Hallo Thorsten und Marcus_Z.,
Was ist denn ein Richfieldgerät? Eines das nur großes Feld kann oder eines das auch großes Feld kann?
Wo wollen wir denn anfangen? 3° mögliches Feld oder 4°?
Ich gehe mal davon aus, dass neben mir viele Leute irgendwo dazwischen ihr Minimum ansetzen würden, wenn sie sich denn mal über die Begrifflichkeit klar werden müssten und wollten.
Um den Dreh fängt es an, dass man den kompletten Nordamerikanebel mit dem Pelikan in einem Feld hat oder auch alle Komponenten des Cirrus, die Andromeda-GX komplett oder die Plejaden wirklich als Sternhaufen im Feld und nicht nur als ein Feld von Sternen sieht.
Dafür sind wir dann bei Ausnutzung der vollen Feldblende eines 2" Okulars (46/47 mm) bei 600-700 mm Fernrohrbrennweite.
Danach ist also ein 80/600er ED mit f/7,5 grundsätzlich genauso weitfeldtauglich (und kann noch mehr) als ein 100/600er (Weitfeld)Achromat mit f/6, da man an beiden Teleskopen verlustfrei Okulare mit 46 mm Feldblende einsetzen kann.
Nimmt man nun den kürzlich diskutierten 102/460er Achromaten (der als ED firmiert aber nicht farbreiner als ein FH ist), dann stellt man fest, dass hier ED hin oder her zwar Weitfeldtauglichkeit vorliegt, aber sinnvoll nur Okulare mit maximal 42 mm Feldblende eingesetzt werden können, da hier schon 7,1 mm AP anliegen. Das extrem angespannte und äußerst design- und okularkritische Öffnungsverhältnis ist also visuell überzogen und unnütz.
Alles was dieses beispielhaft genannte neue Teil kann geht also schon mit einem guten 4“ f/5er besser und unter geringen Feldeinbußen, die durch leichter/günstiger erreichbare Randschärfe, welche ja für Weitfeldanwendung sehr wünschenswert ist, mehr als wett gemacht werden, geht das mit f/6 wirklich richtig gut.
Dabei sollte man sich nicht einbilden, dass der bei 4“ f /4,6 sehr heftig ausfallende Farbfehler bei f/6 verschwunden wäre. Nein, er fällt bei all diesen Achromaten zu kleineren Öffnungsverhältnissen hin nur immer weniger dramatisch aus, sodass man von ganz geringen Vergrößerungen zu immer höheren Vergrößerungen kommen kann, bis man schließlich bei f/12 aufwärts von guter Korrektur sprechen kann.
Es gibt Vorschläge und Ideen zu guten 4“ Eds die das wirklich mit f/6 hinkriegen, aber bislang ist da keine Produktion in Sicht. ;(
Das alles bedeutet wiederum nicht, dass sich jeder durch den Farbfehler gestört fühlen soll und muss.
Ich persönlich halte auch die Information über die tatsächlichen Sternfarben für wichtig (weil das etwas über ihre Natur, ihren Zustand aussagt) und bei hellen Sternen kann man die ja, allen Unkenrufen zum Trotz sehen, selbst mit Ferngläsern und kleinen Teleskopen, sonst wären Albireo und Co nicht zu solcher Bekanntheit gelangt.
Wenn also ein Teleskop nicht alle Farben nicht in einem Fokus vereinigt, dann kommt es hier zu Verfärbungen. Meist wird bei den Achromaten, wie auch im Test von Tommy schön zu sehen, im Fokus ein blauer Halo am auffälligsten, weil blau schlecht korrigiert ist. Auch wenn man diesen Halo vor grau/schwarzen Grund nicht oder schlecht sieht, er ist auch bei schwachen Sternen immer da.
Dem Stern fehlt das Blau, also tendiert er eher zu gelb, sehr auffällig bei eigentlich weißen Sternen.
Je kleiner das Teleskop oder auch die Brennweite, umso wichtiger ist nach meinem Dafürhalten eine Farbkorrektur, die auch höhere Vergrößerungen zulässt, denn wenn man unter 500 mm Brennweite geht, dann kommt man mit den (Übersichts)Okularen, die große Felder liefern, also nahe der zuträglichen Mindestvergrößerung auf Vergrößerungswerte unter 20fach, ja unter 15fach und das geht mit beidäugigem Sehen, also mit einem Fernglas besser, intuitiver, transportabler und günstiger.
Steigern wir mit passenden Okularen die Vergrößerung auf 20/25fach damit sich der Umstieg vom 10x50 Fernglas lohnt, dann haben diese Okulare wieder kleinere Feldblenden, also kleinere Gesichtsfelder und die kann man dann mit langbrennweitigeren Okularen an an einem Teleskop gleicher Öffnung aber eben entsprechen länmgerer Brennweite und entspannterem Öffnungsverhältnis auch locker und besser, günsiteger erreichen.
Der einzige vernünftige Grund für ein solches Fernrohr liegt also in der Möglichkeit noch höher zu vergrößern und da landen wir halt wieder bei ganz kleinen EDs und APOs die auch zusätzlich gut für alle fotografische Anwendungen sind und nicht nur, wie alle Achros für Schmalband.
Farbrein und damit hochvergrößerungsfähig wären auch Newtons, sogar weitfeldtauglich im Sinne der obigen Definition, wie z.B. 130/650er Newtons, allerdings wird der Marktbereich „Kleinnewtons“ extrem von Billigstprodukten beherrscht, die nicht nur mit mangelnder Ausleuchtung, sondern darüber hinaus häufig auch mit mangelnder grundsätzlicher, mechanischer Qualität, mangelhaften oder ganz fehlenden Justiermöglichkeiten und sonstigen Unsinnigkeiten aufwarten. Sie sind zwar billig, werden aber i.d.R. im Originalzustand nicht mit öffnungsangemessenen Leistungen aufwarten.
Am brauchbarsten scheint(!) noch der SW 350/650er PDS zu sein, ansonsten sehe ich da derzeit nur Bastelvorlagen für Selbstbauer. Diese Newtons sind zwar recht günstig, aber man trägt, selbst beim PDS, eben mehr Öffnung durch die Gegend als das Teleskop tatsächlich zur Wirkung bringt.
Von daher ist es m.E. keine schlechte Variante, es mit einem kleinen 3-4 Zoll ED um 600 mm (max.700 mm) Brennweite zu versuchen oder eben große Öffnung mittels Handwagen/Fahrradanhänger und/oder dem Konzept guter Reisedobson transportierbar zu machen.
Gruß
*entfernt*