Hallo juhu58 !
Ich werde immer gerügt, dass ich als Berater immer meine Meinung abgebe. Ein Berater sollte neutral sein und zur Entscheidung hinführen, nicht empfehlen.
Daher bin ich nun kein Berater, sondern ein subjektiver Empfehler.
Die Frage ist, was willst Du beobachten, wie sieht es mit Stauraum, Transportabilitätsbedarf des Gerätes aus, wo wohnst Du und geht es Dir auch um ein gewisses Gefühl, "Dir was gönnen " zu wollen ?
Lass mich 3 Beobachtertypen zusammenfassen (und alle 3 passen irgendwie auch auf mich):
1. der Technikfreak, der optische Qualität und maximalen Nutzen in den Vordergrund stellt:
Also am Besten einen Dobson mit qualitativ hochwertigem Spiegel und 2" Metallokularauszug (Händler in D gibt es einige), damit Du später auch langbrennweitige Weitwinkelokulare verwenden kannst.
Vorteil: gut geeignet für Planeten, sehr gut für Deep Sky - da siehst Du wirklich schon was (ich habe einen, mit einem schlechten Spiegel, den ich auf 7" abgeblendet habe).
Schön verarbeitete, leichtgängige und exakt laufende Rockerboxen, selbige geben auch etwas her beim Ansehen und das Ganze wirkt "professionell", Freaks haben alle einen Dobson (bitte um Entschuldigung). Natürlich gibt´s dann kein GoTo, oder nur mit Bastelaufwand.
Aber offengestanden - Suchen und Finden macht viel Spass.
2 Okulare, 15mm (80x) und 40mm (30x), 1x Barlow 2x; ev. Justierlaser oder Cheshire-Justierokular (letzteres verwende ich).
Nachteil: schwer, lange Auskühlzeit, Justierung muss optimal sein, damit es gute Ergebnisse liefert, Stauraumbedarf
2. Der Pragmatiker, sucht einen Kompromiss zwischen Abbildungsqualität und Flexibilität, leichte Handhabbarkeit
Dann empfehle ich einen 6" Maksutov oder 5" SC auf zumindest Äquatorialmontierung, vielleicht auch schon mit Motorantrieb; Aufrüstbarkeit auf Goto ist meist gegeben.
2 Okulare dazu für niedrige und mittlere Vergrößerung und eine gute 2-fach Barlow.
Vorteil: kann visuell und fotografisch eingesetzt werden, kompaktere Bauweise, leichter transportabel, umfangreiches Zubehör für Fotografie, gute Abbildungsqualität, ein Kompromiss bei Planetenbeobachtung und Deep Sky;
Nachteil: Ähnlich wie beim Dobson / Newton - exakte Justage sind nötig, um gute Ergebnisse zu liefern, Auskühlzeit
Der Ästhet:
Er besitzt einen guten Refraktor, z.B. einen dieser Volksapos 8,oder 100mm oder noch besser einen TeleVue 76 bzw. einen Takahashi FS78 auf leichter Azimutalmontierung.
Vorteil: leicht zu transportieren, steht dekorativ im Wohnzimmer und ist sofort einsatzbereit. Kein Jamme rmit Justierung, hervorragend an Planeten, Mond und natürlich zur Tagesbeobachtung (Natur). Überraschenderweise auch im Deep-Sky sehr gute Ergebnisse. Vor allem durch den schönen Kontrast. Aber nur bei großflächigen und hellen Objekten. Der Ringnebel in der Leier kommt noch einigermaßen gut durch, Galaxien sind schon eine Herausforderung.
Nachteil: Teuer, wenig Öffnung
Wo bin ich gelandet ?
Ich habe kein Gerät für den Typ 2 mehr. Mein 5" Celestron C5 habe ich verkauft, weil mir ein TeleVue Ranger (70mm Refraktor) wesentlich schönere, ästhetische Bilder geliefert hat und außerdem sehr transportabel ist.
Danach kaufte ich mir eine 102mm Refraktorgurke (weil es mir Refraktoren angetan haben), tauschte die Optik gegen eine gute Russenoptik und rüstete das Ding mit einem Binokularansatz aus. Herausgekommen ist ein wunderbares Gerät. Nächster Schritt - Deep Sky. 8" Dobson, mäßiger Spiegel aber dennoch gute Ergebnisse, vor allem kommen lichtschwache Objekte sehr gut durch.
Und zuletzt noch ein TeleVue 85 APO.
Das ist die Krönung. Keiner trennt Doppelsterne so exakt, liefert liebliche Planetenbilder und lässt sich am Mond auf 300-fache Vergrößerung hochtreiben (bei guten, ruhigen Luftverhältnissen), ohne dass die Qualität einbricht.
Ach ja - und ein gutes Fenglas - 10x50, Docter (Zeiss) Classic (Dekarem).
Womit wir beim Thema sind - wenn Du mit 1500€ Startgeld einsteigst, landest Du sowieso bald bei mehr an Ausgaben.
Zum Schluß - was würde ich tun, wenn ich nach meinen Erfahrungen wieder von vorne anfangen sollte ?
Den TeleVue 85 kaufen. Da habe ich zwar mehr an Initialgeld ausgegeben, weiss aber, dass ich Qualität habe, die Freude macht, trag das Ding schnell raus in den Garten und wenn ich nicht mehr will, gleich wieder rein - Ruckzuck. Und zur Naturfotografie ist es eine (zugegebenermaßen schwere) hervorragende Teleoptik.
CS und noch viel Freude mit Deinem wiederentdeckten Hobby.
Hans