Die Zeit der Mondlandungen hat natürlich eine Flutwelle in der lunaren Nomenklatur angestoßen. Da wurden ja nicht nur alte Klamotten aus der Mottenkiste reguliert, sondern auch unzählige Figuren aus der damals aktuellen russischen und amerikanischen Raumfahrt mit persönlichen Kraternamen versorgt.
Aber Vorbereitungen zur offiziellen Regulierung der Nomenklatur begannen schon 1920 kurz nach der Gründung der IAU mit der Bildung einer Kommision, deren Arbeit in dem zweibändigen Druckwerk "Named Lunar Formations (NLF)" kulminierte, welches 1935 auf dem IAU Kongress in Paris abgesegnet wurde. Die prinzipiellen Autoren des NLF waren
Mary A. Blagg und
Karl Müller. Der NLF übernahm im wesentlichen die Benennungsphilosophie von
Riccioli mit wesentlichen Ergänzungen von
Schröter. Eine Übersicht dazu findet man bei Wikipedia unter dem Stichwort
Selenography und eine ausführlich Darstellung in dem bereits zitierten Buch "Mapping and Naming the Moon" von Whitaker.
Die Dominanz der Amerikaner und Russen in der Raumfahrt der Sechziger Jahre schlug sich natürlich auch in der Mondnomenklatur nieder, was nicht unbedingt allen Selenologen gefiel. Ich erinnere mich noch an eine Astronomie-Vorlesung über den Mond in Hamburg, wo sich 1964 die IAU zu ihrem dreijährlichen Kongress versammelt hatte, in der sich der Professor über die sprachlich verballhornten latinisierten Bezeichnungen fürchterlich aufregte. Dazu kommen ja noch allerlei Probleme bei der Übertragung russischer, chinesischer, ja sogar deutscher Namen in ein international akzeptiertes Format.
Trotz löblicher Bemühungen um ein allgemeingültiges Benennungsformat ist das ganze eher noch chaotischer geworden.