Hallo Max,
das sind viele Fragen.
1.) Um quantitative Aussagen über den Spiegel machen zu können, müsste man ihn professionell testen lassen.
Jein, es gibt auch Spiegelschleifer welche ein Interferometer haben, die könnten den Spiegel theoretisch testen und einen rms oder Strehl ermitteln.
2.) Sterntest sagt schon mal einiges. (Danke @Quanten, @riff-raff u.a.) Er kann bei schlechtem Seeing aber auch schwierig sein. Erfahrung hilft. Sterntest sagt etwas über die gesamte Optik, nicht nur die Spiegelqualität.
Ja, im Sterntest ist dann auch der Fangspiegel mit drin, so könnte ein evtl. Astigmatismus auch vom Fangspiegel kommen.
3.) Direktes Ausprobieren am Sternen, Mond (Terminator) und an Planeten hilft auch, einen Eindruck zu bekommen. (Also ergänzend zum Sterntest, oder?)
Ja klar, hier ist wie schon erwähnt der Fokuspunkt ein Indiz für gute Optik, wenn sich das Teleskop bei höheren Vergrößerungen einfach scharfstellen lässt ist das ein gutes Zeichen. Ist der Fokus jedoch schwammig und es will sich kein scharfes Bild einstellen lassen, stimmt etwas nicht, kann jedoch auch die Justage, oder ein zu warmer Hauptspiegel sein.
5.) Erfahrene "Spechtler" (=Sterngucker/Hobbyastronom:innen?) können eine Einschätzung geben ob etwas eine "Gurke" (=schlechtes Teleskop?) ist.
Jein, nicht jeder der dieses Hobby schon länger macht ist automatisch ein Experte in Sachen Optik, ich kenne Sternfreunde die haben viele Jahre mit einer Gurken Optik beobachtet und haben nichts bemerkt.
Auch kommt es immer etwas darauf an, an wenn man da gerät, ein Fotograf will dir vermutlich EEA oder die Astrofotografie aufschwatzen, ein APO und Refraktor Liebhaber vermutlich einen APO und ein DeepSky Beobachter vermutlich einen möglichst großen Spiegel.
6.) Die Justierung, Mechanik und Stabilität spielen auch eine Rolle
Ja klar, die beste Optik bringt nichts, wenn die Mechanik nicht die Justage halten kann, oder sich im Winter wenn es kalt wird alles beschlägt oder verspannt.
7.) Wichtig ist mir geworden: Locker bleiben hilft. Entscheidend ist, ob ich Spaß am Aufbau, Transport und Gucken hab. Weniger entscheidend sollte sein, wie leistungsstark ein Teleskop ist, das im Keller steht. (Danke hierfür an @eckehardt70, @Linsensuppe (mbba18) und @AstroPZ). Das heißt: Einfach anfangen! Wenn ich durchschauen kann und es mich begeistert, dann muss es gar nicht gleich theoretisch-super-optimal sein.
Na ja, von meinem ersten Teleskop war ich auch begeistert, dass war ein Meade Explorer 4000 Newton auf Wackelmontierung, da war bei ca. 80-100x Vergrößerung Schluss mit scharfen Bildern...
Anfangen ja, aber mit Sinn und Verstand kann auch nicht schaden, es ist schonmal vernünftig die richtigen Frage zu stellen, von daher bist du auf einem guten Weg.
Ist es richtig, dass die Größe des Spiegels in erster Linie die Helligkeit des Bildes beeinflusst, während sich mangelnde Qualität in Unschärfe und Bildfehlern zeigt?
Die Größe des Spiegels, wird meist Öffnung genannt und hat nicht nur etwas mit der Lichtsammelleistung/Helligkeit zu tun.
Öffnung ist auch Auflösung, Kontrast und Vergrößerung.
Mangelhafte Qualität zeigt sich in Unschärfe, dass ist richtig, man kann dann auch nicht so hoch vergrößern, weil das Bild quasi vorher zusammenbricht.
Verringern sich Unschärfe und Bildfehler (sprich mangelnde Spiegelqualität) bei kleineren Vergrößerungen oder zieht sich das gleichermaßen durch alle Vergrößerungen durch?
Schon, nur ist die Unschärfe bei niedrigen Vergrößerungen nicht so deutlich sichtbar, das kommt dann letztlich auf die reale Qualität an.
Es gibt wie fast überall auch in der Optik Toleranzen, so gilt für ein Obstruktionsloses, farbreines Teleskop, z.B. die Beugungsgrenze=Strehl 0.81, oder rms=0.071 noch als gute Optik.
Fallt die Optische Qualität darunter wird das Bild immer weicher und verwaschener und man kann nicht mehr so hoch vergrößern.
Aber auch hier gibt es einen weichen Übergang, was bedeutet mit Strehl 0.79 hat man gleich ein unscharfes Bild.
Es kommt dabei auch auf die Fehler an, so ist Sphärische Aberration einer der schwerwiegendsten Fehler.
Oder anders gefragt: (Ich hab mich ein bisschen eingelesen und mich begeistert Deepsky mehr als Planeten. Da hilft Helligkeit mehr als Schärfe, richtig? Wenn der Spiegel also groß aber von mittlerer Qualität wäre, wäre er dann für Deepsky-Gaaxien u.ä. immer noch besser als ein mittlerer Spiegel mit hoher Qualität?)
Auch hier kommt es wieder auf die Fehlergröße an.
DeepSky ohne Kontrast macht natürlich auch keinen Spaß, es fehlt dann vielleicht die "Brillanz" in der Sternabbildung, also die funkelnden Diamanten auf Samt schwarzem Hintergrund, was man bei Offenen- und bei Kugelsternhaufen je nach Öffnung sehen kann, die Sternfarben wirken dann eher matt als glänzend.
Auch bei DeepSky muss man hoch vergrößern können, viele Objekte sind ja weit weg von uns und entsprechend klein.
Ist der Spiegel schlecht, klappt es auch nicht mit der Vergrößerung.
Wenn man die Sache nur von der Lichtsammelleistung aus sieht ist das oft zu kurz gedacht.
Natürlich zeigt ein Lichteimer mehr als der kleine Refraktor, jedoch kann man auch hier die Qualität sehen.
LG