Wie man in den 60-zigern in der ehemaligen DDR zu einem Fernrohr kommen konnte

Hallo,
in meiner Sammlung steht noch ein monokularer 10x50 Feldstecher mit einem Tellup als Vorsatzfernrohr. Das Vorsatzfernrohr habe ich nun seit über 50 Jahren nicht mehr benutzt. Nachdem ich mir damals aus einem Zeiss-Bastelsatz ein Fernrohr 50/540 gebastelt hatte, war das Vorsatzfernrohr obsolet. Gestern habe ich die Kombination nach langer Zeit wieder mal auf den zunehmenden Mond gerichtet. Abgesehen vom Tunnelblick war ich positiv überrascht, das Mondbild war kontrastreich und scharf, also durchaus brauchbar. Ich erinnere mich, daß ich mit dieser Kombination damals auch den Saturnring auflösen konnte. Ich hatte den Feldstecher damals, geklemmt zwischen zwei Sperrholzbrettchen, auf ein einfaches Photostativ mit Kugelkopf montiert. Zum Beobachten hatte ich mich auf eine Fußbank gesetzt, war eine wacklige Angelegenheit, ging aber. Schön war die Jugend, jetzt sind meine Fernrohre aber etwas größer.

C.S. Frank

VorsatzFernrohr.jpg
 
Hallo Frank,

danke fürs Zeigen!

Was kommt bei der Kombination für eine Vergrößerung raus?

Freundliche Grüße in den sonnigen Sonntagnachmittag,
Felix
 
Hallo,
fast genau so wie bei FrankZ hat meine Mondbeobachtung begonnen, Ende 80er Jahre in der DDR, ich hatte ein Jenoptem 10x50W Zeiss Jena und habe ein Zeiss Jena Turmon 8x21 dahinter gebaut. Macht 10x x 8x gleich 80fache Vergrößerung. Ich sehe heute noch diesen hoch aufgelösten Mondanblick der Apenninen und den drei Kratern Archimedes, Autolycus und Aristillus. Was für ein brillianter Anblick, wer guckt schon zeitgleich durch zwei Zeiss Ferngläser.
So einen Telementor hätte ich mit Lehrgeld nicht bezahlen können, Muttern hat leider auch nicht viel verdient, also blieb nur die DDR Variante Arbeitshilfe in Betrieben (Teppichreinigung, Äpfel pflücken und tatsächlich für den "Westen" Zwiebeln aussortieren, die Lieferung kam von dort zurück...), die brauchten ständig auch Leute. Davon konnte ich mir dann zuerst den 10x50W leisten.
Gruß Olaf, der immer noch gerne Mond guckt.
 
... sorry, dass ich nochmal auf ein Teil-Thema vom Beginn des Threads zurückgreife (bin durch Zufall hier reingerutscht :-) ).

Ich kann noch was zum Thema "Verspiegeln@DDR" von Niko (@WUNNI) beitragen.

Für die Spiegel-Selbstbauer (die nicht auf den Luxus. der professionellen Verspiegelung zugreifen konnten) gab es noch eine Anleitung zum Versilbern von Spiegeln ... natürlich von Zeiss. Ich hatte mal vor über 25 Jahren bei einem verstorbenen Sternfreund Literatur gefunden, die er in seiner Blütezeit (Mitte der 50er Jahre bis in die 80er Jahre hinein) genutzt hatte.

Da war eben auch eine Anleitung aus dem Jahre 1930 dabei ... liest sich höchst interessant und spektakulär. Vermutlich muss man die Zutaten heute im Darknet bestellen, oder man kommt Besuch, morgens um 6, und muss den Bademantel bereithalten, wenn man normal "bestellt" :-) .
Wenn ich mir überlege, dass ich zu meinen Elektronik-Sturm-und-Drang-Zeiten (Ende der 80er Jahre) noch Leiterplatten mit Eisen-III-Chlorid geätzt hatte (was damals schon in der DDR verboten war - und ich nur über Beziehungen einen Liter dieses Teufelszeugs bekommen hatte - , aber das hat eben bestens funktioniert) .

Egal, Versilbern hält noch weniger (lang) als das unbeschichtete Aluminisieren ... aber besser als gar nichts. Wir reden hier schließlich über die DDR-Zeit.

Und ja, auch ich hab mit dem C50-Bausatz (direkt bestellt bei Zeiss) und dem Berlebach-Stativ aus dem Zeiss-Laden auf dem Alexanderplatz in Berlin angefangen.
Der Oldtimer ist immer noch da ... massiv aus Stahlrohr gebaut (ich hatte als Werkzeugmacher-Lehrling eben keinen anderen Material-Zugang :-) ).
Später hatte ich nochmal eine hochwertigere Kleinserie des C50-Refraktors aufgelegt ... die sind sogar bis nach Dänemark (wenn ich mich richtig entsinne) ausgewandert.

Hier nun die Bilder der fünseitigen Versilberungsanleitung, die sich vielleicht der eine oder andere Interessierte auch als pdf organisieren kann (Zeiss-Archiv?).

20260621_01.jpg
20260621_02.jpg

CS,
Marcel
 
... es war nur zur Anstiftung gedacht :LOL: ... ich bin aus dem Alter für Unfug (chemische Experimente und biologische Selbstversuche) herausgewachsen.
Zudem hab ich das Papierexemplar nicht digitalisiert vorliegen. Ich dachte, dass man so was evtl. im Zeiss-Archiv online erhalten kann?

Ich habe auch noch ein paar weitere Anleitungen zum allgemeinen Teleskop-Bau (Spiegel-Fernrohre, Linsenfernrohre, Okulare etc.) .
Kurz nach dem II.WK gab es durchaus schon wieder astronomisch Begeisterte, die etwas Geld für die Leidenschaft übrig hatten. Ich kann jetzt natürlich nur für die sowjetische Besatzungszone (inkl. der Freien Republik Schwarzenberg, wo ich sesshaft bin) sprechen.

Man glaubt es kaum, dass die Amateure Anfang der 50er Jahre im Selbstbau so stark mit Material und Anleitungen unterstützt wurden.
Die Schere der finanziellen und materiellen Möglichkeiten gingen ja ab Mitte der 50er Jahre doch sichtbar (ab den 60er Jahren auch deutlich spürbar) auseinander (zwischen den Besatzungszonen).
 
Hallo Felix,
das Tellup hatte eine Vergrößerung von 2,5x. Mit einem 10-fachen Feldstecher ergibt das eine Gesamtvergrößerung von 25x. Da das Tellup ein Galileiglas ist, ist allerdings das Gesichtsfeld beschränkt. Die Kombination hat dadurch einen Tunnelblick. Ich kann mir heute gar nicht mehr vorstellen, wie ich damals damit Planeten und Doppelsterne beobachtet habe, zumal das auf einem wackligen Photostativ befestigt war.
Das war das Anstifterbuch für meine Fernglasexperimente (natürlich nicht mehr das Originale von damals, das hatte sich in fliegende Blätter aufgelöst, dieses gut erhaltene Exemplar habe ich später nachgekauft):
BrandHiwu.JPG
 
Zurück
Oben