Re: 15x90 mit 6°real
Hallo Mainzelmann,
das Ganze ist leider etwas komplizierter als ich es oben dargestellt habe, aber die Kernpunkte sind:
langbrennweitige Okulare mit großem Gesichtsfeld brauchen große Strahlquerschnitte (Tuben, Prismen usw.),
auch bei Pentax ist das langbrennweitige 40er eine eigene 2" Konstruktion und 2" freien Durchmesser für die
Prismen hat kein mir bekanntes Fernglas. Für geringe Vergrößerungen (das entspricht großen Austrittspupillen,
da diese über die f-Zahl des Objektivs verknüpft sind, bei der man f5 für Achromaten besser nicht überschreitet)
und große AP braucht man langbrennweitige Okulare und langbrennweitige Objektive, da die Objektive für
Ferngläser meist so f5 haben (50er Öffnung z.B. etwa 250mm Brennweite), braucht man also Pupille 7 (entspricht
bei 50mm Objektiven 7facher Vergrößerung) so grob 35mm Okulare (das gilt auch für andere f5 Objektive) -
und um ein 35mm mit 70-80° Gesichtsfeld auszustatten, braucht man ein Bildfeld (Feldblende) von etwa 2" (50mm)
Durchmesser, das entspricht in erster Näherung dann auch Prismen mit knapp 50mm freiem Durchmesser -
sowas gibt es zwar für Teleskope, aber für Ferngläser wäre das zu schwer und unhandlich. Eine alternative
Lösung wird bei den Bresser SUW Gläsern verwendet: je ein Spiegel und eine Linse pro Rohr, das wird dann
leichter.
Für die hohen Vergrößerungen (kleineren AP) sieht es da gleich besser aus, da die okulare kürzere Brennweiten
haben können und ab so knapp 20mm Brennweite ein Bildfeld von 80° in ein 1 1/4" Rohr paßt (und durch
die bei Ferngläsern meist ebenfalls so knapp 3cm messenden freien Querschnitte der Prismen). Mit 20mm
Okularen bekommst Du am Beispiel 50mm Objektiven mit f5 = 250mm Brennweite 12,5 fache Vergrößerung
(für andere f5 dann auch) und damit AP4 und so sieht man, warum WW-Okulare erst ab AP5 zu haben sind
(manche Hersteller, z.B. Pentax, machen da bei ihren Ferngläsern aber trotzdem Minigesichtsfelder von <50°
rein, um das Prädikat "voll randscharf " zu bekommen - ist halt einfacher, die Feldblende kleiner zu machen
als ein weites Gesichtsfeld scharf).
Bezüglich Brillenträgerokularen muß man sagen, daß bei kurzbrennweitigen Okularen ein großer Hornhautscheitelabstand
normalerweise mit Barlow-Elementen vor dem eigentlichen Okular gemacht wird (Nagler, Pentax, Vixen LV usw.),
dies ist aber bei preisgünstigen Ferngläsern bisher nicht üblich (und für lange Okularbrennweiten auch
nicht nötig, da reicht der "natürliche" Abstand der bei billigen Ferngläsern üblichen Kellner- und bei teureren
meist König-Konstruktion). So haben die meisten WW-Ferngläser mit >60° Gesichtsfeld halt
kurze Hornhautscheitelabstände, die ein Tragen von Brillen nicht zulassen (sieht man nicht mehr das ganze
Bildfeld). Bei Leica und Zeiss treibt man da viel Aufwand, um die schönen großen Gesichtsfelder auch brillentauglich
zu bekommen.
Gruß