Hallo Klaus,
interessanter Standpunkt... Your mileage may vary, wie's so schön heißt. Ich habe die schönsten Marsbeobachtungen am 6"-f/15-Refraktor mit Bino gehabt, war am entspannendsten...
Zitat von Sternenhundklaus:
Hallo Andi,
die einäugige Beobachtung ist die unkomplizierteste Methode mit den besten Ergebnissen.
Der Einsatz eines Binos am SC bzw. Refraktor birgt folgende Probleme:
- Das Objektiv (in deinem Fall der Spiegel) ist ja nicht für das Prisma berechnet worden - also gibt es Kontrastverluste/Unschärfen.
Dafür gibt's dann Glaswegkorrektoren, wobei die f/10 vom SCT schon ziemlich unkritisch sind. Die GWKs vermeiden die Unschärfen, die die Prismen einbringen – ein Bino ist ja für den Einsatz am Teleskop ausgelegt, genau wie ein Okular auch, und muss mit dem typischen Strahlengang zurecht kommen. Das Teleskop muss nur ein sauberes Bild liefern; dass ein Bino nicht auf gut Glück Koma oder Bildfeldwölbung korrigiert, ist klar – das macht ein Okular aber auch nicht. Wie das Bild weitab der optischen Achse aussieht, ist für Planeten erstmal ziemlich egal. Drum sind Orthos ja so eine schöne Empfehlung für Planeten: In der Mitte knackscharf, und der Bildrand fehlt dank kleinem Gesichtsfeld eh.
Aber: Es
kann im Bino Reflexionen geben, ja. Inwieweit die stören oder auffallen, muss jeder selbst entscheiden.
Es ist auch nicht jeder Refraktor für ein Zenitprisma ausgelegt, oder für eines in 2", oder für einen Zenitspiegel.
Zitat von Sternenhundklaus:
- Unvermeidlicher Lichtverlust, der durch das beidäugige Sehen nicht aufgefangen wird (die Lichtmenge halbiert sich pro Auge).
Ist beim Planet jetzt auch nicht so das Thema – bei Uranus und Neptun bringt das Bino jetzt nicht so den Vorteil, die anderen Planeten sind meiner Erfahrung nach hell genug. Da stört eher die Luftunruhe, bevor das Bild zu dunkel wird. Es gibt genug Leute, die bei größeren Teleskopen das Licht in der Kuppel gedimmt anlassen, damit Mond oder Planet nicht blenden... Und wir reden von einem 8"-SC, das hat schon ein wenig Öffnung
Zitat von Sternenhundklaus:
- Solltest du auf dem zweiten Auge Astigmatismus haben, musst du mit Brille beobachten.
Keine Einwände.
Zitat von Sternenhundklaus:
- Nicht jeder kommt mit dem binokularem Sehen klar - also vorher testen.
Völlig d'accord. Trifft aber auch auf Doppelrefraktoren zu.
Zitat von Sternenhundklaus:
- Wenn überhaupt binokular, dann unbedingt mit Dioptrien-Einstellung (keiner hat identische Augen).
Stimmt. Die erreicht man aber auch schon, wenn man ein Okular nicht ganz in die Okularklemme steckt; eine Feineinstellung macht das nur komfortabler.
Zitat von Sternenhundklaus:
- doppelte Okulare kosten doppeltes Geld.
Nach meiner Einschätzung macht das binokulare Sehen nur Sinn mit einem Doppelrefraktor bzw. Großfernglas (hier sind die Objektive auf die Prismen abgestimmt, und jedes Auge bekommt die volle Lichtmenge der Öffnung).
Gruß Sternenhundklaus
Ein Doppelrefraktor kostet auch doppelt Okulare, plus doppelt Geld für Objektive, und bei gleicher Öffnung nochmal Aufpreis für die Montierung
Ein Großfernglas ist eine feine Sache für Deep Sky, aber eines, das Planetentauglich ist, spielt in einer ganz anderen Preisklasse als die gängigen Modelle für Richfield/Deep Sky, in denen oft genug Achromate verarbeitet sind, oder die Justage eben nicht für > 300x langt. Und die üblichen Doppelrefraktoren/Großferngläser, die nicht wesentlich mehr als ein 8"-SC plus Bino + Okularsatz (den man am Großfernglas ja auch braucht) kosten, dürften kaum mehr als 10 cm Öffnung haben. Macht an Deep Sky richtig Spaß, aber am Planet? Da sollten es schon 15cm apochromatisch sein, um einigermapßen in den Bereich von 300x zu kommen, wo Planeten interessant werden (und die Luftunruhre nervt).
Meine Meinung: Bino am Planet jederzeit, und am SC mit einem schwachen Glaswegkorrektor, um Farbfehler zu eliminieren. Am schnellen Refraktor sowieso nur mit GWK.
Beste Grüße,
Alex