Workshop/Kurs zu Spiegelschleifen?

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ghubing

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Gibt es dieses Jahr irgendwo in DE einen Kurs zum Spiegelschleifen? Ich habe grundsätzlich großes Interesse, weiß aber nicht ob ich nur mit Videos, Bücher o.ä. den Start gut hinbekomme. Wenn ich irgendwo ein Blockseminar besuchen könnte für ein paar Tage, wäre das toll, aber im Netz bin ich noch nicht fündig geworden.

Danke im Voraus...

Garrett
 
Hallo Gerrett,
In München gibt, oder gab es eine Spegelschleifgruppe um Stathis Kafalis.
Über Ihn bekommst du auch Rohlinge und Schleifmaterial.
Daher ist er eigentlich die erste Anlaufstelle, außer du findest über die Foren jemand in deiner Nähe?
Das Schleifen ist ein etwas zweischneidiges Schwert.
Du musst viel lernen und selber bauen und du musst dich in die Messtechnik einarbeiten, auch den Prozess wie sich Glas, Thermik und Abtragung verhalten musst du verstehen.
Das alles braucht Zeit und kostet auch Geld.
Je nach Durchmesser kommt man auch mit der Verspiegelung an seine Grenzen, bzw. die Verspiegelung kann so teuer sein, dass sich das selberschleifen eigentlich nicht mehr lohnt.
Meiner Meinung nach Lohnt sich der Sebstschliff erst ab 16" + rein aus Kostengründen, da Chinaspiegel schon in der Größe Strehls von 0.90 und mehr haben.
Leider wird es ab dem Durchmesser, je nach Dickenverhältnis und Öffnungsverhältnis auch schon sehr anspruchsvoll.
Da musst du dann erst einmal hinkommen.
Die Sache sieht natürlich anders aus wenn dich die Thematik so interessiert das du das alles lernen willst und quasi die Sache als Hobby im Hobby für dich entdeckst.

Gruß
CS
 
Hallo Garrett,

wenn ich deine Anfrage lese, werden sofort wieder Erinnerungen an ganz früher wach. So mit 14 Jahren beschäftigte ich mich erstmals mit dem "Fernrohr für Jedermann" von Hans Rohr, der übrigens auch Kurse in der Schweiz leitete. Damals waren Newton oberhalb 4" Öffnung in fertig für Normalverbraucher unerschwinglich und der Selbstschliff ein Ausweg.
Rohr propagierte als Anfang einen 150er Spiegel mit Öffnungsverhältnis 1/8. So sollten sich die Schwierigkeiten in Grenzen halten. Außerdem wurde damals ernsthaft diskutiert, ob solch ein großes Fernrohr nicht zu wissenschaftlicher Arbeit verpflichte, ja ob man damit überhaupt nur so zum Spaß gucken dürfte.
In Frankreich begegnete ich einige Jahre später dem Buch von Texereau. Dort galt als Standard Modell lange ein 200er mit f/6 mit der charakteristischen azimutalen Gabelmontierung.
Beide Textquellen könnte ich noch immer als praktische Anleitung empfehlen. Hans Rohr ging auch sehr schön auf alle möglichen Probleme und deren Behebung ein.

Bei Spiegeln dieser Größe ist das ganze heute leider (oder glücklicherweise) wirtschaftlich nicht mehr darstellbar. Mit der Beschaffung des Materials, Einrichtungen für Schliff und Test, und vor allem den Kosten fürs Verspiegeln sind die Kosten für einen fertigen Spiegel oder ein ganzes Gerät aus China schnell überschritten. Außerdem besteht immer die Gefahr des Scheiterns; auch ich habe noch unvollendetes herumliegen.

Ich finde deinen Mut großartig und will dich keineswegs abbringen!

CS Gerhard
 
Hallo Garrett,

wie Gerhard schon geschrieben hat, kommen die Erinnerungen an die Jugendzeit hoch, wenn es ums Spiegelschleifen geht.
Auch ich habe damals mit 15 Jahren angefangen nach genau diesem Büchlein von Hans Rohr.
Meine ersten Gehversuche mit Teleskopen fingen mit einem Kosmos-Linsensatz für 4,80 DM an, dagegen war dann der erste Spiegel mit 150 mm Durchmesser und 20mm Dicke aus Fußbodenglas(was anderes war damals nicht aufzutreiben) ein Gigant.
Später habe ich dann noch einige größere Spiegel und als Krönung meiner Schleiftechnik ein 150mm und ein 200 mm Fraunhoferobjektiv mit jeweils 2500mm Brennweite geschliffen.
Solche Objektive waren zu der Zeit unerreichbar für meinen (für das Hobby freigegebenen) Geldbeutel, da blieb nur der Selbstschliff.
Warum schreibe ich dieses alles?
Nun, wie Gerhard schon bemerkt hat, könnte so ein Schleifabenteuer auch zu einem Hobby werden und ich kann Dir versprechen, wenn es Dich gepackt hat, läßt es Dich nicht so schnell wieder los.
Nicht umsonst haben amerikanische Männer, die diesem Schleifen nachgegangen sind ihre Frauen "Glaswidows" genannt....
Wie gesagt gab es in meiner Astroanfangszeit nicht diese preiswerten Angebote wie heute, da blieb nur der Selbstschliff, wenn man etwas Gutes haben wollte.
Wirtschaftlich ist das heute nicht mehr vertretbar, deshalb solltst Du überlegen, ob es Dir Spaß machen könnte, so einen Spiegel zu schleifen, zu polieren, zu vermessen und letztlich zu parabolisieren. Die optische Qualität kannst Du mit sehr viiiiiiiiiiel Geduld und sehr viel Zeit in höchste Regionen bringen, die den Chinakram weit in den Schatten stellen.
Aber dann befindest Du Dich wirklich in einem anderen Hobbyzweig der Astronomie.
Für mich kann ich nur das Fazit ziehen, ES HAT UNGLAUBLICH VIEL SPASS GEMACHT!!!
Also, wenn das Dein zweites Hobby werden soll, nur Mut und anfangen.

CS Peter
 
Hi,

tja dann oute ich mich auch mal als Spiegelselbstschleifer des vorherigen Jahrhunderts. ;)

Ich hatte keine Lerngruppe und bin nach dem oben genannten Buch von Rohr vorgegangen.
Ich denke das klappt auch im Selbststudium.

Aber es macht wirtschaftlich, wie auch oben schon gesagt, einfach keinen Sinn mehr. Man schleift einen 200mm 1/8 Spiegel und die bekommt man in 1/6, was viel mehr Sinn macht, samt Fernrohr dran für ein paar Hundert Euros. Und an einen grossen Spiegel (>16 Zoll), der wirtschaftlich eher Sinn macht, würde ich mich nach der Erfahrung erstmal nicht rantrauen.

Es ist auch eine extrem langwierige Sache. Man muss viel, viel Geduld haben.
Aber wenn es um diese Gedulds- und der Weg-ist-das-Ziel-Übung geht, dann mal los. ;)

Gruß
Peter
 
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