Wie gewichtet ihr die Parameter von Kameras?

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AstroGerdt

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Hallo zusammen,

erstmal auch an dieser Stelle ein frohes neues Jahr an alle hier im Forum!

Ich bin aktuell auf der Suche nach einer neuen DSLR für DS Fotografie. Und nein, ich will jetzt nicht fragen, ob Model X oder Model Y besser ist. Zumindest nicht so direkt ;)

Mir geht es mehr um eine generelle Angelegenheit, bei der ich immer wieder Probleme habe. Wie gewichte ich die verschiedenen wichtigen Kenngrößen einer DSLR für die Fotografie überhaupt?

Ich würde mal sagen, als wichtige Größen kann man Ausleserauschen, Quanteneffizienz, Dunkelstromrauschen und Pixelgröße betrachten. Jetzt fängt es aber schon an.... Wie wichtig ist die Full Well Kapazität und lohnt es sich überhaupt, das Conversion Noise (ich glaube auf Deutsch heißt das Quantisierungsrauschen, oder??) zu betrachten, oder ist das verschwindend gering verglichen mit anderen Rauschquellen?

Ich habe jetzt mal bewusst mehr oder weniger persönliche Faktoren wie die Auflösung, Sensor-Format und sowas außen vor gelassen. Da kommt es einfach komplett auf die eigenen Anforderungen an.

Mal ein kleines Beispiel wo ich mir unsicher bin, was wie wichtig ist: Ich habe zwei Kameras A und B. B hat die bessere QE, das Ausleserauschen ist annähernd gleich. B hat eine um beinahe den Faktor 3 höhere Full Well Kapazität, aber auch um den Faktor 3 mehr Conversion Noise. Ist das Conversion Noise da jetzt so dominant, dass die Kamera raus ist, oder sollte ich lieber auf die Full Well Kapazität setzen, und mit B gehen?

Und selbst wenn die Gewichtung der Kriterien klar ist, wo bekommt man zum Beispiel Daten für das Dunkelstromrauschen her, das ja auch noch Temperaturabhängig ist? Oder hilft da einfach nur kaufen, probieren und dann behalten oder zurückschicken?o_O

Ich nehme mal stark an, hier wird es, wie so oft bei solchen Fragen, keine eindeutige Antwort geben. Dennoch würde es mir, und hoffentlich auch anderen, weiterhelfen, mal zu wissen, wie ihr für euch entscheidet, was euch wie wichtig ist.

Ein kleiner Disclaimer zum Schluss noch: ich will hier keine Canon/Nikon oder Kurz/Langbelichtungs oder sonstwas Grundsatzdebatte lostreten, die schon 100 mal geführt und nie entschieden wurde. Mir geht es nur darum zu wissen, wie andere sich verhalten, damit ich mich selbst ein wenig besser orientieren kann. Und ich hoffe einfach mal, dass das hier nicht schon unendlich oft gefragt wurde, ich konnte es jedenfalls nicht finden ;)

Einigermaßen ratlose CS
Gerrit
 
Hallo Gerrit,
die Frage stellt sich jedem, der eine neue Kamera will, unabhängig davon ob Astro oder DSLR...
Meine Prioliste für eine gekühlte Astrokamera sah so aus :Farbe/Mono, Sensorgröße, Pixelgröße, Fullwell, QE, Rauschen (alle Rauscharten)
...wo bekommt man zum Beispiel Daten für das Dunkelstromrauschen her, das ja auch noch Temperaturabhängig ist?
Da belastbare Daten zu finden könnte schwierig werden. Traumflieger. de hatten zumindest früher umfangreiche Tests auf ihrer Seite. Eventuell wäre das einen Versuch wert.
Meine Erfahrung bei DSLR hält sich in Grenzen und beruht auf 2 Modellen. 1000D und 450Da...bei warmen Sommernächten war die 450Da sehr schwierig in Sachen Rauschen...und ich bin auf eine gekühlte Astrocam gewechselt...Aber ich denke aktuelle Modelle sind da mittlerweile besser.

Grüße Rainer
 
Hallo Gerrit,

am wichtigsten wären mit eigentlich Merkmale, die sich nicht messen lassen, etwa die Frage ob die Kamera komische Hintergrundmuster produziert, bei Streckung der Hintergrund in farbige Flecke zerfällt oder "Banding" o.ä. auftritt.

Von den messbaren Größen wäre mir der Dunkelstrom am wichtigsten. Bei Kameras mit viel Dunkelstrom kann das Dunkelstromrauschen im Sommer weitaus höher sein als alle anderen Rauschquellen in der Kamera. Ich habe mal irgendwo von einem kompetenten Menschen die Aussage gelesen, dass eine EOS 6D im Sommer Dunkelstromrauschen in der gleichen Größenordnung produzieren kann wie das Hintergrundrauschen eines Großstadthimmels. Wer nur bei einstelligen Gradzahlen fotografiert ist davon natürlich nicht betroffen :)

An zweiter Stelle käme für mich die Quanteneffizienz. Das ist eine fundamentale Größe, die sich auch nicht durch irgendwelche Einstellungen an der Kamera beeinflussen lässt.

Danach kommt dann das Ausleserauschen. Sowohl Auslese- als auch Quantisierungsrauschen lassen sich bei den meisten Kameras dadurch minimieren, dass man höhere ISO wählt. Vorteil von z.B. einigen Sony Chips (und auch wenigen neuen Canon Chips) ist, dass sie auch bei niedrigen ISO wenig Ausleserauschen haben. Meine EOS RP(a) hat bei geringen ISO ein relativ hohes Ausleserauschen, aber ab ca. ISO1600 wird das dann auch sehr gering. Ist also eine Frage der Einstellungen, bei hellen Objekten kann man dann geringe ISO wählen und ein stärkeres Ausleserauschen in Kauf nehmen, bei schwachen Objekten halt hohe ISO und dafür in Kauf nehmen, dass mehr helle Sterne ausbrennen.
Ich vermute mal dass das, was auf den Fotoseiten als "Conversion Noise" bezeichnet ist das Quantisierungsrauschen ist (da bin ich mir aber nicht sicher, habe gerade keine Zeit das nachzulesen). Das Quantisierungsrauschen spielt nur bei geringen ISO eine Rolle, wenn man also viele Elektronen braucht, um eine ADU zu erzeugen. Wenn man sich Unity Gain annähert oder höhere ISO wählt, spielt das keine Rolle mehr.

Full Well Capacity ist aus meiner Sicht bei Astro eher ein "nice to have" als ein "must", weil die Deep Sky Objekte selber ja meist sehr schwach sind, da besteht also in 99% der Fälle keine Gefahr, dass etwas ausbrennt. Es geht dann eher um die Frage, ob man nun 5 ausgebrannte Sterne im Bild hat oder 20. Das mag dann jeder selber entscheiden, ob das für ihn wichtig ist, mich interessiert es nicht.

Letzlich wären für mich Erfahrungsberichte von anderen Astros ausschlaggebend, insbesondere auch zu Fragen wie "Star eater", Problemen bei der Bildkalibrierung und ähnlichen Effekten, die dadurch verursacht werden, dass alle "normalen" Kamerahersteller an den RAWs herumpfuschen. Was auch gewisse Hinweise geben kann sind z.B. die Low-Light Vergleichsfotos, die es bei DPReview gibt. Da kann man auch manchmal schon ein ungünstiges Rauschverhalten oder Farbklekse feststellen, auch wenn da natürlich keine Astrofotos zu sehen sind.
 
Hallo,

danke euch beiden für eure Antworten.

Rainer, ich finde es sehr interessant, dass du alle Rauscharten als am wenigsten wichtig für deine Kaufentscheidung betrachtet hast. Aber klar, bei dedizierten Astro-Kameras sind die Unterschiede da auch weniger deutlich, als dies bei DSLRs der Fall ist. Traumflieger.de werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren, vielleicht lässt sich da was Wertvolles finden.

Stefan hat mit FPN natürlich noch einen weiteren sehr wichtigen Aspekt genannt, an den ich nicht gedacht hatte. Nur Daten dazu..... Schwierige Angelegenheit.
Deine ausführliche Aussage zu deiner Gewichtung verschiedener Parameter ist schon mal sehr hilfreich, vor allem was den Dunkelstorm und die FW angeht.

CS Gerrit
 
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