Naja, egal ob visuell oder fotografisch, sowohl das Flimmern/Wabern in der Atmosphäre wie auch Schleierwolken und Dunst in den oberen Atmosphärenschichten stören das optische Erlebnis schon. Natürlich lassen sich auch visuell mehr Details erkennen, wenn es nicht so stark wabert.
Das Wabern kommt meiner Meinung nach aber
nicht ausschliesslich durch Luftbewegungen in unmittelbarer Nähe der Erdoberfläche sondern auch durch sehr hohe Winde, bei denen offenbar auch thermische Effekte für Wabereffekte sorgen.
Ich sehe das so: Ich und vermutlich der grösste Teil der Hobby-Astronomen haben leider keine überragenden Standorte mit erstklassigem Seeing. Wir alle müssen Kompromisse in allen Richtungen eingehen (Lichtverschmutzung, Luftverschmutzung, zuviel Luft vor der Optik und so weiter). Nun kann man an allen Schrauben etwas drehen, wird aber meist nie dahin kommen, wovon man (vielleicht) träumt : ein Standort in ordentlicher Höhe in abgelegener Gegend, wo man nachts gar kein Streulicht von Industrieanlagen oder Städen hat. Je nachdem, wie hoch der Stellenwert des Hobbys ist, ist man vielleicht bereit, den Aufwand zur Verbesserung des Seeings zu treiben, wohl wissend, dass wir es auf einer Skala von 0 - 100 ( 0 = Innenstadt von Berlin, 95 = Astrofarm in Namibia, 100 = Mauno Loa) dann von unseren 15 mit vertretbarem Aufwand auf 20 bringen und mit grossem Aufwand vielleicht auf 25.
Nachdem die DB vor einem Jahr hier in Lehrte in 1500m Entfernung von unserem Haus einen sogenannten "Megahub" (Container-Verlade-Anlage der Superlative, die nicht grundlos "Mega....." heisst) in Betrieb genommen hat und dieses Areal mit unendlich heller Beleuchtung ausgerüstet hat (s.Anhang) , habe ich jetzt nicht nur nach Westen (15km bis zur Stadtmitte von Hannover) sondern auch nach NO und O einen derart hellen Himmel, dass DS wirklich sehr noch viel schwieriger ist als ohnehin schon. Ich habe mir zwei Beobachtungs-Standorte auf unserem Grundstück eingerichtet, der eine auf der Terrasse (Richtung Hannover durch das Nachbarhaus abgeschattet, Richtung Megahub durch unser eigene Haus , Nachteil stark eingeschränkte Sicht ) der andere direkt in der Südost-Ecke des Grundstückes, nachts jetzt übrigens gut beleuchtet durch den Megahub und eine Straßenlaterne vor unserem Grundstück, aber für Mond und Planeten gute Sicht, da davor keine Häuser mehr sind sondern freier Acker.
Um für DS einen deutlich dunkleren Beobachtungsplatz zu nutzen, müsste ich mit dem Auto ca 25km in die Walachei hinter Burgdorf fahren. Ich hatte das schon öfter mal im Auge, aber der ganze Aufwand mit einpacken, hinfahren, aufbauen, - nutzen - , abbauen, einladen, zurückfahren, ausladen (und das noch alleine) hat mich bisher davon abgehalten. Ich habe mich immer wieder dafür entschieden, lieber auf meiner Terrasse aufzubauen, den Kaffee-Vollautomaten in unmittelbarer Reichweite

, wohlwissend, dass ich mit einem Wert von 15 operieren muss anstatt den evtl. zu erwartenden Wert von 25 in der Walachei hinter Burgdorf.
Die Ergebnisse sind eben immer
relativ gut bzw
relativ schlecht, das gilt meiner Meinung nach immer und für jeden Standort.
In den gut 2 Jahren, die ich dieses Hobby nun betreibe habe ich eins gelernt : Man braucht natürlich gutes Equipment, was man aber mehr braucht, ist die Erfahrung, damit umzugehen ( da bin ich sicher noch im unteren Teil der Lernkurve ), aber was man am meisten braucht, ist Geduld, Geduld und nochmal Geduld.
Im Wesentlichen Geduld, auf gutes Seeing zu warten, den perfekten Moment zu erwischen, wo es einfach "passt".
Da ich seit einem Jahr versuche, alles zu fotografieren (auch weil mich die dabei erforderliche Technik fasziniert), leide ich natürlich u.a. auch an diesem Flimmern/Wabern. Ist es nicht zu stark, kann das Stacking damit noch ganz gut klarkommen, wird es aber zu stark, leidet die Bildqualität der Aufnahmen dann doch erheblich.
Was ich aber festgestellt habe : Das Wabern kann sich innerhalb kurzer Zeit manchmal völlig verändern. Ich habe im letzten Herbst bei Planetenbeobachtungen machmal gedacht : "Mist, wird heut wieder nichts, weil das so sehr wabert." Und dann plötzlich ist das Wabern für eine halbe Stunde deutlich geringer und die Bilder werden plötzlich erheblich besser. Manchmal schwankt das auch schon innerhalb einer (3 minütigen) Video-Aufnahme stark. Da ich ja auch die Sonne im H-alpha fotografiere, habe ich schon festgestellt, dass die Waberei sehr unterschiedlich stark sein kann. Ich persönlich glaube, dass es sehr stark wabert, wenn es sehr windig (vor allen Dingen auch in großer Höhe) ist.
So, ich werde mich erstmal etwas in die Sonne auf meiner Terrasse setzen und von der Astro-Farm in Namibia träumen. Habe mir aber vorgenommen, diese Traumphasen zu minimieren und dafür nochmal zu schauen, ob es nicht ein gutes Filter gegen Megahub-Beleuchtung gibt ....
waberfreien CS
Jürgen