Wie gut sollte man Jupiter mit 114/900 sehen?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
G2_Astro: Du hast Recht! Die Klammer ist wirklich nicht rechtwinklig zum Auszug, sondern in sich ein wenig schräg. Das fiel mir bisher noch nie auf. Ok, also wird die Delle wohl die Klammer sein. Ich ging bisher davon aus, dass man die Fangspiegel halt ein wenig größer als nötig macht, wenn man sie klammert, aber beim exzellenten Seeing im Flur sah die seltsame Delle der früheren Tests zu klar definiert aus, drum wurde ich neugierig.

Die Distanz zum Hauptspiegel ist durch das Teleskop vorgegeben. Die Justierschrauben des Hauptspiegels sind schon so weit drin, wie die Justierung halt erlaubt. Der OAZ hat keine Langlöcher.

*entfernt*GMS: Die Bilder werden dann kleiner, so dass man mit der Kamera nicht mehr soviel aufnehmen kann. Wo man oben eine klare Einbuchtung sieht, ist immer irgendeine Deformation zu erkennen, aber nicht so klar abgegrenzt. Man könnte das für irgendeinen Fehler sonst halten.

Ich werde den Fangspiegel also bei Gelegenheit mal ausbauen. Vielleicht kann man ihn kleben, um die Klammer loszuwerden. Was ist da vorzuziehen, drei Punkte Silikon oder Spiegelklebeband? Ich habe beides da.

Michael
 
Ich verstehe nicht, wieso man auf eine einfache Frage so abweichende und komplizierte Antworten gibt.

Beim Blick durch meine Teleskope (verschiedene zwischen 60-200mm Öffnung)'SEHE' ich den Jupiter meist als kleine Kugel mit zwei Bändern. In den Teleskopen ab 10cm Öffnung auch mehr diffuse Details.
Ich beobachte in Berlin und im stadtnahen Bereich, was die Leistungsfähigkeit der Teleskope durch das mäßige Seeing einschränkt, doch eine Darstellung, wie Uwe Pilz sie oben gepostet hat, würde ich trotz guter Augen (laut Augenarzt) nicht mal annähernd im 114/900mm Newton erwarten.

Meine besten Jupiter Beobachtungen habe ich mit dem William FLT 98 und dem Celestron C8 in seltenen Nächten mit sehr guter Sicht gemacht. Aber auch dann hätte ich sehr viel Fantasie haben müssen, um Uwe Pilz Zeichnung nachvollziehen zu können.

Früher habe ich viel am Teleskop gezeichnet. Da begann schon als Teenie bei Sonnenbeobachtungen mit einem 4cm (!!) Newton. Phasenweise habei ich jeden Tag, sofern aufgrund der Wolken möglich, die Sonne gezeichnet.

Link zur Grafik: http://www.photoinfos.com/bilder-in-foren/sonne-gezeichnet.jpg
Lange ist es her. Sonnenflecken 1978 von mir gezeichnet.

Am Vixen 114/900mm kann ich am Jupiter nur wenig mit dem Auge erkennen. Zwischen der visuellen Beobachtung und den Ergebnissen der digitalen Fotos liegen Welten.

Viele Eintsteiger, die visuell beobachten, sind von der Realität am Okular enttäuscht, weil sie aufgrund der Fotos und Beschreibungen andere Erwartungen hatten.

Übrigens bin ich bei sehr gut und scharf aussehenden Fotos skeptisch. Wir verlassen und darauf, dass eine Stacking Software die Bilder verbessert, was sie ja auch tut. Aber ob das fertige Bild tatsächlich noch mit einer Nahansicht des Objekts übereinstimmt, wage ich zu bezweifeln. Es überprüft doch keiner, was die Software macht.


Tom
 
Hallo Michael,

Klammer bedeutet auch gefasst und dann würde ich das so angehen wie Ekkehard "Pteng" bei seinem 880er GSO.
http://www.pteng.de/astro/gso880/fshalter/frame_r.htm
Da ist es eigentlich Pflicht, bei Dir eher Kür.
Unbedingt Seite 2 lesen und ich würde den seitlichen Rand der Halterung ganz entfernen.

Gruß
*entfernt*
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Frage ist in der Tat einfach, die Antwort ist es kein bisschen.

Als ich begann, dachte ich, wenn das Teleskop gut justiert ist, dann kann es nur noch am Seeing liegen und 114/900er wären alle etwa gleich, weil das halt die klassischen Einsteigerteleskope sind. Nur irgendwie hatte ich mehr erwartet.

Wie sich zeigte, sind die 114/900er nicht alle etwa gleich. Nicht alle haben einen zu langen und innen verchromten Okularauszug und eine gedämmte und luftdichte Spiegelhalterung. Hier brachte die Abhilfe viel und auf einmal bekamen Sterne 6 Spikes und Jupiter eine Marmorierung in zuvor gänzlich diffusen Bändern, sowie erkennbare Pole. In einer guten Nacht sah ich dann zum ersten Mal die Ringteilung an Saturn und konnte nicht mehr wegschauen. So etwas erhoffte ich mir beim Kauf. :)

Und jetzt zeigt sich schon wieder ein Konstruktionsproblem. Dessen Behebung sowie eine Fangspiegelhalterung aus Blech statt dicken Stangen ergäbe dann endlich das Ergebnis, was ein 114/900 mit Spiegel in Einsteigerqualität bringen sollte, und das ist halt viel mehr, als ich ab Werk bekam.

*entfernt*GMS und werner48: Danke! So wird's dann gemacht: Rand weg und mit 3 ausreichend hohen Silikonpunkten verkleben. Wenn der Rand weg ist, kann ich ja auch Abstandshalter einlegen. Bei der Gelegenheit baue ich dann auch die Unterlegscheibe ein. Justieren ist im Moment in der Tat nicht einfach.

Michael
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Michael,

ich habe mal einen 114/900 Newton eines guten Freundes optimiert. Der Foucaulttest zeigt eine nach oben gezogene Zone am Rand, deshalb baute ich eine Blende ein, die die Öffnung auf 100mm reduzierte, die miesen Huygens Okulare ersetzten wir durch Orthoskopische (4mm Ortoo mit .96") und die Abbildung war dann wesentlich besser. Mit Jupiter kann ich leider nicht dienen, aber mit einer Runde um den Mars in Erdnähe.

Link zur Grafik: http://fs5.directupload.net/images/151231/cnewx4sg.jpg
CS Mike
 
Hallo Mike,

das sind ja erstklassige Zeichnungen. Auch wenn es hier OT ist: Weisst du, von wann die sind?

VG Christian
 
Jetzt bin ich echt beeindruckt. Die besten Bilder vom Mars mit einem 114/900 sind nach der Verarbeitung etwa auf dem Niveau.

Ich habe unterdessen mal die Fangspiegelhalterung zerlegt: Grau ist alle Theorie. Der Spiegel ist mit 24 mm derartig klein, dass ich nicht wüsste, wie ich ihn mit drei Silikonpunkten kleben sollte. Die Originalfassung ist innen hohl. Die Klammer war pure Kosmetik, denn der Spiegel hatte links und rechts Filzklebeband und wurde mit brutaler Gewalt in die Fassung gepresst. Ein kleiner Rand verhinderte, ihn zu tief einzupressen.

Also habe ich einen Streifen Blech mit 45 Grad gebogen, rund zugefeilt, ein Loch gebohrt und ein Gewinde eingeschnitten, alles matt (statt wie original glänzend) schwarz lackiert und den Spiegel mit einem kleinen Stückchen Spiegelklebeband aufgeklebt. Damit habe ich weniger Obstruktion und brauche auch keine Unterlegscheibe mehr.

Extrafokal:

Link zur Grafik: http://www.moria.de/~michael/sterntest6/extrafokal.jpg

Intrafokal:

Link zur Grafik: http://www.moria.de/~michael/sterntest6/intrafokal.jpg

Die Klammer ist weg. :) Subjektiv wurden die Spikes stärker und ich sehe nun leichte Farbflecken in den Spikes, ähnlich wie bei der Bahtinovmaske.

Michael
 
Hallo Michael,

sieht gut aus.
Tja, bei größeren FS ist diese Quetschung in der Fassung ein Problem, welches definitv die Abbildungsleistung verdirbt. Das habe ich auch schon selbst gesehen.

In der von Dir benutzten Größe kenne ich keine diesbezüglichen Erfahrungswerte, mein 31er Fs im 114/660er war nie gequetscht.
Von daher bin ich auf Deine weiteren Erfahrungen SEHR GESPANNT!

Gruß
*entfernt*
 
Zuletzt bearbeitet:
Da die Kreise vorher von der Klammer abgesehen bereits rund waren, war die gequetschte Montage anscheinend bei so einem kleinen Spiegel kein Problem. Man bekam allerdings mehr Obstruktion, nämlich 27 mm Durchmesser, aber ich bezweifle bei einem Kugelspiegel einen visuellen Gewinn durch die Reduktion auf 24 mm.

Die dicken Streben der Spinne sind schon problematischer. Ab Werk zeigte das Teleskop keine Spikes. Jetzt sind sie sehr stark zu sehen, nicht nur im Sterntest. Um das zu ändern, muss ich mir allerdings ein neues Aluscheibchen als Mittelteil besorgen.

Michael
 
Die Fangspiegelspinne komplett neu zu bauen brachte im Test am künstlichen Stern sehr viel: Die Streben erzeugten seit der entfernten Fangspiegelklammer Spikes in Regenbogenfarben und schon immer ein starkes Wellenmuster im Sterntest.

Jetzt sind die Spikes dünner, die Regenbogenfarben sind weg und das Wellenmuster wich den normalen Mustern von Fangspiegelstreben, wie man sie in vielen Sterntests sieht.

Von 2,6 mm auf 0,7 mm Streben bringt also einiges:

Link zur Grafik: http://www.moria.de/~michael/astro/sterntest8/fangspiegelhalterung-1.jpg

Und wenn jemals wieder gutes Wetter ist, bin ich gespannt, wie gut man Jupiter damit eigentlich sehen kann. :)

Michael
 
Der Test in einer kurzen Wolkenlücke zeigt mir merkliche Unterschiede. Helle Sterne haben nun 6 sanfte, dünne Spikes. Das Bild ist irgendwie klarer als vorher, d.h. etwas schärfer und kontrastreicher. Zuvor war das 6 mm Okular immer klar zu viel und nur bei extrem gutem Himmel noch benutzbar, nun funktioniert es auch bei mäßigem Himmel schon.

Der Sterntest zeigt nun auch visuell deutliche Ringe ohne die starken Beugungsmuster der Streben, ähnlich wie die von Fee hier zuvor gezeigten Bilder.

Zusammenfassung: OAZ gekürzt und geschwärzt, Tubus mit Velours ausgekleidet, Hauptspiegelhalterung geöffnet, Fangspiegelfassung mit Klammer im optischen Weg durch Klebung auf neuer Halterung ersetzt, Fangspiegelkanten geschwärzt und die Fangspiegelhalterung komplett neu mit dünnen Streben konstruiert. Und dann sieht man auch mit einem TS 114/900, was man sehen können sollte.

Michael
 
Hallo Michael,

und eigentlich war das Seeing gestern fast durchgängig und wie man hört auch fast überall eher zum Vergessen.
Du hast ein "neues", ein sehr brauchbares Teleskop erschaffen. Eigentlich mit wenig Mühe und geringem finanziellem Einstatz.

Dieser Thread gehört m.E. im Einsteigerboard ganz oben angenagelt.
Für alle Hersteller, Händler, Berater, Zweifler, Einsteiger, Fortgeschrittene, Bastler und Verweigerer und all Jene die ich vergessen habe zur immerwährenden Mahnung und Beachtung, zum Genießen oder einfach fürs Brett.......!

Vielen Dank dafür, dass ich so etwas noch mal erleben durfte.
:super: :hochachtung:
Gruß
*entfernt*
 
Zuletzt bearbeitet:
Oh bitte. ;-) Ohne das Forum wäre es nicht so weit gekommen. Die ersten Bewertungen des Sterntests waren extrem hilfreich. Ich bin immer noch beeindruckt, dass man aus meinem GIF erraten konnte, dass Tubusseeing ein Problem war.

Der Sterntest hat's mir angetan, denn wenn man dort merkliche Verbesserungen erzielt, dann sind die auch visuell sichtbar. Darum baute ich den Fangspiegel komplett um: Ich wollte wissen, wieviel das bringt. Das Mittelstück der Spinne ist aus 10 mm Alu, sowas hat man eher nicht daheim. 10 Löcher halbwegs genau bohren und 9 M3 Gewinde schneiden kostet einige Zeit. Die Streben sind aus Abfallblech (PC-Netzteil) geschnitten, die Gewinde jeweils 1/3 einer langen M4 Schraube. Seitlich angefeilt, 1,5 mm Loch gebohrt und einen Schlitz gesägt, dann mit einem abgeknipsten Drahtstift als Splint fixiert. Die Spiegelhalterung ist aus Eisenblech, auch aus dem Abfall. Das ganze Ding ist schrecklich klein, weil es ein 24 mm Spiegel ist. Erstaunlicherweise war es die Arbeit wert und ist viel besser justierbar und stabiler, als man denkt.

TS verkauft da für 179,- ein Bastelset, kein Einsteigerteleskop. Das liegt nicht am Geld, denn die wichtigsten Dinge gingen ohne Mehrkosten besser.

Michael
 
Hallo Michael,

nimm den Dank ruhig an. Natürlich hat man mit Rat geholfen. Aber es muss jemand da sein, der es anpackt, der sucht, beobachtet, findet, verbessert, sucht.....!
Labern können viele, beobachten, tun und verstehen WOLLEN, das können schon längst nicht mehr so viele Leute.
Das sieht man gerade wieder im Nachbarthread von Alf.

Gruß
*entfernt*
 
Hallo Michael
TS verkauft da für 179,- ein Bastelset, kein Einsteigerteleskop. Das liegt nicht am Geld, denn die wichtigsten Dinge gingen ohne Mehrkosten besser.

Das liegt aber auch daran, dass diese Einsteigergeräte in Billiglohnländern konzipiert und massengefertigt werden. Man kann von Wanderarbeitern oder Leih-Ingenieuren kaum verlangen sich für Dumpinglöhne mit ihrem Produkt zu identifizieren oder sich dafür mit gewissenhafter Arbeit und kostenloser Weiterentwicklung zu bedanken. Und weil jede Konstruktionsänderung erstmal nur Kosten verursacht, insbesondere Personalkosten, das aber in diesem Marksegment kaum einen Marktvorteil bringt, der sich am Ende in klingender Münze niederschlägt, lässt man Veränderungen entweder gleich bleiben, oder nimmt die nur sehr nachlässig und langsam vor. Da ist kein Nachfragedruck drauf, bloß Kostendruck. Es liegt also nicht nur an der Trägheit der Anbieter, es liegt auch am Geiz der Käufer, die nicht mehr bezahlen wollen. Dass Veränderungen an diesem System keine Mehrkosten verursachen würden scheint nur auf den ersten Blick so, wenn man die Umstände außer Acht lässt. You get, what you pay for.

Abgesehen davon kann so eine Bastelei ja auch viel Spass machen, und man lernt dabei, worauf es wirklich ankommt, und worauf man bei der nächsten Teleskopanschaffung achten muß. Congratulations!


Gruß,
Mathias
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben