Wie man in den 60-zigern in der ehemaligen DDR zu einem Fernrohr kommen konnte

Nicht schlecht einen 123 mm Spiegel hätte ich zu DDR-Zeiten auch gerne besessen.
Den gab es sicher nur "unter der Hand" zu kaufen.
Es gab ja quasi nur 50mm, 63mm und 80mm Refraktoren.
Die größeren Geräte waren unerschwinglich und viel zu selten.
 

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Meinen 130er Wilke-Newton habe ich zufällig in einer Zeitungsannonce gefunden. Das der Verkäufer ein früherer Kollege war, stellte sich erst später heraus.
Es ist noch heute so: Gebrauchtmarkt beobachten, Glück haben und zuschlagen. Frage mal die Anonymen Teleskopiker hier im Forum... ;)

Beste Grüße,
Niko
 
Hallo Frank,
wie sich die Geschichten doch ähneln, auch wenn es bei mir 15 Jahre später los ging. Bei mir war der Auslöser das Buch "Astronomie selbst erlebt" von Lindner. Darin gab es auch eine Bauanleitung für ein Brillenglas-Fernrohr mit Papphülsen, für den Fall dass der Bausatz nicht erhältlich ist. Ich hatte dann also vermutlich fast dasselbe Gerät, was du dann auch als erstes gebaut hast. Plus noch ein Winkelmessgerät, um die Sternhöhe überm Horizont und den Azimutwert zu bestimmen. Der Bausatz von Zeiss war übrigens auch 1980 immer noch "Bückware" ;)....
Grüße Peter.
 
Hallo Frank,

Lindner-Astronomie-selbst-erlebt-k.jpg

Genau, hier ist mein Exemplar. ;) Ich bekam es 1976 geschenkt. Es hat buchstäblich mein weiteres Leben verändert. Ich kenne eine ganze Reihe von Leuten, bei denen es genau so war...
Die "Selbst erlebt"-Reihe waren Bücher, mit denen man etwas bauen konnte. Manch einer hat nach einem Buch dieser Reihe ein Radio gebaut oder halt sein erstes Fernrohr. So konnte man - dank "polytechnischer Grundkenntnisse" - in der DDR auch zu einem Fernrohr kommen. Oder auch zu einem Jakobstab oder einem Sternhöhenmesser. (Allerdings nicht in den 1960ern - das Buch kam erst 1973 heraus.)

Gruß,
Niko
 
ich bin mit dem Nachfolger des Buches groß geworden: Klaus Lindner Astroführer. Das Brillenfernrohr habe ich nicht gebaut, aber selbstgebauter Jakobsstab und Pendelquadrant lagen/standen auf dem Fensterbrett meines Kinderzimmers. Mein erstes "Fernrohr" war aus einem Optik-Experimentierkasten "Optik cabinet 80", kurz darauf folgte ein Bausatz aus dem "Astro cabinet 90" - der liegt heute noch unterm Bett ;)
Ebenso habe ich eine BarnDoor nach diesem Buch gebaut - darauf dann die EXA 1c mit dem Pentacon 1.8/50 und einem NP27. Anschließend in A49 entwickelt - meine Mutter hat sich wahnsinnig "gefreut" über die Schweinerei und den Gestank :D
 
Hallo Frank,


Den Anhang 485345 betrachten
Genau, hier ist mein Exemplar. ;) Ich bekam es 1976 geschenkt. Es hat buchstäblich mein weiteres Leben verändert. Ich kenne eine ganze Reihe von Leuten, bei denen es genau so war...
Die "Selbst erlebt"-Reihe waren Bücher, mit denen man etwas bauen konnte. Manch einer hat nach einem Buch dieser Reihe ein Radio gebaut oder halt sein erstes Fernrohr. So konnte man - dank "polytechnischer Grundkenntnisse" - in der DDR auch zu einem Fernrohr kommen. Oder auch zu einem Jakobstab oder einem Sternhöhenmesser. (Allerdings nicht in den 1960ern - das Buch kam erst 1973 heraus.)

Gruß,
Niko
Mit Klaus Lindner habe ich mal zusammen gesessen ungefähr 1987. Damals wurden gerade die ersten CCD Kameras eingeführt und ein Referendar erklärte den angereisten Berufs-Astronomen die Funktionsweise solcher Foto-Sensoren.
 
Guten Abend in die Runde,

ich habe diesen Faden hier immer gern mitgelesen. Kann leider selbst nichts beitragen, weil ich erst 1988 geboren bin, aber will das Thema einfach mal wieder ein bisschen nach oben schubsen. Vielleicht hat noch jemand eine Geschichte zu erzählen. :)

Herzlich,
Felix

P.S.:
Immerhin befindet sich das alte CZJ 10x50, das mein Opa zum Wandern angeschafft hat, jetzt bei mir in der Astro-Zweitverwertung. :giggle:

IMG_1997.jpeg
 
Guten Abend in die Runde,

ich habe diesen Faden hier immer gern mitgelesen. Kann leider selbst nichts beitragen, weil ich erst 1988 geboren bin, aber will das Thema einfach mal wieder ein bisschen nach oben schubsen. Vielleicht hat noch jemand eine Geschichte zu erzählen. :)

Herzlich,
Felix

P.S.:
Immerhin befindet sich das alte CZJ 10x50, das mein Opa zum Wandern angeschafft hat, jetzt bei mir in der Astro-Zweitverwertung. :giggle:

Den Anhang 496137 betrachten
Ein sehr gutes Astro Fernglas.Es hat zwar viel Koma ab 2/3 des Gesichtsfeldes aber dieses ist ja auch 70° weit. Für das Geld gibt es kein besseres 10x50. Wie bei R.Brandt oder Lindner beschrieben lässt sich mit einem weiteren Okular hinter dem Fernglasokular die Vergrößerung noch einmal steigern.
 
Hallo Felix,

als ich Ende der 1970er astromäßig geprägt wurde, hieß es, man müsse ein 7x50 haben - das sei *das* Nachtglas zur Himmelsbeobachtung. Geglaubt, gekauft. Dann merkte ich, dass es für den Himmel eigentlich zu lichtstark ist: Der Himmel ist so hell, dass das Auge schon "abregelt" und man die gut 7 mm AP gar nicht nutzt. Das 7x50 ist ein Jagdglas für den rotkäppchenmäßig dunklen Wald... Ich nutze am Himmel vor allem das gleiche 10x50W wie Du, meins habe ich von meinem Vater. Auch das erste Zeiss-Glas meines Vaters, ein gut 60 Jahre altes 6x30, macht am Nachthimmel eine gute Figur - es hat ebenfalls eine AP von 5 mm.
Ferngläser mit Einzelfokussierung hat man bei Zeiss Jena meiner Erinnerung nach vor allem für Militär und Marine sowie die sonstigen "staatlichen Organe" gebaut.

Gruß, Niko
 
Hallo Felix,
als ich dein Foto vom Jenoptem sah, dachte ich gleich an ein ähnliches Foto, welches ich vor einigen Jahren von meinem Dodecarem 12x50B in Erwartung des über dem Meer aufgehenden Mondes gemacht habe. Am Horizont der Gegendämmerungsbogen (oder Venusgürtel, Venusband) an der dänischen Ostseeküste. Unter dem rosafarbenen Gegendämmerungsbogen befindet sich der dunklere blaugraue Erdschattenbogen.

Venusband.jpg
 
Hallo Astrofreunde,
interessiert las ich gerade diesen Thread über die DDR -Astroaktivitäten von euch. Da fiel mir wieder meine lange Hobbyastrogeschichte ein, welche schon im Jahr 1974 begann. Es war für mich ein Höhepunkt vom Ambrosius Verlag das letzte Exemplar von "Kleine praktische Astronomie" 1. Auflage zu bekommen. Ich habe dieses Buch regelrecht aufgesogen. Damit fing alles an. Eure astronomischen Lebensläufe gleichen meinem DDR Lebenslauf auf das Haar! Selbstbau wo immer es geht, zu Hause, in sozialistischen Betrieben, bei Sternfreunden. ... Es gipfelte letztlich in den Drang ein 150iger Refraktor für die Sonnen-, Mond- und Planetenbeobachtung zu bauen. Dazu hatte ich immer die alten Zeißrefraktoren 250 bzw. 300mm Öffnung mit der Entlastungsmontierung im Kopf. Ich baute dann solch ein Teleskop nach, Wahnsinn mit 45kg Gegengewichten in einem alten Spreuerohr aus der Bauernwirtschaft meiner Schwiegereltern. Das Objektiv von Zeiß konnte ich mir nicht leisten aber ich hatte über einen Sternfreund Kontakt zur Sternwarte in Pulsnitz (Classen). Von diesem kaufte ich ein 150/2670mm Zeiß A Objektiv (Pauli -Typ) für sage und schreibe 800 Westmark ab. Das Geld hatte ich von meiner Tante aus dem Westen über Jahre gespart. Die Gabelmontierung baute ich im sozialistischen Betrieb mit unglaublicher Geduld. Es sollte ein Reibradantrieb werden. Dazu wurde extra eine 2cm dicke Plastikscheibe (Durchmesser 1m) gegossen und darin eine Nut und ein Loch eingefräst. (mit einer Riesenfräse in der sozialistischen Metallwerkstatt. ) Nun, die Montierung lief letzlich nur mit Handbetrieb aber ich machte damit tolle Jupiterbeobachtungen in den 1985/86/87 Jahren. Dann ging es mehr in Richtung Sonne.

Anbei mal ein Bild von mir, mit Refraktor und abschiebbarer Hütte (natürlich selbst gebaut mit Stahlrohren und Asbestplatten aus der Bauernwirtschaft!)

Ich habe alle Beobachtungen von damals noch archiviert, auch meine erste Mondzeichnung am 150/2250 Cassegrain. Meine Oma konnte nicht verstehen, dass ich früh um 4 Uhr am Fernrohr stand. Sie sagte immer zu mir " Bleib doch liegen du Dummer und schlaf dich aus".

Unglaublich, welche Technik mir heute zur Verfügung steht. Diese habe ich, ausser der Optik und Montierung, auch alles selbst gebaut oder entwickelt.

Astronomie bestimmt weiterhin mein Leben nach Ende der aktiven Arbeitsphase. Und damit bin ich voll ausgelastet und zu frieden.

cs Harald
www.unigraph.de
 

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Guten Morgen Harald,
herrje einen 150er Refraktor mit über 2m Brennweite selber zu bauen, das ist schon ein echt starkes Stück:y:!! Wenn ich da alleine den Aufwand sehe, den die Montierung gemacht hat, alle Achtung! Ja, man war schon erfinderisch in der "Mangelwirtschaft";)...
Grüße Peter.
 
Hallo Harald,
ein 150-mm-Refraktor war damals ein Traum... Wenn man Zugang zu einer Schlosserwerkstatt hatte und einen Feinmechaniker kannte, war trotz Mangelwirtschaft vieles möglich. Man half sich gegenseitig. Gegen ein geringes Entgelt, versteht sich. ;)
Die mechanischen Teile meiner Staus-Siegfried-Montierung wurden auch nicht auf Rechnung gekauft; allein die beiden großen Bronze-Schneckenräder wären heute unbezahlbar...
Wie gut waren denn Optik und Montierung Deines beeindruckenden Selbstbaus? Könnte mir allerdings vorstellen, dass es windempfindlich war...
Und vor allem - was wurde aus dem Instrument? Hast Du davon noch mehr Fotos?

Gruß, Niko
 
Hallo,

... das Instrument wurde nach dem Bau unseres Eigenheimes 1988 komplett zerlegt. Die Zeiss A Optik wurde an einen bekannten Händler verkauft gegen ein 280iger Schneckenrad mit Schnecke (von M. Knopf) und 2000 D Mark. Es gibt weltweit nur noch sehr wenige Objektive dieser Art und Größe. Es sind die 2 linsigen Vorläufer des Zeiss B Objektivs, um den chromatischen Bildfehler geringer zu halten. Daher auch das ÖV 1:17. Später wurde dann das AS Objektiv entwickelt. Ich glaube in den 30iger Jahren des 20.Jahrhunderts. Oben auf dem Rohr aufgesetzt ist ein 63/840 Protuberanzenfernrohr und ein 80/1200 AS. Durch die enorme Masse und dem Standort mitten im Dorf, war es nicht sehr windanfällig. Bei 276 fach war Jupiter gestochen scharf. Durch die Wendezeit und Kommunikation mit Cord Hinrich Jahn aus Hannover, (welcher zur Sonnenbeobachtung einen 200mm Refraktor und TP 2415 benutzte) wollte ich dann später ein größeres Objektiv haben. Das habe ich auch bekommen und wurde dann der 1. Faltunigraph in der neuen Sternwarte.
Fototechnisch kommt man aber schnell an die Grenze der 150iger Öffnung. Daher baute ich mir später auch einen 410mm Newtonspiegel. Die Monitorbilder waren damit um Längen besser als man visuell sehen kann. Es fehlt aber die Farbe am Jupiter.

cs Harald
www.unigraph.de
 
Meine Oma konnte nicht verstehen, dass ich früh um 4 Uhr am Fernrohr stand. Sie sagte immer zu mir " Bleib doch liegen du Dummer und schlaf dich aus".
Da war deine Oma ja noch sehr zurückhaltend - wenn ich in den Ferien auf dem Dorf bei meinen Großeltern war, durfte ich mir diese Androhung anhören : "du holst dir noch den Tod" - da war ich etwa 11... 12 Jahre... o_O

Meine Großeltern haben nie verstanden, warum ich des nächtens in der Kälte mit dem 7x50 Zeiss Monokular meines Opas mit Begeisterung die Pünktchen am Nachthimmel angestarrt und gezeichnet habe...
 
Hallo,

vielleicht als 15-Jähriger reiste ich eines Tages mit einem geliehenen Telementor zu meiner Oma. Mit der Bahn! Die Styroporkiste passte genau auf die Gepäckablage im Abteil, das Stativ lag unterm Sitz. Keine Ahnung, wie ich das Gerät vom Bahnhof zu meiner Oma transportiert habe, vielleicht auf dem Leiterwagen von Oma...?
An eine besondere Beobachtung kann ich mich nicht erinnern. Vielleicht hatte ich auch Pech mit dem Wetter. Außerdem fand ich es dort schon damals ziemlich hell für ein Dorf.
Meiner Oma war das wurscht. Sie freute sich, dass ihr Enkel aus dem fernen Berlin mal da war... Und das mit dem Fernrohr, naja, diese Berliner... ;)

Gruß, Niko
 
Oh, dieser schöne Thread ist bisher an mir vorüber gegangen. Ich bekam 1980 zum Schulanfang von einem Freund meines Vaters (und dessen Frau) einen Optik-Experimentierkasten geschenkt. Damit konnte man verschiedene Ferngläser und Fernrohre basteln und mit einer optischen Bank experimentieren. In dem sehr umfangreichen Begleitheft war alles erläutert. Damals lernte ich - als Erstklässler, der schon lesen konnte und einen gewaltigen Wissensdurst hatte - alle Grundlagen der Optik kennen.

Kurz danach besuchten wir einen anderen Bekannten, und ich hatte mein "Monokular-Fernglas" mit dabei. Der ältere Mann war sofort sehr begeistert von diesem Plastik-Bastelding und erzählte mir, er hätte ein "richtiges" Fernrohr: Aus dem Zeiss Jena Bausatz hatte er sich einen 50/540 Refraktor gebaut, massives Rohr, äquatoriale Montierung, alles aus Aluminium gefräst, die Stahlgabel geschweißt. Ich war "hin und weg" und nun bekam ich noch Bilder in einem Buch gezeigt. Ich erinnere mich an ein Farbfoto von M45, damals wohl auch für Amateurastronomen ein "Juwel" - zumindest in der DDR. Erwin, so hieß der ältere Herr, sagte mir aber, dass man selbst in seinem Fernrohr das "Siebengestirn" niemals so sehen könnte.

OK, das war mir egal, ich hatte einen Plan, ich brauchte jetzt ein "richtiges" Fernrohr.

Mein Vater kaufte mir den bekannten Bausatz "Astro Cabinet 90" - und ich war voll beschäftigt. Dazu bekam ich noch ein paar Bücher ("Das Sternguckerbuch" und "Vom Schattenstab zum Riesenspiegel" und noch einiges mehr). Meine erste "große" Beobachtung, an die ich mich noch genau erinnere, war die totale Mondfinsternis am 9. Januar 1982. Ich hatte mir das größtmögliche Teleskop aus dem Bausatz zusammengesetzt, beim Festschrauben des Stativs am Fensterbrett ging leider der Standfuß aus Plastik zu Bruch. Und wir hatten den "großen Feldstecher" meines Vaters dabei, 7x50 von Zeiss Jena, der wurde nur zu besonderen Anlässen aus der Schrankwand geholt.

In den folgenden Jahren nervte ich dann meinen Vater, ich wollte auch so ein Fernrohr wie Erwin. Der Bausatz war bestellt, die Lieferung dauerte Jahre. Zwischendurch experimentierte ich mit Gläsern aus Brillen und Lupen, wickelte Tuben aus Zeitungspapier und Weißleim auf Rundhölzern und Rohrstücken, die ich mir in passenden Durchmessern manchmal auch nur auslieh.

Des einen Freud ist des anderen Leid, Erwin erging es dann wie mir heute auch: Seine Augen wurden schlechter, und er fragte mich, ob ich sein Fernrohr ausleihen möchte. Damit waren meine Basteleien dann so ziemlich vorbei, ich konnte mich nun aufs Beobachten konzentrieren.

Als Erwin einige Jahre später starb, schenkte mir seine Witwe den Refraktor.

1990 kaufte ich mir dann - nach einem (ach was, vielen!) traurigen Blick/en auf die Preise des damals aktuellen MEADE Katalogs von KOSMOS - einen Bresser Newton, den klassischen 114/900 (?) auf Wackelmontierung - und fand schnell heraus, dass der Spass damit eher überschaubar war. Vom Refraktor war ich einfach besseres gewohnt.

Aber das ist dann eine andere Geschichte ...
 
Ich habe leider keinen Bezug auf Astronomie in der Vorwendezeit. Unsere Schule hatte einen Astro-Turm der irgendwann wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste. Da hab ich nur noch schwache Erinnerungen an die Zeit - eine Astro-AG gab es sicher auch. Ansonsten hatte ich Verwandtschaft die bei Zeiss in Jena gearbeitet hat. 😊
 
Nach wie vor finde ich es verwunderlich, dass es damals nicht viel mehr Spiegelschleifende gab, im Osten wie im Westen. Stattdessen wurde viel Energie in die Beschaffung von kleinen Refraktor Optiken wie dem 50/540 Objektiv gesteckt und es wurden panzerartige aufwändige Montierungen gebaut, die entweder viele Jahre im Selbstbau dauerten oder ganze Jahresgehälter kosteten.

Fehlte es am Material, Know How, oder an Fantasie? Es gab im Westen wie im Osten Firmen wie Schott, die das Glas hätten liefern können. Es gab Literatur in Deutsch und Russisch, wie man Teleskopspiegel schleift. Im Nachhinein betrachtet denke ich, dass es eher an Fantasie mangelte. Alles folgte scheinbar unumstößlichen Konstruktionsprinzipien: Ein auch nur etwas größerer Teleskopspiegel musste dick wie ein Backstein sein, eine Montierung dafür musste parallaktisch sein... mit armdicken Stahlachsen und aufwändigen Feinbewegungen. Ein Blick über den großen Teich Richtung John Dobson und seinen Zeitgenossen hätte gezeigt, wie es größer, leistungsfähiger und gleichzeitig einfacher hätte sein können.
 
Als ich am Anfang meiner Astrokarriere in einem astr. Sommerlager war, etwa 1980, lernte ich dort zum Selbstbau: Eine gute Montierung muß etwa das 10-fache der verbauten Optik kosten! - das war prägend.
Btw, man konnte nicht einfach bei Schott in Jena vorbeigehen und einen Spiegelrohling bestellen/kaufen, auch wenn die das Glas hätten liefern können.
 
Im Nachhinein betrachtet denke ich, dass es eher an Fantasie mangelte.

Jetzt die DDR von außerhalb zu beurteilen geht leider immer schief! Man muß drin gelebt haben um dies zu tun.
Im übrigen gab es ca 300 Volks und Schulsternwarten und jede Schule hatte ein Teleskop mit Montierung.
Allerdings hatten die Lehrer wie überall, bis auf Ausnahmen, keine Lust nachts im kalten zu arbeiten.
Fragt mal wo diese Ausrüstung heute ist und wann und wohin sie verschwandt?

Gruß
 
Hallo Stathis

aus manchen Berichten kann es dir so vorkommen:

Stattdessen wurde viel Energie in die Beschaffung von kleinen Refraktor Optiken wie dem 50/540 Objektiv gesteckt

Die Aussage ist recht pauschal - stimmt so nicht - es war meist der Anfang.
Aber da muß man die Umstände + Möglichkeiten in der ehemaligen DDR wirklich kennen.
Jetzt die DDR von außerhalb zu beurteilen geht leider immer schief! Man muß drin gelebt haben um dies zu tun.
Genau.
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Diese kleine Optik war für einen Jugendlichen noch erschwinglich, allerdings meist nicht sofort verfügbar.
Ich habe z.B. fast ein Jahr gewartet, ehe ich den Bausatz bekam.
So war es auch mit größeren Refraktor-Optiken 80/1200mm, 100/1000mm. ...
Komplettgeräte (ebenfalls mit z.T. langer Wartezeit) waren oft unerschwinglich für einen DDR Durchschnitts-Verdiener.

Da hatte ein Herr Roth aus der BRD kein Problem mit der Lieferzeit (und Preis weiss ich nicht?)
(in seinen Büchern sind oft Carl-Zeiss-Jena Teleskope + Montierungen im Bild zusehen.)
Will sagen: Für Devisen wurde in der DDR fast alles geliefert/getan.

Nach wie vor finde ich es verwunderlich, dass es damals nicht viel mehr Spiegelschleifende gab, im Osten wie im Westen.

Es gab in der DDR eine kleine Firma (Wilke - Gressmann , in Falkensee bei Berlin), die Spiegel herstellte.
Dort konnte man Spiegel Sets (für Newton + Schmitt-Kameras Cassegrain) erwerben.
Nun bin ich nicht des Spiegelschleifens so kundig, aber bestimmte Materialien außer dem Rohling waren /sind dafür notwendig.
Selbst diese Materialien waren sicher in der Planwirtschaft der DDR kontigentiert.

Ja, es fehlte oft am Material, Know How weniger und Fantasie das ist eine Ansichtssache.

Es gab im Westen wie im Osten Firmen wie Schott, die das Glas hätten liefern können.
Du schreibst Hätte - dazu war der Markt (BRD) sicher zu klein und bei Schott in Jena kam noch die Planwirtschaft hinzu.

Es gab Literatur in Deutsch und Russisch, wie man Teleskopspiegel schleift.
Um mal was richtig zu stellen: In der DDR brauchte man nicht unbedingt russische Fachliteratur bemühen.
In den Bibliotheken konnte man fast alle Westpublikation einsehen. Wenn nicht, dann gabs
noch andere Wege: es von der Oma mitbringen oder Verwanden/Bekannten schicken zu lassen. usw.

Was die Konstruktionsprinzipien an geht, da hast du sicher recht.
"Ein auch nur etwas größerer Teleskopspiegel musste dick wie ein Backstein sein, eine Montierung dafür musste parallaktisch sein."
"Ein Blick über den großen Teich Richtung John Dobson und seinen Zeitgenossen hätte gezeigt.....,

Das Dobson-Prinzip wurde am Anfang ja von allen Seiten skeptisch betrachtet (Fernrohr-Schubser).
Das daraus ein gewisser Hype in der Astro-Amateur-Szene wurde, konnte niemand vorhersehen.
Und ja, ein Dobson hat visuell manch Vorteil (viel Licht in Relation zum Preis); aber kein Vorteil ohne Nachteil.
Aber das ist eine andere Diskussion.


CS Dieter
 
Da fällt mir noch ein, daß in der DDR schon 1964 in Hobbyzeitungen Artikel erschienen, die die Herstellung von Spiegelteleskopen beschrieben. So findet sich auf meiner Festplatte sowohl eine Bauanleitung mit fertigem Spiegel als auch die Beschreibung zur Herstellung von Spiegeln aus Schaufensterglas von 8-10mm Dicke. Damit dürfte wohl einiges an Irrglauben ausgeräumt sein. In welcher Veröffentlichung, kann ich nicht mehr nachvollziehen, aber die Selbstschleifanleitung und auch die Spiegelprüfung unterscheidet sich nicht von den heute üblichen Methoden. Die Verbreitung der Zeitung war immens. Warum die Leute nicht auf den Zug aufsprangen kann ich aber auch nicht sagen. Ich habe das Projekt immer vor mir hergeschoben. Die Probleme des Alltages waren doch wohl zu raumgreifend. Die beiden Titelblätter s.u.
Gruß :cool:
 

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Das stimmt, dazu kommt noch, dass sich der Dobson auch in den alten Bundesländern erst in den 80ern begann durchzusetzen. Warum auch immer wurde dieses Prinzip bis weit in die 70er weltweit belächelt und für nicht durchsetzungsfähig gehalten. Und worüber sprechen wir in diesem Threat? Über die 60er Jahre, jawoll auch mit ein paar Entwicklungen in den 70ern und 80ern. Aber das beantwortet vielleicht die Frage, warum in der ehemaligen DDR der Dobson kaum Verbreitung fand.

Und noch etwas, Phantasie und handwerkliches Geschick hatten viele Hobbyastronomen in der DDR, jedenfalls viele die ich kenne. Auch Fachliteratur gab es recht viel und Brauchbares. Wie hier von einigen schon richtig bemerkt, brauchte man aber entweder Beziehungen oder D-Mark, um an bessere oder größere Optiken zu kommen. Und die bekannten Markenfirmen in der DDR produzierten auch lieber für die Gegenden der Welt, die mit D-Mark oder so bezahlen konnten ;)....

Und noch was zum selber Schleifen von Spiegeln, ja auch das wurde gemacht und vielleicht gar nicht so selten, ABER: Auch dafür brauchte man das Rohmaterial, die notwendigen Werkzeuge und Schleifmittel und die Möglichkeit zum verspiegeln. Wer das alles zur Verfügung hatte, kann sich natürlich leicht fragen, warum das nicht häufiger gemacht wurde.

Grüße Peter.
 
Fragt mal wo diese Ausrüstung heute ist und wann und wohin sie verschwandt?

Gruß
…auf meinem Telementor klebt noch eine Inventarnummer.
:rolleyes:

Ich habe ihn aber vor zwei Jahren ganz legal erworben…:)

Freundliche Grüße in die Runde,
Felix

P.S.:
Ich lese hier als Spätgeborener (1988) immer gerne mit. Seit ich mit dem Jenoptem 10x50 von meinem Opa meinen Einstieg in die Himmelsbeobachtung hatte, habe ich ein besonderes Interesse für ostdeutsche Astrooptik…
 
Hallo Frank,


Den Anhang 485345 betrachten
Genau, hier ist mein Exemplar. ;) Ich bekam es 1976 geschenkt. Es hat buchstäblich mein weiteres Leben verändert. Ich kenne eine ganze Reihe von Leuten, bei denen es genau so war...
Die "Selbst erlebt"-Reihe waren Bücher, mit denen man etwas bauen konnte. Manch einer hat nach einem Buch dieser Reihe ein Radio gebaut oder halt sein erstes Fernrohr. So konnte man - dank "polytechnischer Grundkenntnisse" - in der DDR auch zu einem Fernrohr kommen. Oder auch zu einem Jakobstab oder einem Sternhöhenmesser. (Allerdings nicht in den 1960ern - das Buch kam erst 1973 heraus.)

Gruß,
Niko
Ich liebe diese spannende Unterhaltung über den Selbstbau in diesen Zeiten. Da sind ja herrliche Teleskope dabei. Ich bin zwar kein Optiker, aber Konstrukteur und erfreue mich einfach an den schönen Lösungen. Hat jemand das Buch übrig für mich?
 
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