Zeiss Dialyt 10x40B?

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sebo

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Hallo,
ich überlege mir ein Zeiss Dialyt 10x40B ( die alte belederte Ausführung) zu kaufen, da ich gerade eine günstige Gelegenheit habe! Kann mir jemand was zu diesem Fernglas sagen? Mich interessieren vor allem technische Daten wie Blickfeld usw. aber auch Kommentare zur optischen Qualität!
Vielen Dank
Sebo
 
Hallo sebo,

ich habe eben mal meinen Zeiss-Prospekt von 1990 herausgesucht. Das 10x40 B T* Dialyt ist da übrigens auf dem Deckblatt abgebildet. Damals habe ich mit dem Gedanken gespielt, mir das 10x40 B/GA T* Dialyt (mit Gummiarmierung) zu kaufen, letztlich ist es dann das 8x30 B/GA T* Dialyt geworden, mit dem ich auch heute noch sehr zufrieden bin (das ist eher etwas untertrieben)!

Einige Daten aus dem Prospekt zum 10x40 B T* Dialyt:

- T*-Mehrschichtvergütung
- Phasenkorrigierte Dachprismen (mit Carl Zeiss P Beschichtung)
- Weitwinkelokulare mit einem Sehfeld von 110 m
- Gewicht: 700 g
- Höhe: 156 mm, Breite: 114 mm.

Soweit ich das damals feststellen konnte, waren das 8x30 und das 10x40 bzgl. der optischen Qualität gleichwertig, und beide sehr gut (Sterne wie Nadelstiche), nur dass das 8x30 ein Sehfeld von 135 m aufweist.

Übrigens: Der Preis für das 10x40 B T* Dialyt lag 1990 immer so zwischen 1.600 und 1.700 DM.

Also wenn das Glas technisch ok ist und der Preis angemessen, würde ich zuschlagen.

Lass doch mal von dir hören, falls du das Glas gekauft hast.

Viele Grüße und CS
Martin
 
Hallo sebo,

meine erste Frage wäre: was soll der Spaß kosten? Ob sich die Investition dann lohnt, das hängt auch vom Alter und natürlich vom Zustand des Fernglases ab. Ich gehe davon aus, daß es eine ältere Version ohne P* aber mit einer recht ordentlichen Vergütung ist. Das bedeutet, das Bild ist nicht ganz so brillant wie eins der letzten 10x40 Dialyt'e und in etwa mit den älteren Zeiss Jena Porro-Gläsern vergleichbar. In der Praxis heißt das, das Dialyt liefert einen guten Kontrast aber kein ganz farbneutrales und auch kein so knackscharfes Bild. In der Schärfe sind die alten Dialyt Gläser (so aus den 70-er Jahren) schon sichtbar schlechter wie die neuen von Ende der 90-er Jahre. Das klingt jetzt aber dramatischer als es ist. Möglicherweise bist Du damit hochzufrieden, Du solltest nur nicht im Fotoladen einen Vergleich mit einem Victory anstellen ... Eine konkrete Einschätzung in Schärfe und Kontrast ist nicht einfach, wenn man das Alter nicht kennt. Steht auf dem Fernglas dagegen T* und P*, dann wäre alles klar und Du kannst optisch gesehen nichts verkehrt machen.

Das Sehfeld bei den 10x40 Gläsern hat nach meinem Kenntnisstand schon immer 110m/1000m betragen. Du bekommst also ein schönes Glas mit Weitwinkelokularen. Für den Astroeinsatz ist so ein altes Dialyt aber gut nutzbar. Die Randschärfe ist zwar nicht perfekt, aber aus meiner Sicht deutlich besser wie bei vielen 10x50 Porro-Gläsern (wie z.B. Zeiss Jena 10x50). In der Mittenschärfe muß man evtl. leichte Abstriche machen, hier liefert ein altes Dialyt möglicherweise nicht die berühmten Nadelpunkte auf schwarzem Samt. Das hängt aber auch vom Alter ab. Das alte Dialyt was ich mal hatte, war in der Disziplin schlechter wie mein 10x50 Dekarem von Zeiss Jena.

Die Vorteile eines (auch älteren) 10x40 Dialyt sind aus meiner Sicht:

1. Mit 4mm AP hat man auch bei mäßiger Himmelsaufhellung ein recht kontrastreiches Bild.

2. Durch die schlanke Bauweise kann man so ein Dialyt freihändig ruhiger halten wie ein 10x50 Porroglas. Zumindest geht mir das so.

3. Für astronomische Verwendung bekommt man bei 6,3 Grad realem Sehfeld eine gute oder je nach Geschmack auch sehr gute Randschärfe.

Nachteil:

Das 10x40 Dialyt hat keine echte Innenfokussierung. Hier werden über den Mitteltrieb die Objektive verschoben und die Objektivfassungen sind gegen das Prismengehäuse durch Stulpendichtungen (eine Art Gummischlauch) abgedichtet. Bei älteren Ferngläsern kann der Mitteltrieb mitunter recht schwergängig sein und/oder es kann trotz Stulpendichtung Staub den Weg ins innere gefunden haben. Da würde ich mal mit einer Taschenlampe durch die Objektive leuchten. Meist sieht man dann schon, ob es innen sauber ist oder nicht. Auch ein Blick aus etwa 10 oder 20cm Entfernung auf die Austrittspupillen (gegen eine helle Lampe) zeigt bei Verschmutzung eine Art Streulichthof um die Austrittspupille. Bezüglich der genannten Schwachpunkte würde ich mir das Glas also sehr genau ansehen.

Ist die Optik ok und funktioniert mechanisch alles so wie es soll, dann würde ich je nach Alter um die 250 bis max. 400 Euro auf den Tisch legen. Das Problem bei den Preisen ist, daß man schwer einschätzen kann, wieviel das Glas einem Interessenten wirklich wert ist. Kauft man das Glas (vielleicht unbewußt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />) ein klein wenig auch wegen dem Zeiss Logo, dann kann man auch etwas mehr auf den Tisch legen. Geht es allein um den Gebrauchswert eines Fernglases, so sollte man sich überlegen, ob man für den zu zahlenden Preis mit einem neuen oder neuwertigen Porro-Glas nicht besser fährt.

Sollte tatsächlich T* und P* auf dem Fernglas stehen, dann wäre das Glas jüngeren Datums und bei sehr gutem Zustand auch mit 600 Euro nicht zu teuer. Da Du aber explizit von einem 10x40B mit Belederung schreibst, tippe ich eher auf 70-er oder 80-er Jahre und dann würde ich nicht mehr als 400 Euro zahlen.

Frank.
 
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Hallo,
ich denke auch, dass es ein "altes" ist! Seriennummer 93xxxx. Ich habe das Glas gerade hier und mal kurz angetestet! Sieht eigentlich ziemlich gut aus! Die Optik ist wie neu, war vor einem halben Jahr bei Zeiss zur Überholung. Dabei wurde es gereinigt und die Okularlinsen ausgetauscht! Es soll jetzt 250€ kosten.
Ich habe auch ein Dekarem. das ist mir aber oft zu gross und zu schwer und im Deltrintem sieht man zu wenig! Deshalb würde ich mir gerne ein 10x40/42 Dachkant kaufen. Sind die Notarems von Zeiss Jena besser?
Gruss
Sebastian
 
Hallo Sebastian,

die Seriennummer deutet auf ein älteres Modell. Mein verflossenes lag knapp oberhalb von 1,1 Mill. und stammt wohl noch aus den späten 70-er Jahren (vielleicht auch anfang der 80-er). Zum wahren Alter kann ich nichts mit Sicherheit sagen, da ich mich mit den Zeiss West Seriennummern nicht so gut auskenne. Wenn Dein Glas allerdings beim Service war und auch noch neue Okulare hat, dann sind 250 Euro absolut ok. Auf ebay gehen solche Gläser in optisch und mechanisch sehr gutem Zustand locker für höhere Preise über die Theke. Ich vermute, daß bei meinem alten Glas auch die Okulare schuld am etwas flauen Bildeindruck waren. Die Vergütung stammt halt aus vergangenen Tagen ...

Ob ein Zeiss Jena Notarem 10x40 besser ist, hängt vom Alter des Zeiss West Fernglases ab. Das Dialyt was ich hatte, war einem Notarem deutlich unterlegen. Obwohl Zeiss Jena auch keine Phasenvergütung auf den Dachkantprismen hatte, so war ein Notarem doch deutlich schärfer und das Bild war einfach knackiger. Nun würde ich aber vermuten, daß das renovierte Dialyt wenigstens gleichwertig oder vielleicht gar einen Tick besser ist. Die Randschärfe ist beim Dialyt schon mal ein gutes Stück besser und das Sehfeld ist ja auch nochmal etwas größer (105m/1000m bzw. 6 Grad beim Notarem).

Also wenn der Preis für Dich ok ist, dann würde ich zuschlagen. Für 250 Euro dürfte es schwer werden, ein neues oder neuwertiges Dachkantglas zu finden, was dem 10x40 Dialyt ernsthaft Konkurrenz macht. Wenn Du die Möglichkeit hast, dann probiere es in ruhe aus und wenn Du auf den Geschmack gekommen bist, dann kauf es einfach. Wenn ich solche Gläser im 2nd Hand Angebot eines Fotohändlers sehe, dann hängt immer ein nur für mich lesbares Schild dran: Kauf mich! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> Und bei 250 Euro könnte ich kaum wiederstehen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

Ach ja, wenn Du ein Dekarem hast, dann kannst Du doch beide schön vergleichen. Setze Dich in Ruhe auf den Balkon und suche Dir in nicht allzu großer Entfernung ein Haus, einen Baum oder ein paar Sträucher und vergleiche mal die beiden Gläser bezüglich Mittenschärfe und Detailerkennbarkeit. Bei mir war es so, daß das Dekarem diesbezüglich schon deutlich besser war. Porrogläser haben da aber generell Vorteile und ein vergleichbares Dachkantglas ist meist deutlich teurer. Auf der anderen Seite stimme ich Dir voll zu, so ein Dialyt ist kompakter, griffiger und leichter. Mir geht es schon so, daß ich ein 10x40 Dachkant besser und ruhiger halten kann wie das Dekarem. Bei längeren Himmelsbeobachtungen ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Frank.
 
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