Zeitliche Entwicklung eines M 1.8-Flares in der aktiven Region AR 4479

Bochumer1981

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

ich hatte heute Morgen das Glück, H-alpha-Spektroheliogramme während der Entwicklung eines M1.8-Flares in der aktiven Region AR4479 aufnehmen zu können. Da der Flare praktisch von der Anstiegsphase bis in die Abklingphase verfolgt werden konnte, ergibt sich eine schöne zeitliche Dokumentation seiner Entwicklung. Zum Einsatz kam der SHG-700 mit ASI 678MM am FS-78.

Die Beobachtungsbedingungen waren allerdings nicht optimal. Leichter Wind und mäßiges Seeing beeinträchtigten die Abbildungsqualität, was sich unter anderem an den gezackten Sonnenrändern erkennen lässt. Die Angaben zur Flare-Klassifikation und den Ereigniszeiten/-Intensitäten stammen von SolarWeather.

Die aktive Region AR4479

AR4479 war bereits in den vergangenen Tagen ausgesprochen aktiv und produzierte mehrere Flares der M-Klasse. Der bislang stärkste Ausbruch erreichte am 03.07.2026 die Klasse M6.8. Der hier gezeigte Flare wurde als M1.8 klassifiziert. Inzwischen befindet sich die aktive Region bereits am Westrand der Sonnenscheibe und wird in den nächsten Tagen hinter dem Sonnenrand verschwinden.

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Bereits Stunden vor dem eigentlichen Ereignis war die Region durch mehrere C-Klasse-Flares aktiv. Gegen 09:50 Uhr MESZ nahm die Aktivität deutlich zu. Im Spektrum werden eine zunehmende Emission sowie eine Verbreiterung der Halpha-Linie sichtbar – typische Anzeichen der durch magnetische Rekonnexion ausgelösten Energiefreisetzung.

Anstiegsphase (09:47 MESZ)​

Zu Beginn des Ereignisses zeigen sich zunächst lokale Emissionsüberschüsse in AR4489. Folgende Phänomene konnten identifiziert werden:

a) Moustache-Profil einer Ellerman-Bombe: Die Emission tritt überwiegend in den Linienflügeln auf.

EB Crop.jpg


b) Flare-Profil: Im Gegensatz dazu hellt sich beim eigentlichen Flare zusätzlich der Linienkern deutlich auf – ein Hinweis darauf, dass die Energie bis in die höheren Schichten der Chromosphäre eingetragen wird:

Flare.png


Das Intensitätsdiagramm zeigt eine deutliche Zunahme der Emission bis über das photosphärische Kontinuum hinaus an der Flare-Position (rote Datenpunkte). Gleichzeitig verbreitert sich das Halpha-Profil erheblich. Diese Verbreiterung weist auf hohe Temperaturen sowie starke Geschwindigkeitskomponenten des Plasmas entlang der Sichtlinie hin (Dopplerverbreiterung). Auffällig ist außerdem der Wing-Dimming-Effekt, bei dem die Linienflügel unter das Referenzprofil von BASS2000 (gelbe Datenpunkte) absinken. Er steht mit Veränderungen der Linienbildung und den dynamischen Plasmabedingungen während des Flares in Zusammenhang. Die grüne Messreihe markiert das Continuum-Licht der Photosphäre mit 100% Intensität, der Flare zeigt vereinzelt hellere Emissionen.

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Flare-Maximum (10:07 MESZ)​

Gegen 10:07 Uhr MESZ erreichte der Flare seine maximale Intensität (M1.8). Die Halpha-Aufhellung erstreckt sich nun über einen deutlich größeren Bereich der aktiven Region. Im Spektrum sind gleichzeitig mehrere (4) helle Flare-Kerne innerhalb von AR4479 erkennbar, was die komplexe magnetische Struktur dieser Region eindrucksvoll zeigt.

Flare 1 Peak.png
Flare 4 Peak.png

Flare 2 Peak.png

Flare 3 Peak.png
 
Das Intensitätsdiagramm bestätigt die erhöhte Emission sowie starke Linienverbreiterung während des gesamten Ereignisses. Zu diesem Zeitpunkt erreicht die Energiefreisetzung ihren Höhepunkt.


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Die starken Emissionen zeigen sich auch im Spektroheliogramm der H-alpha-Linie deutlich:
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Abklingphase (10:37 MESZ)​

Etwa eine halbe Stunde später befindet sich der Flare bereits in der Abklingphase. Die Emission geht langsam zurück, dennoch ist ein Flare-Kern weiterhin deutlich sichtbar. Das Halpha-Profil bleibt gegenüber dem Ruhezustand noch verbreitert, die Intensität nimmt jedoch kontinuierlich ab.

Flare Abklingphase.png


Im Intensitätsdiagramm ist diese Entwicklung uneindeutig nachvollziehbar: Während der Flare laut Solarweather zurückgeht, bleibt das Profil zunächst noch breiter als vor dem Ausbruch mit starker Emission. Das zeigt, dass das Plasma auch nach dem Maximum noch aufgeheizt ist und sich erst allmählich wieder beruhigt.

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Zeitgleich zeigte sich ein deutlicher Flare in AR 4480:

Flare in AR4480.png


Ergänzend dazu hier die Gesamtansicht in der Abklingphase im Spektroheliogramm:
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Insgesamt zeigt die Beobachtungsserie sehr schön den zeitlichen Verlauf eines M-Klasse-Flares – von den ersten Anzeichen einer verstärkten Aktivität über das Flare-Maximum bis in die Abklingphase. Besonders interessant finde ich, wie deutlich sich die Veränderungen sowohl direkt im Halpha-Spektroheliogramm als auch im Intensitätsprofil nachvollziehen lassen.

CS

Stephan
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Stephan,
ich konnte heute auch diese Veränderung im Flair bei blauen Himmel mit schlechten Seeing mit meinen Heliostar 76 beobachten.....
anbei mal eine Einzelaufnahme....
ich werde morgen noch ein paar Bilder einstellen...
OB3 040726 Xy.jpg

SG
Karl-Heinz
 
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