißt. Ich habe die schönsten Marsbeobachtungen am 6"-f/15-Refraktor mit Bino gehabt, war am entspannendsten...

Zitat von Sternenhundklaus:
Hallo Andi,

die einäugige Beobachtung ist die unkomplizierteste Methode mit den besten Ergebnissen.

Der Einsatz eines Binos am SC bzw. Refraktor birgt folgende Probleme:

- Das Objektiv (in deinem Fall der Spiegel) ist ja nicht für das Prisma berechnet worden - also gibt es Kontrastverluste/Unschärfen.
Dafür gibt's dann Glaswegkorrektoren, wobei die f/10 vom SCT schon ziemlich unkritisch sind. Die GWKs vermeiden die Unschärfen, die die Prismen einbringen – ein Bino ist ja für den Einsatz am Teleskop ausgelegt, genau wie ein Okular auch, und muss mit dem typischen Strahlengang zurecht kommen. Das Teleskop muss nur ein sauberes Bild liefern; dass ein Bino nicht auf gut Glück Koma oder Bildfeldwölbung korrigiert, ist klar – das macht ein Okular aber auch nicht. Wie das Bild weitab der optischen Achse aussieht, ist für Planeten erstmal ziemlich egal. Drum sind Orthos ja so eine schöne Empfehlung für Planeten: In der Mitte knackscharf, und der Bildrand fehlt dank kleinem Gesichtsfeld eh.
Aber: Es kann im Bino Reflexionen geben, ja. Inwieweit die stören oder auffallen, muss jeder selbst entscheiden.
Es ist auch nicht jeder Refraktor für ein Zenitprisma ausgelegt, oder für eines in 2", oder für einen Zenitspiegel.
Zitat von Sternenhundklaus:
- Unvermeidlicher Lichtverlust, der durch das beidäugige Sehen nicht aufgefangen wird (die Lichtmenge halbiert sich pro Auge).
Ist beim Planet jetzt auch nicht so das Thema – bei Uranus und Neptun bringt das Bino jetzt nicht so den Vorteil, die anderen Planeten sind meiner Erfahrung nach hell genug. Da stört eher die Luftunruhe, bevor das Bild zu dunkel wird. Es gibt genug Leute, die bei größeren Teleskopen das Licht in der Kuppel gedimmt anlassen, damit Mond oder Planet nicht blenden... Und wir reden von einem 8"-SC, das hat schon ein wenig Öffnung:-)
Zitat von Sternenhundklaus:
- Solltest du auf dem zweiten Auge Astigmatismus haben, musst du mit Brille beobachten.
Keine Einwände.
Zitat von Sternenhundklaus:
- Nicht jeder kommt mit dem binokularem Sehen klar - also vorher testen.
Völlig d'accord. Trifft aber auch auf Doppelrefraktoren zu.
Zitat von Sternenhundklaus:
- Wenn überhaupt binokular, dann unbedingt mit Dioptrien-Einstellung (keiner hat identische Augen).
Stimmt. Die erreicht man aber auch schon, wenn man ein Okular nicht ganz in die Okularklemme steckt; eine Feineinstellung macht das nur komfortabler.
Zitat von Sternenhundklaus:
- doppelte Okulare kosten doppeltes Geld.

Nach meiner Einschätzung macht das binokulare Sehen nur Sinn mit einem Doppelrefraktor bzw. Großfernglas (hier sind die Objektive auf die Prismen abgestimmt, und jedes Auge bekommt die volle Lichtmenge der Öffnung).

Gruß Sternenhundklaus
Ein Doppelrefraktor kostet auch doppelt Okulare, plus doppelt Geld für Objektive, und bei gleicher Öffnung nochmal Aufpreis für die Montierung:-)

Ein Großfernglas ist eine feine Sache für Deep Sky, aber eines, das Planetentauglich ist, spielt in einer ganz anderen Preisklasse als die gängigen Modelle für Richfield/Deep Sky, in denen oft genug Achromate verarbeitet sind, oder die Justage eben nicht für > 300x langt. Und die üblichen Doppelrefraktoren/Großferngläser, die nicht wesentlich mehr als ein 8"-SC plus Bino + Okularsatz (den man am Großfernglas ja auch braucht) kosten, dürften kaum mehr als 10 cm Öffnung haben. Macht an Deep Sky richtig Spaß, aber am Planet? Da sollten es schon 15cm apochromatisch sein, um einigermapßen in den Bereich von 300x zu kommen, wo Planeten interessant werden (und die Luftunruhre nervt).

Meine Meinung: Bino am Planet jederzeit, und am SC mit einem schwachen Glaswegkorrektor, um Farbfehler zu eliminieren. Am schnellen Refraktor sowieso nur mit GWK.

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo Klaus,

hm, ich bin in so gut wie jedem Deiner Punkte anderer Ansicht:

Kontrastverluste/Unschärfen durch Prismen aufgrund des zusötzlichen Glaswegs (Dispersion, Asti) machen sie erst bei Öffnungsverhältnissen größer ca F/7 bemerkbar, sie spielen bei den kleineren Öffnungsverhältnissen von SCs mit ihren langen Brennweiten damit praktisch keine Rolle. Der Strahlenkegel verläuft hier so spitz und trifft dabei so steil auf die Planoptik, dass quasi keine zusätzlichen Aberrationen auftreten, wenn die Prismen einwandfrei gefertigt sind.

Der Lichtverlust von einer Blendenstufe (Faktor 2) pro Auge sieht auf dem Papier zunächst heftig aus, relativiert sich aber stark, wenn man daran denkt, dass das Auge je nach Betrachtung einen Dynamikumfang von bis zu 36 Blendenstufen hat (manche sagen sogar 50). Und nicht wenige machen die Erfahrung, dass die Vorteile des beidäugigen Sehens bei der Wahrnehmung den Verlust dieser einen Blendenstufe deutlich überkompensieren. Mir ist das jedenfalls bisher auch bei DeepSky-Beobachtungen im direkten Vergleich immer so gegangen. Der transmissive Lichtverlust durch den Strahlteiler und die zusätzliche Glasmasse im optischen Weg liegt unter 1% und ist vernachlässigbar.

Bei Planetenbeobachtung ist die AP so gut wie nie größer als 1mm, eher kleiner. Bezogen auf die dann sehr kleine durchleuchtete Fläche wirkt sich selbst ein mittlerer Astigmatismus der Hornhaut dann oft kaum noch signifikant bildverschlechternd aus - nur im seltenen Fall, dass jemand wirklich unter sehr starkem Astigmatismus leidet, sollte er bei Planetenbeobachtung die Korrekturbrille benötigen.

Heterotropie (Schielen) des Auges kommt häufiger vor. Bei alltäglichem Sehen mit 1x Vergrößerung spielt ein geringes latentes Schielen keine Rolle, sobald man mit der Vergrößerung höher geht wird es dann aber bemerkt. Mit zunehmendem Alter kann sich das noch verstärken, weil der muskuläre Regelkreis für die Augenstellung dann schlechter funktioniert. Daher haben manche möglicherweise Probleme mit dem Bino-Sehen, bzw. kommen erst nach einer Phase der Gewöhnung damit klar, in der die Augenmuskulatur lernt, sich beim Beobachten präziser als im Alltag zu "kollimieren".

Dioptrieneinstellung ist normalerweise heute Standard. Bei älteren Modellen ohne behilft man sich, wie Alex schon sagte, mit verschiedenem Klemmen der Okulare.

Der Faktor Geld / zwei Okulare ist ein Punkt. Aber auch das könnte sich relativieren, weil für ein optimal empfundenes Bino-Bild evt. schon gute, aber weniger teure Okulare reichen können. Zwei Augen in Kombination reagieren meist weniger empfindlich auf optische Fehler und bringen höhere Wahrnehmungsleistung auch schon mit weniger perfekten Okularen. (Davon kann man sich leicht überzeugen, wenn man monokular vergleicht gegen binokular mit einem Okular leicht unscharf gestellt: die Unschärfe wird vom Wahrnehmungssystem unterdrückt, der Zugewinn an Kontrast etc. durch das schwächere Teilbild aber sehr wohl bei der Bildverarbeitung genutzt).

Wieso beim binokularen Sehen nur ein Doppelrefraktor Sinn machen soll ist mir nicht klar. Ein flächenäquivalentes "Einrohr" (mit 1,41 x größerer Öffnung) plus Binoansatz ist leichter, besser zu montieren, hat keine Justageprobleme, und braucht für große Öffnungen auch kein kompliziertes und teures Umlenksystem, mit dem der Abstand der optischen Achsen verringert werden muß. Außerdem muß man zum Vergrößerungswechsel nicht zwingend weitere Okularpaare anschaffen wie beim Doppelrefraktor, weil stattdessen der kostengünstigere Einsatz verschiedener Glaswegkorrektoren vor dem Binoansatz optisch sogar Vorteile bietet. Desgleichen beim Einsatz von Filtern, die für einen Binoansatz nur einmal angeschafft werden müssen.

Mein Fazit: einen Binoansatz sollte jeder unbedingt mal ausprobieren - nicht nur für Objekte des Sonnensystems, sondern auch für DeepSky.

Gruß,
Mathias
 
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